Münsterschwarzach ist ein Gemeindeteil des Marktes Schwarzach am Main im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Münsterschwarzach hat eine Fläche von 0,831 km². Sie ist in 224 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3710,25 m² haben.
Münsterschwarzach war bis zum 30. September 1973 eine selbstständige Gemeinde. Die Geschichte des Ortes ist eng mit dem hier befindlichen Kloster verbunden, das bereits im 8. Jahrhundert entstand. Seit der Neugründung der Abtei Münsterschwarzach im Jahr 1913/1914 bildet das Benediktinerkloster wieder den Mittelpunkt des Ortes.
Das Kloster, das eines der bedeutendsten in Deutschland ist, prägt das kleine Dorf in nahezu allen Bereichen. Im Kloster ist heute mit dem Egbert-Gymnasium die wichtigste Bildungsinstitution der Gemeinde Schwarzach am Main untergebracht. Kunsthistorisch bedeutsam ist die Klosterkirche der Abtei, die zu den emblematischen Sehenswürdigkeiten des Landkreises Kitzingen gehört. Über das Kloster und seine Einrichtungen entwickelte sich in Münsterschwarzach auch der Tourismus, der vor allem den Ausflugsfremdenverkehr umfasst.
Geografie Geografie und naturräumliche Lage Münsterschwarzach liegt im Zentrum des Schwarzacher Gemeindegebietes. Weiter im Norden liegt Gerlachshausen, südlich schließt sich Stadtschwarzach an. Die drei Orte bilden als zusammenhängende Siedlungsfläche das Zentrum der Gemeinde, das sich als breiter Streifen parallel zum Mainufer zieht. Weiter im Osten liegt Düllstadt, das ebenfalls zur Gemeinde Schwarzach am Main gehört. Im Osten, auf der rechten Mainseite, liegt Schwarzenau.
Nächstgelegene, größere Städte sind Volkach, mit einer Distanz von etwa 7 Kilometern, und Kitzingen, das ungefähr 9 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das etwa 22 Kilometer entfernte Würzburg.
Naturräumlich liegt Münsterschwarzach in der sogenannten Schwarzacher Talweitung (auch Schwarzacher Becken). Der Abschnitt des Mittleren Maintals ist Teil der Mainfränkischen Platten und zeichnet sich durch seine direkt an den Main anschließenden flachen Abschnitte aus. Hier münden drei Bäche mit ursprünglich nahezu gleicher Schüttung im Abstand von nur etwa 250 m in den Main, die flache Schwemmfächer vor sich her schieben. Die Talweitung ist auch wegen ihrer fruchtbaren Böden dicht besiedelt.
Münsterschwarzach liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Das erklärt auch den Weinbau in der Umgebung, der heute allerdings für den Ort keine Rolle mehr spielt. Geologisch überwiegen auf der Ostseite des Maines bereits Keupergesteine, die eigentlich besonders typisch für das sogenannte Steigerwaldvorland weiter östlich sind. Daneben ragen auch Flugsandgebiete mit Dünenbildung in die Gemarkung.
Hydrologisch wird Münsterschwarzach vom Fluss Main dominiert, wenn auch der Strom historisch keine große Rolle für das Dorf spielte. Bedeutender waren die kleineren Mainzuflüsse Schwarzach und Silberbach, sowie dem Schwarzachzufluss Castellbach. Das Kloster Münsterschwarzach machte sich die Wasserkraft der ehemals drei gleich großen Bäche früh zunutze: Seit dem 12./13. Jahrhundert wird das Wasser des Castellbachs in die Schwarzach geleitet, um so die Mühle des Klosters anzutreiben.Franziskus Büll: Das Monasterium Suuarzaha. Ein Beitrag zur Geschichte des Frauenklosters Münsterschwarzach von 788 (?) bis 877 (?). Münsterschwarzach 1992. S. 50.
Ortsgliederung mini|Das Klostergelände von Nordosten, das Dorf beginnt westlich der Klosterkirche Die Gemarkung von Münsterschwarzach nimmt eine Fläche von 0,83 km² ein, was sie zur kleinsten Gebietseinheit der Gemeinde macht. Dabei bildet der Ort das historische Zentrum der Umgegend und wird noch heute vom großen Klostergelände dominiert, das bereits im 8. Jahrhundert an dieser Stelle entstand. Das Gelände der Abtei besitzt sein Zentrum in der Klosterkirche und der umgebenden Konventsgebäude. Daneben sind hier ein Gymnasium mit eigenen Sportanlagen (nordöstlich der Kirche) und zugeordnete Wirtschaftsbetriebe mit einem Kraftwerk (im Südosten) untergebracht.
