mini|Gebäude der Hochschule St. Augustin (2013)
Die Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) ist eine staatlich und kirchlich anerkannte Hochschule mit Promotionsrecht in Köln-Lindenthal. Träger ist eine gemeinnützige GmbH, deren einziger Gesellschafter die KHKT-Stiftung (früher: Stiftung zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung) im Erzbistum Köln ist.
Bis Februar 2020 gehörte die KHKT als Ordenshochschule zu den Steyler Missionaren (SVD), an deren Missionspriesterseminar in Sankt Augustin sie angegliedert war, und hieß bis zum Trägerwechsel Philosophisch-Theologische Hochschule SVD St. Augustin (PTH).
Geschichte Die Anfänge der Philosophisch-Theologische Hochschule SVD St. Augustin gehen auf das Jahr 1925 zurück. Damals nahmen die ersten Priesteramtskandidaten des Ordens das Philosophiestudium an der Hochschule auf. 1932 schloss sich das Theologiestudium im engeren Sinne an. Seit den 1970er-Jahren war die Hochschule auch für nicht ordensangehörige Studierende geöffnet. Die staatliche Anerkennung der Hochschule erfolgte 1983. Die Hochschule war international geprägt, mit rund 50 Prozent der Studierenden und knapp einem Drittel der Lehrenden von nicht-deutscher Herkunft. Nicht-ordensgebundene Männer und Frauen stellten in Sankt Augustin zuletzt die Mehrheit unter den Studierenden.
Der Studiencampus in Sankt Augustin mit der weitläufigen Grünanlage beherbergte neben der Hochschule und ihrer Bibliothek weitere wissenschaftliche Institute: das Steyler Missionswissenschaftliche Institut, das ethnologische Anthropos Institut und das sinologische Institut Monumenta Serica.
Studienangebot Die Hochschule ist die einzige in Deutschland, die im Magister-Studiengang Katholische Theologie den Studienschwerpunkt „Mission, Kulturen und Religionen“ anbietet. Der Studiengang wurde 2025 bis zum 30. September 2033 von der zuständigen Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung kanonischer Studiengänge in Deutschland (AKAST) unter der Auflage akkreditiert, dass er „im Akkreditierungszeitraum personell getragen und das Curriculum durch ausreichendes fachlich und methodisch-didaktisch qualifiziertes Lehrpersonalumgesetzt werden kann“. Die ehemalige Steyler Hochschule vermittelt in diesem Schwerpunkt Inhalte der Missionswissenschaften und der damit verbundenen Wissenschaften wie Ethnologie, Religionswissenschaft und Religionsgeschichte. Als theologisches Aufbaustudium sind Lizentiat und Doktorat möglich. Im Wintersemester 2024/25 haben sich nach eigenen Angaben insgesamt 34 Frauen und Männer für das Studium der Theologie eingeschrieben, darunter 27 Magister-Studierende. Offen ist, ob sich darunter auch Priesterkandidaten befinden.
Der Magisterstudiengang Katholische Theologie wurde im Juni 2023 von der AKAST mit wenigen Auflagen, die mittlerweile erfüllt wurden, bis 30. September 2030 reakkreditiert. Darüber hinaus besteht der Vorbehalt, dass die KHKT staatlich anerkannt bleibt. Der Anerkennungsbescheid des Landes NRW hat die Akkreditierung des Studienganges bis zum Sommersemester 2026 befristet.
