Das Kloster Rengering, eigentlich Marienbuch, ist eine ehemalige Zisterzienserinnenabtei im heutigen Milte, wird aber historisch zu Ostbevern in Nordrhein-Westfalen gerechnet.Siehe Vikar Gr. Vorspohl et al.: „ist aber vielen Ostbeveranern so vertraut“ bzw. ist als Nr. 86 in der Denkmalschutzliste der Gemeinde vertreten. Das Kloster wurde im 13. Jahrhundert gegründet und Anfang des 19. Jahrhunderts infolge der Säkularisation aufgehoben und daraufhin zerstört.
Geschichte Gründung
Somit ist das Datum und die genauen Umstände der Gründung unbekannt. Gestiftet wurde es von dem Ritter Hermann von Rengering auf seinem Hof in Rengering als Zisterzienserinnenkloster Marienbuch zu Ehren der Mutter Gottes am Nordufer der Bever. Mitbegründer dürfte der Bischof von Münster, Ludolf von Holte (1226–1247) gewesen sein. Am 17. April 1247 stellte Papst Innozenz IV. für das Kloster einen Schutzbrief aus; das älteste Dokument über den Nachweis der Existenz des Klosters. Der Gründungsname Marienbuch hat sich allerdings nicht durchsetzen können; bekannt wurde das Kloster unter dem Flur- bzw. unter dem Namen des Hofes: Rengering.Der Eigenname wird in sieben Urkunden des 13. Jahrhunderts genannt; WUB 3 n. 537, 554, 589, 597, 621, 634. Nach 1258 wird allein der Name Rengering verwendet
Rengering und Vinnenberg: die Doppelgründung an der Bever Die Gründer des Klosters Rengering gründeten nach weniger als zehn Jahren das Kloster Vinnenberg. Das Kloster Vinnenberg und das Kloster Rengering sind rund 4,7 Kilometer über den Beverstrang miteinander verbunden. Der Grund lag an den ungünstigen Bedingungen, die das Kloster Rengering den ersten zehn Jahren seiner Gründung vorgefunden hatte: Während die zwei Brüder des Stifters, Bernhard und Johann von Vinnenberg, mit der Stiftung einverstanden waren, suchten zwei andere Verwandte, Hermann und Albero, die junge Stiftung 1252 durch Raub und Brand heim, söhnten sich aber 1253 gegen die Entschädigung von fünf Mark Silbers mit dem Kloster aus.Karl Hölker: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Im Auftrag des Provinzialverbandes herausgegeben von Wilhelm Rave, Provinzialkonservator, 42. Band: Kreis Warendorf. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1936, S. 317. Es wird davon ausgegangen, dass diese frühe Auseinandersetzung die Gründung des Klosters Vinnenberg initiiert oder zumindest befördert hat.Die westfälischen Zisterzienserinnenklöster im 13. Jahrhundert – Gründungsumstände und frühe Entwicklung. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster (Westf.), vorgelegt von Gabriele Maria Hock aus Düsseldorf, 1994, , S. 116. Es besteht die Möglichkeit, dass mit der Gründung des Klosters Vinnenberg 1256 das Kloster Rengering aufgegeben werden sollte. Doch 1257 forderte Papst Alexander IV. das Generalkapitel der Zisterzienser auf, das Kloster Rengering auch formal in den Orden aufzunehmen. Diese eventuelle Erbauseinandersetzung zwischen den beiden Brüdern wurde auch in der Gründungslegende von Vinnenberg verarbeitet.
Aufbau, Reformation Glaubensauseinandersetzung und Krieg Das Kloster hatte für seine Rechtsgeschäfte einen Propst oder Provisor – der erste war Bruno –, die zumeist vom Kloster Marienfeld gestellt wurden. Anfangs lebte man in großer Armut und besaß auch später trotz mancher Schenkungen vom 13. bis 15. Jahrhundert kaum Grundbesitz. Am 1. August 1340 bestimmte eine gewisse Gertrund, Witwe von Hermannus von Bevern, dass der Hof Rottwinkel, der dem Haus Bevern abgabepflichtig war, zur Erfüllung des Jahresgedächtnisses ihres verstorbenen Gemahls dem Kloster zwei Malter Weizen zu entrichten habe.Staatsarchiv Münster MSC. I108 Bl. 105 Im Laufe der Jahrhunderte traten zahlreiche Töchter aus Ritter- und Patrizierfamilien in die Abtei ein und lebten von ihrer Handarbeit. Ein Zeitgenosse beschreibt das Klosterleben:
Im 15. Jahrhundert hielt Rengering, wie andere Klöster auch, keine Klausur mehr. Am 14. Juli 1422 wurde das Kloster „vorbrandt dorch einen rentemeister, de se [die Schwestern] reformeren solde von des bischopes wegen. Doch so en folgede dar nichts na, se bleven nha als vor. Nochtans lange darna worden se besloten [d. h. Erhielten wieder Klausur] a. D. 1480“Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Im Auftrag des Provinzialverbandes herausgegeben von Wilhelm Rave, Provinzialkonservator, 42. Band: Kreis Warendorf. Bearbeitet von Karl Hölker. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1936, S. 301.
