Die Rogue-River-Kriege zählen zu den Kriegen, in denen Siedler und Indianer sich in Oregon bekämpften. Der letzte von ihnen begann im Oktober 1855, als ein Mob aus Jacksonville im Rogue-River-Tal im südwestlichen Oregon mindestens 28 Indianer ermordete, die nahe der Table Rock Reservation kampierten. Weitere solcher Übergriffe folgten, ähnlich wie im nahe gelegenen Kalifornien.

Die Anfänge Dabei ging es nicht um Landstreitigkeiten, auch die Führer der regionalen Stämme hatten längst Verträge unterzeichnet, in denen sie den überwiegenden Teil ihres traditionellen Gebietes abgetreten hatten. Selbst der zuständige Oregon Superintendent of Indian affairs, Joel Palmer, und der Befehlshaber der US-Armee an der Pazifikküste, General John Ellis Wool, sprachen sich öffentlich gegen den Krieg aus.

Treibende Kraft war Joseph Lane, der Delegierte des Territoriums in Washington, D.C., der in der zu dieser Zeit regierenden Demokratischen Partei einen gewissen Einfluss gewann, und der sich bei jeder Gelegenheit für gewinnbringende Kriege ausgesprochen hatte. Er hatte eine wichtige Rolle im Krieg der USA gegen Mexiko gespielt, und Präsident James K. Polk ernannte ihn zum ersten Gouverneur des Territoriums Oregon. Als Superintendent of Indian Affairs für Oregon war er auch für die Aushandlung von Verträgen mit den Indianerstämmen verantwortlich.

Den Indianern, die von Anfang an Widerstand zu leisten entschlossen waren, blieb nur die Flucht in die Oregon Coast Range. Unter Tecumtum widerstanden sie den Angriffen, vor allem in der als Battle of Hungry Hill bekannt gewordenen Schlacht Ende Oktober 1855. Andere Indianer entschlossen sich hingegen, sich unter den Schutz der in Fort Lane stationierten Truppe unter Captain Andrew Smith zu stellen. Sie wurden im Januar 1856 in die Grand Ronde Reservation im Nordwesten von Oregon verbracht.

Im Februar 1856 trugen die Indianer den Krieg den Rogue River hinab bis an die Pazifikküste – der Winter hat sie vermutlich dazu gezwungen. Zunächst verließen die meisten Weißen die Küste, doch im Mai kamen einerseits Truppen von Crescent City im nördlichen Kalifornien. Da sich manche der Aufständischen von ihr Schutz versprachen, ergaben sie sich der Armee. Andererseits griffen Freiwillige die Aufständischen an, und sie attackierten eine Gruppe bei Big Meadows, die sich bereits der Armee ergeben hatte.

Die letzte Widerstandsgruppe griff bei Big Bend am Rogue River eine Armeeeinheit beinahe erfolgreich an, die ein Kriegsgefangenenlager bewachte. Die Überlebenden wurden per Dampfboot, z. T. aber auch zu Fuß in ihr neues Reservat, die Coast Reservation an der mittleren Oregonküste verbracht.

Folgen

Die Aufgabe dieses Reservats war die Trennung von der weißen Bevölkerung und die Vorbereitung auf die Assimilation und Integration in die amerikanische Gesellschaft. Wichtigste Mittel waren die Umerziehung zu Farmern in Schulen und Missionsstationen. Doch das Reservat wurde von korrupten Männern wie Robert B. Metcalfe und B. R. Biddle verwaltet, und es gab zu wenig agrarisch nutzbare Flächen. So behalfen sich die Indianer mit Fischen, Jagen und Aushilfsarbeiten im Willamette Tal. Ihr Gesellschaftssystem, das auf kleinen Dörfern basierte, versuchten sie beizubehalten.

1865 wurde das Reservat aufgelöst. Dahinter steckte eine Baugesellschaft, die eine Straße von der Yaquina Bay zum Willamette-Tal bauen wollte. Dieser zentrale Teil des Reservats wurde also herausgeschnitten. Der nördliche Teil, wo die Indianeragentur am Siletz River stand, wurde zur Siletz Reservation umgewidmet, der südliche Teil, der ebenfalls derselben Agentur unterstand, wurde zur Alsea Reservation. Dort entstand am Yachats River eine Unteragentur.

