mini|Aktie der Deutschen Linoleum-Werke von 1933 Die Deutsche Linoleum-Werke AG (danach: Armstrong DLW GmbH, danach: DLW Flooring und seit März 2018 Gerflor DLW GmbH), kurz DLW, mit seiner Produktionsstätte in Delmenhorst ist die letzte noch aktive deutsche Linoleumfabrik und einer der weltweit drei letzten Hersteller von Linoleum.Tarkett Sommer investiert in Linoleum In: BTH Heimtex, 06/03, Online
Geschichte Die DLW wurde 1926 in Berlin durch den Zusammenschluss fünf deutscher Linoleumfabriken gegründet („Hansa“, „Anker“ und „Schlüssel“ in Delmenhorst, Adler-Werke in Maximiliansau, Deutsche Linoleum- und Wachstuch-Compagnie in Berlin-Neukölln). Zwei Jahre später war sie 1928 neben der schwedischen Linoleum Aktiebolaget Forshaga und der Schweizer Linoleum AG Giubiasco einer der Gründer der Continentalen Linoleum Union, aus der sie dann Ende der 1930er Jahre aus politischen Gründen wieder ausschied.Silvia Tauss: (PDF). Diplomarbeit, Bern 2007, S. 21–22. 1938 verlegte das Unternehmen, dessen Vorstand ab 1938 Walter H. Schaechterle (* 1913 in Stuttgart)Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1054. angehörte, seinen Sitz nach Bietigheim.
Das Delmenhorster Werk galt zwischen 1939 und 1944 als Nationalsozialistischer Musterbetrieb und wurde bei einem von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) initiierten Wettbewerb mehrfach mit der Goldenen Fahne ausgezeichnet.Franz-Reinhard Ruppert: Die Goldene Fahne. Delmenhorster Industrieunternehmen im "Leistungskampf der deutschen Betriebe" der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Isensee Verlag, Oldenburg 2025, ISBN 978-3-7308-2272-2.
Während des Zweiten Weltkriegs waren rund 500 Zwangsarbeiter im Werk in Bietigheim beschäftigt. Die Zwangsarbeiter kamen mit Sammeltransporten im Durchgangslager Bietigheim an und wurden in einem unternehmenseigenen Barackenlager auf dem unmittelbar an die Fabrik grenzenden Sportplatz untergebracht.Annette Schäfer: Zwangsarbeit in Bietigheim 1939–1945 und die Einrichtung bzw. Funktion des „Durchgangslagers“. In: Blätter zur Stadtgeschichte, Heft 14. Bietigheim-Bissingen 1999. Die Deutsche Linoleum-Werke AG gehörte während der Zeit des Nationalsozialismus zu den deutschen Unternehmen, die ihre Materialien von KZ-Häftlingen im Konzentrationslager Sachsenhausen testen ließen. Dabei mussten die Häftlinge im sogenannten Schuhläufer-Kommando eine mit unterschiedlichen Belägen ausgestattete 700 Meter lange Teststrecke mehrmals bis zu 40 Kilometer zurücklegen. Die Dauerläufe waren de facto Todesmärsche, da die Läufer erschossen wurden, wenn sie infolge von Ermüdung zusammenbrachen.
In den 1960er Jahren kam es aufgrund der Verdrängung des Linoleums durch PVC und ähnliche Materialien als Bodenbeläge zu einem weitgehenden Produktionsrückgang, auch die Produktion verwandter Werkstoffe wie Stragula wurde eingestellt. Einziger Produktionsstandort ist seit 1968 Delmenhorst. In den 1970er Jahren sanken die Produktionszahlen bis auf nur noch 150.000 Quadratmeter jährlich.DDP: Linoleum ist wieder im Kommen. In: Die Welt Online, 28. Oktober 2003, Online Erst mit dem zunehmenden Interesse an Linoleum seit Mitte der 1980er Jahre wuchs das Unternehmen wieder.
