Affolterbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Wald-Michelbach im südhessischen Landkreis Bergstraße.

Geographe Affolterbach liegt auf im Nordosten des Gemeindegebiets von Wald-Michelbach im Buntsandstein-Odenwald, ca. 16 km östlich von Heppenheim. Das Gebiet des Ortsteils besteht aus der Gemarkung Affolterbach mit einer Fläche von 824 Hektar, davon sind 535 Hektar Wald. Die Ortslage befindet sich auf 350 bis und die höchsten Erhebungen sind der 528 m hohe Kleine Meisenberg im Süden der Gemarkung und der 540 m hohe Meisenberg nur wenige Meter südlich der Gemarkungsgrenze. Der Ortskern befindet sich auf der Ostseite des oberen Ulfenbachs, der nach Süden in Richtung Neckar läuft und im Ortsbereich von Westen den Kocherbach und von Osten den Affolterbach aufnimmt. Die landwirtschaftlich genutzten Tallagen sind im Westen und Osten eingerahmt von den bewaldeten Höhenzügen des Überwaldes. Die Gemarkung reicht vom Salzberg () im Westen bis zum Meisenberg () und den Kleinen Meisenberg () im Osten hinaus in die Nähe von Dürr-Ellenbach.

Die nächstgelegenen Ortschaften sind Wahlen im Norden, Olfen im Osten, Aschbach im Süden und Kocherbach im Westen. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3105, die im Reichelsheimer Gemeindegebiet von der Bundesstraße 38 nach Süden abzweigt, die B 460 bei Weschnitz überquert und Affolterbach erreicht, danach durch den Ortsteil Wald-Michelbach führt und in Hirschhorn am Neckar endet. Von Osten aus Beerfelden kommend, endet die Landesstraße 3120 in der Ortslage.

Geschichte mini|Affolterbach (Zeichnung aus dem Jahr 1717)

Ortsgeschichte Der Ort wurde im Jahre 1353 mit der Schreibweise Affolderbach zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als der Edelknecht Bruno von St. Lenen und seine Ehefrau Anna unter anderem auch seine Leute zu Affolterbach an den Pfalzgrafen Ruprecht I. verkaufte. Der Ortsname leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort affolter für „Apfelbaum“ ab. Das Wortbildungselement „-ter“ = Baum, vgl. englisch tree, findet sich auch in den Wörtern Wacholder, Holunder oder Flieder. Das Bächlein, in dessen Tal das Oberdorf liegt, wird auch Apfelbach genannt.

Im 14. und 15. Jahrhundert hatten die Schenken von Erbach den Ort als pfälzisches Lehen bis in einem Vertrag zwischen dem Kurfürsten Ludwig von der Pfalz und dem Schenken Eberhard, Herr zu Erbach und Bickenbach vom 5. Juli 1509, Affolterbach im Austausch gegen Hetzbach an die Pfalz zurückfiel.

In den Anfängen der Reformation sympathisierten die pfälzischen Herrscher offen mit dem lutherischen Glauben, aber erst unter Ottheinrich (Kurfürst von 1556 bis 1559) erfolgte der offizielle Übergang zur lutherischen Lehre. Danach wechselten seine Nachfolger und gezwungenermaßen auch die Bevölkerung mehrfach zwischen der lutherischen, reformierten und calvinistischen Glaubensrichtung. Affolterbach wurde Filialdorf der reformierten Pfarrei Waldmichelbach.

Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1648) dürfte der Ort wie viele Gebiete der Kurpfalz fast menschenleer gewesen sein. Das ganze Dorf bestand nur noch aus vier Höfen. Nach dem verheerenden Krieg betrieb die Kurpfalz auf ihrem Gebiet eine durch religiöse Toleranz geprägte Wiederansiedlungspolitik. Doch die in der unruhigen Folgezeit ausbrechenden Kriege, wie der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) und der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714), machten viele der Bemühungen wieder zunichte und Zehntausende Pfälzer emigrierten unter anderem nach Nordamerika und Preußen. Im Jahr 1700 siedelten sich religiös verfolgte Personen aus der Schweiz und Frankreich in Affolterbach an.

