mini|Brandenburgische Exklave Sommerfeld 1753 mini|Die Stadt Sommerfeld südlich der Stadt Crossen an der Oder auf einer Landkarte von 1905 Die Geschichte der Stadt Lubsko umfasst mehr als achthundert Jahre im zumeist wechselhaften Besitztum verschiedener Landesherrn und somit Zugehörigkeiten. Die ersten Anfänge der urkundlichen Entwicklung datieren auf 1202. Die nachfolgenden Jahrhunderte verblieb die Stadt als eine zunächst kleine Ortschaft mit späterem Herrensitz, ohne überregionale Bedeutung. Anschließend setzte eine industrielle Entwicklung ein.

Frühgeschichte Die Umgebung um die heutige Stadt Lubsko (deutsch: Sommerfeld) war bereits während der Periode der Lausitzer Kultur bewohnt. Darauf weisen Funde aus dieser prähistorischen Zeit hin. Die Besiedlung in der Neuzeit geht nach der Überlieferung des Sommerfelder Oberpredigers Johann Möller (1628–1671) bis in die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts zurück und wird auf das Jahr 840 datiert. 1840 wurde in Sommerfeld sogar das 1000-jährige Bestehen der Stadt gefeiert. Diese Entstehungsgeschichte der Stadt ist legendär. Zu jener Zeit war das Land vom slawisch-sorbischen Stamm Nicer, abgeleitet vom Fluss Neiße, bewohnt. Die Siedlung teilte für ein paar Jahrhunderte das Schicksal der Niederlausitz, zu der es auch geografisch gehört.

Etymologie des Stadtnamens Das Sommerfeld war ein Begriff in der Landwirtschaft und bildete zusammen mit dem Winterfeld und dem Brachfeld die Grundlage der Dreifelderwirtschaft, die seit dem 12. Jahrhundert aufkam. Die Stadt Sommerfeld besaß keinen eigenen sorbischen Namen und war von Anfang an eine deutsche Marktsiedlung, die auf oder neben einem Sommerfeld entstand. Der Ortsname Sommerfeld bzw. Sommerfelde kommt in den slawischen bewohnten Gebieten in Vorpommern, Brandenburg und der Markgrafschaft Meißen fünf Mal vor. Der niedersorbische Stadtname Žemŕ (so die spätere Schreibweise) ist eindeutig auf das deutsche Wort Sommer zurückzuführen. Der älteste Beleg für „Żemż“ stammt aus dem Buch des Lübbenauer Pastors Johann Gottlieb Hauptmann von 1761.Johann Gottlieb Hauptmann: Niederlausitzsche wendische Grammatica, das ist möglichste Anweisung zur Erlernung der niederlausitzischen wendischen Sprache. Lübben 1761, S. 421 (Digitalisat, Digitalisat); Časopis Maćicy Serbskeje (ČMS) 1895, Lětnik XLVIII, S. 41; serbski-institut.de (PDF; 10 MB). Durch die Konsonanten- und Vokaldrehungen wurde Sommer zu: Zemer, Zemr, ŽemrEin Aktivist der sorbischen Bewegung hieß Adolf Sommer bzw. Adolf Žemr, vergleiche Adolf Sommer in der obersorbischen Wikipedia und Žemŕ, ausgesprochen Schemr und Schemsch („ž“: wie „j“ französisch in „Jean“). Aus dem niedersorbischen Stadtnamen Žemŕ wurde 1945 der neue polnische Name Zemsz, den man bereits 1947, als man wohl seine deutsche Etymologie feststellte, aufgab. So entstand der neue künstliche, dafür aber politische korrekte Name Lubsko, abgeleitet vom Fluss Lubsza (Lubst/Lubis), deren Name auf das sorbische Wort lubo „lieb“ zurückgeht („lieber/schöner Fluss“), das die gleiche Bedeutung wie das polnische Wort „luby“ hat.