Weitere Studienangebote sind die „Theologische Zusatzqualifikation für Studierende und Mitarbeitende der Sozialen Arbeit“ sowie der berufsbegleitende Masterstudiengang „Interreligiöse Dialogkompetenz“. Diesen Masterstudiengang realisierte die PTH bereits vor dem Trägerwechsel gemeinsam mit dem Erzbistum Köln, der Katholischen Hochschule NRW sowie dem Diözesan-Caritasverband im Erzbistum Köln. Seit dem Wintersemester 2021/22 bietet die Hochschule unter dem Titel „Studium generale“ ein Orientierungsjahr an, wo philosophische und theologische Fragen mit interessanten gesellschaftlichen Fragen verbunden dargestellt werden sollen und Studierende Vorlesungen aus verschiedensten Fachrichtungen besuchen können.„Wenn wir uns nicht herausfordern lassen, rosten wir ein“. Kölner Hochschule für Theologie verschreibt sich dem Dialog, 20. Februar 2022 (domradio.de). Trägerwechsel und Umzug Seit Ende 2015 wurde ordensintern diskutiert, ob die Steyler Missionare die Hochschule weiterhin tragen können oder den Standort aufgeben.Pressemitteilung der deutschen Provinz der Steyler Missionare: PTH St. Augustin: Steyler prüfen Zukunft der Hochschule, 12. Januar 2016, abgerufen am 14. Januar 2016. Im Juli 2019 kündigte das Erzbistum Köln die Übernahme der Trägerschaft der Hochschule an, um eine Schließung zu verhindern.Erzbistum Köln wird Träger der Hochschule Sankt Augustin, Domradio, abgerufen am 8. Juli 2019. Zum Beginn des Wintersemesters 2019/20 wurde Christoph Ohly zum kommissarischen Rektor der PTH ernannt, um die nächsten Schritte des Trägerwechsels zu gestalten. Dazu gehören auch neue Statuten für die Hochschule. Die Ernennung erfolgte durch die Kongregation für das Katholische Bildungswesen in Rom im Einvernehmen mit den Steyler Missionaren und dem Erzbistum Köln. Innerhalb der Hochschule wurde der Personalwechsel kritisiert, da die Amtszeit von Ohlys Vorgänger Peter Ramers vor dem Trägerwechsel durch den Senat der Hochschule bereits über 2019 hinaus verlängert worden war. Da die notwendige Bestätigung aus Rom jedoch nicht erteilt wurde, endete Ramers’ Amtszeit am 30. September 2019.
Offiziell wurde der Trägerwechsel am 1. Februar 2020 vollzogen. Seitdem wird die Hochschule von der gGmbH „Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) – St. Augustin“ betrieben, deren alleinige Gesellschafterin die Stiftung zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung im Erzbistum Köln ist. Zur Kanzlerin der Hochschule wurde Martina Köppen gewählt, die vorher das Katholische Büro Berlin-Brandenburg geleitet hatte. Großkanzler der Hochschule ist der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki.
Im Juni 2020 kündigte das Erzbistum an, die Hochschule am Standort Sankt Augustin zu schließen und nach Köln-Lindenthal zu verlagern.khkt.de: Die KHKT zieht zum SoSe 2021 um, 5. Juni 2020. Zum Sommersemester 2021 nahm die Hochschule dort den Studienbetrieb in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Berufskollegs des Erzbistums Köln in der Gleueler Straße – unmittelbar neben dem Krieler Dömchen – auf, die für die Hochschule renoviert worden waren. Zweck des Umzugs an den neuen Standort war die Weiterentwicklung der Hochschule mit einer besseren Infrastruktur und eine Erleichterung der Kooperation mit wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen. Durch den Umzug wurde der Name „Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) – St. Augustin“ geändert und der Zusatz „St. Augustin“ entfernt.
In der Übernahme der Hochschule und der Verlegung des Standortes sehen Beobachter „den Versuch, eine konservativ profilierte Einrichtung neben der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Uni Bonn aufzubauen“, wie es in einem Bericht des Kölner Domradios am 21. Februar 2022 hieß. Das Domradio teilte mit Verweis auf der Katholischen Nachrichtenagentur vorliegende Unterlagen weiter mit, dass Mitglieder des Kirchensteuer- und Wirtschaftsrates des Erzbistums Köln das Konzept der Hochschule, eines „Lieblingsprojekts von Kardinal Rainer Maria Woelki“, hinterfragten, da sie die Finanzierung weder kurz- noch langfristig für gesichert ansehen. Dem Gremium gegenüber sei der Finanzbedarf auf 1,2 Millionen Euro jährlich und eine Gesamtsumme von 7,2 Millionen Euro für die kommenden sechs Jahre beziffert worden; inzwischen sei der jährliche Finanzbedarf bereits auf über drei Millionen Euro gestiegen, obwohl von den 15 notwendigen Professuren erst drei besetzt seien. Die Trägerstiftung der Hochschule benötige eine Anschubfinanzierung in Höhe von über 17 Millionen Euro und längerfristig jährlich acht bis zehn Millionen Euro. Finanziert werden sollen diese Kosten aus einem Sondervermögen, das über Jahrzehnte durch Abgaben von Klerikern gebildet worden ist und das weniger als 17 Millionen Euro umfasst. Die Verwendung von Kirchensteuermitteln für die Hochschule ist bisher ausdrücklich ausgeschlossen. Ob eine Finanzierung durch Großspender und Fundraising möglich sein wird, betrachtet der Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat mit Skepsis.
