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Pobiti Kamani (; deutsch In den Boden gerammte Steine, bis 29. Juni 1942 Dikilitaš, türkisch für „Zerbrochene Steine“) ist eine weit verteilte Gruppe von Steinformationen im Osten Bulgariens nicht weit vom Schwarzen Meer. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Areals beträgt 11 Kilometer, die Ost-West-Ausdehnung 6 Kilometer, insgesamt stehen heute 24 Flächen unter Schutz. Gelegentlich wird wegen der Ähnlichkeit mit zu Stein gewordenen Bäumen auch die Bezeichnung Steinerner Wald verwendet.Information zum Steinwald auf 'Zone Bulgaria'; abgerufen am 15. Februar 2010
Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts und der genauen Beschreibung durch einen russischen Archäologen und Historiker wurden diese säulenförmigen Steinformationen für die Überreste einer griechischen Stadt gehalten. Nur 8 Kilometer weiter westlich liegen die Überreste von Marcianopolis, der größten ehemaligen römischen Stadt im heutigen Bulgarien.
Lage mini|
Die Steinformationen Pobiti Kamani befinden sich 19 Kilometer westlich der Hafenstadt Warna und 11 Kilometer östlich von Dewnja, sie erstrecken sich über eine Fläche von rund 50 Quadratkilometern bis südlich des Beloslawsees. Die 7 großen, 7 mittleren und 4 kleinen Schutzareale sowie einige Einzelformationen umfassen zusammen Schutzzonen von 253,3 Hektar Fläche. Ein Großteil der Steinformationen liegt zu beiden Seiten der Awtomagistrala Hemus, der Autobahn 2 Sofia–Warna, einem Teil der Europastraße 70. Umgeben sind die Pobiti Kamani von den Dörfern Slantschewo und Banowo im Norden, Straschimirowo im Südosten, Beloslaw im Süden sowie dem Ort Poweljanowo, einem Stadtteil von Dewnja, im Westen.
Die Steinformationen sind zu 14 Gruppen zusammengefasst: Banowo (32,4 ha; ) Slantschewo West (81,2 ha; ) Slantschewo Südost (33,5 ha; ) Diklitasch Nord (0,9 ha; ) Diklitasch Süd (16,8 ha; ) Kariera West (1,5 ha; ) Ostrijahügel (1,0 ha; ) Kanarata (50,0 ha; ) Straschimirowo (2,6 ha; ) Awrenskafeld (1,0 ha; ) Beloslaw West (10,0 ha; ) Golijatgipfel (2,3 ha; ) Ptschelina (10,0 ha; ) Teterlika (5,6 ha; )
Die südliche Diklitasch-Gruppe (bulg. Дикили Таш; türkisch für „zerbrochene Steine“) ist die größte, beeindruckendste und am besten erhaltene Formation. Hier sind über 300 Steinsäulen auf einem langen schmalen Streifen von ungefähr 850 mal 120 Metern angeordnet. Durch den nördlichen Teil dieser Gruppe führt die Republikstraße I-2. Weitere 50 Steinsäulen stehen etwas weiter südlich in einer kleineren Gruppe.
Die Straschimirowo-Gruppe liegt südöstlich von den Diklitasch-Gruppen und besteht aus vier Reihen, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Hier haben die meisten Säulen eine deutliche Verdickung in der Mitte.
Beschreibung mini| mini| mini|
Es sind Steinsäulen von 5 bis 7 Metern Höhe, einige erreichen bis 10 Meter. Sie haben einem Durchmesser von 30 Zentimetern bis 3 Meter und dabei ganz unterschiedliche Querschnitte. Einige Säulen sind in zwei oder mehr Teile zerbrochen. Sie stehen einzeln oder in Gruppen aufrecht in der Landschaft, so als ob sie eine gewaltige Kraft absichtlich in den Sand gerammt hat. Daher auch der Name Pobitite Kamani (mit Artikel; bzw. Pobiti kamani - ohne bestimmten Artikel), was sich etwa mit „Die eingerammten Steine“ oder „Die eingeschlagenen Steine“ übersetzen lässt. Wegen der Ähnlichkeit mit einem versteinerten Wald wird auch gelegentlich die Bezeichnung Steinwald (engl. Stone forest) verwendet, nicht zu verwechseln mit dem Steinwald, einer Karstlandschaft im autonomen Kreis Shilin in China.
Die Säulen haben keine feste Unterlage. Sie sind hohl und mit Sand gefüllt. Neben den sichtbaren Säulen gibt es weitere Säulen, die im Erdreich verborgen sind. Diese verborgenen Säulen sind im Untergrund in bis zu drei Etagen angeordnet. Lediglich bei der Säulengruppe Kariera sind diese Etagen freigelegt, so dass dort insgesamt vier Schichten von Säulen sichtbar sind, die sich insgesamt über eine Höhe von 25 Meter erstrecken. Jede Schicht steht auf einer eigenen Basisschicht aus Kalkstein, die wahrscheinlich alle den gleichen Entstehungsmechanismus haben.
Die Freilegung der unteren Etagen bei der Gruppe Kariera ist zum Teil auch von Menschenhand erfolgt, wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Abbau von Bausand. Als Sandgrube wird dieses Areal allerdings schon länger nicht mehr genutzt.
Die Steinsäulen waren in früheren Zeiten ein heiliger Platz. Erstmals dokumentiert wurden sie 1829 von dem russischen Archäologen und Historiker Viktor Tepljakow in seinem Buch „Briefe aus Bulgarien“ (Писма от България). Während des Russisch-Türkischen Krieges von 1828–1829 besuchte er am 22. April 1829 die „Zerbrochenen Steine“, die er als „Ruinen von Gebedzhinsky“ (Гебеджински развалини, damals Beloslaws Ortsteil Gebedzhen) bezeichnete. Die dünnste von ihm gemessene Säule hatte einen Durchmesser von 1,35 Metern und war hart wie Marmor. Sein Buch erschien 1833 in Moskau. (russisch).
Um dieses Naturphänomen zu erhalten, sind 1937 die ersten Flächen zu Schutzgebieten erklärt („Nationale Natursehenswürdigkeit“) worden. Viele Steinsäulen erinnern an Tiere oder Objekte und bekamen entsprechende Namen: „Der Steinwächter“, „Das Kamel“, „Der Thron“, „Der Steinwald“, „Der Löwe“, „Der Wasserfall“.
Ursprung Bei diesen Steinformationen handelt es sich um ein seltenes Naturphänomen. Über den Ursprung der Formationen, die mutmaßlich unter dem Meeresboden vor 50 Millionen Jahren im unteren Eozän entstanden sind, gibt es verschiedene Hypothesen. Von Einigen wird ein organischer Ursprung vermutet und die Entstehung auf Ablagerungen von Korallen und Algen zurückgeführt. Alternativ wird ein mineralischer Ursprung angenommen, wobei die Verwitterung prismatische Steinformationen gebildet hat, ähnlich dem Giant’s Causeway in Nordirland. Auch die Bildung als Sand-Kalk-Ablagerungen wird als mögliche Ursache vermutet.
Freigelegt wurden diese Formationen im Wesentlichen durch Erosion und tektonische Hebungen.
Weblinks
Pobitite Kamani - Lower Eocene Bubbling Reefs (engl.; pdf) (355 kB) Bildergalerie youtube-Film
Einzelnachweise
Kategorie:Felsen in Bulgarien Kategorie:Geographie (Oblast Warna) Kategorie:Wüste in Europa Kategorie:100 nationale touristische Objekte (ehemals)