Die Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2008 waren Wahlen, die von den Parteien in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurden, um landesweite Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2008 zu bestimmen.

Da sich die Verfahren je nach Partei und Bundesstaat stark unterscheiden, sind die Vorwahlen im Wesentlichen ein Überbegriff für die Entscheidung darüber, welcher Kandidat landesweit antreten wird. Bei den großen Parteien handelt es sich um eine Serie von Wahlen in allen 50 Bundesstaaten sowie weiteren Territorien der Vereinigten Staaten, bei denen Delegierte gewählt werden, die dann über den Kandidaten an einem nationalen Parteitag entscheiden.

Verfahren Jeder Staat hat sein eigenes Verfahren zur Durchführung der Vorwahlen, die sich je nach Partei noch unterscheiden können. So ist zwar meistens der Typ der Vorwahl bei beiden großen Parteien der gleiche, aber Wahltermin und die genaue Zuteilung der Delegierten unterscheidet sich.

Folgende Typen von Vorwahlen gibt es:

Bei den Primaries wird wie bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl mit einem Wahlzettel abgestimmt. Bei geschlossenen Primaries dürfen nur die registrierten Wähler der abzustimmenden Partei und bei den offenen Primarys die registrierten Wähler aller Parteien ihre Stimme abgeben. Bei einem Caucus treffen sich alle registrierten Wähler einer Partei. Die Wähler trennen sich dabei in Gruppen auf, je nachdem welchen Kandidaten sie unterstützen. Die unentschlossenen Wähler werden anschließend von den einzelnen Gruppen umworben. Am Ende des Caucus zählen die Verantwortlichen die Leute der einzelnen Gruppen und stellen so das Ergebnis der Wahl zusammen. Hierbei muss man dieses Verfahren zumindest bei den Demokraten wörtlich sehen: In einer Ecke der Wahlhalle treffen sich z. B. die Anhänger von Kandidat A, in der gegenüberliegenden die von Kandidat B etc. Bei den Republikanern läuft dagegen ein Caucus am Ende des Tages so ab, wie Parteiversammlungen hierzulande: Die Abgeordneten schreiben den Namen „ihres“ Kandidaten auf einen Zettel, am Ende wird ausgezählt. Allerdings gibt es auch in diesem Punkt Unterschiede in den einzelnen Staaten. Weiterhin gibt es die sogenannte State Convention, die einen Parteitag des Staates darstellt. Die beiden großen Parteien nutzen diese Versammlungen meist nur noch, um die zuvor bei Primarys oder Caucuses gefällten Entscheidungen zu bestätigen. In einzelnen Staaten bestimmt der Parteitag auch selbst noch über einen Teil der Delegierten. In den kleineren Parteien spielen diese Parteitage eine größere Rolle, da hier nicht in allen Fällen eine allgemeine Vorwahl durchgeführt wurde.

Bei der Anzahl der Delegierten, die ein Kandidat zugesprochen bekommt, gibt es bei Demokraten und Republikanern Unterschiede: Die Demokraten haben ein an die Proportionalität angenähertes System. Das heißt, jeder Kandidat bekommt je nach Ergebnis die entsprechenden Delegierten zugesprochen. Jedoch wird ein nicht unerheblicher Anteil der Delegierten nicht durch Wahlen bestimmt, vielmehr haben Mitglieder des Kongresses (Abgeordnetenhaus, Senat), andere Gewählte sowie Funktionäre der Partei automatisch den Delegiertenstatus. Die Republikaner vergeben die Delegierten entweder nach dem proportionalen System wie die Demokraten oder nach der „The winner takes them all“-Methode. Dabei werden dem Gewinner einer Vorwahl alle Delegierten zugesprochen.About the Primary – Caucus – Convention System

Die Bundesstaaten Iowa und New Hampshire sind von besonderer Bedeutung, da sie traditionell die ersten Primary- beziehungsweise Caucus-Staaten sind und für den jeweiligen Sieger eine bedeutende mediale Berichterstattung nach sich ziehen. Daher ist das Hauptziel der meisten Bewerber, in diesen Staaten ein gutes Resultat zu erzielen, um für den „Super Tuesday“Results February 5 - Super Tuesday. CNN Politics am 5. Februar 2008 eine erfolgversprechende Ausgangsposition zu haben.

