mini|Panoramablick auf die Römische Villa Otrang mini|Plan der Villa mini|Hohlziegel der Warmluftheizung hinter dem Wandverputz Die Villa Otrang ist eine rund 2000 Jahre alte antike römische Villa rustica bei Fließem im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz. Mit einer Fläche von mehr als 3600 Quadratmetern ist ihr Herrenhaus eines der größten und am besten erhaltenen Exemplare nördlich der Alpen. Die Gesamtfläche des Gutshofes, der um 400 n. Chr. aufgegeben wurde, umfasst rund 50.000 Quadratmeter.

Lage und Bedeutung Die Lage in einem ca. 5 km nördlich von Bitburg befindlichen Hügelgelände, für welches alte Karten die Namen Atrangskamp und Oterancum bzw. Aterancum aufweisen, gab der römischen Villa Otrang vielleicht ihren Namen.Vgl. Heinz Cüppers: Römische Villa Otrang. Führungsheft 5. Mainz 1997 = 1975, S. 3. Ihre Ländereien erstreckten sich von der alten Römerstraße Trier–Köln (Via Agrippa) im Westen, der Kyll im Norden und der Langmauer im Süden.Siehe Heinz Cüppers: Römische Villa Otrang. Führungsheft 5. Mainz 1997 = 1975, S. 37.

Überregional bekannt ist die Villa Otrang für ihre prunkvollen Mosaik-Fußböden, mit denen 14 der 66 Räume des Herrenhauses ehemals ausgestattet waren. Vier dieser Fußböden sind bis heute nahezu unversehrt erhalten geblieben. Besonders eindrucksvoll sind die Mosaike des als Wohn- und Speisezimmer genutzten Apsidensaals, in denen Jagdszenen mit Löwe, Panther, Kranich und Schlange abgebildet sind.

Ausgrabung 1825 stieß man bei Feldarbeiten auf Überreste eines Mosaikfußbodens, weshalb der Kreissekretär Johann Baptist Malegaux zu Bitburg sich um die Erhaltung des Fundes bemühte.Siehe Heinz Cüppers: Römische Villa Otrang. Führungsheft 5. Mainz 1997 = 1975, S. 3. Ausführlich: Jürgen Merten: „Ich war außer mir vor Wonne!“ : Die Aufdeckung der römischen Mosaiken bei Fliessem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier. Band 31, 1999, S. 122–136 (Digitalisat). Aus demselben Grund erwarb die Gesellschaft für Nützliche Forschungen zu Trier das Grundstück.Siehe Heinz Cüppers: Römische Villa Otrang. Führungsheft 5. Mainz 1997 = 1975, S. 3. Nachdem der preußische Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. am 8. November 1838 die Fundstelle besucht hatte, kaufte wiederum der preußische Staat das Gelände, und es wurden in den kommenden Jahren Sanierungsmaßnahmen durchgeführt sowie neue Schutzhäuser errichtet.Siehe Heinz Cüppers: Römische Villa Otrang. Führungsheft 5. Mainz 1997 = 1975, S. 3; Peter Hoffmann, Villa Otrang. Regensburg 2004, ISBN 3-7954-1465-2 (Edition Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz, Führungsheft 5), S. 6. Durch die archäologische Sicherung und Erforschung der Funde wurde die Villa Otrang zu einem frühen Musterbeispiel der konservatorischen Denkmalpflege. Die preußischen Schutzbauten stehen inzwischen selbst unter Denkmalschutz.Siehe Heinz Cüppers: Römische Villa Otrang. Führungsheft 5. Mainz 1997 = 1975, S. 3; Heinz Cüppers: Die römische Villa Otrang. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Südwestliche Eifel: Bitburg – Prüm – Daun – Wittlich. Mainz 1977, ISBN 3-8053-0302-5 (Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 33), S. 280.

