mini|hochkant=2|Concept-Map rund um Freie Software Freie Software (freiheitsgewährende Software, oder auch libre software) bezeichnet Software, die die Freiheit von Computernutzern in den Mittelpunkt stellt. Freie Software wird dadurch definiert, dass ein Nutzer mit dem Empfang der Software die Nutzungsrechte mitempfängt und diese ihm nicht vorenthalten oder beschränkt werden.
Insbesondere bedeutet es, die Freiheit der Kontrolle über die Software (und zwar uneingeschränkte Freiheit der Kontrolle und Unabhängigkeit durch Erhalt des genauen Quellcodes, um Analysen und Änderungen der Software zu erlauben), die soziale Freiheit der Kollaboration, um aktiv mit beliebigen anderen Nutzern und Entwicklern kooperieren zu können (die Software darf kopiert und weitergegeben werden, im Original oder mit Veränderung). Man darf hinsichtlich der Software wahlweise kommerzielle Tätigkeiten anbieten (Softwareanpassungen, Wartungsverträge, Support, Service- und Garantieleistungen usw.). Gewünschte Analyse und Änderungen (siehe Freiheit der Kontrolle) darf wegen gewährter Kollaboration von jedem – auch unabhängigen Dritten seiner eigenen Wahl – durchgeführt werden.
Durch diese Freiheitsrechte wird es dem Nutzer erlaubt, Eigenkontrolle und Privatsphäre über die Software und die eigene Datenverarbeitung zu haben oder Teil einer (öffentlichen oder eigenen) Gruppe von Nutzern (Gemeinschaft) zu werden, welche die Software kontrollieren (Kollaboration ist möglich) und für sich nutzen.
Dies steht im Gegensatz zu proprietärer Software, bei der die Entwickler und Distributoren der Software den Endnutzern die genannten Freiheitsrechte explizit entziehen – so die Definition der Free Software Foundation (FSF) –, beispielsweise durch absichtliche Nicht-Auslieferung von Quelltext oder Verbote und Einschränkungen per Vertragsregelungen oder Geheimhaltungsvertrag.
Überblick mini|Offizielles Logo der FSF
Die vier Freiheiten mini|Richard Stallman (2014), FSF-Gründer Die 1985 von Richard Stallman gegründete Free Software Foundation (FSF) definiert Software als Freie Software, wenn dem Empfänger per Lizenz folgende Freiheiten eingeräumt werden:
Freiheit 0: Die Freiheit, das Programm auszuführen, wie man möchte, für jeden Zweck. Freiheit 1: Die Freiheit, die Funktionsweise des Programms zu untersuchen und eigenen Bedürfnissen der Datenverarbeitung anzupassen. Freiheit 2: Die Freiheit, das Programm weiterzuverbreiten und damit seinen Mitmenschen zu helfen. Freiheit 3: Die Freiheit, das Programm zu verbessern und diese Verbesserungen der Öffentlichkeit freizugeben, damit die gesamte Gemeinschaft davon profitiert.
Für weitere Informationen dazu siehe den Abschnitt Definition.
Wurzeln Die Freie-Software-Bewegung ist aus der Hacker-Gemeinschaft hervorgegangen. Deren Freiheitsvision manifestiert sich in dem seit September 1983 existierenden GNU-Projekt, der Freie-Software- und der 15 Jahre später entstandenen Open-Source-Bewegung. Ein Merkmal eines Hackers ist nicht die Aktivität selbst, sondern die Art wie sie durchgeführt wird. Jemand der beispielsweise für ein Freie-Software-Projekt entwickelt, ist nicht automatisch ein Hacker, aber die Hackergemeinschaft ist eng verknüpft mit diesen Bewegungen. Innerhalb der frühen Hackergemeinschaft der 1960er- und 1970er-Jahre war es an akademischen US-Einrichtungen wie MIT, Stanford, Berkeley und Carnegie Mellon, selbstverständlich, Quellcodes offenzulegen und eigene Softwareverbesserungen mit anderen Programmierern zu teilen. Software wurde damals als Beigabe zu der (teuren) Hardware betrachtet. Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre fingen IT-Unternehmen an, Software zu kommerzialisieren und den Quelltext geheim zu halten. Richard Stallman ist ein prominenter Hacker, der wesentliche Beiträge zum Selbstverständnis der akademischen Hackerkultur geleistet hat, unter anderem indem er dieser Entwicklung etwas entgegenstellte.