Das eigentliche Dorf Münsterschwarzach nimmt nur einen Bruchteil des Klosterbezirks ein. Es reiht sich entlang der Schweinfurter Straße weiter westlich der Abtei auf und besteht weitgehend aus Wohnbauten. Die zentralen, dörflichen Einrichtungen wie Friedhof oder Sportplatz fehlen und werden von den anderen Schwarzacher Ortsteilen zur Verfügung gestellt. Ackerflächen sind lediglich im Osten des Klosters zu finden und nehmen nur einen kleinen Teil der schmalen Gemarkung ein.
Lange Zeit endete die Gemarkung Münsterschwarzachs am Schwarzachbach, weiter nördlich begann das Gebiet von Gerlachshausen, an das sich (die Gemeinde) Münsterschwarzach politisch eng anlehnte. Im 19. und 20. Jahrhundert, insbesondere nach der Gebietsreform in Bayern, wuchs die Siedlung über den Bach hinweg. Die Wohnsiedlungen von Gerlachshausen und Münsterschwarzach sind heute zusammengewachsen. So bildet der Ziegelhüttenweg die, auf beiden Seiten bebaute, Gemarkungsgrenze. Die geraden Hausnummern zählen nach Gerlachshausen, während die ungeraden zur Gemarkung Münsterschwarzach gehören. Ebenso teilen sich beide Gemeindeteile die Garten- und die Sonnenstraße.
Geschichte
Die Geschichte des Dorfes Münsterschwarzach ist eng mit der des gleichnamigen Klosters verbunden, das jahrhundertelang den Hauptgrund für die Besiedlung dieses Ortes darstellte. Die Bewohner von Münsterschwarzach lebten immer in wirtschaftlicher und politischer Abhängigkeit vom Konvent.
Vor- und Frühgeschichte Anders als in den meisten anderen Gemarkungen der Gemeinde Schwarzach am Main wurden um Münsterschwarzach nur wenige vorgeschichtliche Funde gemacht. Insbesondere in Schwarzenau, auf der gegenüberliegenden Mainseite, konnte eine Siedlungskontinuität bis in die Jungsteinzeit nachgewiesen werden. Die Urnenfelderzeit ist mit mehreren Funden um Hörblach vertreten. Aus der älteren Eisenzeit haben sich wiederum um Schwarzenau Trennwandschalen der Hallstattmenschen aus der Zeit zwischen 800 und 500 vor Christus erhalten. In der Folgezeit erreichten keltische Stämme das Gebiet.
Anschließend war das Becken von Alemannen besiedelt, die bis um 260 nach Christus verschwanden. Sie machten den Burgunden Platz, die bis ins 4. Jahrhundert zwischen Main und Schwarzach siedelten. Diese germanischen Stammesverbände etablierten auch den Namen Schwarzach für das Fließgewässer im Zentrum der Talweitung. Ab dem 6. Jahrhundert begannen fränkische Stämme von Westen kommend in das Gebiet vorzustoßen und verdrängten die etablierte Bevölkerung langsam.
In der angrenzenden Gemarkung Gerlachshausen fanden sich außerdem fränkische Reihengräber, die vielleicht in die Zeit der merowingischen Landnahme im 6. Jahrhundert verweisen. Die Franken brachten das Christentum an den Main mit und etablierten erste Verwaltungsgrenzen, die sogenannten Gaue. Das spätere Münsterschwarzach lag südlich des Grenzflusses Schwarzachbach und war damit Teil des Iffgaus, der zwischen Main und Steigerwald entstand.