Weitere Untersuchungen wurden 1843 und 1873/74 angestellt, wobei die Wirtschafts-/Nebengebäude westlich des Herrenhauses und die beiden Tempel entdeckt wurden.Siehe Peter Hoffmann, Villa Otrang. Regensburg 2004, ISBN 3-7954-1465-2 (Edition Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz, Führungsheft 5), S. 6. Systematisch freigelegt und vermessen wurden letztere erst 1911. Fortgesetzt wurden die archäologischen Erkundungen 1929 und 1935.Siehe Heinz Cüppers: Römische Villa Otrang. Führungsheft 5. Mainz 1997 = 1975, S. 3. 1945 kam es zu Kriegsschäden. Nach Kriegsende wurden diese zum einen beseitigt, zum anderen weitergehende Schutzmaßnahmen vorgenommen.Siehe Heinz Cüppers: Fließem. In: Derselbe (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Theiss, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0308-3, S. 368. Seit 1960 wird die Villa vom rheinland-pfälzischen Landesamt für Denkmalpflege (seit 2007 Generaldirektion Kulturelles Erbe), Staatliche Verwaltung der Burgen und Schlösser (seit 1998 Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer), betreut.

Villa rustica Das Herrenhaus und alle zugehörigen Gebäude sowie der Wirtschaftshof sind von einer Umfassungsmauer umgeben, die ein Rechteck von 379 × 132 m bildet.Siehe Heinz Cüppers: Die römische Villa Otrang. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Südwestliche Eifel: Bitburg – Prüm – Daun – Wittlich. Mainz 1977, ISBN 3-8053-0302-5 (Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 33), S. 282. Im Osten liegt das Herrenhaus des Grundbesitzers mit verschiedenen Gärten und Terrassen. An der Umfassungsmauer entlang stehen im Süden und Norden verschiedene Stallungen, Scheunen und weitere Nutzbauten; im Westen findet sich eine kleine Risalit-Villa von 22 × 11,35 m, in der möglicherweise der Verwalter des Gutshofes wohnte.Siehe Heinz Cüppers: Die römische Villa Otrang. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Südwestliche Eifel: Bitburg – Prüm – Daun – Wittlich. Mainz 1977, ISBN 3-8053-0302-5 (Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 33), S. 282 mit Abb. 1 auf S. 281. Hier ist auch der Eingangsbereich zur römischen Fernstraße. Das Herrenhaus im Osten umfasst eine Fläche von 60 × 60 m und verfügt über 66 Räume.Siehe Heinz Cüppers: Die römische Villa Otrang. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Südwestliche Eifel: Bitburg – Prüm – Daun – Wittlich. Mainz 1977, ISBN 3-8053-0302-5 (Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 33), S. 282 mit Abb. 2 auf S. 283. Die West- und Ostseite wird jeweils von einer Portikushalle mit flankierenden Risaliten eingenommen.Siehe Heinz Cüppers: Die römische Villa Otrang. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Südwestliche Eifel: Bitburg – Prüm – Daun – Wittlich. Mainz 1977, ISBN 3-8053-0302-5 (Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 33), S. 282 mit Abb. 3 (Rekonstruktion) auf S. 284. Im nördlichen Teil befindet sich ein Bad mit Frigidarium, Tepidarium und Caldarium. Ebenfalls beheizbar ist der angeschlossene Wohntrakt.Siehe Heinz Cüppers: Die römische Villa Otrang. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Südwestliche Eifel: Bitburg – Prüm – Daun – Wittlich. Mainz 1977, ISBN 3-8053-0302-5 (Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 33), S. 284. Im südlichen Trakt des Herrenhauses gibt es weitere Wohn- und Schlafräume, die zum Teil ebenfalls hypokaustiert sind.Siehe Heinz Cüppers: Die römische Villa Otrang. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Südwestliche Eifel: Bitburg – Prüm – Daun – Wittlich. Mainz 1977, ISBN 3-8053-0302-5 (Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 33), S. 286. Der Kernbereich des Herrenhauses ist im 1. Jahrhundert n. Chr. gebaut worden.Nach Dirk Krausse: Eisenzeitlicher Kulturwandel und Romanisierung im Mosel-Eifel-Raum. Die keltisch-römische Siedlung von Wallendorf und ihr archäologisches Umfeld. Fundstellenkatalog, unter Mitarbeit von A. Fischbock. Mainz 2006, ISBN 3-8053-3507-5 (Römisch-Germanische Forschungen 63), S. 71 (Digitalisat) bereits um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Bernd Altmann, Hans Caspary: Kreis Bitburg-Prüm: Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel. Worms 1997, ISBN 3-88462-132-7 (Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz 9.2), S. 228 gehen von einem Bau „um die Zeitenwende“ aus; ähnlich Peter Hoffmann, Villa Otrang. Regensburg 2004, ISBN 3-7954-1465-2 (Edition Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz, Führungsheft 5) S. 11.

Einhergehend mit dem steigenden Wohlstand in der Region gab es eine umfassende Erweiterung der Herrenhauses, welcher der Bau eines größeren Bades im nordwestlichen Risalit zugeordnet werden kann – ebenfalls mit Caldarium, Tepidarium und Frigidarium. In dieser ersten Ausbauphase kam es auch zu einer Vergrößerung des südwestlichen Risalits und zur Anfertigung verschiedener Mosaike.Siehe Heinz Cüppers: Römische Villa Otrang. Führungsheft 5. Mainz 1997 = 1975, S. 20 f. Einer zweiten Ausbauphase sind weitere Mosaikfußböden sowie die repräsentative Erweiterung der West- und Südfronten zuzurechnen. Die beiden südlichen Risalite erfuhren einen großzügigen Ausbau und wurden mit einer langen Säulenhalle verbunden. Zur Wahrung der Symmetrie wurde nordwestlich ebenfalls ein Risalit mit halbrundem Pavillon errichtet, wodurch sich ein neuer Eingangshof dem bereits bestehenden vorlagerte. Die Datierung der beiden Ausbauphasen ist unsicher. Sie können nur grob dem 2./3. Jahrhundert n. Chr. zugewiesen werden.Vgl. Wolfgang Binsfeld, Karin Goethert-Polaschek, Lothar Schwinden: Katalog der römischen Steindenkmäler des Rheinischen Landesmuseums Trier 1: Götter- und Weihedenkmäler (Trierer Grabungen und Forschungen XII 1 / Corpus Signorum Imperii Romani Deutschland IV 3: Trier und Trierer Land). Von Zabern, Mainz 1988, ISBN 3-8053-0286-X, S. 57; Heinz Cüppers: Römische Villa Otrang. Führungsheft 5. Mainz 1997 = 1975, S. 20 f.; Peter Hoffmann, Villa Otrang. Regensburg 2004, ISBN 3-7954-1465-2 (Edition Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz, Führungsheft 5) 11 f. Bernd Altmann, Hans Caspary: Kreis Bitburg-Prüm: Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel. Worms 1997, ISBN 3-88462-132-7 (Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz 9.2), S. 228 setzen die erste Ausbauphase bereits ins 1. Jahrhundert n. Chr.

Tempelbezirk Der sakrale Bezirk umfasst zwei Tempel und liegt von der Villa 400 m in südöstlicher Richtung entfernt. Es handelt sich um einen Umgangstempel von 11,5 × 12,25 m, wovon 5,7 × 6,65 m auf die Cella entfallen. Die Breite des Umganges umfasst an der Ost-/Westseite 2,25 m, an der Nord-/Südseite 2,40 m. Cella und Umgang waren mit Ziegeln eingedeckt. 10,30 m weiter nördlich steht der zweite Tempel, der aus einer Cella mit Vorraum besteht. Dieser Tempel ist 6 m breit und 9,60 m tief, wobei von der Tiefe des Tempels 1,65 m auf den Vorraum entfallen. Die Tempel stehen parallel zueinander, dürften also wahrscheinlich etwa gleichzeitig entstanden bzw. konzipiert worden sein. Laut Marcello Ghetta soll in „einer alten handschriftlichen Notiz“ eine Umfassungsmauer erwähnt sein, wobei es sich um die Temenos-Mauer gehandelt haben dürfte.Marcello Ghetta: Spätantikes Heidentum. Trier und das Trevererland. Trier 2008, ISBN 978-3-89890-119-2 (Geschichte und Kultur des Trierer Landes 35), S. 295.