miniatur|Bildwerk, entstanden in einem Bildhauersymposion in Velpke von Paul Justus Lück in Bad Helmstedt miniatur|Heinrichsbrunnen aus Velpker Sandstein auf dem Hagenmarkt in Braunschweig Der Velpker Sandstein, auch Velpker Hartsandstein oder fälschlicherweise Rhätquarzit genannt, ist dem Oberen Keuper zuzurechnen. Dieser Sandstein wurde zumeist in zahlreicheren kleineren Steinbrüchen gewonnen, die eine geringe Mächtigkeit aufweisen. Entstanden ist der Sandstein durch Ablagerungen eines Flussdeltas im Raum Hameln, Hildesheim und um Velpke bei Helmstedt.Jochen Lepper: Naturstein 2/98, S. 74 Er ist einer der härtesten und verschleißfestesten Sandsteine Deutschlands. Ein organisierter Abbau in Steinbrüchen ist seit dem Jahre 1630 nachgewiesen. Velpker Sandstein ist seit dieser Zeit mit dem Namen der Steinmetzfamilie Körner verbunden, die erst in den 1990er Jahren den Steinbruchbetrieb aufgab und an den niedersächsischen Baukonzern Papenburg AG verkaufte. Die Velpker Sandsteinbrüche liegen zwischen Velpke und Danndorf im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen. Heute sind die meisten Steinbrüche geflutet; kein Steinbruch ist mehr im Jahre 2008 in Betrieb.

Vorkommen miniatur|Abdeckung einer Mauer aus Velpker Sandstein; deutlich ist die Färbung des Gesteins erkennbar. mini|Gefluteter Steinbruch (Velpker Sandstein) Der Velpker Sandstein entstand im Oberen Keuper (Rhät). In dieser Erdzeit entstanden große flächige quarzgebundene Sandsteine. Das Velpker Vorkommen entstand in einem Flussdelta vor etwa 200 Millionen Jahren. Der Fluss transportierte die Sandkörner und unter der Last der Eiszeitgletscher, die sich mehrere tausend Meter auftürmten, wurden die Sande verdichtet. Unter dieser Last wurde eine Drucklösung der Quarzkörner hervorgerufen und die Körner mit Kieselsäure umschlossen und zementiert. Das Hauptvorkommen dieses Sandsteins liegt zwischen Velpke und Danndorf und an einigen Stellen bei Querenhorst und Döhren tritt er an die Oberfläche. Im Süden und im Norden geht das Vorkommen in den Rätsandstein über. Die Lagerung ist regelmäßig und das Vorkommen zeigt selten eine Schichtung von 10 bis 20°. Die nutzbare Mächtigkeit liegt bei 8 bis 14 Metern, meistens allerdings 4 bis 6 Meter. Der Abbau wird durch hohe Abraummengen erschwert und ferner entstehen bei der Gewinnung flache Gruben, die sich aufgrund der Grundwasserverhältnisse schnell mit Wasser füllen.Sickenberg: Die Lagerstätten Niedersachsens, S. 116–120 (siehe Literatur)

Unter einem Abraum in einer Höhe von 3 bis 8 Metern, der aus Lockergestein und verwittertem Gesteinsmaterial besteht, befindet sich eine Sandsteinschicht, die bis zu 14 Meter mächtig ist. Die vier bis fünf für die Werksteingewinnung optimalen Sandsteinbänke befinden sich um untersten Bereich des Vorkommens. Die Bankhöhe erreicht maximal 1,50 Meter und die Blockformate, die sich gewinnen ließen, war 5,00 × 2,00 × 1,50 Meter, die für weitere Verwendungen aufgespalten wurden. Im mittleren Bereich der Schichtenfolge konnten lediglich Rohblöcke in einer Schichtenhöhe im Dezimeterbereich gewonnen werden. Diese Werksteine konnten lediglich für Mauersteine oder für Gartengestaltungen verwenden. Das andere darüberliegende Material, das sich für die Werksteinfertigung nicht verwenden ließ, wurde für den Wegebau oder als Schüttmaterial verwendet.