Das Kloster bildete in den Jahrhunderten seines Bestehens den kulturellen Mittelpunkt der Region. So schritt die Äbtissin von Rengering im Dreißigjährigen Krieg mit ihrer Amtsgewalt ein, als der Feudalherr Schenking von Bevern seine Rechte gegenüber den Leibeigenen deutlich überzog, und führte mutig Klage gegen den Burgherrn im Namen der Rechtlosen.Heinrich Eickholt: Rengering. Münster 2004, S. 180. Aus Akten des Staatsarchives in Münster geht hervor, dass das Kloster in Person seines Propstes, Pater Gerhard de Wendt, Rechtshändel schlichtete.
Bei der Klostervisitation der Äbte von Hardehausen und von Marienfeld am 10. Oktober 1670 wurde festgehalten, dass die Äbtissin streng auf das Tragen des zisterziensischen Habits (weiße Tunika mit schwarzem Skapulier und weiße Kukulle) zu achten habe, wie schon 1602 und 1650 angeordnet worden sei. Im Dreißigjährigen Krieg erlitten Kirche und Kloster schwere Brandschäden; 1636 wurde Rengering viermal geplündert. Bei der Visitation von 1698 zählte das Kloster außer der Äbtissin elf Chor- und vier Laienschwestern.
Bis zum Reichsdeputationshauptschluss
Das Kloster war bekannt wegen seines Hospitals. Auch die Äbte von Klosters Marienfeld wurden hier behandelt. So verstarb dort am 15. September 1784 der Abt Wilhelmus Crone wie auch sein Nachfolger am 19. Juli 1795 Stephanus Pöttken, der in der Klosterkirche begraben wurde. Die Güter des Klosters lagen hauptsächlich in den Kirchspielen Ostbevern und Milte. Zeitweise hatte das Kloster auch Besitztümer bei Enniger und Laer.
Kloster Rengering am 7. Dezember 1802:
{| class="wikitable toptextcells" ! colspan="1"|Leitung||colspan=1| Chorfrauen ||colspan=1| Beischwestern ||colspan=1| Geistlicher||Sonstige
Äbtissin: Maria Anna von Grevingen
| Seniorin: Maria Sophia von Stürman Kellermeisterin: Maria Dorothea von Keynach Sakristanin: Maria Agnes von Thyssen weitere: Maria Sophia von Nyermann Maria Rosalia von Höwel Maria Francisca von Bock Maria Isabella von Lohausen | Catharina Bussmann Margaretha Espelhage Gertrud Fridhoff Elisabeth Weehage | Propst, Verwalter und Beichtvater: Robert Pöttken | Messdiener: Ernst Wesselman Organist: Joseph Meineke Gärtner: Zumdyck
Ferner: Vierzehn Mägde, vier Knechte, vier Kranke, zwei Müller und jeweils ein Schweinehirt, Kuhhirt, Schäfer, Kutscher und Nachtwächter,Siegfried Schmieder: Ostbevern, Beiträge zur Geschichte und Kultur einer Gemeinde im Münsterland. Warendorf 1988, S. 484. also insgesamt 16 Personen zum Umfeld des Klosters gehörten; demnach ein kleines Kloster. Durch Unterstützung des Klosters konnte in Ostbevern ein Frauenarmenhaus unterhalten werden, wodurch das Kloster auch das Recht auf eine Belegstelle dort besaß.Kirsten Bernhardt: Armenhäuser. Die Stiftungen münsterländischen Adels (16.–20. Jahrhundert). Münster 2012, ISBN 978-3-8309-2576-7, S. 80.