Der abgelöste Rektor der St. Augustiner Hochschule, Peter Ramers, bezeichnete im November 2022 gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger den Trägerwechsel der Hochschule auf das Erzbistum als „feindliche Übernahme“. 2018 sei in Gesprächen von einer „Co-Finanzierung der Hochschule“ seitens des Erzbistums in Höhe von 15 Prozent der Trägerkosten die Rede gewesen, was von der Hochschule als „generöse Geste“ wahrgenommen worden sei, ohne dass Rechtsstatus und Standort in Frage gestellt worden seien. Es habe sich jedoch um ein „abgekartetes Spiel“ gehandelt, da es längst Überlegungen zum Aufbau der Hochschule in Köln mit Übernahme der Trägerschaft und Standortwechsel gegeben habe. Beides sei weder den Gremien des Erzbistums noch der Öffentlichkeit kommuniziert worden.
Die Berichterstattung des Domradio über die ungenügende Finanzierung der Hochschule bot dem Kirchenrechtler und Kölner Diözesanrichter Gero P. Weishaupt einen Anlass zur Kritik an der Arbeit des Domradio, das „mit seiner antikirchlichen Berichterstattung“ dem Kölner Erzbischof, Rainer Maria Woelki, „einen Dolch in den Rücken“ stoße. Er verglich in einem Facebook-Post die Arbeit des domradio mit einer „propagana (sic!), wie wir sie seit Goebbels kennen“. Daraufhin beurlaubte der Apostolische Administrator im Erzbistum Köln, Weihbischof Rolf Steinhäuser, Weishaupt mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst, weil Weishaupt mit seinen Äußerungen dem Erzbistum schweren Schaden zugefügt habe und deshalb seine Aufgabe als Diözesanrichter nicht mehr fruchtbar ausüben könne.
Am 1. April 2022 teilte das Erzbistum Köln mit, Generalvikar Markus Hofmann habe darum gebeten, von seinem Amt entbunden zu werden. Zuvor waren Prüfer im Erzbistum auf einen ungewöhnlichen Vertrag im Stiftungsbereich gestoßen. Das Erzbistum teilte mit, dieser Vertrag sei von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung, aber weder bei der Stiftung noch im Erzbistum bilanziert worden. Was der Vertrag genau regelt, teilte das Erzbistum auch auf Nachfrage nicht mit.wdr.de: Generalvikar tritt zurück Wie die Katholische Nachrichten-Agentur in Erfahrung brachte, ist damit die „Stiftung zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung im Erzbistum Köln“ gemeint, auf die sich der Vertrag beziehe; die Stiftung solle unter Umgehung mancher kirchenrechtlicher Kontrollmechanismen die Trägerschaft der KHKT übernehmen und die langfristige Finanzierung sichern. Großkanzler und Stiftungsratsvorsitzender ist Erzbischof Woelki.
Finanzierung Nach der Übernahme der Hochschule durch das Erzbistum Köln erfolgt die Finanzierung der Hochschule – anders als von Erzbischof Woelki bei der Übernahme zugesagt (s. u. Fragen der Finanzierung) – zunehmend über den Bistumshaushalt und damit aus Kirchensteuermitteln. Eine Auswertung der unvollständig zur Verfügung stehen Daten ergibt folgendes Bild: JahrZuschussCharakter der Finanzierung2023nicht klar beziffertvollständig über Sondervermögen2024nicht klar beziffertteilweise direkt + teilweise Sondervermögen2025~0,34 Mio. €fast nur Sondervermögen2026~3,4 Mio. €überwiegend direkte Haushaltsmittel Quellen/Erläuterung:
2023: ohne Betrag, Hinweis auf 100%ige Finanzierung aus Sondervermögen,
2024: ohne Betrag, Finanzierung nur zu 26 % aus Sondervermögen,
2025: bis auf 342.000 € nahezu vollständige Finanzierung aus Sondervermögen,
2026: Die Haushaltsmittel (inkl. Zuflüsse aus Sondervermögen) des Erzbistums Köln decken etwa 80 % des Haushalts der KHKT und wurden dazu deutlich um 1,2 Mio. ausgeweitet; davon beträgt die direkte Unterstützung 2,2 Mio. € (also ohne Zuflüsse aus Sondervermögen), also etwa 50 %.
Zum Haushalt der KHKT gibt es nur wenige öffentlichen Angaben. Laut Finanzplanung der Hochschule (Businessplan) liegt das Gesamtbudget (Einnahmen = Ausgaben) bei etwa 4,6 Mio. € jährlich (Zielgröße um 2029).
Leitung