Gmünd ist eine Stadt im nordwestlichen Waldviertel in Niederösterreich mit Einwohnern (Stand ). Sie ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirkes Gmünd. Mit rund 204 Einwohnern je Quadratkilometer (Stand 1. Jänner 2026) weist Gmünd eine für das Waldviertel vergleichsweise hohe Bevölkerungsdichte auf. In Gmünd, České Velenice und den angrenzenden österreichischen Katastralgemeinden lebten Anfang 2025 über 13.000 Menschen.
Geografie Gmünd, das wirtschaftliche, kulturelle und touristische Zentrum des oberen Waldviertels, ist zugleich ein wichtiger Bahn- und Straßenübergang an der Grenze zu Tschechien. Auf dem Gebiet der Stadtgemeinde befindet sich der größte Teil des Naturparks Blockheide-Eibenstein.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst fünf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Breitensee () samt Neu-Nagelberg Gmünd () samt Böhmzeil, Haid und Neustadt Grillenstein () Großeibenstein () Kleineibenstein () samt Ludwigsthal
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Böhmzeil, Breitensee, Eibenstein, Gmünd und Grillenstein.
Südlich befindet sich der Asangwald.
Gmünd ist eine Mitgliedsgemeinde der Kleinregion Waldviertler StadtLand.
Nachbargemeinden
Klima
Auch das raue Hochlandklima des Waldviertels verändert sich im Rahmen des Klimawandels, wie es die Diagramme bei KLAR verdeutlichen.
Geschichte mini|Kupferstich von Gmünd 1672 (Georg Matthäus Vischer)
Der Name Gmünd leitet sich vom mittelhochdeutschen gemunde („Mündung“) ab und bezieht sich auf den Zusammenfluss von Lainsitz und Braunaubach. Dieser wurde 1179 in einer Grenzurkunde zwischen Österreich und Böhmen als concursus duorum rivulorum („Zusammenfluss zweier Flüsse“) bezeichnet. An dieser verkehrsgeografisch und strategisch günstigen Stelle ließ Hadmar II. von Kuenring im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert eine planmäßig angelegte Burgstadt errichten.
Die mittelalterliche Stadt entstand auf einer von Lainsitz und Braunaubach geschützten Terrasse. Ihr Grundriss wurde durch den langgestreckten Stadtplatz geprägt; die Stadtburg im Südwesten und die Pfarrkirche im Nordosten bildeten die beiden befestigten Eckpunkte der ummauerten Siedlung. 1278 ist Gmünd als Markt (forum Gemund) belegt, 1311 erstmals als Stadt (civitas).
Aus der mittelalterlichen Stadtburg entwickelte sich das heutige Schloss Gmünd. Die Anlage besitzt einen romanischen Kern, wurde im 15. und 16. Jahrhundert wesentlich umgebaut und im 17. Jahrhundert zu einer geschlossenen Vierflügelanlage erweitert. Das Schloss ist von einem englischen Landschaftspark umgeben. mini|Der Stadtbrand in Gmünd im Jahre 1763, Votivbild im Stadtmuseum Gmünd In den folgenden Jahrhunderten war die Entwicklung Gmünds von wechselnden Herrschaftsverhältnissen, kriegerischen Ereignissen und mehreren Stadtbränden geprägt; besonders schwere Schäden verursachten die Hussiteneinfälle von 1426 und ein Brand im Jahr 1473. Landwirtschaft, Handwerk, Mühlen und der regionale Handel bildeten lange die wirtschaftliche Grundlage, wobei die Verleihung eines Wochenmarktes und zweier Jahrmärkte im Jahr 1535 die Bedeutung Gmünds als Marktort stärkte. 1810 löste sich die Stadt aus dem Untertänigkeitsverhältnis zur Grundherrschaft, bevor die Eröffnung der Franz-Josefs-Bahn 1869 einen grundlegenden wirtschaftlichen und städtebaulichen Wandel einleitete.
Aufstieg Eine wichtige Wende in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt war die Eröffnung der Franz-Josefs-Bahn. 1869 wurde die Strecke von Wien über Gmünd nach Budweis eröffnet, 1871 war auch die durchgehende Verbindung nach Prag hergestellt.