Kandidaten

Demokratische Partei Kandidat Bild Amt Ausstiegsdatum Positionen zu Wahlkampfthemen (englisch) Wahlkampf-Website (englisch) Barack Obama 100px|Barack Obama Senator aus Illinois Präsidentschaftskandidat W Hillary Clinton 100px|Hillary Clinton Senatorin aus New York USA: Clinton beendet Wahlkampf: „Ich gebe ihm meine volle Unterstützung“. sueddeutsche.de W Mike Gravel 100px|Mike Gravel Ehemaliger Senator aus Alaska (Parteiwechsel)Erklärte den Übertritt zur Libertarian Party und wird versuchen, dort die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten zu erlangen. P W John Edwards 100px|John Edwards Ehemaliger Senator aus North Carolina Demokrat Edwards gibt auf – Duell zwischen Obama und Clinton. Spiegel Online Dennis Kucinich 100px|Dennis Kucinich Abgeordneter aus Ohio Demokrat Kucinich steigt aus US-Präsidentschaftsrennen aus. Welt Online Bill Richardson 100px|Bill Richardson Gouverneur von New Mexico US-Medien: Präsidentschaftsbewerber Richardson gibt auf Joe Biden 100px|Joe Biden Senator aus Delaware Vizepräsidentschaftskandidat Chris Dodd 100px|Christopher Dodd Senator aus Connecticut W

Republikanische Partei Kandidat Bild Amt Ausstiegsdatum Positionen zu Wahlkampfthemen (englisch) Wahlkampf-Website (englisch) John McCain 100px|John McCain Senator aus Arizona Präsidentschaftskandidat P W Ron Paul 100px|Ron Paul Abgeordneter aus Texas Paul suspends presidential campaign; forms new organization. CNN.com W Alan Keyes 100px|Alan Keyes Ehemaliger US-Botschafter bei den UN aus Maryland (Parteiaustritt). Die Ankündigung, dass Keyes eine öffentliche Rede zu seinem Parteiaustritt am 15. April durchführen würde, wurde am 13. April veröffentlicht. Der offizielle Übertritt erfolgte aber wahrscheinlich schon früher, da Keyes’ Webseite schon vorher Referenzen auf seine voraussichtlich neue Partei, die Constitution Party, enthielt, und inoffizielle Informationen schon Ende März an die Öffentlichkeit drangen (Third Party über Alan Keyes’ Parteiaustritt). W Mike Huckabee 100px|Mike Huckabee Ehemaliger Gouverneur von Arkansas John McCain wird Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Spiegel Online P W Mitt Romney 100px|Mitt Romney Ehemaliger Gouverneur von Massachusetts Romney steigt aus US-Präsidentschaftsrennen aus. Reuters Deutschland Do Feb 7, 2008 W Rudy Giuliani 100px|Rudy Giuliani Ehemaliger Bürgermeister von New York City Giuliani gibt auf - und wirbt für McCain. Spiegel Online,30. Januar 2008 Fred Thompson 100px|Fred Thompson Ehemaliger Senator aus Tennessee Fred Thompson Drops Presidential Bid. ABC News, 22. Januar 2008 Duncan Hunter 100px|Duncan Hunter Abgeordneter aus Kalifornien Hunter exits presidential race. CNN Political Ticker, 19. Januar 2008 P W

Green Party Nominierungsparteitag vom 10. bis 13. Juli in Chicago, Illinois. Kandidat Bild Amt Vizepräsidentschaftskandidat Wahlkampf-Website (englisch) Cynthia McKinney 100px|Cynthia McKinney Ehemaliges Mitglied des Repräsentantenhauses Rosa Clemente

Constitution Party Nominierungsparteitag am 26. April 2008 in Kansas City, Missouri. Kandidat Amt Vizepräsidentschaftskandidat Wahlkampf-Website (englisch) Chuck Baldwin Priester, Radiomoderator und Vizepräsidentschaftskandidat der Partei im Jahr 2004 Darrell Castle

Libertarian Party Nominierungsparteitag am 25. Mai 2008 in Denver, Colorado. Kandidat Bild Amt Vizepräsidentschaftskandidat Wahlkampf-Website (englisch) Bob Barr 100px|Bob Barr Ehemaliger republikanischer Kongressabgeordneter aus Georgia, Rechtsanwalt Wayne Allyn Root W

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Mike Gravel, dessen Wahlkampf aber weitgehend unbeachtet blieb, hatte sich nach seinem Parteiaustritt um die Nominierung der Libertarian Party bemüht. Nach seinem Scheitern verkündete er das Ende seiner politischen Karriere.Associated Press, 25. Mai 2008 (englisch)

Bob Barr ist seit der Präsidentschaftswahl 1988 das erste Mitglied des Repräsentantenhauses, das für eine Drittpartei als Präsidentschaftskandidat antritt. Er wird als Alternative für konservative Wähler gesehen, die sich mit dem als moderat geltenden McCain nicht anfreunden können.

