Die Deutsche Zeitung in Norwegen war eine Tageszeitung mit Redaktionssitz in Oslo, die während des Zweiten Weltkriegs vom 20. Mai 1940 an, noch vor der Kapitulation der letzten norwegischen Soldaten, erschien. Sie war die erste Besatzungszeitung außerhalb eines annektierten Gebiets, dem Protektorat Böhmen und Mähren oder dem Generalgouvernement und der erste derartige Vertreter innerhalb eines Verbundes von deutschen Besatzungszeitungen, der sich durch die weiteren deutschen Eroberungen über Europa ausbreitete, bis er infolge der deutschen Niederlagen schrittweise wieder zerfiel.
Als Sprachrohr der Besatzungsmacht wandte sich die Zeitung zunächst einmal an Soldaten, versuchte jedoch auch mit auf Norwegisch verfassten Artikeln die Bevölkerung anzusprechen. Sie konnte ihr Erscheinen bis zum Inkrafttreten der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 aufrechterhalten, da das Land bis dahin besetzt blieb.
Gründungsphase
Die Initiative zur Gründung der Zeitung ging von Reichskommissar Josef Terboven aus. Dieser wünschte sich ein seriöses Medium nach Vorbild der Deutschen Allgemeinen Zeitung und bat Max Amann, Reichsleiter für die Presse und Direktor des Franz-Eher-Verlags, für die Gründung finanzielle Mittel, Redakteure und kaufmännisch-technisches Personal zur Verfügung zu stellen.Oron J. Hale: Presse in der Zwangsjacke 1933–45, Droste, Düsseldorf 1965, dt. Übersetzung von The captive press in the Third Reich, University Press, Princeton 1964, S. 280 und Guri Hjeltnes, Gunnar Köhne, Eckart Klaus Roloff: Druck im Norden. NS-Politik in Norwegen 1940–1945. In: medium, 1988 (Jg. 18), Nr. 2, S. 62. Die benötigten Verlags- und Redaktionsräume wurden bei der Aftenposten gemietet.Rudolf Sparing: So wurde die „Deutsche Zeitung in Norwegen“. In: Zeitungs-Verlag, 1940 (Jg. 41), Nr. 25, S. 209. Beteiligt an den Vorbereitungen war auch hier Rudolf Sparing, Mitgründer der Besatzungspresse in Polen sowie des als Vorzeigeblatt konzipierten Das Reich, er sollte später kurzzeitig erster Chefredakteur der neuen Schwesterblätter Brüsseler und Pariser Zeitung sowie zuletzt zweiter und letzter Chefredakteur des Reich werden.Zu seiner Mitwirkung bei der Gründung der Zeitung vgl. seinen Bericht So wurde die „Deutsche Zeitung in Norwegen“. In: Zeitungs-Verlag, 1940 (Jg. 41), Nr. 25, S. 209–212. Seine vorigen und späteren Stationen nach Rolf Falter: De Brüsseler Zeitung (1940–1944). In: Historica Lovaniensia 137, Katholieke Universiteit Leuven (Fakultät für Geschichte), Löwen 1982, S. 49 und Andreas Laska: Presse et propaganda en France occupée: des Moniteurs officiels (1870–1871) à la Gazette des Ardennes (1914–1918) et à la Pariser Zeitung (1940–1944). Utz, München 2003, ISBN 3-8316-0293-X, S. 258. Die Deutsche Zeitung wurde in den Europa-Verlag eingegliedert, ein von Amanns Untergebenen Rolf Rienhardt geleitetes Tochterunternehmen des Eher-Verlags.Oron J. Hale: Presse in der Zwangsjacke 1933–45, Droste, Düsseldorf 1965, dt. Übersetzung von The captive press in the Third Reich, University Press, Princeton 1964, S. 280. Der Europa-Verlag entstand als Umfirmierung der leeren Mantelgesellschaft Rheinische Verlagsanstalt (Thomas Tavernaro: Der Verlag Hitlers und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH. Edition Praesens, Wien 2004, ISBN 3-7069-0220-6, S. 75).