Der rund zweieinhalb Kilometer nordwestlich der Altstadt gelegene Bahnhof entwickelte sich zu einem bedeutenden Bahnknotenpunkt. Er befand sich ebenso wie die 1872 errichtete und später zur Zentralwerkstätte ausgebaute Eisenbahnwerkstätte auf dem Gebiet der damals selbstständigen Gemeinden Böhmzeil und Wielands beziehungsweise Unter-Wielands. Um 1900 beschäftigte die Werkstätte rund 800 Arbeiter. In dieser Zeit wurde das Stadtgebiet mehrfach erweitert, wobei sich ein Teil der Aktivitäten auf das neue Areal um den Bahnhof konzentrierte. In Gmünd selbst wurde für die neu hinzugezogenen Eisenbahner die Mexikosiedlung errichtet, die nach dem 1867 hingerichteten Maximilian von Mexiko benannt wurde.Straßennamen von Gmünd Webseite der Stadtgemeinde Gmündmini|Der Bahnhof Gmünd um 1909
Bei Gmünd verzweigte sich die Strecke in einen Ast über Tábor nach Prag und einen weiteren über Budweis nach Pilsen und Eger. Ab 1900 erschlossen die Waldviertler Schmalspurbahnen das Gmünder Umland. In diesem Jahr wurden die Strecken nach Litschau und Heidenreichstein eröffnet; die Verbindung über Weitra nach Groß Gerungs folgte bis 1903.
Durch Gmünd verläuft der 15. Längengrad östlich von Greenwich, dessen mittlere Ortszeit der Mitteleuropäischen Zeit entspricht. Vor deren Einführung mussten Bahnreisende etwa zwischen Wien und Prag unterschiedliche Ortszeiten berücksichtigen. Mit der Einführung der auf dem 15. Längengrad beruhenden Normalzeit bei den österreichischen Staatsbahnen am 1. Oktober 1891 wurde eine einheitliche Zeit geschaffen. In Gmünd entsprach die Ortszeit bereits der neuen Normalzeit. Der 15. Meridian wurde in der Öffentlichkeit auch als „Zeitmeridian von Gmünd“ bezeichnet.Pester Lloyd, 17. Juli 1891, S. 1
Zwischen 1907 und 1909 entstand ein neues repräsentatives historistisches Bahnhofsgebäude, welches allerdings am 23. März 1945 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt wurde.
Seit 1899 war Gmünd Sitz des neu geschaffenen politischen Bezirks, 1909 wurde die Stadt auch Sitz des Gerichtsbezirks Gmünd.
Von 1907 bis 1916 verkehrte in Gmünd außerdem die Oberleitungs-Automobillinie Gmünd, der erste Oberleitungsbus Österreichs. Sie hatte insbesondere den Zweck, den Bahnhof mit dem zwei Kilometer entfernten Stadtzentrum zu verbinden. Am 1. Oktober 1908 wurde die Haltestelle Gmünd-Stadt eröffnet, die nach der Abtretung des bisherigen Bahnhofsgebietes an die Tschechoslowakei zum neuen österreichischen Bahnhof ausgebaut wurde. mini|Haupteingangstor des Gmünder Flüchtlingslagers Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurde südlich der Stadt das Flüchtlingslager Gmünd für Flüchtlinge aus Bukowina und Galizien errichtet. Mit dem Kriegseintritt Italiens wurden auch 15.000 Menschen aus Istrien evakuiert und im Gmünder Flüchtlingslager untergebracht. Das für 30.000 Personen ausgelegte Lager bildete ein weitgehend eigenständig verwaltetes Gemeinwesen mit eigener Wasser- und Stromversorgung sowie Bahnanschluss. Zur umfangreichen Infrastruktur gehörten unter anderem Großküchen und Einrichtungen zur Lebensmittelversorgung, ein Lagerspital, eine Schule, eine griechisch-katholische Kirche, Waisenhäuser, Werkstätten, Feuerwehr, Post- und Telegraphenamt sowie ein Theater. Zwischen 1914 und 1918 waren insgesamt rund 200.000 Menschen im Lager untergebracht.
Rund 30.000 Flüchtlinge starben zwischen 1914 und 1918 infolge von Infektionskrankheiten (z. B. Masern, Fleckfieber oder Typhus), Mangelernährung und schlechten hygienischen Bedingungen und wurden auf dem Lagerfriedhof bestattet.
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges verlor das Lager seine ursprüngliche Funktion. Nach Kriegsende kehrten die meisten Flüchtlinge in ihre Herkunftsgebiete zurück. Teile der Lagergebäude wurden verkauft oder umgenutzt, während sich auf dem Gelände der neue Stadtteil Gmünd-Neustadt entwickelte. Die rasterförmige Anlage des rund 55 Hektar großen ehemaligen Lagers ist noch heute in den Straßenzügen des Stadtteils erkennbar. In der ehemaligen Auskunftsstelle des Haupteingangstores des Flüchtlingslagers wurde 2019 das „Haus der Gmünder Zeitgeschichte“ eröffnet.
