mini|Vierseithof der Denkmalschmiede Höfgen Die Denkmalschmiede Höfgen ist eine private Kultur- und Beherbergungseinrichtung im Landkreis Leipzig mit Sitz im Ortsteil Kaditzsch der Ortschaft Höfgen. Sie liegt etwa vier Kilometer südöstlich von Grimma auf einer Anhöhe über der Mulde. Die Anlage befindet sich auf dem Gelände eines historischen Vierseithofs, der ab 1976 denkmalgerecht rekonstruiert wurde. Die Einrichtung verbindet Denkmalpflege mit künstlerischer, wissenschaftlicher und kultureller Arbeit und wird heute als Hotel und Veranstaltungsort genutzt.
Lage und Geschichte Die Anlage gehört historisch zum wirtschaftlichen Umfeld des 1243 gegründeten Zisterzienserklosters Marienthron in Nimbschen und wurde nach der Reformation landwirtschaftlich genutzt. Die heutige bauliche Gestalt des Vierseithofs entstand im Wesentlichen zwischen dem 17. und frühen 19. Jahrhundert und entspricht der für die Region typischen Hofstruktur.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das Anwesen und war vom Abriss bedroht. Ab Mitte der 1970er-Jahre begann eine private Initiative mit der schrittweisen Rekonstruktion des Ensembles, die 1992 weitgehend abgeschlossen wurde. Den Aufbau und die inhaltliche Ausrichtung prägten der Psychophysiker Kurt Uwe Andrich und die Grafikdesignerin Kristina Bahr.
Für die Sanierung erhielt die Einrichtung 1994 eine Auszeichnung im Rahmen des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege (Sachsen). 2007 erhielt die Einrichtung den Sächsischen Initiativpreis für Kunst und Kultur.
Im Umfeld der Denkmalschmiede entstanden seit den 1990er-Jahren weitere Projekte, die mit der Initiative des Hauses in Verbindung stehen. Dazu gehören der Neubau einer Schiffmühle auf der Mulde in historischer Bauweise sowie die Rekonstruktion des Jutta-Parks mit seinem Aussichtsturm. Zudem wurden medienpädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche etabliert.
Kulturelle und wissenschaftliche Arbeit mini|Bismarckturm im Jutta-Park In den 1990er- und 2000er-Jahren entwickelte sich die Denkmalschmiede zu einem interdisziplinären Ort künstlerischer und wissenschaftlicher Arbeit. Eine institutionelle Förderung durch den Kulturraum Leipziger Raum ermöglichte zwischen 1995 und 2011 unter anderem ein internationales Stipendienprogramm. Mehrere hundert Gaststipendiaten aus dem In- und Ausland nutzten die Ateliers für konzentrierte Arbeitsphasen. Das Programm richtete sich neben Künstlern auch an Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen und förderte den interdisziplinären Austausch. Die Verbindung künstlerischer und wissenschaftlicher Ansätze war ein prägendes Merkmal der Arbeit vor Ort.
Zu den Künstlern und weiteren Gästen, die in der Denkmalschmiede tätig waren, zählen unter anderem Daniela Krien, Thomas Kapielski, Friedrich Schenker, Sven-Åke Johansson, Erwin Stache und Klaus Renft. Ein Schwerpunkt lag zudem auf der Fotografie, unter anderem mit Arbeiten von Rosemarie Fret, Günter Rössler, Roger Rössing und Gerhard Weber. Weiterhin wirkten hier der Toxikologe Reinhard Ludewig, der Typograf Andreas Stötzner und die Chemikerin und Künstlerin Grit Kalies.
Editionen und Label Die Tätigkeitsfelder werden durch den Hausverlag Edition Waechterpappel sowie das Musiklabel Beoton dokumentiert.
Publikationen (Auswahl) Gerhard Weber: Lebenszeit – Lifetime. Fotografie 1991 bis 2011. Edition Waechterpappel, Grimma 2011, ISBN 978-3-933629-32-6. Kristina Bahr (Hrsg.): Haïti Art Naïf. Edition Waechterpappel, Grimma 2010, ISBN 978-3-933629-30-2. Roger Rössing: Aktfotografie – Nude photography. Edition Waechterpappel, Grimma 2009, ISBN 978-3-933629-31-9. Tobias J. Knoblich (Hrsg.): Kriterien für die Soziokultur. Zur Entwicklung in Sachsen. Edition Waechterpappel, Grimma 2008, ISBN 978-3-933629-27-2. SIGNA Nr. 9 – Das große Eszett. Edition Waechterpappel, Grimma 2006, ISBN 3-933629-17-9. Nina Stößinger: Das gefügte Zeichen. Edition Waechterpappel, Grimma 2006, ISBN 3-933629-18-7. Reinhard Ludewig: Johann Sebastian Bach im Spiegel der Medizin. Edition Waechterpappel, Grimma 2000, ISBN 3-933629-01-2.
Organisation und heutige Nutzung Die Organisationsstruktur der Einrichtung wurde nach 2012 grundlegend verändert. Mit dem Ende der staatlichen Zuwendungen erfolgte eine organisatorische Neuordnung des Betriebs. Die Denkmalschmiede wird heute – wie bereits in der Aufbauphase vor 1992 – als privates Einzelunternehmen geführt. Der Schwerpunkt liegt auf der Erhaltung des Ensembles durch eine kombinierte Nutzung als Veranstaltungsort und Hotel.
Nutzung Die Anlage dient als Ort für private Feierlichkeiten sowie für geschäftliche und kulturelle Veranstaltungen wie Tagungen, Retreats und Seminare. Historische Innenräume bieten Platz für Veranstaltungen mit bis zu 120 Personen; ergänzend stehen Außenflächen zur Verfügung. Auf dem Anwesen stehen zehn Studios zur Verfügung. Zusammen mit Gästehäusern in unmittelbarer Nachbarschaft umfasst das Beherbergungsangebot insgesamt rund 100 Übernachtungsplätze. In begrenztem Umfang wird das Ensemble zudem für Medienproduktionen und künstlerische Projekte genutzt.
Einzelnachweise Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege Sachsen 1994. Sonderdruck aus: Deutsches Handwerk report / MONUMENTE. Darin: „3. Preis – Vierseiten-Gehöft, 04668 Höfgen (OT Kaditzsch), Eigentümer: Dr. Uwe Andrich.“
Weblinks
Offizielle Website der Denkmalschmiede Höfgen
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