Auch in religiöser Hinsicht war die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg von großer Unruhe geprägt. 1685 starb die reformierte Linie Pfalz-Simmern aus und die katholischen Vettern der Linie Pfalz-Neuburg traten mit Kurfürst Philipp Wilhelm die Regierung in der Kurpfalz an. Dieser ordnete die Gleichstellung des katholischen Glaubens, in der mehrheitlich evangelisch bevölkerten Pfalz, an. Schon während des Pfälzischen Erbfolgekriegs hatte Frankreich versucht, in den eroberten Gebieten die Gegenreformation voranzutreiben, und etliche katholische Pfarreien gegründet. Der Krieg endete 1697 mit dem Frieden von Rijswijk, der die Stellung des zu diesem Zeitpunkt regierenden katholischen Kurfürsten Johann Wilhelm stärkte. Dies führte am 26. Oktober 1698 zum Erlass des Simultaneum. Danach waren die Katholiken berechtigt, alle reformierten Einrichtungen wie Kirchen, Schulen und Friedhöfe mitzubenutzen, während dies umgekehrt nicht erlaubt wurde. Weiterhin wurde die bis dahin selbständige reformierte Kirchenverwaltung dem Landesherren unterstellt. Erst auf Betreiben Preußens kam es 1705 zur sogenannten Pfälzische Kirchenteilung in der das Simultanum rückgängig gemacht wurde und die Kirchen im Land wurden mitsamt Pfarrhäusern und Schulen zwischen den Reformierten und den Katholiken im Verhältnis fünf zu zwei aufgeteilt. Sonderregelungen gab es für die drei Hauptstädte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal sowie die Oberamtsstädte Alzey, Kaiserslautern, Oppenheim, Bacharach und Weinheim. In den Städten mit zwei Kirchen sollte die eine den Protestanten und die andere den Katholiken zufallen; in den anderen, wo nur eine Kirche bestand, der Chor vom Langhaus durch eine Mauer geschieden, und jener den Katholiken, dieses den Protestanten eingeräumt werden. Den Lutheranern wurden nur jene Kirchen zugestanden, die sie im Jahr 1624 besaßen oder danach gebaut hatten. In Affolterbach fiel 1705 die Kirche den Reformierten zu. Der Friedhof bei der Kapelle in Affolterbach wurde 1770 aufgegeben und die Toten fortan in Wald-Michelbach beerdigt.

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachten Europa weitreichende Änderungen. Infolge der Napoleonischen Kriege wurde das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 neu geordnet und hörte mit der Niederlegung der Reichskrone am 6. August 1806 auf zu bestehen. Demzufolge wurde die Kurpfalz aufgelöst und das „Oberamt Lindenfels“, wozu auch Affolterbach gehörte, kam zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die 1806 in dem ebenfalls auf Druck Napoleons gebildete Großherzogtum Hessen aufging.

Im Jahr 1814 wurde die Leibeigenschaft im Großherzogtum aufgehoben und es erhielt mit der am 17. Dezember 1820 eingeführten Verfassung des Großherzogtums Hessen eine konstitutionelle Monarchie, in der der Großherzog aber noch große Machtbefugnisse hatte. Die noch bestehenden standesherrlichen Rechte wie Niedere Gerichtsbarkeit, Zehnten, Grundzinsen und andere Gefälle blieben aber noch bis 1848 bestehen.

1825 wurde in Affolterbach eine ständige Schule eingerichtet und 1837 wurde ein neuer Friedhof an der Straße nach Wahlen angelegt. Die Bevölkerungszahl wird für das Jahr 1828 mit 499 angegeben.

Für die übergeordnete Verwaltung von Affolterbach war im Großherzogtum Hessen ab 1821 der Landratsbezirk Lindenfels zuständig. Die Bürgermeisterei in Affolterbach übernahm auch die Verwaltungsaufgabe für die Orte Kocherbach, Unterscharbach und Wahlen. Seit 1820 wählten die Gemeinden den Bürgermeister selbst und es gab keine Einsetzung von Schultheißen mehr. Durch mehrere Verwaltungsreformen in Hessen gelangte der Ort über die Kreise Lindenfels und Heppenheim schließlich 1938 zum heutigen Landkreis Bergstraße.

Auf dem Friedhof von Affolterbach befindet sich das Grab des Leander van Eß, neben Martin Luther einer der großen Bibelübersetzer. Van Eß wurde am 15. Februar 1772 in Warburg (Westfalen) geboren und starb am 13. Oktober 1847 in Affolterbach.