Grenzziehung Infolge des Vertrags von Saint-Germain (1919) musste Österreich nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie einen Teil seines Territoriums an die Tschechoslowakei abtreten, darunter auch die für Gmünd wichtigen Vororte Unterwielands und große Teile der Böhmzeil, in denen sich der Bahnhof Gmünds sowie die Eisenbahnwerkstätten befanden. Die Zugehörigkeit des Bahnhofs war während der Friedensverhandlungen umstritten. Während Österreich für dessen Verbleib eintrat, maß die tschechoslowakische Seite dem Eisenbahnknoten aufgrund seiner Bedeutung für die Verkehrsverbindungen nach Südböhmen besondere Bedeutung bei. Die Alliierten entschieden schließlich, die Stadt Gmünd bei Österreich zu belassen, den Bahnhof und die zugehörigen Betriebsanlagen jedoch der Tschechoslowakei zuzuteilen. Aus den beiden Vororten, in denen sich Bahnhof und Eisenbahnwerkstätte befanden, entstand 1922 die tschechoslowakische Gemeinde České Velenice. Der Name bedeutet „Tschechisch Wielands“ und setzte sich aus Česká Cejle („Böhmzeil“) und Dolní Velenice („Unterwielands“) zusammen. Die Staatsgrenze zwischen den beiden Städten bildet großteils die Lainsitz.
Durch den Verlust des Bahnhofes der Franz-Josefs-Bahn und der Bahnwerkstätten wurde bis 1922 die in Österreich verbliebene Haltestelle Gmünd Stadt zu einem Bahnhof ausgebaut. Der zunächst provisorische Bahnhof übernahm den österreichischen Personenverkehr und wurde zugleich neuer Ausgangspunkt der Waldviertler Schmalspurbahnen. Deren nördlicher Streckenast verlief in den Folgejahren noch über tschechoslowakisches Staatsgebiet; im Jahr 1950 wurde die Strecke vollständig auf österreichisches Gebiet verlegt.
Nach der Grenzziehung wanderten zahlreiche österreichische Eisenbahnbedienstete nach Linz, St. Pölten und Wien ab, während sich Gmünd verstärkt zu einer Industriestadt und České Velenice durch die Beschäftigung tschechischer Zuwanderer in den Bahnwerkstätten zu einer Eisenbahnerstadt entwickelte. Durch den Zuzug aus den abgetretenen Gebieten stieg die Einwohnerzahl Gmünds 1923 auf über 5.000 und 1934 auf über 6.000, was zu Wohnungsmangel, Arbeitslosigkeit und sozialen Spannungen führte.
Auf dem Gelände des ehemaligen Flüchtlingslagers entstanden Wohnungen und Betriebe, darunter die Spulenfabrik „Bobbin“ oder die spätere Baufirma Leyrer + Graf. In zwei früheren Waisenhäusern des Flüchtlingslagers wurde das 1925 eröffnete erste Krankenhaus des Bezirks eingerichtet.
Die neue Staatsgrenze blieb im Alltag durchlässig, zudem bestanden gemeinsame Versorgungsstrukturen fort, da České Velenice weiterhin Wasser und Strom von der österreichischen Seite bezog.
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg 1938–1945 Durch die im Rahmen des Münchner Abkommens erfolgte Besetzung der tschechoslowakischen Grenzgebiete wurde České Velenice im Oktober 1938 dem deutschen Verwaltungsgebiet zugeschlagen und der Verwaltung der Stadt Gmünd unterstellt. Einer damaligen Volkszählung zufolge waren mehr als 400 Menschen in das Gebiet des früheren Gmünd-Bahnhofs zurückgekehrt. Ab 1938 bestand in Gmünd ein Lager des Reichsarbeitsdienstes.
Am 1. April 1942 verfügte der Reichsstatthalter des Reichsgaus Niederdonau Hugo Jury die Eingemeindung von Gmünd-Bahnhof. mini|Gedenkstein für die 485 Opfer des Gmünder Judenlagers Am 22. Dezember 1944 traf in Gmünd ein Transport mit etwa 1.700 aus Budapest deportierten Jüdinnen und Juden ein, die in einem Getreidespeicher interniert wurden. Bis zum 16. Februar 1945 starben dort 485 Menschen, die im heutigen České Velenice bestattet wurden. Der Gmünder Amtsarzt Arthur Lanc und seine Frau Maria unterstützten die Gefangenen und bewahrten drei von ihnen vor der weiteren Deportation. Beim ehemaligen Getreidespeicher wurde 1970 ein Gedenkstein errichtet, seit 2019 erinnert dort außerdem die Dr.-Arthur-Lanc-Straße an den später als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichneten Arzt.
Am 23. März 1945 wurden der Bahnhof und die Eisenbahnwerkstätten bei einem amerikanischen Luftangriff schwer zerstört.