1996 gingen die DLW ein Joint Venture mit dem indischen Konzern Birla Corporation Limited ein. Ziel war es, mit der Birla-DLW Ltd. ein Unternehmen zum Vertrieb und zur Produktion von ökologischem Linoleum in Indien aufzubauen. Nach 10 Jahren zog sich DLW aus dem Unternehmen zurück, Birla-DLW firmiert heute als Budge Budge Floorcoverings Ltd., Linoleum wird nicht produziert.Sambit Saha: Lodha alters name of MP Birla outfit, In: The Telegraph, Calcutta, India, 24. April 2006, Online
1998 übernahm der US-amerikanische Konzern Armstrong World Industries die Aktienmehrheit an dem mit 125 Millionen D-Mark verschuldeten Unternehmen, die vorher unter anderem in Händen der Allianz Deutschland AG sowie der Baden-Württembergischen Bank lag.Deutsche Linoleum-Werke vor Übernahme. In: Berliner Zeitung, 8. Juni 1998 Anschließend wurde die DLW Aktiengesellschaft in Armstrong DLW AG umfirmiert. Am 2. Dezember 2005 beschloss die Hauptversammlung den Squeeze-out zu 2,11 Euro je Aktie. In einem Prozessvergleich am 23. Januar 2006 wurde die Barabfindung von 2,11 Euro um 0,44 Euro auf 2,55 Euro je Aktie erhöht. In Deutschland sind die DLW heute Marktführer mit einem Marktanteil von 54 Prozent,Birgit Geiger: (PDF; 2,0 MB) In: eurodecor, 12-05/01-06, S. 22–23. international stehen sie hinter der Forbo Holding auf Platz 2 mit 26 %. Im Jahr 2002 wurden dabei rund 12 bis 13 Millionen Quadratmeter produziert. Schon in mehreren der Vorgängerunternehmen gab es seit der Jahrhundertwende eine starke Verbindung zu moderner Kunst und modernem Design, an der sich zahlreiche bekannte Künstler, Architekten (u. a. Peter Behrens,Das Engagement von Peter Behrens kam durch Gustav Gericke zustande. – Vgl. Gerhard Kaldewei: „… wenn Delmenhorst nicht ganz und gar in Verruf kommen soll“. Zur Geschichte und Zukunft der Delmenhorster Industriekultur. In: Hans H. Bass (Hrsg.): Facetten volkswirtschaftlicher Forschung. Festschrift für Karl Marten Barfuß. LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7441-9, S. 33 (books.google.de) Heinz Stoffregen, Carl Eeg) und Designer beteiligten. In der Zeit des Nationalsozialismus riss diese Verbindung ab. Die Wiederbelebung dieser Tradition ab 1957 blieb auf Grund des Einbruchs des Marktes nur kurzlebig; erst ab den 1980er und 1990er Jahren konnte daran wieder angeknüpft werden.Gerhard Kaldewei: Linoleum – Kunst und Industrie 1882–2000. In: Gerhard Kaldewei (Hrsg.): Linoleum – Geschichte, Design, Architektur 1882–2000. 2000, ISBN 3-7757-0962-2, S. 14–29.
Am 11. August 2009 beschloss die Hauptversammlung der Armstrong DLW AG die formwechselnde Umwandlung in die Armstrong DLW GmbH. Im Dezember 2014 stellte das Unternehmen einen Insolvenzantrag.Armstrong DLW stellt Insolvenzantrag. In: Stuttgarter Zeitung, 12. Dezember 2014 Durch Beschluss des Insolvenzverwalters vom 23. Juni 2015 wurde die Armstrong DLW GmbH in ADLW Abwicklungs GmbH umfirmiert. Im Juni 2015 wurde das Weiterbestehen durch die niederländische Fields Beteiligungsgruppe unter dem Namen DLW Flooring gesichert. In: Ludwigsburger Kreiszeitung, 20. Juni 2015 Die DLW Flooring wiederum hat am 12. Oktober 2017 einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Bietigheimer Zeitung, 13. Oktober 2017 Am 11. Januar 2018 wurde bekannt, dass der Standort Bietigheim-Bissingen geschlossen wird, da sich kein Investor fand.DLW Flooring schließt Bietigheim Stuttgarter Nachrichten, 11. Januar 2018
Am 1. März 2018 wurde das Linoleum-Werk in Delmenhorst offiziell von der französischen Gerflor-Gruppe übernommen und produziert fortan unter dem Namen Gerflor DLW GmbH.
Siehe auch Otto Schaechterle
Literatur Linoleum-Chronologie 1863–2000. In: Gerhard Kaldewei (Hrsg.): Linoleum – Geschichte, Design, Architektur 1882–2000. 2000, ISBN 3-7757-0962-2, S. 244.
Weblinks www.gerflor.de – Offizielle Website der Gerflor Mipolam GmbH
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