Als Chefredakteur wurde Kurt Teege eingesetzt, der fließend Norwegisch sprach und zu jener Zeit 27 Jahre alt war. Er hatte bereits eine Reihe von Stationen hinter sich, im Anschluss an seine Zeit bei nationalsozialistischen Zeitungen in Bremen und Breslau hatte er über den Abessinienkrieg berichtet und war als Korrespondent in Prag und Warschau tätig gewesen. Nachdem er im Mai 1939 aus Polen ausgewiesen worden war, befand er sich seit November 1939 in Oslo.Guri Hjeltnes, Gunnar Köhne, Eckart Klaus Roloff: Druck im Norden. NS-Politik in Norwegen 1940–1945. In: medium, 1988 (Jg. 18), Nr. 2, S. 61.Oddvar Munksgaard: Gestapo-kameraten. Gyldendal, Oslo 1973, ISBN 82-05-06014-2, S. 25.Duitsch journalist moet Polen verlaten. In: Het Vaderland, 26. Mai 1939, S. 5.Fliegertod des PK.-Mannes. In: Kösliner Zeitung, 10./11. Oktober 1942, S. 5. Teege blieb bis Ende 1941, etwas kürzer wie der erste Verlagsleiter Willi Kurtz, der auch über eine langjährige Erfahrung als Techniker und Redakteur verfügte und zuletzt in gleicher Position beim Coburger Tageblatt tätig war.Universitetsbiblioteket i Oslo (Hrsg.): Norske aviser 1763-1969. En bibliografi. 1: Alfabetisk fortegnelse. Universitetsbiblioteket i Oslo, Oslo 1973, ISBN 82-7000-028-0, S. 110 und Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Arani, Berlin 1958, S. 724.
Kurtz erhielt von Terboven die Anweisung, die ersten acht Tage die Zeitung gratis „an alle Leute in Oslo“ zu vertreiben, auch Amann und Rienhardt kamen für eine Besprechung zu ihm nach Norwegen.Guri Hjeltnes, Gunnar Köhne, Eckart Klaus Roloff: Druck im Norden. NS-Politik in Norwegen 1940–1945. In: medium, 1988 (Jg. 18), Nr. 2, S. 61–62. Wie aus seinen Tagebucheinträgen hervorgeht, ist der Start der Zeitung jedoch nicht reibungslos verlaufen, so notierte er zur ersten Ausgabe „Furchtbar viele Fehler in der DZ grausam sieht erste Seite Nr. 1 aus. (…) Fehlt an Korrigierern. Maschinensatz schlecht“.Zitiert nach Guri Hjeltnes, Gunnar Köhne, Eckart Klaus Roloff: Druck im Norden. NS-Politik in Norwegen 1940–1945. In: medium, 1988 (Jg. 18), Nr. 2, S. 62. Dennoch erwies sich die Deutsche Zeitung in Norwegen schnell als lukrativ, was nicht zuletzt daran geschuldet war, dass die Besatzungsbehörden Amanns Zeitungen gewöhnlich eine Mindestabnahme von 30–40.000 Exemplaren garantierten. So diente sie dann auch als Vorbild für die Deutsche Zeitung in den Niederlanden,Christoph Sauer: Die Deutsche Zeitung in den Niederlanden, in: Markku Moilanen, Liisa Tiittula (Herausgeber): Überredung in der Presse: Texte, Strategien, Analysen, de Gruyter, Berlin 1994, ISBN 978-3-11-014346-1, S. 198. der noch weitere Besatzungszeitungen folgten, jedoch nicht im zeitgleich besetzten Dänemark.Oron J. Hale: Presse in der Zwangsjacke 1933–45, Droste, Düsseldorf 1965, dt. Übersetzung von The captive press in the Third Reich, University Press, Princeton 1964, S. 280–281, Fußnote 8.