Das Ende des Klosters von 1803–1813 Säkularisation unter preußischer Herrschaft
Im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses gelangte das Hochstift Münster 1803 in den Besitz Preußens, die schon 1802 das Land militärisch besetzt hatten. Die neue Landesregierung sicherte vorerst den Erhalt der Klöster zu. Der zur Säkularisation beauftragte Oberamtmann von Benghem hält gewissenhaft fest:
Am 4. Juli 1803 verfügte der König Friedrich Wilhelm III. einen Erlass, nachdem das Kloster fortbestehen sollte, wenn es folgende Bedingungen erfülle: „[…] muß das Convent versprechen, sich allen bisher entrichteten und künftighin für nötig befundenen Abgaben, Steuern, Praestationen und Accisen gleich die übrigen Unterhaltungen zu unterwerfen und an die … Staatcasse abzuführen.“ „[…] erlegt dasselbe eine Vermögenssteuer von [jährlich] 150 Rthlr, das Geld ist an die Organisations-Casse abzuführen“ „[…] müssen die Freuleins die Arbeiten, welche sie oder ihre Lohndiener nicht verrichten können, […] durch Handwerker […] der Stadt oder der Provinz verfertigen lassen.“ (Untersagt wurde, gemäß dem Merkantilismus, die Vergabe von Arbeiten an das Ausland von Preußen) „[…] dürfen […] ohne landesherliche Zustimmung und Approbation keine Novitzen aufgenommen werden.“ „[…] damit der […] Wohlstand des Convents [gesichert wird], […] wollen Sr. Königlichen Majestät […] den Probst Pöttken zum Administrator des Klosters angesetzt wissen, und erst nach Abgang dieses guten Haushälters die Annahme eins weltlichen Verwalters zur Pflicht machen.“ „[…] behalten sich den Königs Majestät vor, in den bisherigen für Mädchen der gebildeten Classe und dem Mittelstande [vorgesehenen] […] Erziehungsanstalten des Klosters zweckmäßigere Einrichtungen in der Zukunft zu treffen, und zugleich ein Institut für Erzieherinnen der weiblichen Jugend nach und nach darin zu bilden.“ „erwartet man [außer] der […] Aufnahme hilfsbedürftiger, elender Menschen, daß […] das Convent den gegenwärtigen Geistlichen, im Fall er den Gottesdienst und die Administration nicht mehr versehen kann, als Pensionist aufnehmen werde.“
Den Ausführungen des Oberamtmanns Benghems ist zu entnehmen, dass sämtliche „Fräuleins mit dankbarsten Herzen zur Annahme dieser Bedingungen erklärten, und gelobten, in allen Punkten den gegebenen Vorschriften eingedenk zu sein […] auch der Probst Pöttken sich vernehmen ließ, […] wie er ganz gerne die Administration des Klosters wahrnehmen wolle, so lange der Himmel ihm Kräfte dazu verleihe.Siegfried Schmieder: Ostbevern, Beiträge zur Geschichte und Kultur einer Gemeinde im Münsterland, Warendorf 1988, S. 486–487 Doch die Zeit lief für das Kloster Rengerning ab; die Bedingungen lassen erkennen, dass die Zusage des Erhalts nicht unumstößlich ist, sondern dass man in Berlin noch nicht recht weiß, was man mit dem Kloster, welches einen einfach zugefallen ist, zu machen gedenkt. Die Institution ist gut geführt, die Schule hat einen exzellenten Ruf. So denkt man an eine Weiterführung als Institut für Erzieherinnen jetzt schon nach.“ Faktisch war das Kloster zum Aussterben verurteilt, denn die an „landesherrliche Zustimmung und Approbation“ gebundene Aufnahme neuer Novizinnen wurde bereits am 12. Oktober 1805 verweigert, als die Äbtissin von Grevingen den preußischen König um die Aufnahme von einer oder zwei Novizinnen bat. Hinzu kamen die drückenden Abgaben und Steuern.
Mediatisierung unter dem Großherzogtum Berg
Im Zuge der napoleonischen Eroberungen wurde das Gebiet im Januar 1808 nach der Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt unter französische Verwaltung gestellt. Unmittelbar im Osten wurde mit dem Departement der Weser das neu geschaffene Königreich Westphalen unter dem Bruder Napoleons errichtet. An seiner westlichen Grenze wurde Rengering und Vinnenberg dem Département Ems im Großherzogtum Berg zugeschlagen. Rengering lag somit in der äußersten Ecke des neu geschaffenen Großherzogtums. Die neuen Machthaber begannen sofort mit der Auflösung der beiden Konvente. Hierfür waren die gleichen Amtsträger zuständig: In einem Brief vom 28. Oktober 1808 schrieb sie an das Administrationskollegium in Münster: