mini|hochkant=1.4|Karte der Markgrafschaft Baden-Baden mini|hochkant=1.4|Rastatt, die Residenz der Markgrafschaft im 18. Jahrhundert Die Markgrafschaft Baden-Baden war ein frühneuzeitliches südwestdeutsches Territorium innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sie entstand 1535 zusammen mit der Markgrafschaft Baden-Durlach durch Erbteilung aus der Markgrafschaft Baden. Neben dem Kerngebiet am mittleren Oberrhein um die Residenzstadt Baden gehörten ihr auch Herrschaften an Mosel und Nahe an.
Während sich in Baden-Durlach der Protestantismus durchsetzte, war Baden-Baden ab dem Dreißigjährigen Krieg katholisch. Nach der Totalzerstörung des Landes im Pfälzischen Erbfolgekrieg verlegte Ludwig Wilhelm, der „Türkenlouis“, die Residenz nach Rastatt und baute mit dem Rastatter Schloss die erste Barockresidenz am Oberrhein. Unter der Regentschaft seiner Witwe Sibylla Augusta entstanden weitere barocke Baudenkmäler. Nach dem Tod ihres Sohnes August Georg fiel Baden-Baden 1771 durch Erbvertrag an Baden-Durlach.
Territorium mini|Ruine Hohenbaden oberhalb von Baden-Baden, das „alte Schloss“, Stammsitz des Hauses Baden mini|Burg Kastellaun in der hinteren Grafschaft Sponheim, Residenz und Sterbeort von Eduard Fortunat mini|Burg Gräfenstein bei Rodalben, Zentrum der Herrschaft Gräfenstein Die Markgrafschaft Baden-Baden bestand aus einem rechtsrheinischen Kerngebiet am mittleren Oberrhein um die Städte Baden und Rastatt sowie aus weiteren Ländereien am Oberrhein und links des Rheins. Sie gehörte daher sowohl dem Schwäbischen als auch dem Oberrheinischen Reichskreis an.
Kerngebiet um Rastatt und Baden-Baden Das Kerngebiet reichte von Ettlingen bis Steinbach. Im Norden wurde es von der Markgrafschaft Baden-Durlach, im Westen vom Rhein, im Osten vom Herzogtum Württemberg und im Süden vom Hanauer Land begrenzt. Weitere einflussreiche Nachbarn waren die Kurpfalz, das Hochstift Speyer und die Freie Reichsstadt Straßburg.
Residenz und Hauptort war bis 1705 Baden und danach Rastatt. Amtsstädte, von denen aus jeweils mehrere Dörfer verwaltet wurden, waren Ettlingen, Kuppenheim, Steinbach und Stollhofen. Auch die elsässischen Orte Leutenheim und Beinheim gehörten zu Baden-Baden. Malsch war zunächst württembergisch und wurde erst 1603 badisch. Illingen gehörte als Exklave zum Hochstift Speyer, war aber ganz von baden-badischem Gebiet umschlossen.
Faktisch zu Baden-Baden gehörte bis 1660 auch die formal selbstständige Grafschaft Eberstein, die das mittlere Murgtal umfasste und deren Hauptort Gernsbach war. Nach dem Aussterben der Ebersteiner 1660 teilte sich Baden-Baden die Herrschaft mit dem Hochstift Speyer.
1688 wurde das Kerngebiet nach Süden um Bühl erweitert, das im Laufe des 18. Jahrhunderts anstelle von Steinbach Amtsstadt wurde. In dieser Zeit ging auch das Amt Kuppenheim auf Rastatt über.
Weitere oberrheinische Herrschaften Baden-Baden teilte sich die Herrschaft über Lahr-Mahlberg bis 1629 mit Nassau-Saarbrücken. Danach kam Lahr ganz zu Nassau-Saarbrücken, während Mahlberg mit Kippenheim und Friesenheim in den alleinigen Besitz Baden-Badens überging. 1693 erwarb Markgraf Ludwig Wilhelm die Burg Staufenberg bei Durbach. Nachdem die Franzosen die Festung Kehl geräumt hatten, sprach Kaiser Leopold diese 1698 den Markgrafen von Baden-Baden zu. 1701 erhielt Baden-Baden außerdem die Rechte an der Landvogtei Offenburg zu Lehen.Kohnle, Seite 150 f.
Grafschaft Sponheim An Mosel und Nahe sowie im Hunsrück teilte sich Baden-Baden die Landesherrschaft über die vordere und die hintere Grafschaft Sponheim mit der Kurpfalz und kurpfälzischen Nebenlinien. Die hintere Grafschaft umfasste Teile der heutigen Landkreise Bernkastel-Wittlich und Birkenfeld mit den Amtsstädten Birkenfeld, Allenbach, Dill, Herrstein, Winterburg, Kastellaun und Trarbach. Die vordere Grafschaft lag im Hunsrück und an der Nahe und reichte bis ins spätere Rheinhessen. Die wichtigsten Städte waren Kirchberg, Gemünden, Kreuznach und Sprendlingen.Kohnle, Seite 67
Weitere linksrheinische Herrschaften Im heutigen französisch-luxemburgischen Grenzgebiet herrschten die Markgrafen von Baden über Rodemachern, Useldingen und Hesperingen.Kohnle, Seite 76
Im Pfälzerwald besaßen sie die Herrschaft Gräfenstein, die sie sich bis 1557 mit den Leiningern teilten. Nachdem Burg Gräfenstein 1635 zerstört wurde, verlegten die Markgrafen die Verwaltung nach Rodalben.
Geschichte Die durch Landesteilung 1535 entstandene Markgrafschaft Baden-Baden war im 16. Jahrhundert stark vom Haus Bayern beeinflusst. Zwischen 1594 und 1622 stand sie unter Zwangsverwaltung des Markgrafen von Baden-Durlach. Vom Dreißigjährigen Krieg und vom Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde sie stark in Mitleidenschaft gezogen. Die wohlhabenden Landesfürsten Ludwig Wilhelm und Sibylla Augusta pflegten während der Zeit des Barock eine aufwändige Hofhaltung und errichteten zahlreiche repräsentative Profan- und Sakralbauten. Nach dem Tod von August Georg ging die Markgrafschaft 1771 in den Besitz von Karl-Friedrich von Baden-Durlach über.
Entstehung mini|hochkant|Bernhard III. von Baden; Regent von 1535 bis 1536 und Namensgeber der bernhardinischen Linie des Hauses Baden Die Markgrafschaft Baden-Baden entstand durch zwei Landesteilungen aus der Markgrafschaft Baden.
Um 1500 regierte Markgraf Christoph von Baden über ein zersplittertes, aber ungeteiltes Territorium, das sich aus einem Gebiet um die Residenzstadt Baden, aus Herrschaften am südlichen Oberrhein und aus linksrheinischen Ländereien zusammensetzte. Um eine Teilung zu vermeiden, beabsichtigte er, seinen Sohn Philipp als Alleinerben einzusetzen. Dessen älterer Bruder Bernhard erkannte dieses Testament seines Vaters aber nicht an und wurde zur Strafe an den burgundischen Hof verbannt. Auch Philipps jüngerer Bruder Ernst lehnte sich auf, indem er seinen Schwiegervater, den Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Ansbach, gegen die von seinem Vater geplante Nachfolgeregelung aufbrachte. Christoph gab schließlich nach und stimmte 1515 einer Dreiteilung des Territoriums zu: Bernhard erhielt die linksrheinischen Gebiete, Philipp das Kernland um die Stadt Baden und Ernst den Landesteil am südlichen Oberrhein.Kohnle, Seite 81 f.
Als Philipp 1533 ohne männliche Nachkommen starb, beabsichtigten Bernhard und Ernst zunächst, das Kernland gemeinschaftlich zu regieren. Bald hatten sie sich aber zerstritten und entschlossen sich, es unter sich aufzuteilen. Bernhard legte die Grenzlinie fest, die im Wesentlichen entlang des Flusses Alb verlief, und Ernst wählte seinen Teil; er entschied sich für das Gebiet nördlich der Alb. Die Anteile, die die Brüder bereits 1515 erhalten hatten, blieben von dieser Transaktion unberührt. Nach der neuerlichen Erbteilung regierte Bernhard also über die linksrheinischen Gebiete sowie über den südlich der Alb gelegenen Teil des Kernlandes. Ernst verlegte seine Residenz nach Pforzheim und bezeichnete sich fortan als Markgraf von Baden-Pforzheim, während Bernhard in Baden blieb und sich Markgraf von Baden-Baden nannte. Über die Einzelheiten der Teilung verhandelten die Brüder weiter und erzielten erst Ende 1536 unter kurpfälzischer Vermittlung Einigkeit, die sie in einem in Heidelberg geschlossenen Vertrag dokumentierten.Kohnle, Seite 82 f.
Die Nachfahren Bernhards, die fortan und bis 1771 die somit entstandene Markgrafschaft Baden-Baden regierten, bezeichnet man auch als die bernhardinische Linie des Hauses Baden.
In enger Verbindung mit Bayern mini|Das „Neue Schloss“ in Baden-Baden, Residenz bis 1705 Als Bernhard 1536 starb, war sein Sohn Philibert im Säuglingsalter und sein Sohn Christoph noch nicht geboren. Ernst beanspruchte Bernhards Erbe für sich und versuchte seinen Anspruch vor dem Reichskammergericht in Speyer einzuklagen, unterlag aber gegen Bernhards Witwe Franziska und Philipps Tochter Jakobäa, die sich für eine Vormundschaftsregierung einsetzten. Als Vormunde wurden Johann II. von Simmern, Wilhelm IV. von Eberstein und Wilhelm IV. von Bayern, der Mann Jakobäas und Schöpfer des Reinheitsgebotes, bestellt.Kohnle, Seite 96 Als Statthalter in Baden-Baden amtierte Heinrich Freiherr von Fleckenstein.
Philibert wuchs in München auf und übernahm 1556 im Alter von 20 Jahren die Regierung. 1557 heiratete er die vier Jahre ältere Mechthild von Bayern, die er von Kind an kannte. In Ungarn kämpfte er gegen die Osmanen und in Frankreich gegen die Hugenotten. Dabei kam er 1569 um; sein Sohn Philipp war damals erst zehn Jahre alt.
Philipps Vormund wurde Albrecht V. von Bayern. Er ließ ihn in Ingolstadt von Jesuiten im Geist der Gegenreformation erziehen und installierte ihn schon 1571 im Alter von zwölf Jahren als Regent in Baden-Baden. Über seinen ab 1570 im Amt befindlichen Statthalter Otto Heinrich von Schwarzenberg übte Albrecht aber weiterhin großen Einfluss aus. Von 1572 bis 1582 ließ er Philipps Residenz, das Neue Schloss in Baden, von Baumeister Caspar Weinhart im Stil der italienischen Renaissance erweitern.Seite 53
Die Musik spielte bei Hof eine große Rolle; für das Jahr 1582 ist belegt, dass sich über 200 Musikinstrumente im Schloss befanden. Philipp starb bereits 1588 im Alter von 29 Jahren und hinterließ der Markgrafschaft zwar hohe Schulden, aber keine Nachkommen.
Oberbadische Okkupation mini|hochkant|Eduard Fortunat, Regent von 1588 bis 1594 Nach Philipps Tod wurde sein Cousin Eduard Fortunat regierender Markgraf. Der Enkel von Bernhard III. und Sohn von Christoph II. war in London aufgewachsen und hatte seinen Vornamen von Elisabeth Tudor erhalten, die seine Taufpatin war. Durch seinen aufwändigen Lebensstil wuchsen die Staatsschulden weiter an. Eduard sucht dem dadurch zu begegnen, dass er zwei Italienern, Francesco Muskatelli und Paul Pestalozzi, in den Kellergewölben der Yburg Räume zur Verfügung stellte, in denen diese Alchemie und Falschmünzerei betreiben sollten. Als Kaiser Rudolf II. Baden-Baden wegen seiner hohen Schulden unter Zwangsverwaltung stellen wollte, besetzte Ernst Friedrich von Baden-Durlach im November 1594 das Kernland.Kohnle, Seite 112 f. Eduard Fortunat reagierte, indem er die beiden Italiener aufforderte, Ernst Friedrich zu vergiften. Der Plan misslang jedoch und die beiden wurden in Durlach gevierteilt. Eduard Fortunat zog sich in den linksrheinischen Landesteil zurück, wo er 1600 bei einem Unfall ums Leben kam. Die Besetzung Baden-Badens durch Baden-Durlach ist unter dem Begriff Oberbadische Okkupation bekannt.
Dreißigjähriger Krieg mini|hochkant|Wilhelm I., Regent von 1622 bis 1677 Georg Friedrich, der 1604 nach dem Tod seines Bruders Ernst Friedrich regierender Markgraf von Baden-Durlach wurde, rüstete zum Krieg. Die Badische Armee, die 1600 noch mit 200 Reitern und 600 Fußsoldaten auskam, wuchs bis 1620 auf 20.000 Mann an. Als sich das Heer von Ernst von Mansfeld dem Oberrhein näherte, beabsichtigte Georg Friedrich, das badische Heer mit Mansfelds Söldnerheer zu vereinigen. Da sich aber die beiden Heerführer nicht über den Oberbefehl einigen konnten, musste Georg Friedrich in der Schlacht bei Wimpfen alleine gegen Tilly kämpfen. Das verlustreiche Aufeinandertreffen am 6. Mai 1622, bei dem rund 3.500 Soldaten ums Leben kamen, wurde von Tilly gewonnen. Noch im selben Sommer setzten die siegreichen Katholiken Wilhelm, den Sohn Eduard Fortunats, in sein Amt als Markgraf von Baden-Baden ein. Die oberbadische Okkupation war damit beendet.