Prohibition Party Nominierungsparteitag am 14. September 2007 in Indianapolis, Indiana. Kandidat Amt Vizepräsidentschaftskandidat Wahlkampf-Website (englisch) Gene Amondson Priester und Präsidentschaftskandidat der Partei im Jahr 2004 Leroy Pletten W

Socialist Party USA Nominierungsparteitag am 20. Oktober 2007 in St. Louis, Missouri. Kandidat Amt Vizepräsidentschaftskandidat Wahlkampf-Website (englisch) Brian Moore Manager im Gesundheitsbereich Stewart Alexander W

Socialist Workers Party Kandidat Amt Vizepräsidentschaftskandidat Wahlkampf-Website (englisch) Róger Calero Journalist Alyson Kennedy W

Róger Calero ist nicht in den Vereinigten Staaten geboren und auch kein amerikanischer Staatsbürger. Er kann daher aus verfassungsrechtlichen Gründen kein Präsident werden, und seine Kandidatur wäre in zahlreichen Staaten auch nicht möglich. Seine Partei behalf sich in der vergangenen Wahl, als ebenfalls Calero Kandidat war, damit, dass sie den Kandidaten von 2000, James Harris, als Kandidaten auf dem Wahlzettel einschreiben ließ. Allerdings ist es Calero auch im Falle einer Mehrheit unter den Wahlmännern nicht möglich, zum Präsidenten gewählt zu werden.

Unabhängige Kandidaten Der Bürgermeister von New York City, Michael Bloomberg, betrieb eine Wähleranalyse in allen 50 US-Staaten und galt als potentieller parteiloser Kandidat, entschied sich Ende Februar 2008 aber gegen eine Kandidatur fürs Weiße Haus.Milliardär Bloomberg will nicht ins Weiße Haus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Februar 2008.

Am 24. Februar 2008 verkündete Ralph Nader, dass er als unabhängiger Kandidat in den Präsidentschaftswahlkampf einsteige. Der Verbraucheranwalt hatte schon in den Jahren 2000 und 2004 für das Weiße Haus kandidiert und erhielt dabei 2,7 % beziehungsweise 0,4 % der Stimmen. Nader wollte die Themen Umweltschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes stellen.Ralph Nader will wieder einmal Präsident werden. Welt Online

Kandidat Amt Vizepräsidentschaftskandidat Wahlkampf-Website (englisch) John Taylor Bowles Ladenbesitzer, National Socialist Order of America Matthew Ramsey W Jackson Kirk Grimes United Fascist Union W Frank Moore Performancekünstler Susan Block W Ralph Nader Verbraucheranwalt, mehrfacher Präsidentschaftskandidat Matt Gonzalez W Jonathon Sharkey Boxer, Wrestler und Satanist, Vampires, Witches and Pagan Party

Verlauf

Demokratische Vorwahlen

Ausgangslage In nationalen Umfragen führte Hillary Clinton im Dezember 2007 noch mit 45 % deutlich vor Barack Obama mit 27 % und John Edwards mit 15 %, bevor es im Januar nach den Wahlen in Iowa zu starken Verlusten für Clinton kam. Die Januar-Umfragen zeigten Clinton und Obama mit je 33 % Kopf an Kopf und Edwards mit 20 % ebenfalls mit deutlichen Gewinnen.

Vor dem Super Tuesday In Iowa konnte Obama bei den ersten Vorwahlen deutlich vor Edwards und Clinton die meisten Stimmen auf sich ziehen,Reuters: „Obama and Huckabee win first 2008 vote“ (3. Januar 2008) obwohl Clinton im Herbst 2007 noch einen Vorsprung von mehr als 10 % auf Obama und Edwards hatte. In einer im November 2007 durchgeführten Umfrage lag Obama schließlich das erste Mal vor Clinton und baute seinen Vorsprung von da an kontinuierlich aus. Joe Biden und Chris Dodd kündigten nach ihren Niederlagen in Iowa ihren Rückzug aus dem Wahlkampf an.