Konzeption und Verlagsstruktur
Die DZ war als Zivilzeitung konzipiert, auch wenn ihre Leserschaft eigentlich nur aus Soldaten bestehen konnte, denn als weitere potentielle Gruppe fielen die deutschen Staatsangehörigen, die sich bereits vor dem Angriff im Land befanden, vermutlich zahlenmäßig kaum ins Gewicht (1930 etwa 4500, für 1940 liegen keine Angaben vor).Heinz-Werner Eckhardt: Die Frontzeitungen des deutschen Heeres 1939–1945. Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien/Stuttgart 1975 (= Schriftenreihe des Instituts für Publizistik der Universität Wien; Band 1), ISBN 3-7003-0080-8, S. 41 und Louis de Jong: Die Deutsche Fünfte Kolonne im Zweiten Weltkrieg. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1959 (Deutsche Ausgabe von De Duitse Vijfde Colonne in de Tweede Wereldoorlog. Van Loghum Slaterus/J.M. Meulenhoff, Arnheim/Amsterdam 1953. Dissertation Amsterdam 1953. Online-Ausgabe (PDF)), S. 173. Trotzdem versuchte man mit Artikeln in der Landessprache auch die einheimische Bevölkerung zu erreichen, ein Weg, der später noch konsequenter mit der Pariser Zeitung eingeschlagen wurde.Christoph Sauer: Der aufdringliche Text: Sprachpolitik und NS-Ideologie in der „Deutschen Zeitung in den Niederlanden“. Springer, Berlin 2013, ISBN 3-8244-4285-X (zuerst erschienen im Deutschen Universitätsverlag, Wiesbaden 1998. Dissertation Amsterdam 1990), S. 272, Fußnote 124. Im Juli 1941 erschien auch eine gänzlich in norwegischer Sprache verfasste Sonderausgabe.Universitetsbiblioteket i Oslo (Hrsg.): Norske aviser 1763-1969. En bibliografi. 1: Alfabetisk fortegnelse. Universitetsbiblioteket i Oslo, Oslo 1973, ISBN 82-7000-028-0, S. 110. Rudolf Sparing machte die Brückenfunktion in seinem Bericht für das Fachorgan Zeitungs-Verlag nochmals deutlich:
Sparing berichtete auch, dass man spezifische Eigenarten und Gestaltungsprinzipien der norwegischen Presse übernommen habe, sofern sie Gefallen gefunden hätten. Da die Zeitung bei der Aftenposten gedruckt wurde, waren diverse äußere Merkmale bereits vorgegeben (Schrifttypen, Format, Spaltenzahl). Sie erschien sechsmal wöchentlich mit einem Umfang von zunächst acht Seiten und den üblichen Rubriken wie Politik, Feuilleton, Wirtschaft, Sport und Anzeigen (auf die weitere Entwicklung der Zeitung und ihren Inhalt kann im Folgenden mangels Arbeiten hierzu nicht eingegangen werden).Rudolf Sparing: So wurde die „Deutsche Zeitung in Norwegen“. In: Zeitungs-Verlag, 1940 (Jg. 41), Nr. 25, S. 210–211.
Innerhalb eines angegliederten Buchverlags wurden auch Werke über die Geschichte und Kultur Norwegens veröffentlicht.Edelgard Bühler, Hans-Eugen Bühler: Der Frontbuchhandel 1939–1945. Organisationen, Kompetenzen, Verlage, Bücher – Eine Dokumentation. Buchhändler-Vereinigung, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-7657-2500-5, S. 67. Für diese Titel wie auch für die Zeitung kam statt Fraktur Antiqua als Schrifttyp zum Einsatz, abgesehen von den durch den Druck bei der Aftenposten aufgezwungenen Vorgaben war zuvor eine Anordnung erlassen worden, nach der dies fortan für alle im Ausland erscheinenden Druckerzeugnisse gelten sollte.Otto Thomae: Die Propaganda-Maschinerie. Bildende Kunst u. Öffentlichkeitsarbeit im Dritten Reich. Mann, Berlin 1978, ISBN 3-7861-1159-6, S. 183–185. Zugleich Dissertation Berlin 1976.
In Norwegen erschien auch die Wochenzeitung Wacht im Norden, die kostenlos an Soldaten versandt wurde. Diese sah die Deutsche Zeitung in Norwegen durchaus als Konkurrenz an.Heinz-Werner Eckhardt: Die Frontzeitungen des deutschen Heeres 1939–1945. Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien/Stuttgart 1975 (= Schriftenreihe des Instituts für Publizistik der Universität Wien; Band 1), ISBN 3-7003-0080-8, S. 39. Im Übrigen sorgte der Verlag der letzteren trotz dieser Situation auch für den Druck der Wacht im Norden.Heinz-Werner Eckhardt: Die Frontzeitungen des deutschen Heeres 1939–1945. Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien/Stuttgart 1975 (= Schriftenreihe des Instituts für Publizistik der Universität Wien; Band 1), ISBN 3-7003-0080-8, S. 39–40.
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