mini|Markus Breitschmid, 2023 Markus Breitschmid ist ein schweizerisch-amerikanischer Architekturtheoretiker, Architekt und Autor mehrerer Bücher über zeitgenössische Architektur und philosophische Ästhetik. Seine angesehensten Bücher sind Der bauende Geist. Friedrich Nietzsche und die Architektur (2001), Die Bedeutung der Idee (2008, Erstausgabe), und Nicht-Referentielle Architektur (2018, Erstausgabe). Seine Schriften wurden ins Chinesische, Englische, Französische, Deutsche, Hindi, Italienische, Japanische, Koreanische, Russische und Spanische übersetzt. Breitschmid wurde eingeladen, an der Architektur-Biennale von Venedig, der Architektur-Biennale von Chicago, dem Salone Internationale del Mobile di Milano in Mailand und der Architektur-Triennale in Lissabon mitzuwirken. Seine Arbeiten wurden in der Galerie d’Architecture in Paris und im Royal Institute of British Architects in London ausgestellt.
Biographie Breitschmid wurde am (* 20. April 1966 in Luzern), Schweiz, geboren. Er wanderte 1992 in die USA aus. Breitschmid besitzt die US-amerikanische und die schweizerische Staatsbürgerschaft.
Breitschmid hat sowohl eine militärische als auch eine zivile Ausbildung. Seine Ausbildung zum Panzerartillerieoffizier im Rang eines Oberleutnants bei der Schweizer Armee schloss er 1988 ab. Breitschmid erhielt seine Architekturausbildung in der Schweiz, den Vereinigten Staaten und Deutschland. Er ist ein registrierter Architekt in der Schweiz. Seinen Philosophiae Doctor (Ph.D.) in Ingenieurwissenschaften erhielt er an der Technischen Universität Berlin, wo er der erste Doktorand des bedeutenden Architekturtheoretikers Fritz Neumeyer war.Markus Breitschmid: Der bauende Geist. Friedrich Nietzsche und die Architektur. Quart Verlag, Luzern 2001, S. 219. Breitschmids Doktorarbeit wurde vom bekannten Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt in der deutschen Tageszeitung Frankfurter Allgemeinen Zeitung besprochen. Breitschmid betreibt Markus Breitschmid Architecture LLC in Virginia.
Breitschmid ist seit 2004 Professor für Architektur am Virginia Polytechnic Institute and State University (Virginia Tech). Von 2020 bis 2022 hatte er eine Gastprofessur an der Universidad de Piura (UDEP) in Piura und Lima, Peru, inne. Zuvor war er unter anderem „2003 Visiting Historian for the History of Architecture and Urbanism“ an der Cornell University und lehrte an der University of North Carolina und der Catholic University of America. 2016 wurde Breitschmid in die Diplomkommission der Accademia di Architettura di Mendrisio berufen. Er war Gastdozent und Kritiker an vielen Universitäten, Museen und Berufsverbänden in Amerika, Europa und Asien.
Breitschmid wurde 1994 als bester Magisterstudent mit der Henry Adams Goldmedaille des American Institute of Architects ausgezeichnet. Im Jahr 2000 war Breitschmid Junior Faculty Research Fellow am John Paul Getty Research Institute in Los Angeles, Kalifornien. Breitschmid erhielt 2007 ein Publikationsstipendium der Graham Foundation for the Advances Studies of the Fine Arts in Chicago. 2015 verlieh das Colegio de Arquitectos del Perú Breitschmid die Ehrenmedaille für seine Beiträge zum Thema Modernismo Suizo in Lima. Breitschmids Forschung und Veröffentlichungen wurden mehrfach von der staatlichen Schweizer Förderagentur Pro Helvetia unterstützt. Breitschmid wurde 2024 mit dem Jacob A. Lutz III Presidential Award for Eminent Scholars für langfristige, substanzielle Beiträge zur Forschung und Wissenschaft im Bereich Kunst und Design ausgezeichnet.
