120px|rechts Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Stadt Meiningen in Südthüringen von nachgewiesenen frühzeitlichen Siedlungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt sowie von der ersten urkundlich erhaltenen Erwähnung bis zur Gegenwart.

Vor der Ersterwähnung Erste Spuren einer Besiedlung im Meininger Stadtgebiet konnten 2015 bei einer archäologischen Ausgrabung mitten im Altstadtviertel Töpfemarkt nachgewiesen werden.www.archaeologie-online.de Ausgrabungen am Schwabenberg/Töpfemarkt in Meiningen. Hier fand man aus der Zeit des Endneolithikum Zeugnisse der Schnurkeramischen Kultur (2800–2200 v. Chr.).www.thueringen.de Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Im Schotter einer hochwassergeschützten Schwemmterrasse der Werra nahe einer Furt wurden unter mittelalterlichen Grundmauern Pfostengruben von Wohnhäusern, Keramikreste und Steingeräte aus der Jungsteinzeit entdeckt.Mathias Seidel, Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie: Der Töpfemarkt – Attraktiv seit der Jungsteinzeit. Amtsblatt der Stadt Meiningen, Ausgabe 8/2017.

In der Bronze- und Eisenzeit waren das Grabfeld und das Werratal im Raum Meiningen von Kelten dicht besiedelt. Es wurden unter anderem frühkeltische Siedlungen bei Untermaßfeld (1970) und auf dem Gelände des Englischen Gartens in Meiningen (1861) nachgewiesen.Staatliche Museen Meiningen/Bernd W. Bahn: Südthüringer Forschungen, Heft 17, Abschnitt: Meiningen vor der ersten urkundlichen Erwähnung, 1982. Von der Zeitenwende bis zum 4. Jahrhundert war das Werratal so gut wie nicht bewohnt.

Erst ab dem 5. Jahrhundert ließen sich hier germanische Stämme nieder, deren Siedlungen die typischen Endungen „-ungen“ oder „-ingen“ aufwiesen. Die Namensherkunft von Meiningen kann man auf diese germanischen Stämme zurückführen. Im Frühmittelalter gehörte das obere Werratal um Meiningen zum Austrasien genannten Ostteil des Fränkischen Reichs.William R. Shepherd: Frankenreich 481–814, Historical Atlas, Henry Holt and Company, New York 1911. Nach 900 war es dann Teil vom Grabfeldgau im neugebildeten Herzogtum Franken.

Meiningen entstand so vermutlich im 6. oder 7. Jahrhundert im Zuge der Bildung des Fränkischen Reichs, die mit dem Schaffen von Handelsstraßen, Flussübergängen und Grenzmarken betrieben wurde. Ein Schnittpunkt zweier solcher Handelsstraßen und einer Furt befand sich am heutigen südlichen Ende der Altstadt an der Werra (Das Gebiet ist identisch mit der Siedlung aus der Jungsteinzeit, siehe oben.). Einer dieser Handelswege war die sogenannte Hohe Straße, die aus dem Raum Gotha über Schmalkalden und Meiningen nach Würzburg führte. Die andere Straße kam über Rohr und die „Hohe Maas“ aus dem Raum Erfurt. Weitere Furten durch die Werra existierten im Bereich des später so genannten „Unteren Rasen“, dem heutigen Volkshausplatz, und südlich vom heutigen Schloss Elisabethenburg, wo vorher eine Wasserburg aus dem 11. Jahrhundert stand. 2012 wurden dort bei Bauarbeiten hölzerne Pfahlgründungen aus einer Zeit weit vor dem Burgbau entdeckt. Weiter fand man 2011 bei archäologischen Ausgrabungen im Süden der Altstadt regelmäßig angelegte Gräber aus dem Frühmittelalter (zirka 8. Jahrhundert).

Die Entstehung von Meiningen spätestens im 7. Jahrhundert lässt sich wegen der Errichtung eines fränkischen Königshofes an diesem Ort, der germanischen Namensherkunft, Aufgrund neuer archäologischer Funde und der urkundlich nachweisbaren Funktion als Hauptort und Namensgeber der Meininger Mark (Meiningermarca), einer kleinen Verwaltungseinheit im Grabfeldgau des Frankenreiches, begründen.

