mini|hochkant=1.3|Blick auf Nessebar

Nessebar (auch Nesebar, Aussprache [], eingedeutscht auch []; ) ist eine Stadt in Bulgarien in der Nähe von Burgas an der südlichen bulgarischen Schwarzmeerküste. Die Stadt liegt an der Nordseite der Bucht von Burgas auf einer kleinen felsigen Halbinsel in der Provinz Burgas und ist das Zentrum der gleichnamigen Gemeinde Nessebar.

Nessebar ging aus einer thrakischen Siedlung hervor und wurde im späten 6./frühen 5. Jahrhundert v. Chr. von Griechen besiedelt. Die Altstadt von Nessebar ist Freilichtmuseum und komplexes Denkmal der Städtebaukunst. Mit ihren bedeutenden Bauwerken und ihrer einmaligen Lage ist die Stadt in das UNESCO Welt-Kultur- und Naturerbe aufgenommen worden und eines der 100 nationalen touristischen Objekte in Bulgarien.

Mit ihrer Geschichte, den nahe liegenden Stränden und der Lage ist Nessebar eine überregional bekannte Stadt für Erholungs-, Bade- und Kulturtourismus und zieht Besucher aus der ganzen Welt an. Gemeinsam mit Sonnenstrand, Rawda und Sweti Wlas bildet Nessebar die größte touristische Agglomeration Bulgariens.

Geographie Lage mini|Blick vom Emine-Gebirge auf Sonnenstrand, Nessebar und die Bucht Die Stadt liegt im östlichen Teil der oberthrakischen Tiefebene direkt am Schwarzen Meer an der Bucht von Burgas auf einer kleinen felsigen Halbinsel von etwa 25 Hektar Größe, die mit dem Festland durch eine 350 m lange schmale Landenge verbunden ist, sowie auf dem Festland auf der anderen Seite der Landenge. Nördlich der Stadt befindet sich mit dem Emine-Bergmassiv der östliche Ausläufer des Balkangebirges. Dieses läuft mit deutlichem Gebirgscharakter am felsigen Kap Emine im Schwarzen Meer aus. Das Kap fällt fast senkrecht 60 m tief schroff ins Meer ab. Westlich der Stadt und der fruchtbaren Küstenebene befindet sich das zu den südlichen Ausläufern des Balkangebirges zählende Ajtos-Bergmassiv. Beide Bergmassive werden durch den nordwestlich von Nessebar gelegenen, 440 m hohen Djulinskipass begrenzt.

Nessebar befindet sich rund 30 km nördlich vom internationalen Flughafen Burgas und der Provinzhauptstadt Burgas. Die Stadt ist mit ihren Nachbarorten Sonnenstrand und Rawda zusammengewachsen.

Gliederung Die Stadt Nessebar ist in die Bezirke Alt- und Neustadt sowie Tscherno More (bulgarisch , deutsch „Schwarzes Meer“) gegliedert.

Geschichte Name Die Stadt erhielt ihren ersten Namen von der thrakischen Bevölkerung. Dieser ist jedoch in mehreren Varianten belegt, darunter Mesambrie, Menebria, Mesembria (, auch , latinisiert Mesembria). Er setzt sich aus dem thrakischen -bria (für „Stadt“) und einem Bestandteil zusammen, welchen Strabon als MenasStrabon 7, 319: „ (Menebria), Stadt des Menas, weil der Name seines Gründers Menas war“. und Stephanos Byzantios als MelsosStephanos Byzantios s. v. : nach Melsos benannt. Stephanos nennt als Quelle die verlorene Weltgeschichte des Nikolaos von Damaskus, siehe Felix Jacoby: Die Fragmente der griechischen Historiker. Band II A, Berlin 1926. Nr. 90 F 43. als Eigennamen erklärten.Siehe . Diesen folgend wird der Name von mehreren modernen Autoren als Stadt des Menas bzw. Stadt des Melsas gedeutet, Melsas wird als thrakischer Gründungsheros der Stadt verstanden.

Der bulgarische Name der Stadt Nesebr ist seit dem Mittelalter überliefert, als die Herrschaft über die Stadt im bulgarisch-byzantinischen Grenzgebiet mehrmals wechselte. In osmanischer Zeit trug die Stadt den leicht veränderten Namen Misivri.

Erst 1934 erhielt die Stadt auch offiziell den Namen Nessebar. Bis dahin hieß sie , abgeleitet von der neugriechischen Aussprache des seit altgriechischer Zeit genutzten Namens.Павел Делирадев (Pavel Deliradev), Принос към историческата география на Тракия (Beitrag zu historischen Geografie Thrakiens), 1953; , „und deshalb wurde der alte Name Mesemvria durch seine bulgarische Modifikation Nessebar ersetzt“.