Schriften über Architektur Breitschmids Schriften befassen sich mit der ästhetischen Mentalität der Moderne und der zeitgenössischen Architektur.A+U. Architecture and Urbanism. No. 12, Tokyo: A+U Publishing Co., Ltd, 2012, S. 13. Breitschmid hat unter anderem Bücher über die Baugedanken des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche,Markus Breitschmid: Der bauende Geist. Friedrich Nietzsche und die Architektur. Quart Verlag, Luzern 2001. zeitgenössische Schweizer Architektur wie das Werk der Pritzker-Preisträger Herzog & de Meuron, Mario Botta, Christ & Gantenbein,Markus Breitschmid: Three Architects in Switzerland: Beat Consoni – Morger & Degelo – Valerio Olgiati. Quart Publishers, Luzern 2007.Markus Breitschmid [mit Victoria Easton]: Christ & Gantenbein: Around the Corner. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2012.Markus Breitschmid, Mario Botta: Architecture and the Ambient. Übersetzung von Alice Francesconi und Marianna Galbusera. Virginia Tech Architecture Publications, Blacksburg 2013.Markus Breitschmid: Archaisch und doch spezifisch. The Pérez Museum in Miami. Herzog & de Meuron in: Archithese, Zurich:, 4/2015, S. 54–61. sowie mehrere wichtige Essays über das Werk von Bruno Taut,Markus Breitschmid: The Architect as ‘the Molder of the Sensibilities of the General Public. Bruno Taut and the Architekturprogramm. in: The Art of Social Critique. Painting Mirrors of Social Life. Shawn Chandler Bingham (ed.) Lexington Books of Rowman & Littlefield, Lanham 2012, S. 155–179.Markus Breitschmid: Alpine Architecture by Bruno Taut. in: Disegno. The Quarterly Journal of Design, Spring, London 2017, S. 62–70.Markus Breitschmid: The Glass House at Cologne. in: Companion to the History of Architecture, (Harry F. Mallgrave, David Leatherbarrow, Alexander Eisenschmidt, eds.), Volume 4, Wiley-Blackwell, London 2017, S. 61–73. über Tektonik in der Architektur,Markus Breitschmid: Can architectural art-from be designed out of construction? Architecture Edition, Blacksburg 2004. und über InterpretationstheorienMarkus Breitschmid: Between Object and Culture. in: Wolkenkuckucksheim – Cloud-Cuckoo-Land – Vozdushnyi zamo. Eduard Fuehr (ed.), No. 2, Cottbus 2007, S. 162–171.Markus Breitschmid: Architecture & Philosophy: Thoughts on Building. in: Designing Design Education. Designtrain, Amsterdam 2008, S. 138–147. geschrieben. Zwischen 2006 und 2020 schrieb Breitschmid zahlreiche Bücher, Essays, Interviews und andere Texte über das Werk des Architekten Valerio Olgiati.Breitschmid, Markus: The Significance of the Idea – Die Bedeutung der Idee. Niggli Verlag, Sulgen 2008.Markus Breitschmid: Valerio Olgiati – Conversation with Students. Virginia Tech Architecture Publications, Blacksburg 2007.Markus Breitschmid: El Repertorio Conceptual de Valerio Olgiati – Valerio Olgiati’s Ideational Inventory. in: Valerio Olgiati 1996–2011. Afinados Discordancias – Hamonized Discodances. Enrique Marquez (ed.). El Croquis Editorial, Madrid 2011, S. 6–29.Markus Breitschmid: One Question for the Architect Who Does Not Believe in Anything. in: Architecture + Urbanism 12, Tokyo 2012, S. 44–47.Markus Breitschmid: Un’architettura che, in fondo, e ‘solo’ astratta in: Casabella. No.770. Francesco Dal Co (ed.), Mondadori, Milano 2008, S. 8–9; 107–108.
Friedrich Nietzsche und die Architektur Breitschmid betrat die Arena des internationalen Architekturdiskurses mit seiner Dissertation Der Baugedanke bei Friedrich Nietzsche an der Technischen Universität Berlin im Jahr 1999; diese wurde 2001 als Buch unter dem Titel Der bauende Geist. Friedrich Nietzsche und die Architektur veröffentlicht.Markus Breitschmid: Der bauende Geist. Friedrich Nietzsche und die Architektur. Quart Verlag, Luzern 2001. Dabei untersucht Breitschmid Friedrich Nietzsches Architekturverständnis. Anhand der Nietzsche-Gesamtausgabe zeichnet er die Entwicklung des „Baugedankens“ bei Nietzsche nach. Nietzsches Abkehr von der Musik Wagners stelle sich bei ihm als Hinwendung zur Baukunst heraus, so Wolfgang Pehnt in der FAZ. Christian Grothaus fragt kritisch nach den Auswahlkriterien der untersuchten Schriften und mahnt wie Pehnt den nicht ausgewerteten Briefwechsel Nietzsches an. Der Rezensent Matthias Mayer sieht den Wert der Arbeit vor allem in der „informativen Anreicherung der Analysen“ Breitschmids durch Zitate. Zusammen mit Bücher zum Baugedanken bei Nietzsche des Architekturtheoretikers Fritz Neumeyer und dem Kunsthistoriker Tilmann Buddensieg hat sich Der bauende Geist zu einem Grundlagentext der Nietzsche-Forschung im Bereich der Architektur etabliert.Hartmut Mayer: Mimesis und moderne Architektur. Eine architekturtheoretische Neubewertung. transcript Verlag, Bielefeld 2017, S. 18.Ole W. Fischer: Nietzsches Schatten: Henry van de Velde – von Philosophie zu Form. Gebrüder Mann Verlag, Berlin 2012, S. 12–14. Für die neue und erweiterte Ausgabe von 2013 wurde Der bauende Geist in die Bibliographie des Standardwerkes Die Geschichte der Architekturtheorie – Von der Antike zur Gegenwart von Hanno-Walter Kruft aufgenommen.Hanno-Walter Kruft: Die Geschichte der Architekturtheorie – Von der Antike zur Gegenwart. C.H. Beck, München (1985) 2013, S. 703.