Zeittafel Sommerfeld im Mittelalter 1202 erste Urkunden für Orte in der Ostniederlausitz: Sagan, Naumburg am Bober und Crossen ausgestellt vom Herzog von Polen-Schlesien Heinrich II., damit beginnt die urkundliche Geschichte der Ostniederlausitz. Um 1226, Herzog Heinrich II. verkauft das Gubener Land an die Markgrafschaft Lausitz (Hypothese). Zwei Urkunden des Herzogs Heinrich von 1211 und 1222 nennen Guben als Salzniederlage, die nächste Urkunde ist das Privileg der Stadterhebung ausgestellt 1235 von Markgrafen Heinrich von Meißen. um 1240 Gründung der Marktsiedlung (Hypothese) Sommerfeld als meißnischer Grenzort 1253 erste urkundliche Erwähnung von Sommerfeld um 1273 Verleihung des Stadtrechts (Hypothese) 1283 Erweiterung der Stadtrechte 1301, beim Verkauf der Lausitz durch den Markgrafen von Meißen an den Erzbischof von Magdeburg (vom Kaiser annulliert) wird im Vertrag Sommerfeld vergessen. 1304 Verkauf von Sommerfeld an Otto IV. von Brandenburg (Askanier) 1308/1309 von seinem Neffen Waldemar ( 1319) beerbt. 1318 Ersterwähnung der niederen Gerichtsbarkeit 1320, Heinrich das Kind (* um 1308; † Juli 1320), ein Großcousin von Waldemar, wird von Herzog Rudolf von Sachsen-Wittenberg (andere Askanierlinie) beerbt. 1323, Rudolf verliert die Mark Brandenburg, Sommerfeld geht im gleichen Jahr an Herzog Ludwig von Bayern (1315–1361), den Sohn des Kaisers Ludwig Wittelsbach (Wittelsbacher waren von 1323 bis 1367 Markgrafen von der Lausitz). 1323–?, Kaiser Ludwig IV. verpfändet Lausitz als Kriegslohn an den Wettiner Friedrich II., den Landgrafen von Thüringen und Markgrafen von Meißen (seinen Schwiegersohn in spe). 1328–1339, Ludwig von Bayern verpfändet die Lausitz an Herzog Rudolf von Sachsen-Wittenberg. 1353–1364, Ludwig von Bayern verpfändet die Lausitz an den Markgrafen Friedrich III. von Meißen. Sein jüngerer Bruder Balthasar fungiert zeitweise als Statthalter in der Lausitz. 1362–1364, Sommerfeld und Luckau werden zu Residenzstädten des meißnischen Landvogts Nicolaus von Köckritz. 1363, Wittelsbacher verlieren Pfandrechte an der Markgrafschaft Lausitz. 1. November 1364, Kaiser Karl IV. löst das Pfand für die halbe Lausitz aus. Sommerfeld geht als Lehen an den Herzog Bolko II. von Schweidnitz ( 1368). 1364 Ersterwähnung der Burg 1370, Sommerfeld kauft zwei Dörfer im Umland: Hinkendorf und Dubrau. 1. August 1370, Kaiser Karl IV. erklärt die Markgrafschaft Lausitz zum Nebenland der Krone Böhmens. 1383/1384, Herzog Johann von Görlitz († 1396) wird unter Vormundschaft seines Halbbruders Königs Wenzel von Böhmen Markgraf der Lausitz.Theodor Lindner: Geschichte des Deutschen Reiches unter König Wenzel. Band 2, Braunschweig 1880, S. 134 (Digitalisat). 1393 Ersterwähnung des Bürgermeisters 1397, König Wenzel ernennt seinen Cousin Jobst von Mähren († 1411) zum Markgrafen der Lausitz. 1400 Ersterwähnung Sommerfelds in Urkunde des Papstes Bonifatius IX. 1401 Ersterwähnung des Spitals 1411, die Stadt und die Herrschaft Sommerfeld gehen an die von Bieberstein. 1422 Ersterwähnung der Weingärten 1456 Ersterwähnung des Rathauses („pretorium“) 1476 Verkauf der Herrschaft Sommerfeld an den Herzog Johann II. von Sagan 1482, Johann erbt das Herzogtum Glogau von seinem Cousin Heinrich XI., dessen Witwe Barbara von Hohenzollern Crossen, Züllichau, Bobersberg und Sommerfeld als Wittum mit Pfandrecht von Johann bekommt. 25. Oktober 1482, das Pfandrecht wird Barbara, ihrem Vater Albrecht Achilles und Brüdern und Erben von König Matthias von Ungarn und Böhmen bestätigt. Sommerfeld wird dem Herzogtum Crossen zugeschlagen.König Matthias von Ungarn, Böhmen usw. verpfändet der verwitweten Herzogin Barbara von Schlesien, geb. Markgräfin von Brandenburg, ihrem Vater und ihren Brüdern sowie Erben Crossen, Züllichau, Sommerfeld und das Ländchen Bobersberg. an Freytag vor Symonis et Jude […] vierzehenhundert vnd im zweyundachtzigisten […] Jaren, VII. HA, Märkische Ortschaften, Crossen Nr. 20, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin (Urkunden der Stadt Crossen) 1496 Stadtbrand 1514, die Pfandlösungsrechte werden häufig her und hin verliehen. Teilweise erwirbt diese König Vladislav II. von Böhmen und Ungarn nach der Hochzeit mit Barbara, anteilig besitzt diese Herzog Karl I. von Münsterberg-Oels, ein Schwiegersohn Johanns. Karl erwirbt 1514 die Pfandrechte des Königs.Colmar Grünhagen, Hermann Markgraf: Lehns- und Besitzurkunden Schlesiens und seiner einzelnen Fürstenthümer. Teil 1, Nr. 124, S. 261 (books.google.de) 1537, Kurfürst Joachim II. von Brandenburg zahlt Abfindung an die Söhne Karls, die auf ihre Erbansprüche verzichten. Sommerfeld und Crossen werden endgültig rechtlich brandenburgisch.Die Herzöge Joachim, Johann und Georg von Münsterberg und Öls bevollmächtigen ihren Bruder Heinrich zu Verhandlungen über ihre von König Ladislaus II. von Ungarn und Böhmen verbrieften Erbrechte an Crossen und Züllichau mit Kurfürst Joachim II. von Brandenburg. freitags nach vrsule. 26.10.1537, VII. HA, Märkische Ortschaften, Crossen Nr. 46. Die Herzöge Joachim, Johann, Heinrich II. und Georg von Münsterberg und Öls treten ihre Erbrechte an Crossen und Züllichau an Kurfürst Joachim II. von Brandenburg ab; vorbehaltlich der Lehnrechte der Krone Böhmen. Dornstags nach Elizabett. 22.11.1537, VII. HA, Märkische Ortschaften, Crossen Nr. 47. Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (archivdatenbank.gsta.spk-berlin.de) Mit dem Friedensabkommen von Berlin am 28. Juni 1742 nach dem Ersten Schlesischen Krieg endet endgültig die böhmische Lehnshoheit für das Herzogtum Crossen.

Apotheke mini|Apotheke in Sommerfeld, Markt 17, 1886