Stadtgeschichte Antike mini|Mesembria auf der Tabula Peutingeriana (roter Pfeil)

Die erste Besiedlung der heutigen Stadt Nessebar ist auf die Thraker zurückzuführen. Die Stadt Mesembria wurde im Zuge der griechischen Kolonisation im späten 6. oder frühen 5. Jahrhundert v. Chr. von Griechen aus Byzantion und KalchedonHerodot 6, 33. oder von Griechen aus Kalchedon und MegaraPseudo-Skymnos 737-742. oder nur von Griechen aus MegaraStrabon 7, 6, 1. gegründet. Die Polis stieg schnell zu einer Handelsmacht auf. In dieser Zeit trieb die Stadt mit der ganzen Schwarzmeerregion und dem östlichen Mittelmeerraum Handel. Im 6. Jahrhundert v. Chr. fing man an, für sich und andere Stadtstaaten Bronze- und Silbermünzen zu prägen.

Im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. war die Stadt ein blühendes Gemeinwesen mit eigener Flotte, einer Festung sowie Theatern und Tempeln der Götter Apollo, Zeus und Hera, Asklepios und Dionysos. Ein Streit mit der benachbarten griechischen Polis Apollonia (dem heutigen Sosopol) über die Kontrolle der Salzminen bei Anchialos und Burgus führte im 2. Jahrhundert v. Chr. zu einem Krieg, der von Apollonia gewonnen wurde. Die Entwicklung Mesambrias hatte in hellenistischer Zeit endgültig Apollonia überholt und die Polis kann als bedeutendste westpontische Stadt südlich des Balkangebirges angesehen werden.

Im Jahre 72 v. Chr. eroberte der römische Feldherr Licinius Lucullus die Stadt, was das Ende der glanzvollen Zeit bedeutete. Danach verlor Mesembria seine Bedeutung. Die Römer bauten das nah gelegene Anchialos und Debeltus zu den wichtigsten Häfen und Stützpunkten der Provinz Haemimontus aus. Es ist nicht bekannt, ob die Stadt wie die gesamte Region um 270 von den Goten zerstört oder erobert worden war.

Mit der Teilung des Imperium Romanum wurde die Region byzantinisch. Erst unter byzantinischer Herrschaft vom 4. bis 7. Jahrhundert n. Chr. gelangte die Stadt erneut zu Ansehen. Als Konstantinopel zur Hauptstadt des Oströmischen Reiches wurde, wurde die bis dahin gesamte entlegene Grenzregion zum Vorhof des neuen Staatszentrums. In Nessebar wurden Basiliken gebaut und der Handel wiederbelebt. Die Festungsanlagen wurden ausgebaut und der Ort zum wichtigen Flottenstützpunkt umgewandelt. 717 trafen hier die Gesandten des byzantinischen Kaisers Leo III. auf den bulgarischen Fürst Terwel, der schließlich mit seinen Truppen dem Zweiten arabischen Angriff auf Konstantinopel ein Ende bereitete. Aus der byzantinischen Zeit (5.–6. Jahrhundert) stammen die ältesten Kirchen Nessebars.

Mittelalter Nach der Errichtung des Ersten Bulgarischen Reichs im Jahre 679 wurde die Stadt von den byzantinischen Kaisern als Ausgangspunkt der zahlreichen militärischen Operationen gegen die Bulgaren genutzt. Erst 812 gelang es Khan Krum, die Stadt dem Bulgarischen Reich einzugliedern. Bei der Einnahme der starken Festung konnten die Bulgaren 36 Vorrichtungen für das bis zu diesem Moment geheim gehaltene Griechische Feuer erbeuten. Nach der Einnahme Mesambrias richtete sich der Blick Krums auf Konstantinopel. In dieser Zeit siedelten sich auch die ersten Slawen und Bulgaren in der Stadt an. Von den ersteren stammt auch der heutige Name der Stadt, Nessebar. Im 7. und 8. Jahrhundert und während des »Goldenen Zeitalters« der bulgarischen Kultur unter Zar Simeon I. wurden die alten Handelsverbindungen mit dem Mittelmeer, der Adria sowie mit den im Norden und im Osten des Schwarzen Meeres gelegenen Reichen neu aufgenommen.

Im Jahre 927 wurde in Mesembria im Beisein der bulgarischen und byzantinischen Aristokratie ein 50-jähriger Friedensvertrag geschlossen. Bulgarien bekam nach diesem Vertrag Gebiete zurück, die von Byzanz erobert worden waren, und Byzanz musste den Zarentitel für die bulgarischen Herrscher anerkennen, womit sie die bulgarischen Herrscher auf die gleiche Stufe wie die eigenen stellten. Zusätzlich wurde die Unabhängigkeit der bulgarischen Kirche seitens Konstantinopel anerkannt.