Die Bedeutung der Idee In ihrem 2012 erschienenen Buch Forms of Practice argumentiert die rumänisch-britische Architekturhistorikerin Irina Davidovici, dass Breitschmids These, jener der Bedeutung der Idee – der Titel eines von Breitschmids Büchern – für die gesamte zeitgenössische Architektur der „postaufklärerischen Kultur“ relevant sei.Irina Davidovici: Forms of Practice. German-Swiss Architecture 1980–2000. gta Verlag, Zürich, S. 10–21.
Nicht-Referentielle Architektur Seit 2013 propagiert Breitschmid die nicht-referentielle Architektur als Antwort auf eine zeitgenössische gesellschaftliche Strömung, die Ideologien jeglicher Art, politischer und anderer Art, zunehmend ablehnt. Die erste Verwendung des Begriffs „nicht-referentiell“ erscheint in einem Nachdruck eines von Breitschmid in der italienischen Zeitschrift Domus verfassten Interviews.Sulla non referezialita. in: Domus No. 974, 13/2013, Milano, S. 45–46. 2014 veröffentlichte Breitschmid in der Schweizer Zeitschrift Werk, Bauen + Wohnen eine Gegendarstellung mit dem Titel „Architektur leitet sich von Architektur ab“ und reagierte damit auf eine architektonische Behauptung anderer, die versucht, der Architektur Bedeutung aus dem Außerarchitektonischen zu verleihen.Markus Breitschmid: Architektur leitet sich von Architektur ab. in: Werk, Bauen + Wohnen, Zürich: 9/2014, S. 45–47.
Breitschmid schrieb das Buch Nicht-Referentielle Architektur, eine Abhandlung über zeitgenössische Architektur, während eines Sabbaticals in Ithaca, New York, und in Blacksburg, Virginia, in den Jahren 2016 und 2017. Das Manuskript ist in den USA urheberrechtlich geschützt; das Buch wurde 2018 in der englischen Originalversion und einer deutschen Übersetzung von Simonett & Baer in Basel veröffentlicht. Seit seinem Ersterscheinen wurde das Buch in Neuauflagen und mehreren anderen Sprachen veröffentlicht.Nicht-Referenzielle Architektur. Basel: Simonett & Baer, 2018 Es analysiert die gesellschaftlichen Strömungen des frühen 21. Jahrhunderts und argumentiert, dass sich diese Strömungen radikal von der Epoche der Postmoderne unterscheiden. Entgegen dem Missverständnis, dass das Buch die Abschaffung von Referenzen in der Architektur fordert, argumentiert Breitschmid, dass Nicht-Referenzialität nicht bedeutet, dass Architekten keine Referenzen mehr verwenden würden, sondern dass architektonische Referenzen ihre semantische Bedeutung verloren haben. Das Buch schlägt einen neuen Rahmen für die Architektur vor und definiert die sieben zugrunde liegenden Prinzipien – 1) Raumerfahrung, 2) Einheit, 3) Neuheit, 4) Konstruktion, 5) Widerspruch, 6) Ordnung, 7) Sinngebung – für eine nicht-referenzielle Architektur.Markus Breitschmid. Non-Referential Architecture. Basel: Simonett & Baer, 2018 Amazon listete das Buch 2018 als sein meistverkauftes Architekturtheoriebuch.Amazon. Bestseller in der Architekturkritik, 19. März 2020
Nicht-Referenzialität in der Architektur