Reimershausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Lohra im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der Ort liegt auf etwa Höhe nahe der Mündung der Vers in die Salzböde.

Geschichte

Antike

Auf dem „Kapp“, einer überwiegend bewaldeten Bergkuppe direkt nördlich von Reimershausen, wurden zwei römische Marschlager aus augusteischer Zeit (ca. 25 v. Chr. bis Chr. Geb.) nachgewiesen.https://www.op-marburg.de/lokales/marburg-biedenkopf/lohra/als-die-roemer-bei-reimershausen-zwei-marschlager-bauten-YYEANQZNI5ACLESCCNUALSDFXQ.html Die Kuppe fällt nach Südosten steil zum Salzbödetal ab und bietet mit ihrer guten Wasserversorgung sowie einem weiten Fernblick – unter anderem zum Dünsberg, ins Biebertal und Aartal, zum Rimberg bei Caldern sowie zu den Kuppen der Lahnberge – eine strategisch günstige Lage. Die Entdeckung beruht auf Laserscan-Aufnahmen, geomagnetischen Prospektionen und Ausgrabungen der Hessischen Landesarchäologie.

Die beiden Lager entstanden nicht zur selben Zeit. Das Marschlager Reimershausen Nord umfasst eine Fläche von rund 8,6 Hektar und weist überwiegend das für römische Marschlager typische Spielkartenformat auf, jedoch mit der drususzeitlichen Variante einer erweiterten südwestlichen Ecke. Der Lagergraben wurde teilweise mit der Dolabra, dem Schanzwerkzeug römischer Soldaten, in den anstehenden Fels des Gipfelplateaus geschlagen; er ist noch bis zu 74 cm tief und 180 cm breit erhalten. Das Lager ist seit 2017 bekannt; im Jahr 2023 erfolgten fünf Profilschnitte sowie geomagnetische Prospektionen. Am nördlichen Rand des Lagers wurde eine perfekt erhaltene Dolabra gefunden.

Das Marschlager Reimershausen Süd konnte auf einer Länge von 585 m und Breite von 530 m nachgewiesen werden und nimmt mindestens 10 Hektar Fläche ein. Seine südliche und südöstliche Ausdehnung lässt sich aufgrund von Erosion durch mittelalterlichen und neuzeitlichen Ackerbau nicht mehr bestimmen.

Im von beiden Lagern überlappt genutzten Bereich des Gipfelplateaus kamen 10 römische Münzen zutage, überwiegend Nemausos-Asse. Hinzu kommt eine Münze aus der Zeit Trajans, bei der es sich möglicherweise um eine spätere einheimische Grabbeigabe handelt. Daneben wurden vier keltisch-gallische Bronzemünzen geborgen. Weitere Funde umfassen einen perfekt erhaltenen römischen Zelthering, mehrere Katapultbolzen, eine Lanzentülle sowie 129 Sandalennägel römischer Legionäre.

Mittelalter und Neuzeit Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Reimershausen erfolgte unter dem Namen Reyrnerßhusen im Jahr 1261. Es werden Güter der Adelsfamilie von Rodheim genannt.

Zum 1. Juli 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Reimershausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Lohra eingemeindet. Für Reimershausen wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Reimershausen angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Lohra ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gericht Lohra 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Gericht Lohra ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Gericht Lohra ab 1686: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Fronhausen Die Zugehörigkeit des Amtes Fronhausen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Fronhausen 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Lohra ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Fronhausen ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis MarburgVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.Trennung zwischen Justiz (Justizamt Fronhausen) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Marburg ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg, Gemeinde Lohra ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Lohra ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Lohra

Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Fronhausen war als Gericht in erster Instanz für Reimershausen zuständig. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Fronhausen.Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte () Das Amtsgericht Fronhausen wurde 1943 geschlossen. Es wurde zunächst als Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg geführt und 1948 endgültig aufgelöst. Sein Gerichtsbezirk wurde dem Amtsgericht Marburg zugeordnet.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Reimershausen 135 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 24 Einwohner unter 18 Jahren, 30 zwischen 18 und 49, 30 zwischen 50 und 64 und 21 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 51 Haushalten. Davon waren 9 Singlehaushalte, 12 Paare ohne Kinder und 24 Paare mit Kindern sowie 6 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 9 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 36 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1502: 4 Männer • 1577: 13 Hausgesesse • 1630: 10 Hausgesesse (4 dreispännige, 1 zweispännige Ackerleute, 5 Einläuftige) • 1681: 8 hausgesessene Mannschaften • 1838: 72 Einwohner (7 nutzungsberechtigte, 2 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 3 Beisassen).

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: alle Einwohner evangelisch-lutherisch • 1885: 86 evangelische (= 100,00 %) Einwohner • 1961: 75 evangelische (= 84,27 %), 14 katholische (= 15,73 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1745: Erwerbspersonen: drei Müller, zwei Schmiede, ein Leineweber. • 1838: Familien: 7 Ackerbau, 4 Gewerbe, eine Tagelöhner. • 1961: Erwerbspersonen: 27 Land- und Forstwirtschaft, 18 Produzierendes Gewerbe, 6 Handel und Verkehr, 1 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik Für Reimershausen besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Reimershausen. Der Ortsbeirat Reimershausen besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 75,26 %. Alle Kandidaten gehörten der Liste „Dorfgemeinschaft Reimershausen“ an. Der Ortsbeirat wählte Günter Kraft zum Ortsvorsteher.

Vereine Reimershausen verfügt über eine Freiwillige Feuerwehr, deren Räumlichkeiten durch ein hohes Maß an Eigeninitiative im Jahr 2007 renoviert und ausgebaut wurden.

Literatur Alfred Horst: Die Chronik von Lohra. 1970 Karl Huth: Die Gemeinde Lohra und ihre 10 Ortsteile im Wandel der Jahrhunderte. 1989

Weblinks

Ortsteil Reimershausen In: Webauftritt der Gemeinde Lohra.

Reimershausen im Lohra-Wiki.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

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