Ihre besten Jahre während des bulgarischen Mittelalters erlebte die Stadt während des Zweiten Bulgarenreichs im 13. und 14. Jahrhundert. Heute sind von den ursprünglich über 40 Kirchen, die von Architekten der Schule von Tarnowo gebaut wurden, nur noch zehn erhalten. Sie waren Stiftungen privater Frömmigkeit, keine Gemeindekirchen im üblichen Sinne. Aus dieser Zeit stammt auch der heutige Name der Stadt. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt Teil des Despotats Dobrudscha. Erst als im Oktober 1366 der Graf von Savoyen, Amadeus VI., im Rahmen eines Feldzuges gegen die Türken die Stadt eroberte und sie anschließend an Byzanz verkaufte, gelangte sie wieder in byzantinischen Besitz.

Osmanische Herrschaft 1396 wurde die Stadt zum ersten Mal von den Osmanen erobert. Endgültig fiel sie 1453 gemeinsam mit den anderen nahe gelegenen Küstenstädten als eine der letzten Städte im heutigen Bulgarien unter die Herrschaft der Türken. Nach dem Fall Konstantinopels im selben Jahr ließen sich mehrere bedeutende byzantinische Familien hier nieder, wie etwa die Palaiologen und die Kantakuzenos. In den nachfolgenden fünf Jahrhunderten nahm die Bedeutung der Stadt stark ab.

Evliya Çelebi beschreibt im 17. Jahrhundert in seinem Reisebuch (Seyahatnâme) Nessebar unter dem Namen Misivri.Hans Joachim Kißling: Beiträge zur Kenntnis Thrakiens im 17. Jahrhundert. Steiner, Wiesbaden 1956, S. 46–47. Nessebar war unter diesem Namen auch Oberamt und Gerichtsbezirk (Kaza) im osmanischen Sandschak Sliwen.Andreas Birken: Die Provinzen des Osmanischen Reiches. Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients, Reihe B Nr. 13, Wiesbaden 1976, S. 99.

Im Russisch-Osmanischen Krieg (1828–1829) wurde die Stadt 1829 von russischen Truppen eingenommen. Die türkischen Bewohner wanderten daraufhin aus. Die meisten Einwohner der Stadt waren Griechen und Bulgaren und unterstützten die Russen. Als nach dem Frieden von Adrianopel bekannt wurde, dass die Stadt weiter im osmanisch-türkischen Reich verbleiben sollte, flohen viele Bewohner vor den anrückenden Türken.

Nach der türkischen Herrschaft In Nessebar endete im Januar 1878 die türkische Herrschaft. Nach dem Frieden von San Stefano und seiner Revision durch den Berliner Kongress wurde die Stadt Teil der autonomen Provinz Ostrumelien bis zu deren Vereinigung mit dem Fürstentum Bulgarien im Jahr 1885. In der darauffolgenden Zeit wurde sie dem Distrikt Burgas administrativ eingegliedert.

Im Jahre 1900 hatte die Stadt nur 1.900 Einwohner, fast 95 Prozent davon Griechen. Nach dem Ilinden-Preobraschenie-Aufstand von 1903 nahm die Stadt eine große Anzahl an bulgarischen Flüchtlingen auf, die aus Makedonien und Thrakien im heutigen Norden Griechenlands und der Türkei (Thrakische Bulgaren) vertrieben worden waren. Mit der Zeit zogen immer mehr Griechen weg, so dass die bulgarische Bevölkerung schließlich die Oberhand gewann. Im Sommer 1925 wanderten 340 griechische Familien mit dem Schiff Gabriella aus. Sie gründeten an der nördlichen Ägäis-Küste nahe dem Fluss Struma im heutigen Griechenland Orte wie Nea Mesimvria (Neu-Mesembria) in der Gemeinde Kalamaria oder Mesembria.Macedonian Press Agency: News in Greek, 96-11-13

Seit den 1930er Jahren ist Nessebars Haupteinnahmequelle – neben Fischerei und Weinbau – der Tourismus.

Einwohnerentwicklung Die wechselnden Einwohnerzahlen resultieren teilweise auch aus dem jeweiligen Gebietsstand.

Jahr Einwohner 1934 ¹ 2.065 1946 ¹ 2.286 1956 ¹ 2.333 1965 ¹ 3.976 1975 ¹ 6.780

Jahr Einwohner 1985 ¹ 8.224 1992 ¹ 8.604 2000 ³ 6.187 2001 ¹ 8.677 2004 ³ 9.360

Jahr Einwohner 2007 ³ 10.921 2009 ³ 11.626 2011 ¹ 10.143

Die Zahlen stammen von: Volkszählungen (¹), Schätzungen (²) oder amtlichen Fortschreibungen der Statistischen Ämter (³).Einwohnerzahlen von Nessebar nach Jahr, Nationales Statistikamt, Zugriff am 22. Mai 2012.

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Nessebar besteht aus dem Oberbürgermeister und der von der Gemeindeordnung vorgeschriebenen Anzahl von 21 Stadtratsmitgliedern. Alle vier Jahre wird der Stadtrat neu gewählt.

Bürgermeister seit 2007