Nanz-Willershausen ist ein Ortsteil der Großgemeinde Lohra im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographie Nanz-Willershausen besteht aus den Siedlungsplätzen Nanzhausen und Willershausen sowie dem Einzelgehöft Wüsteburg nahe der Bundesstraße 255. Der Ortsteil liegt auf (Gemeindeverwaltung) am Quelllauf des Walgerbaches (Willershausen) bzw. am Quelllauf eines nordöstlichen Salzböde-Nebenflusses (Nanzhausen) im Naturraum Salzbödetal.

Geschichte Ortsgeschichte Schon seit dem 17. Jahrhundert bildeten die Ortschaften Nanzhausen und Willershausen faktisch eine Gemeinde, wurden aber bis ins 20. Jahrhundert einzeln aufgeführt. Willershausen wird bekanntermaßen erstmals in der Zeit von 1200 bis 1220 als Willicheshausen in einer Urkunde des Kanonissenstifts Wetter erwähnt, das hier ein Mannlehen von einer Hufe besaß. Die erste bekannte Erwähnung Nanzhausens als de Nadelshusen in der „Analecta Hassiaca III“ stammt aus dem Jahr 1339. Die ebenfalls zu Nanz-Willershausen gehörige Gehöftgruppe Wüsteburg wurde vermutlich im 19. Jahrhundert als Straßenwirtschaft errichtet.

Zum 31. Dezember 1971 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständige Gemeinde Nanz-Willershausen zusammen mit den Gemeinden Damm und Rodenhausen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Lohra eingegliedert. Für die so entstandenen Ortsteile und die Kerngemeinde wurde je ein Ortsbezirk eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Nanz-Willershausen angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Lohra ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Fronhausen, Gericht Lohra Die Zugehörigkeit des Amtes Fronhausen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Amt Fronhausen, Gericht Lohra ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Fronhausen, Gericht Lohra ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Fronhausen, Gericht Lohra 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Lohra ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Fronhausen, Gericht Lohra ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis MarburgVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.Trennung zwischen Justiz (Justizamt Fronhausen) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Marburg ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg, Gemeinde Lohra ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Lohra ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Lohra

Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Fronhausen war als Gericht in erster Instanz für Nanzhausen und Willershausen zuständig. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Fronhausen.Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte () Das Amtsgericht Fronhausen wurde 1943 geschlossen. Es wurde zunächst als Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg geführt und 1948 endgültig aufgelöst. Der Gerichtsbezirk wurde dem Amtsgericht Marburg zugeteilt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Nanz-Willershausen 246 Einwohner. Darunter waren 9 (3,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 48 Einwohner unter 18 Jahren, 108 zwischen 18 und 49, 45 zwischen 50 und 64 und 45 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 111 Haushalten. Davon waren 30 Singlehaushalte, 33 Paare ohne Kinder und 30 Paare mit Kindern sowie 12 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 15 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 75 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 12 Hausgesesse (Nur Willershausen) • 1630: 13 Hausgesesse (1 dreispännige, 9 zweispännige Ackerleute, 3 Einläuftige) • 1681: 11 hausgesessene Mannschaften • 1838: 128 Einwohner (Familien: 12 nutzungsberechtigte, 7 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger) • 1885: 147 Einwohner (davon 102 Willershausen)

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: alle Einwohner evangelisch-lutherisch • 1961: 122 evangelische (= 79,7 %), 30 römisch-katholische (= 19,0 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1744: alle Einwohner Ackerleute • 1838: Familien: 14 Ackerbau, 2 Gewerbe, 3 Tagelöhner. • 1961: Erwerbspersonen: 64 Land- und Forstwirtschaft, 17 Produzierendes Gewerbe, 5 Handel und Verkehr, 5 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik Für Nanz-Willershausen besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Nanz-Willershausen. Der Ortsbeirat Nanz-Willershausen besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 63,10 %. Alle Kandidaten gehörten der „Bürgerliste Nanz-Willershausen“ an. Der Ortsbeirat wählte Michael Keil zum Ortsvorsteher.

Sehenswürdigkeiten mini|Naturdenkmal Nanzhäuser Heide

Besonders sehenswert an Nanz-Willershausen sind die zahlreichen Fachwerkbauten sowie die Nanzhäuser Heide als ausgewiesenes Naturdenkmal.Faltblatt Heide Nanzhausen (PDF; 292 kB) der Agentur Naturentwicklung Marburg-Biedenkopf

Persönlichkeiten Heinrich Naumann, Heimatdichter

Literatur Alfred Horst: Die Chronik von Lohra. 1970 Karl Huth: Die Gemeinde Lohra und ihre 10 Ortsteile im Wandel der Jahrhunderte. 1989

Weblinks

Nanz-/Willershausen aus Lohra Wiki – Wissenswertes rund um Lohra

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Geographie (Lohra) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971