1870 provozierte der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck durch die sogenannte Emser Depesche den Deutsch-Französischen Krieg, an dem das Großherzogtum Hessen als Mitglied des Norddeutschen Bundes an der Seite Preußens teilnahm. Noch vor dessen offiziellem Ende am 10. Mai 1871 traten die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund bei, und am 1. Januar 1871 trat die Bismarcksche Reichsverfassung in Kraft, in der er nun Deutsches Reich genannt wurde. Auf deutscher Seite forderte dieser Krieg ca. 41.000 Tote. Mit dem Reichsmünzgesetz gab es in Deutschland nur noch eine Währung, die Mark mit 100 Pfennigen als Untereinheit.

Hatte Affolterbach im Jahre 1890 noch 710 Einwohner, so sank die Zahl bedingt durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft und Abwanderung auf 615 Einwohner im Jahre 1933. 1852 wurde ein einstöckiges Schulhaus eingeweiht. 1853 wurde Leander Heidenreich Bürgermeister, der sich als Landtagsabgeordneter für den Bau der Überwaldbahn von Mörlenbach nach Wahlen einsetzte, die mit der Einweihung der Strecke sowie des Bahnhofs Affolterbach 1901 vollendet wurde. Die Stilllegung dieser Strecke erfolgte 82 Jahre später am 23. September 1983 im Personenverkehr und zum 1. März 1984 im Güterverkehr. 1860 erfolgte die Vermessung der Gemarkung und die Erstellung eines entsprechenden Katasters. Aus dem Jahr 1869 wird die Gründung des „Gesangvereins Frohsinn“ und für 1874 die Gründung der „Spar- und Darlehnskasse“ vermeldet. Die Schule in Affolterbach betreffend gibt es weitere Nachrichten: So wurde diese 1878 aufgestockt und mit einem Glockentürmchen ersehen; 1880 wurde in der jetzt zweiklassigen Schule Unterricht für 140 Kinder gehalten und 1890 wurden in dem jetzt aus 710 Einwohnern bestehenden Dorf 204 Schüler in zwei Klassen gezählt. 1881 erfolgte in Affolterbach die Regulierung des Ulfenbachs. In das Jahr 1894 fiel die Gründung des Kirchenbauvereins, dem die Zarin von Russland 100 Rubel in Gold spendete und dessen Bemühungen 1906 zur Grundsteinlegung der Gustav-Adolf-Kirche führten. Die Kirche wurde durch den Kirchenbaumeister Friedrich Pützer im Jugendstil entworfen. 1895 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr und eine hessisch großherzogliche Postagentur wurde eingerichtet, die auch die Orte Kocherbach, Tromm, Scharbach, Wahlen postalisch versorgte. 1906 erfolgte die Gründung des „Gesangvereins Blüte“ und 1911 verlegte die Gemeinde eine Wasserleitung zur Trinkwasserversorgung.

Am 1. August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus, der hier wie im ganzen Deutschen Reich der positiven wirtschaftlichen Entwicklung ein Ende setzte. Als nach der deutschen Niederlage am 11. November 1918 der Waffenstillstand unterschrieben wurde, hatte der Krieg insgesamt rund 17 Millionen Menschenopfer gekostet. In Affolterbach waren 29 Gefallene zu beklagen., abgerufen am 22. Juli 2014. Das Ende des Deutschen Kaiserreiches war damit besiegelt und die unruhigen Zeiten der Weimarer Republik folgten. In der Zeit von 1921 bis 1930 wurden in Deutschland 566.500 Auswanderer gezählt, die versuchten, den schwierigen Verhältnissen in Deutschland zu entfliehen.

Aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen können der Ortschronik die folgenden Ereignisse entnommen werden. 1922 wurde der Ort an die elektrische Stromversorgung angeschlossen. 1925 erhielt die Kirche in Affolterbach neue Glocken, als Ersatz für die während des Ersten Weltkriegs requirierten und eingeschmolzenen Glocken. 1926 erhielt der Ort eine elektrische Straßenbeleuchtung und die Ulfenbachbrücke in der Mühlstraße wurde erbaut. 1926 gründet sich erneut ein Männergesangverein sowie ein Sportverein, der 1932 am Ortsausgang Richtung Olfen einen in Notstandsarbeit errichteten Sportplatz erhielt. Ebenfalls als Notstandsarbeit wurde 1931 die Kanalisation in der Haupt- und Mühlstraße gebaut.

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 konnten die Einwohner Affolterbachs 1934 das seltene Ereignis eines Zeppelinüberflugs erleben. 1936 behauptete sich in Affolterbach die evangelische Bekennende Kirche im Kirchenkampf gegen die Gleichschaltungsversuche der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK). 1938 trat der in Affolterbach geborene Kammersänger Joachim Sattler in Paris und London als Siegfried in Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ auf.