Um die Kosten für die Alsea-Subagentur einzusparen, löste der Kongress das Reservat bereits 1875 kurzerhand auf. Einige Senatoren verlangten zwar das Einverständnis der Indianer, doch der zuständige Indianeragent versicherte, sie hätten Einverständnis angedeutet. Der frühere Agent Benjamin Simpson versicherte ihr Einverständnis. Doch die meisten Indianer weigerten sich, zu gehen.

Nachdem 1887 der General Allotment Act (Dawes Act) beschlossen worden war, begann die Ausgabe zahlreicher Reservatsgrundstücke an individuelle Besitzer. Die Privatisierung des Stammesgebiets begann allerdings erst 1894. Noch in den 1870er Jahren hatten sich die Bewohner erfolgreich gegen die Privatisierung gewehrt, 1891 verhandelten sie noch mit der Regierung um die vier Fünftel des Reservats, die noch nicht privatisiert worden waren.

Der Privatisierung folgte eine schleichende Enteignung. Der indianische Privatbesitz wurde nach dem Tod des Besitzers meist nicht an die Erben verteilt, sondern verkauft. Andere erhielten so wenig Land, dass sie nicht davon leben konnten, sich verschuldeten und verkaufen mussten.

In den 1950er Jahren verloren die Siletz sogar die Anerkennung als Stamm, doch konnten sie diese 1977 zurückgewinnen und 1980 entstand ein neues Reservat.

Historiographie

Die Geschichte der Rogue-River-Kriege wurde 1894 detailliert und auf wissenschaftlicher Grundlage dargestellt. Den Auftrag dazu erteilte der Secretary of State des Senats im Jahr 1891 an Francis Fuller Victor. In der Erkenntnis, dass die frühe Geschichte Oregons in weiten Teilen nur in den mündlichen Berichten der Zeitzeugen überliefert werden könne, und dass mit diesen die Erinnerung verloren zu gehen drohe, und, damit die Bewohner Oregons Stolz auf die Leistungen der Pioniere sein können, beschloss man „zehn hundert“ Exemplare der zu erstellenden Arbeit drucken zu lassen. Dazu wurden potentielle Berichterstatter aufgefordert, Berichte, Zeichnungen und dergleichen an den Grand Commander of Indian War Veterans zu schicken.Senate Joint Resolution No. 5, twentieth Session, abgedruckt in: Indian Wars of the Roque River, Preface.

Vorgeschichte Die ersten „Zwischenfälle“ (incidents) ereigneten sich bereits in den 1820er Jahren. Offenbar hatten die lokalen Indianer Kenntnis von der Behandlung der Indianer im Osten der USA, denn sie betrachteten die Weißen von Anfang an als Eindringlinge und bekämpften sie.

Erster Freundschaftsvertrag mit „Joe Lane“

Gouverneur Lane versuchte 1850 einzugreifen, indem er Friedensfühler ausstreckte. In Begleitung von 15 Weißen und 15 Indianern vom Stamm der Klickitat unter Führung ihres Häuptlings Quatley, traf er mit zwei Häuptlingen und ihren 75 Männern zusammen. Lane bot ihnen einen Freundschaftsvertrag an, wenn sie sich bereit erklärten, die Raubüberfälle zu beenden. Quatley nahm einen der Häuptlinge gefangen und so konnten er und Lane einen Frieden erzwingen. Zugleich hatte das Auftreten Lanes den Gefangenen so sehr beeindruckt, dass er Lane bat, ihm und seiner Familie neue Namen zu geben. Der Häuptling erhielt den Namen Joe, seine Frau den Namen Sally, Tochter und Sohn erhielten die Namen Mary und Ben. Um eine Verletzung ihrer Rechte zu verhindern, gab Lane ihnen ein Schriftstück mit, das sie gegebenenfalls vorweisen sollten. Der Name Joe Lane erhielt geradezu den Charakter eines Talismans am Roguq River und im Shasta-Tal. Doch Lane wurde nach dem Sieg der Whigs bei den Präsidentenwahlen nicht wiedergewählt. Der spätere Präsident Abraham Lincoln lehnte die Position ab, und so wurde John F. Gaines sein Nachfolger. Häuptling Joe schenkte dem scheidenden Gouverneur zum Abschied einen Modoc-Jungen als Sklaven.