Ersterwähnung und Mittelalter mini|Ansicht von 1340 mini|Heinrichsbrunnen mit der Statue von Heinrich II. auf dem Marktplatz

Kaiser Otto II. übergab am 1. Oktober 982 in Capua sein Königsgut „Meiningen in der Meininger Mark“ (Originalschrift: …in villis Meininga in Meiningermarca…) dem Stift „Peterskirche“ in Aschaffenburg.Auszug aus der Ersterwähnungsurkunde von 982 – Stadtarchiv Meiningen. Nach aktuellen Erkenntnissen befanden sich Königsgut und Dorf Meiningen mit der Pfarrkirche „St. Martin“ nahe einer Furt durch die Werra im heutigen Süden der Meininger Altstadt. Einige Jahre später fiel Meiningen wieder an das Reich unter Kaiser Otto III. als Königsgut zurück. Meiningen gehörte zu dieser Zeit zum östlichen Grabfeldgau Grapfeld-Orientalis im Herzogtum Franken und war Hauptort einer Mark sowie Sitz einer Zehnt.

Um 1000 begann man mit der Errichtung einer Kirche, die bis heute nach einigen Umbauten als die Stadtkirche St. Marien besteht. Die urkundliche Ersterwähnung der Kirche erfolgte 1008. Durch steigende Bevölkerungszahlen, stetig wachsenden Handel und den Standort einer Zehnt, den die Bauern der Umgebung zur Entrichtung ihrer Steuern regelmäßig aufsuchen mussten, entstand neben der Kirche recht bald ein Markt, der sich in den nächsten Jahrzehnten zu einem Marktflecken entwickelte.

Als Entschädigung der Gebietsverluste infolge der Gründung des Bistums Bamberg übergab 1008 König Heinrich II. dem Hochstift Würzburg Meiningen neben weiteren Orten als Lehen („… in vico Meinungen …“).Meininger Urkundenbuch Nr. 3–5; Reg. Thur. I Nr. 614, 616, 618 – Stadtarchiv Meiningen. Dem Hochstift, das von den Bischöfen des Bistums Würzburg als Reichsfürsten beherrschte Territorium, gehörte Meiningen nun 534 Jahre lang mit einigen kurzen Unterbrechungen an. 1033 veranlasste Bischof Bruno bei einem Besuch den weiteren Ausbau der bis dahin in einfacher Form bestehenden Kirche. 1058 überließ Bischof Adalbero das Grabfeldgau und somit auch Meiningen der polnischen Königin Richeza, gelangten aber nach deren Tod 1063 wieder in den Besitz des Bistums. In dieser Zeit gingen die Pfarrrechte von der Kirche St. Martin zur Marienkirche über. 1067 herrschte wegen Missernten eine große Hungersnot im Ort. Mitte des 12. Jahrhunderts starben durch Seuchen und Wetterextremen zahlreiches Vieh sowie Vögel und Bienen. 1152 wütete die Pest in Meiningen, dem auch der damalige Amtmann Ruprecht zu Tann zum Opfer fiel. Im Jahr 1153 bekam der Ort durch den Landesherren mit der Gerichtsbarkeit das erste Stadtrecht verliehen, wurde aber nach bisherigen gesicherten Kenntnissen noch nicht als Stadt bezeichnet.

Im 11. Jahrhundert errichteten die Würzburger zum Schutz der Marktsiedlung als Wasserburg die Burg Meiningen am Ort des heutigen Schlosses Elisabethenburg, die erstmals 1168 urkundlich nachweisbar ist. Bischöfliche Burgmannen waren in jener Epoche unter anderen Gumbert von Meiningen (1168), Berthold von Meiningen (1206) und Otto von Meiningen (1240). Meiningen bestand in dieser Zeit überwiegend aus ein- bis zweistöckigen Fachwerkhäusern. Bewohnt war es von Handwerkern, Ackerbauern und den Burgmannen mit ihrem Gefolge. 1175 setzte ein Blitzschlag das Rathaus in Brand, infolgedessen ein Teil des Ortes abbrannte. Eine weitere Hungersnot wurde im Jahr 1191 vermeldet, bei der Wölfe bis in die Stadt drangen und im Lager des Kaisers Heinrich VI., das er für kurze Zeit in Meiningen aufschlug, Proviantvieh rissen.

Bei dem Versuch, die würzburgische Exklave Meiningen, der nördlichsten Stadt des Hochstifts Würzburg, dem Machtbereich der Grafschaft Henneberg einzuverleiben, erlitt die Stadt 1222 bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Bischof Otto I. von Würzburg und dem Grafen Poppo VII. von Henneberg schwere Zerstörungen.