Gesteinsbeschreibung Seine Farben sind grau, grauweiß, gelbweiß, gelb bis graublau. Das Mineral, das dem Naturstein seine gelbe Farbe gibt, ist eisenhaltiger Limonit. Es handelt sich um einen feinkörnigen Sandstein, der nahezu nur als Quarz besteht, Feldspat und Glimmer treten sehr selten auf. In verschiedenen Banklagen zeigen sich dünne schwarze Schichtstreifen, die sich zum Spalten eignen. Einige Bänke, die das Mineral Pyrit (auch als „Katzengold“ bekannt) führen, werden Schwefelbänke genannt. Diese sind nicht für die Natursteingewinnung geeignet, da beim Einbau im Freien mit Rostbildung zu rechnen ist. Es gibt vereinzelt Gesteinsschichten, die weniger quarzitische Bindung aufweisen. Die Kornbindung ist quarzitisch, daher handelt es sich bei diesem Gestein um einen der härtesten bzw. verschleißfestesten Sandsteine Deutschlands. Er besteht nahezu vollständig mit 97,7 Prozent aus Quarz, dem härtesten Mineral in Gesteinen. Sandsteine mit einem Quarzanteil über 90 Prozent können als Hartsandsteine klassifiziert werden. Die Druckfestigkeit reicht je nach Gesteinslage von 500 bis 1.280 kg/cm² und die Wasseraufnahme ist mit 0,51 Prozent gering. Der Velpker Stein ist frostfest und gegen chemische Verwitterung resistent.Dienemann, Burre: Gesteine Deutschlands, S. 281 f (siehe Literatur)

Die Komponenten von Velpker Sandstein sind: 85 Prozent Quarz, 13 Prozent Gesteinsbruchstücke, 1 Prozent Feldspat, Akzessorien unter 1 Prozent (Muskovit, Turmalin, Zirkon, Carbonat).Wolf-Dieter Grimm, Bildatlas wichtiger Denkmalgesteine der Bundesrepublik Deutschland, hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Gesteins Nr. 113, Lipp-Verlag. München 1990. ISBN 3-87490-535-7

Verwendung Bei einem Einbau als Werkstein im Freien dunkelt er nach einer Zeit von 15 bis 20 Jahren an seiner dem Wetter zugewandten Seiten nach. Dieses Nachdunkeln wird durch die gelben Bestandteile im Velpker Sandstein, das Limonit, hervorgerufen, das in gelöster Form an die Steinoberfläche transportiert wird. Dieser Vorgang ist nicht schädlich für die Werksteine.

Der Velpker Sandstein diente als Werkstein für Mauern und Bauwerke. Er wurde für profilierte Gesimse, Treppenstufen, Bodenbeläge innen und Gehwegplatten außen, Pflastersteine, Mühlsteine und als Viehtröge verwendet. Der Stein ist ein hervorragender Wasserbaustein. Seine Hitzeeigenschaften zeichnen ihn aus, da er hohe Temperaturen ohne Deformation übersteht. Er kann zermahlen zur Flaschenglasherstellung benutzt werden. Auch als Ofenbaustein und Wetzstein sowie als Säuretrog in der chemischen Industrie fand er früher Verwendung.

Gründung der Steinbrüche Um das Jahr 1630 reiste Michael Körner mitten im Dreißigjährigen Krieg in die Gegend von Velpke. Er war 1580 im Sächsischen Moßbach geboren und hatte sich als Steinmetzmeister in Eisleben im heutigen Sachsen-Anhalt niedergelassen. Nach dem Tode seiner Frau und wirtschaftlicher Unsicherheit in Eisleben verließ er mit seinen Söhnen Hans und Justus diesen Ort und erschloss das Sandsteinvorkommen im Danndorf-Velpker Raum. Er beantragte die Konzessionierung des Steinbruchs und traf damit das Interesse der Grund- und Gerichtsherren auf Büstedt und der Braunschweiger Landesherrschaft, die sich eine zusätzliche Einnahmequelle versprachen. Auch die Bauern, die Spanndienste zu leisten und einen entsprechenden Bestand an Zugpferden hatten, dürften Interesse an der Erschließung von Steinbrüchen gehabt haben. Nach 1630 war ein gewisser wirtschaftlicher Aufschwung in Velpke zu verzeichnen. Doch erst Ende des 17. Jahrhunderts gab es einen Aufschwung, der durch das Steinhauergewerbe verursacht wurde. Zuvor war der Ort durch bäuerliches Leben geprägt.