Bis in die 1980er Jahre gab es Freie Software als Public-domain-Software. Daneben wurde Software frei als gedruckter Quelltext in Computermagazinen und Büchern verbreitet. Die Hackergemeinschaft und das intellektuelle Klima rund um den „AI“-Rechner des MIT inspirierten Richard Stallman maßgeblich zur Schaffung des GNU-Projekts. Das hatte zunächst die Erstellung eines freien Betriebssystems zum Ziel. 1985 folgte die Gründung der FSF, einer Stiftung zur Förderung derartiger Projekte, die im Februar 1986 die erste Definition der Freien Software veröffentlichte, wobei „frei“ die Freiheiten für die Gesellschaft meint, die ein derart lizenziertes Produkt bietet.
Für weitere Informationen dazu siehe die Abschnitte „Entwicklungen im Vorfeld“ und „Die Entstehung Freier Software“.
Abgrenzung Freeware mini|Free-Beer-Verkauf beim Isummit 2008 illustriert Free as in Freedom, not free as in free beer: Rezept und Label des Biers sind unter der CC-BY-SA, also frei wie in Freiheit, es ist aber nicht kostenlos wie Freibier, da es für 500 Yen verkauft wird.
Das englische Wort free hat zwei unterschiedliche Bedeutungen und steht in dem seit 1982 gebräuchlichen Begriff Freeware für „kostenfrei“ (genauer für „kostenlose Software“); in Freie Software (englisch Free Software) steht es für „Freiheit“ (genauer für „freiheitsgewährende Software“). Englischsprachige Aktivisten machen die Unterscheidung mit free as in free beer („frei wie Freibier“) und Free as in Freedom („frei wie in Freiheit“) deutlich.
Freeware räumt dem Benutzer nicht die von der Free Software Foundation aufgelisteten Freiheiten ein, sondern die der individuellen Lizenzvereinbarung mit dem Urheber. Daher gilt sie als „unfreie“ Software.
Freie Software enthält hingegen die genannten Freiheiten und kann, muss aber nicht kostenlos sein.
Open Source
Der Begriff Open Source (zu deutsch „quelloffen“) wurde 1998 von den Gründern der Open Source Initiative (OSI) eingeführt: Eric S. Raymond, Bruce Perens und Tim O’Reilly. Sie wollten den pragmatischeren Ansatz derartiger Software in den Mittelpunkt stellen, statt auf eine (aus ihrer Sicht) möglicherweise abschreckend wirkende, moralisch aufgeladene und polarisierende Freie-Software-Idee zu setzen. Quelloffene Software wird von ihnen als vorteilhaftes Entwicklungsmodell beschrieben, wobei die Frage, ob Software quelloffen sein sollte, dort eine rein praktische und keine ethische Frage ist.
Mit der Betonung der Überlegenheit des Entwicklungsprozesses gibt die OSI eher die Sichtweise der Entwickler wieder, während die FSF auf die Sicht der Anwender fokussiert. Die FSF begreift unfreie Software als gesellschaftliches Problem. In ihren Augen ist die Entscheidung für oder gegen Freie Software deshalb primär eine ethische und soziale Entscheidung; der praktische Nutzen ist sekundär. Da in der Darstellung der OSI die Freiheit, die Freie Software den Benutzern gibt, nicht erwähnt wird, wirft die FSF der OSI eine Ablenkung von den wesentlichen Punkten vor.
Diese zwei unterschiedlichen Bewegungen mit unterschiedlichen Sichtweisen verbindet die gemeinsame Wertschätzung für quelloffenen Code und das Ziel des Aufbaus eines freien Softwareökosystems, was in zahlreichen Projekten mündet, in denen sie zusammenarbeiten. Alternative Kompromissbezeichnungen wie „Free and open source software“ (FOSS) oder „Free/Libre Open Source Software“ (FLOSS), die von Anhängern beider Positionen akzeptiert werden, sollen die Gemeinsamkeiten betonen.
Für weitere Informationen dazu siehe den Abschnitt „Vergleich mit der Open-Source-Definition“.
Halbfreie Software
Wegen Bedenken bezüglich kommerzieller Ausnutzung oder amoralischem Gebrauch der eigenen Software gab und gibt es Bestrebungen, nicht alle Freiheiten aus der Definition freier Software in ihrer Lizenz uneingeschränkt zu gewähren. Werden die von der FSF aufgelisteten Freiheiten um die kommerzielle Weiterverbreitung vermindert (aber die sonstigen unverändert beibehalten), wurde dies von der FSF bis 2011 ablehnend als halbfreie Software (englisch semi-free software) bezeichnet.
