Die Robert-Franz-Singakademie Halle (gegründet 1814 als Singakademie Halle, seit 2015 eingetragener Verein) ist ein gemischter Chor in Halle (Saale). Sie gehört zu den ältesten Singakademien Deutschlands. Seit 1907 trägt sie den Namen des Komponisten Robert Franz. 1953 wurde das Ensemble dem damaligen Staatlichen Sinfonieorchester Halle (heute Staatskapelle Halle) angegliedert. Künstlerischer Leiter ist Andreas Reuter, der das Ensemble seit Herbst 2019 Chorleiter betreut.

Geschichte

Gründung und Amtszeit Naues (1814–1833) Im Hallischen patriotischen Wochenblatt erschien 1808 ein Aufruf zur Bildung von Singchören.Niemeyer: Ueber Singchöre, Currenden und Singakademieen, mit Rücksicht auf das Singchor unsrer Stadt. In: Hallisches patriotisches Wochenblatt vom 5. November 1808, S. 703–709. Anlässlich der akademischen Feier zum Geburtstag von König Friedrich Wilhelm III. am 3. August 1814 trat der Chor unter der Leitung von Johann Gebhard Ehrenreich Maaß und Johann Friedrich Naue im Dom zu Halle erstmals öffentlich auf.Die Feyer des dritten Augusts. In: Hallisches patriotisches Wochenblatt vom 13. August 1814, S. 567–575, hier S. 572. Naue, ein Schüler Carl Friedrich Zelters, wurde 1817 Universitätsmusikdirektor in Halle und leitete die Singakademie bis 1833. Ein dokumentierter Höhepunkt seiner Amtszeit war das Erste Musikfest des Thüringisch-Sächsischen Musikvereins 1829 mit der Aufführung von Georg Friedrich Händels Oratorium Samson mit 371 Mitwirkenden. Nach Naues Rücktritt geriet die Institution in eine Krise, bis Simon Georg Schmidt die Akademie als Teil des Halleschen Musikvereins weiterführte.

Leitung durch Robert Franz (1841–1867) mini|Robert Franz Nach der Leitungszeit von Simon Georg Schmidt (1833–1841) und einer kurzen Phase unter Max Erlanger übernahm Robert Franz 1842 die musikalische Leitung. Unter seiner Führung wuchs die Akademie bis 1865 auf 400 Mitglieder, davon 100 aktive Sänger. Neben Werken von Wolfgang Amadeus Mozart (Requiem) und Luigi Cherubini erarbeitete das Ensemble Oratorien von Georg Friedrich Händel (Messiah, Israel in Egypt, Judas Maccabaeus) sowie Kantaten von Johann Sebastian Bach und zeitgenössische Werke wie Robert Schumanns Das Paradies und die Peri. Probenort war der Saal des Gasthofs Zum Kronprinzen.

Robert Franz richtete Werke von Bach und Händel für die Aufführungspraxis des 19. Jahrhunderts ein, ergänzte Bläserstimmen und ersetzte historische Instrumente. Seine Bearbeitungen erschienen im Druck. Sie stießen bei Musikhistorikern wie Philipp Spitta und Friedrich Chrysander auf Kritik. Franz verteidigte seine Position 1871 in der Schrift Offener Brief an Eduard Hanslick über Bearbeitungen älterer Tonwerke namentlich Bach'scher und Händel'scher Vocalmusik. Die Pflege dieser historischen Fassungen, etwa der Bearbeitungen von Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion oder Händels Oratorien, gehört bis in die Gegenwart zum Repertoire des Chores.

Spaltung und Entwicklung bis Mitte des 20. Jahrhunderts Nach dem Rücktritt von Robert Franz 1867 und stilistischen Differenzen unter seinem Nachfolger Felix Voretzsch kam es 1880 zur Spaltung der Singakademie. Voretzsch gründete mit ausgetretenen Mitgliedern 1881 die Neue Singakademie (ab 1908 Hallische Singakademie), die bis in die 1920er Jahre parallel existierte.