Die Entwicklung zur Stadt und Spätmittelalter mini|hochkant=0.75|Die Stadtkirche im Jahr 1296 1230 wurde Meiningen erstmals in einer Urkunde als Stadt (civitas) genannt. Diese Urkunde beinhaltet eine richterliche Entscheidung, in der Graf Poppo VII. auf alle beanspruchte Rechte an der Stadt Meiningen verzichten musste.Mon. Boica XXXVII Nr. 205; Reg. Thur. II Nr. 2194 – Stadtarchiv Meiningen. Das genaue Jahr der Ernennung zur Stadt ist leider nicht mehr bekannt, dies dürfte aber zwischen 1200 und 1230 erfolgt sein. Das erste Wappen enthielt eine von drei Türmen gekrönte Stadtmauer mit geöffnetem Tor, in das eine Brücke führt. Später wurde die Brücke durch das Bild eines Bischofs mit Mitra ersetzt. In dieser Zeit begannen die Bürger mit der Befestigung der Stadt. Im Westen bereits von der Werra geschützt, entstanden als erstes die drei vom Fluss gespeisten Wassergräben, die das Stadtgebiet im Süden, Osten und Norden umgaben. Damit war Meiningen komplett von Wasser umschlossen. Danach erfolgte die Errichtung einer doppelten Stadtmauer mit Zwinger, rund 20 Wehrtürmen und den Tortürmen Oberes Tor und Unteres Tor. Später legte man vorgelagert südlich und nördlich der Stadt das Tal querend die Obere und Untere Landwehr an. Bis heute sind zwei der Wassergräben als Bleichgräben nahezu komplett und die Landwehren in Teilen erhalten geblieben. mini|hochkant|Kaiser Ludwig IV. Das bis dahin fast unbebaute Gelände zwischen Markt, Burg und Unterem Tor wurde bis Ende des 13. Jahrhunderts komplett bebaut. Zwischen 1232 und 1243 verlegten Mönche vier Brunnenleitungen zur Frischwasserversorgung in die Stadt. Von 1239 bis 1242 errichteten Minoriten des Franziskanerordens zwischen der Burg und dem Unteren Tor das Franziskanerkloster Meiningen. Die Klosterkirche weihte man am 15. Mai 1242 ein. 1276 wurde die erste große Erweiterung der Stadtkirche mit der Errichtung der Westfront und zwei gleich hohen Türmen abgeschlossen. 1277 erschütterte ein Erdbeben mit mehreren Nachbeben die Meininger Gegend. Während die außerhalb der Stadtmauer liegende Kirche St. Martin mit einem Friedhof bestehen blieb, wurde um 1300 die ursprüngliche Siedlung um diese Kirche zur Wüstung. 1300 schloss Meiningen mit der Stadt Mühlhausen einen Freundschaftsvertrag, in dem ein Meininger Stadtgericht nachweisbar ist. 1306 und 1310 gab es verheerende Hochwasser, die Teile der Stadtmauer und Gebäude zerstörten. 1315 bis 1317 litt auch Meiningen unter einer europaweiten Hungersnot, bei der viele Einwohner starben. Weitere schwere Überschwemmungen ereigneten sich zwischen 1336 und 1343. Um diesen Hochwasserereignissen zu begegnen, erhöhten die Bürger Mitte des 14. Jahrhunderts das Niveau einiger Straßenzüge um rund einen Meter. Auch der Boden im Innern der Kirche wurde knapp einen Meter angehoben.

Auf Bitte des Würzburger Bischofs und Landesherren Otto II. verlieh am 19. Oktober 1344 Kaiser Ludwig IV. (der Bayer) in Würzburg der Stadt Meiningen dieselben Rechte wie der Freien Reichsstadt Schweinfurt („nach vleizziger bet des erwirdigen Otten bischofs zu Wirtzburg siner vnd sins stiftes stat Meiningen vnd ... den burgern daselben alle die fryheit reht geriht vnd gewonheit geben haben […] die vnser vnd des reichs stat Swynfurt vnd ... die burger da selben […] habent“).Monumenta Boica XLI Nr. 32 – Stadtarchiv Meiningen (Digitalisat). Diese erweiterten Stadtrechte bedeuteten für die Meininger Bürgerschaft eine weitgehende Autonomie gegenüber dem Landesherrn. Das städtische Bürgertum konnte dadurch an Bedeutung und Wirtschaftskraft gewinnen. 1348/49 suchte die schwere Pestepidemie auch Meiningen heim, die vielen Bürgern das Leben kostete. Man gab den Juden die Schuld für die Seuche, setzte diese am 10. April 1349 fest und zerstörte deren Synagoge. Auf Befehl des Bischofs tötete man dann am 17. Juli 1349 alle Juden auch aus wirtschaftlichen Gründen auf dem Unteren Rasen. 1380 vernichtete ein Stadtbrand rund ein Viertel der Stadt, darunter befand sich auch das Ratsarchiv, wobei wertvolle Dokumente unwiederbringlich verloren gingen. Zudem brach im selben Jahr wieder die Pest aus, die rund 1500 Opfer forderte. 1384 errichteten die Meininger Bürger als Zeichen der Reue zur 1349 erfolgten Judenverfolgung eine Sühnekapelle an Stelle der geschleiften Synagoge. mini|hochkant|Bischof Gerhard von Schwarzburg