Seit 2012 nimmt die FSF diese Unterscheidung nicht mehr vor und zählt Software mit derart angepassten Lizenzen zur „unfreien“ Software.
Unfreie Software (proprietär)
Sind eine oder mehrere Bedingungen der von der FSF aufgelisteten Freiheiten nicht erfüllt, wird die Software als proprietär oder „unfrei“ (im Sinne fehlender Freiheiten) bezeichnet.
Freie Hardware
Freie Hardware (, auch bezeichnet als open hardware oder open source hardware) steht der Freie-Software- und Open-Source-Bewegung nahe bzw. geht auf diese zurück. Dabei handelt es sich um Hardware, die nach freien Bauplänen hergestellt wird.
Definition Die auf Februar 1986 datierte früheste bekannte Veröffentlichung der Definition stammt von der (jetzt nicht mehr weitergeführten) GNU's Bulletin Publication der FSF. Die Quelle für dieses Dokument ist im Philosophieabschnitt der Webseite des GNU-Projekts zu finden. Die Definition bezog sich zunächst auf zwei Punkte:
Im Jahr 1996 wurde Freie Software auf der Webseite gnu.org definiert, indem man sich auf die „drei Ebenen von Freiheit“ bezog und explizit noch hinzufügte, dass man auch die Freiheit haben müsse, die Software studieren zu können. Das kann auch in der älteren Zweipunktedefinition als Teil der Freiheit, das Programm verändern zu können, herausgelesen werden, ist dort aber nicht so deutlich hervorgehoben. Später mied Stallman das Wort „Ebene“, weil man alle Freiheiten brauche und das Wort dafür etwas irreführend sei.
Schlussendlich wurde noch eine Freiheit hinzugefügt, die explizit sagt, dass Nutzer die Möglichkeit haben sollten, das Programm auszuführen, wie er möchte, für jeden Zweck. Die bestehenden Freiheiten wurden bereits von eins bis drei nummeriert, aber diese Freiheit sollte vor den anderen kommen; darum wurde sie ergänzt als „Freiheit 0“.
Die moderne Definition definiert Freie Software durch die bereits weiter oben aufgeführten vier Freiheiten. Zusammengefasst definiert sie Freie Software als Software, die Endnutzern die Freiheiten der Nutzung, des Überprüfens/Studierens, des Teilens und des Modifizierens der Software gewährleistet.
Seit April 2008 wird die Definition in 39 Sprachen auf der FSF Webseite veröffentlicht. Ebenfalls veröffentlicht die FSF auf ihrer Webseite eine Liste von Lizenzen, die den Anforderungen an diese Definition gerecht werden.
Weitere Definitionen Freier Software Im Juli 1997 publizierte Bruce Perens die Debian Free Software Guidelines.
Vergleich mit der Open-Source-Definition
Die Unterschiede zur Freien Software wurden bereits weiter oben im Abschnitt zur Abgrenzung zur Open-Source-Software verdeutlicht. Demgegenüber gibt es auch viele Gemeinsamkeiten; so wurden beispielsweise die „Debian Free Software Guidelines“ von der Open Source Initiative (OSI) unter dem Namen „Open Source Definition“ verwendet; die einzige Änderung ist die Ersetzung des Begriffs Freie Software durch Open-Source-Software. Die FSF kommentierte dazu folgendes:
Verschiedene Blickwinkel auf Freie Software Freiheit und Rechte
Die genannten Ziele von Freier Software, die Freiheit in der Kontrolle der eigenen Datenverarbeitung und die Kooperation, werden durch die Gewährung folgender Rechte erreicht: die Nutzer dürfen Freie Software ausführen, kopieren, verbreiten, untersuchen, ändern und verbessern; diese Freiheiten werden gewährt und nicht (wie bei proprietärer Software) entzogen. Entscheidend ist daher nicht die Vermeidung von Kosten, sondern die Freiheiten der Endnutzer. So wird das Kontrollrecht über die Software dadurch garantiert, dass ein Nutzer von Freier Software immer den dazugehörigen Quellcode zur Verfügung hat oder diesen zumindest nachträglich beziehen kann (was untersuchen und modifizieren ermöglicht),- und dadurch, dass ein Nutzer durch gewährte Kooperation dies wahlweise von Anderen durchführen lassen kann.