Die Aberkennung der Landrechte westlich der Cascade Mountains (1850) Noch im Jahr 1850 entschied der Kongress, dass die Indianer westlich des Küstengebirges, der Cascade Mountains, keinen Anspruch auf Land mehr haben sollten. Als Superintendent of Indian Affairs schickte man Anson Dart und seinen Sekretär P. C. Dart nach Oregon. Als Unteragenten (sub agents) wurden A. G. Henry, der gar nicht erst ankam, und Elias Wampole sowie H. H. Spalding ernannt, wobei letzterer schon im Territorium lebte. Der Agent erhielt 20.000 Dollar, um für Unterkünfte und Unterhalt zu sorgen, sowie Geschenke für die Indianer zu beschaffen. 15.000 Dollar wurden in San Francisco deponiert, Waren für 5.000 Dollar um Kap Hoorn befördert. Gaines, der neue Gouverneur, sowie Alonzo A. Skinner und Beverly S. Allen sollten Verträge abschließen. Dazu sollten sie zunächst mit den sehr kleinen Stämmen im Willamet-Tal in Verbindung treten.

Erste Verhandlungen begann die Kommission im April 1851 und die 20.000 Dollar waren, bis auf 300 Dollar, schnell ausgegeben. Zu dieser Zeit übertrug der Kongress die Aufgabe der Vertragsverhandlungen ausschließlich an den Indianeragenten.

Damit war Dart praktisch mittellos und ohne Unterstützung in einem riesigen Gebiet. Spalding musste ersetzt werden, doch sein Nachfolger E. A. Sterling saß an der Columbia-River-Mündung. Zu dieser Zeit waren die lokalen Cayuse bereits stark dezimiert und verfügten nur noch über 36 Krieger. Am Umatilla River errichtete Dart eine Agentur und reiste weiter zu den Missionsstationen Waiilatpu und Lapwai, um die Verluste der Presbyterianer im Cayuse-Krieg festzustellen. Wampole, der sich im Handel mit den Indianern zu bereichern versuchte, wurde bereits nach drei Monaten entlassen. Auch andere Unteragenten erwiesen sich als unbrauchbar, bis auf den Methodisten J. L. Parrish.

Dart schätzte in seinem Bericht die Lage so ein, dass die Indianer in Oregon friedlich seien, abgesehen von denen am Snake und am Rogue River. Durch das Land der ersteren zogen inzwischen zahlreiche Siedler und Goldgräber und daher fürchtete er Raubzüge, die nur durch Stationierung einer Armeeeinheit verhindert werden könnten. Was die folgenden Kämpfe zum Ausbruch brachte, ist unklar. Die Feindseligkeit der lokalen Indianer wurde nicht nur durch das Verhalten der Weißen angestachelt, sondern auch durch die schlechten Erfahrungen der Cayuse. Das führte dazu, dass die Sanke sich gegenüber den Nez Perce, die die Cayuse nicht unterstützt hatten, überaus feindselig verhielten. Ähnliches galt für die Feindseligkeiten zwischen Rogue River und Klamath Ende 1855. Außerdem verloren die USA die Loyalität bestimmter Häuptlinge, die bisher mit Waffen beschenkt worden waren – was der Hudson’s Bay Company verboten worden war. Die Beschenkten verloren dadurch zugleich den Rückhalt innerhalb ihrer Gruppen.

Als David Dilley und zwei befreundete Rogue-River-Indianer nahe Phoenix, Oregon ermordet wurden, und zwei Weiße entkamen, ermordeten Freiwillige aus Rache zwei Indianer und nahmen zahlreiche Gefangene, die sie gegen die Mörder austauschen wollten. Der Häuptling der Rogue River lehnte Verhandlungen wegen des Doppelmords an seinen Leuten ab, und es kam zu mehreren Gefechten und Überfällen. So wurden im Januar 1851 vier Männer bei Blackburn's Ferry am Klamath umgebracht, im Mai kamen je zwei Männer ums Leben, zwei weitere bei Eureka (damals Yreka genannt). Racheaktionen fielen ein Mann und eine Frau zum Opfer, dazu kam ein Überfall auf ein Indianerlager, bei dem alle Männer ermordet wurden. Derweil hatten Goldsucher Gold am Josephine River in Kalifornien gefunden, das sie bei einem abgeschlagenen Überfall von 200 Rogue-River-Indianern jedoch verloren.

Die Schlacht bei Table Rock (1851)