Mit der Gründung des Frauenklosters Münsterschwarzach, wahrscheinlich in der Mitte des 8. Jahrhunderts, trat auch die Gemarkung Münsterschwarzach durch archäologische Funde hervor.Peter A. Süß: Münsterschwarzach. In: Jesko Graf zu Dohna (Hrsg.): Kulturpfad. Auf den Spuren der Grafen zu Castell. Münsterschwarzach 2004. Unklar ist, ob bereits zu diesem frühen Zeitpunkt Menschen um das Kloster siedelten. Die Konzentration von hochadeligen Frauen macht allerdings eine Versorgungssiedlung wahrscheinlich. Büll vermutet eine Siedlungskontinuität seit karolingischer Zeit. In Anspielung auf die Lage dieser Vorgängersiedlung des heutigen Münsterschwarzach wurde sie Siedlung am Mohli bzw. am Mannlehen genannt.Franziskus Büll: Das Monasterium Suuarzaha. Ein Beitrag zur Geschichte des Frauenklosters Münsterschwarzach von 788 (?) bis 877 (?). Münsterschwarzach 1992. S. 65. → siehe auch: Siedlung am Mohli
Mittelalter und Neuzeit Erst im Spätmittelalter trat eine dem Kloster zugeordnete Siedlung in den Quellen als eigenständiger Ort hervor. Siedlung am Mohli war lediglich ein Hilfsname für die ausgegrabenen Funde im Südwesten des heutigen Klosters. Eventuell gab man die Siedlung am Mohli auf, weil die andauernden Hochwasser des Mains blühendes Gemeindeleben unmöglich machte. Vielleicht spielte in diesem Zusammenhang auch die planmäßige Anlage des weiter südlich gelegenen Stadtschwarzach eine Rolle, das nun die Klosterbediensteten aufnehmen konnte.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf Schwarzach in einer Urkunde von 1326. Der Würzburger Bischof Wolfram von Grumbach übergab damals die „Besitzungen und Herbergen vor dem Kloster bis zum Silberbach“ an die Benediktinerabtei.Gabriel Vogt: Markt Schwarzach am Main. In: Landrat und Kreistag des Landkreises Kitzingen (Hrsg.): Landkreis Kitzingen. Münsterschwarzach 1984. S. 498. Die wohl aus wenigen Häusern bestehende Siedlung gruppierte sich um einen Gasthof, in dem die weniger hochgestellten Gäste des Klosters abstiegen. Bereits 1348 verlor der Ort seine Selbstständigkeit und wurde nun bis ins 19. Jahrhundert Teil der Gemeinde Gerlachshausen.Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. Ein Kunst- und Kulturführer. Marktbreit 1993. S. 40. mini|Der Einzug der Mönche in das Kloster Münsterschwarzach 1914 Im Jahr 1478 wurde der Vorgänger des heute noch bestehenden Gasthofes „Zum Benediktiner“ erstmals urkundlich erwähnt. Daneben bestanden, wohl bereits seit dem 13. Jahrhundert, insgesamt drei Mühlenbetriebe im Ort, die um zwei Klostermühlen ergänzt wurden. Alle fünf Mühlen waren am Unterlauf der auf den Main zustrebenden Bäche zu finden. Nach 1525 entstand in den Mainauen außerdem eine Ziegelei. Hier wurden die Ziegeln für die Bauten der Abtei gebrannt. Der heutige Ziegelhüttenweg erinnert an diese Institution.
Die Nähe zur Abtei prägte die Geschichte des Dorfes immer wieder entscheidend mit. So profitierten die Münsterschwarzacher von der Auflösung des Klosters durch die Säkularisation, weil ihnen Klostergüter zuerkannt wurden. Außerdem konnten die Bewohner des Ortes die Steine aus den verfallenden Klostergebäuden, allen voran der Neumannbasilika, nutzen, um die Straßen der Umgebung mit ihnen zu pflastern. 1864 erhielt Münsterschwarzach schließlich eine eigene Gemarkung und wurde politisch von Gerlachshausen getrennt. Die Beziehungen zum Nachbarort sind jedoch auch heute noch eng.
Die Wiedergründung der Abtei im Ort zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde nicht von der gesamten Bevölkerung begrüßt. 1914 zogen die Mönche allerdings unter großer Beteiligung der Bevölkerung in die verlassenen Klostergebäude ein. In der Folgezeit entwickelte sich eine enge Verbindung zwischen Gemeinde und Abtei. So protestierte die Bevölkerung 1941 erfolglos, um die Auflösung des Klosters durch die Nationalsozialisten zu verhindern. Im Zweiten Weltkrieg verlor die Gemeinde Münsterschwarzach 18 Männer, 13 wurden vermisst.Gabriel Vogt: Markt Schwarzach am Main. In: Landrat und Kreistag des Landkreises Kitzingen (Hrsg.): Landkreis Kitzingen. Münsterschwarzach 1984. S. 500. 1973 verlor Münsterschwarzach seine Unabhängigkeit und wurde in die Gemeinde Schwarzach am Main eingemeindet.
Ortsname Der Ortsname verweist auf die Geschichte des Ortes und seine Lage. Kloster und Klosterdorf trugen jahrhundertelang denselben Namen, der häufigen Änderungen unterworfen war. Dabei ist bemerkenswert, dass lange Zeit beide lediglich nach dem Klosterbach „Schwarzach“ (bzw. Latein Suarzaha, Suarza) genannt wurden. Zur Unterscheidung vom Kloster selbst, setzte sich im Laufe der Frühen Neuzeit die Bezeichnung Klosterschwarzach durch, die insbesondere gegenüber der nahen Stadt Schwarzach gebraucht wurde.Gabriel Vogt: Markt Schwarzach am Main. In: Landrat und Kreistag des Landkreises Kitzingen (Hrsg.): Landkreis Kitzingen. Münsterschwarzach 1984. S. 498.