Entwicklung des Steinbruchsortes miniatur|Technische Universität Braunschweig aus Velpker Sandstein miniatur|Universitätsbibliothek Göttingen miniatur|Hannover: Welfenschloss um 1895 Die Steinmetzmeister Velpkes waren entsprechend einem überlieferten Dokument von 1715 gemeinsam mit den Maurern in einer Zunft in Schöningen organisiert. Als Napoleon 1808 die Zünfte auflöste und ihr Vermögen vereinnahmte, blieb entgegen diesem Verbot in Velpke die Zunft mit 13 Steinmetzmeistern bestehen. Die Zunft wurde vor dem Kreisgericht des Amts Vorsfelde endgültig verboten. Einige Velpker Steinmetzmeister, darunter Christian Körner sen. und Johann Friedrich Körner jun. hatten sogenannte unzünftige Gesellen eingestellt. Die unzünftigen Gesellen hatten weniger als vier Jahre Ausbildung und sollten auf Beschluss der neu gegründeten Nachfolgeorganisation der Innung, einer Soziätät, die unter anderem eine Kranken- und Sterbekasse war, entlassen werden. Die Meister wehrten sich dagegen, weil sie befürchteten, dass sie alle Mitarbeiter zu verlieren würden. Sie gewannen den Rechtsstreit und die Soziätät musste die Gesellen aufnehmen.

Der Körnerbetrieb lieferte bereits 1680 große Mengen unbrennbare Glasofensteine nach Mecklenburg und Lübeck. Der Unternehmer Körner beantragte 1743 erfolglos beim Herzog Braunschweigs auf ein ausschließliches Privileg für diesen Steinhandel. Durch den erfolgreichen Auslandsabsatz gerieten alle Steinmetzbetriebe Velpkes in eine gewisse Exportabhängigkeit und als die Regierung Preußens Anfang 1770 die Einfuhr dieser Steine untersagte, ging der Umsatz von Velpker Sandstein erheblich zurück.

1749 versuchte Christian Körner tiefer als seine Wettbewerber Natursteine zu brechen, was aufgrund der Wasserverhältnisse im Steinbruchgebiet ein schwieriges Unterfangen war. Das Wasser musste mit hölzernen Pumpen und Pferdeantrieben abgepumpt werden und diese Technik war Anfang des 18. Jahrhunderts nicht ausgereift. Dieser Versuch misslang gänzlich, zeigte dennoch, dass die Steinmetzfamilie Körner Wagemut und Kreativität besaß. Ferner war die Beseitigung des Abraums und nutzloser Sandsteine für alle Steinbrüche ein technisches und finanzielles Problem, weil diese Materialien nicht planvoll, sondern auf das darunter liegende Steinmaterial abgelagert wurden. Dadurch war der weitere Aufschluss erheblich behindert und teuer, weil die Massen erneut bewegt werden mussten.

Um 1800 wurde der Velpker Sandstein nicht nur regional verkauft, sondern auch nach Preußen, Hannover und nach Russland. Ende des 19. Jahrhunderts setzte in Velpke die Industrialisierung ein. Es wurden Maschinen zur Steingewinnung und -bearbeitung eingesetzt, was nicht zum Arbeitsplatzverlust, sondern zu einer Vermehrung von Arbeitskräften führte, weil die Nachfrage anstieg. Ab 1824 wurde die Entwicklung des Orts Velpke durch die Steinbrüchen dominiert, denn nicht nur die Steinmetzmeister, Steinmetzgesellen und Steinhauer arbeiteten in den Steinbrüchen, sondern auch Tagelöhner und Bauern profitierten von der Nachfrage an Arbeit und Waren.

1682 wies eine Handwerkererhebung sechs Steinhauer aus, bereits 70 Jahre später wurden 13 Steinmetzmeister und 26 Gesellen und 1772 wurden 15 Steinmetzmeister gezählt. Ab 1824 fiel die Anzahl auf 12 Meister zurück, die über 100 Gesellen und 100 Tagelöhner in den Steinbrüchen bei einer Gesamtbevölkerung Velpkes von 565 Personen beschäftigten. 1858 ging die Nachfrage nach Steinen zurück und 12 Meister, etwa 50 Gesellen und 10 Lehrlinge waren in Velpke beschäftigt. Obwohl der Absatz sich wieder entwickelte, ging in der Folgezeit die Anzahl der Meister auf drei zurück und diesen stand eine erhebliche Anzahl vom Gesellen und Helfern gegenüber.Eggers, Riesener: Geschichte des Steinhauens S. 14 (siehe Literatur) Offenkundig selektierten in diesem wirtschaftlichen Umfeld die Meisterbetriebe, die großen kauften die kleinen auf.