Die ursprüngliche Singakademie stand von 1881 bis 1911 unter der Leitung des Universitätsmusikdirektors Otto Reubke. Er bezog verstärkt professionelle Solisten ein. Das Ensemble nahm 1907 den Namen Robert-Franz-Singakademie an. Auf Reubke folgte Alfred Rahlwes, der den Chor von 1911 bis 1946 leitete.

Anbindung an das Orchester und Gegenwart Seit 1953 ist der Chor an das Staatliche Sinfonieorchester Halle (heute Staatskapelle Halle) angebunden. Im Rahmen dieser Kooperation gestaltet die Singakademie regelmäßig chorsinfonische Werke und Sinfoniekonzerte der Staatskapelle Halle mit. Das Repertoire umfasst zentrale Oratorien und Passionsmusiken von Johann Sebastian Bach (Johannes-Passion), Joseph Haydn (Die Schöpfung), Johannes Brahms (Ein deutsches Requiem) und Felix Mendelssohn Bartholdy sowie chorsinfonische Werke des 20. Jahrhunderts von Arthur Honegger (Jeanne d’Arc au bûcher) und Erich Zeisl (Requiem Ebraico).

Gastspiele führten das Ensemble unter anderem nach Veszprém (1970), Paris (1975), Sankt Petersburg (1992), Rom (2005), 2022 mit Verdis Messa da Requiem unter Hartmut Haenchen zum Festival Anima Mundi im Dom von Pisa sowie 2024 in die St. Marienkirche Berlin auf Einladung der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund. Während der COVID-19-Pandemie wurde der Probenbetrieb über digitale Formate und Stimmgruppenproben aufrechterhalten. Der Chor ist seit 1990 Mitglied im Verband Deutscher Konzertchöre (VdKC).

Händel-Pflege und Händel-Festspiele Die Singakademie Halle trug seit Beginn des 19. Jahrhunderts zur Pflege der Werke Georg Friedrich Händels in dessen Geburtsstadt bei. Dazu gehörten Aufführungen der Oratorien Saul und Solomon (1820) sowie Israel in Egypt und Dettinger Te Deum (1838). Bei der Enthüllung des Händel-Denkmals auf dem Hallischen Marktplatz im Jahr 1859 wirkte der Chor mit einer Aufführung des Samson mit. Seit Gründung der Händel-Festspiele Halle im Jahr 1952 ist das Ensemble regelmäßig an den Festspielen beteiligt.

Musikalische Leiter 1814–1833: Johann Friedrich Naue 1833–1841: Simon Georg Schmidt 1841: Max Erlanger 1841–1867: Robert Franz 1867–1881: Felix Voretzsch 1881–1911: Otto Reubke 1911–1946: Alfred Rahlwes 1946–1948: Johannes Piersig 1948–1953: Hans Stieber 1953–1956: Werner Gößling 1956–1964: Horst Förster 1964–1973: Hartmut Haenchen 1973–1987: Wolfgang Unger 1987–1991: Christian Schicha 1991–1992: Böhme 1992–1995: Uta Lesch 1995–2011: Gothart Stier 2011–2014: Frank-Steffen Elster 2014–2021: Nikolaus Müller seit 2019: Andreas Reuter (zunächst als Vertretung, 2021 gewählt)

Auszeichnungen 1993: Silbernes Diplom beim IV. Internationalen Chorwettbewerb in Budapest 1999: Zelter-Plakette (gestiftet von Bundespräsident Theodor Heuss)

Literatur Hermann Abert: Geschichte der Robert Franz-Singakademie zu Halle a.S. 1833–1908. Nebst einem Überblick über die Geschichte des ältesten hallischen Konzertwesens. Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1908. Konstanze Musketa: Musikgeschichte der Stadt Halle: Führer durch die Ausstellung des Händelhauses. 1. Auflage. Händel-Haus, Halle an der Saale 1998, ISBN 3-910019-13-7, S. 53 f.

Weblinks Website der Singakademie Halle

Einzelnachweise

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