Der Echte Schwarzkümmel (Nigella sativa), auch Römischer Koriander oder einfach nur Schwarzkümmel genannt, gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Er ist weder mit dem Echtem Kümmel (Carum carvi) noch mit dem Kreuzkümmel (Cuminum cyminum) verwandt.

Beschreibung mini|Blüten des Echten Schwarzkümmels mini|Blüte von der Seite mini|Nigella sativa, Früchte und Samen

Der Echte Schwarzkümmel wächst als schlanke bis gedrungene einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 50 cm. Die oberirdischen Pflanzenteile sind locker behaart, manchmal mit drüsigen Trichomen. Der aufrechte und einfache oder verzweigte Stängel ist im oberen Bereich gestreift. Die gefiederten Laubblätter besitzen 0,8 bis 2 mm breite Blattabschnitte mit spitzen oberen Enden.

Die einzeln stehende Blüte ist nicht von Hüllblättern umgeben. Die zwittrigen und protandrischenE. A. Weiss: Spice Crops. CABI, 2002, ISBN 0-85199-605-1, S. 357 f. Blüten sind radiärsymmetrisch. Die fünf freien, überlappenden, kronblattartigen, weißlichen bis hellblauen, in Nagel und Platte gegliederten Blütenhüllblätter fallen früh ab, die Platte ist eiförmig mit mehr oder weniger stumpfen Enden. Die bis zu zehn Honigblätter sind in einen kurzen Nagel und eine zweilappige Platte gegliedert, der dorsale, weißliche und größere Lappen ist tief geteilt, die zwei Teile haben mittig zwei feine violettliche Querlinien, sie besitzen jeweils ein kurzes, dickes, hellgrünes kopfiges Anhängsel. Der ventrale, schmälere Lappen ist an der Basis violettlich und zur Spitze weißlich und zugespitzt. Zwischen dem dorsalen und ventralen Lappen sitzt die violette, hufeisenförmige Nektardrüse.Peter Hanelt: Mansfeld's Encyclopedia of Agricultural and Horticultural Crops. Springer, 2001, ISBN 3-540-41017-1, S. 150 f, (Gute Illustration auf 2 Seiten).

Es sind viele, lange Staubblätter vorhanden. Der Fruchtknoten ist oberständig, mit zentralwinkelständiger Plazentation, pro Balgfach ist ein Griffel mit kleiner, kopfiger Narbe vorhanden.T. K. Lim: Edible Medicinal And Non-Medicinal Plants. Volume 5: Fruits, Springer, 2013, ISBN 978-94-007-5652-6, S. 506–555.

Die mehrfächrigen (5–12 Fächer), bei Reife bräunlichen Balgfrüchte sind bis 16 mm lang und bis 12 mm breit, sie sind auf ihrer ganzen Länge geschlossen, aufgeblasen und warzig. Die Bälge tragen die langen und halb aufgerichteten, beständigen Griffel, sie enthalten zahlreiche Samen. Die dreikantigen, kleingrubigen und feinnoppigen, schwärzlichen Samen sind etwa 3–3,5 mm × 1,3–2 mm großVít Bojnanský, Agáta Fargašová: Atlas of Seeds and Fruits of Central and East-European Flora. Springer, 2007, ISBN 978-1-4020-5362-7, S. 131. und enthalten ca. 20–40 % Fett.Said Gharbyab, Hicham Harhar et al.: Chemical investigation of Nigella sativa L. seed oil produced in Morocco. In: Journal of the Saudi Society of Agricultural Sciences. Volume 14, Issue 2, 2015, S. 172–177, doi:10.1016/j.jssas.2013.12.001. Die Tausendkornmasse beträgt etwa 2,5 Gramm.N. Kara, D. Katar, H. Baydar: Yield and Quality of Black Cumin (Nigella sativa L.) Populations: The Effect of Ecological Conditions. In: Turkish Journal of Field Crops. 20(1), 2015, S. 9–14, , (PDF; 260 kB).

Die Chromosomenzahl beträgt meist 2n = 12, seltener 24, 36, 48, 60 oder 96.

Verbreitung Die ursprüngliche Heimat des Echten Schwarzkümmels ist in Westasien, im Irak, der Türkei, im Kaukasusraum, im Gebiet von Syrien und Libanon, Irak, Iran und Turkmenistan. Nach POWO hat er auch ursprüngliche Vorkommen in Rumänien und Bulgarien. Er gedeiht auch sonst etwa in Südeuropa, Indien, Pakistan und Nordafrika.

Taxonomie mini|Samen des Echten Schwarzkümmels Die Erstveröffentlichung des Namens Nigella sativa erfolgte 1753 in Carl von Linnés Species Plantarum, Band 1, Seite 534. Der Name kommt von (‚schwarz‘), (‚schwärzlich‘), wegen der Farbe der Samen. Das Epitheton "sativa" bedeutet "angepflanzt". Linné hatte es von Joachim Camerarius dem Jüngeren (1534–1598) übernommen.

Volksnamen Der Echte Schwarzkümmel (Nigella sativa, im Mittelalter unter anderem und wie die Kornrade lateinisch NigellaBernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 395 (rate, nigella: Kornrade, Agrostemma githago L.)Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 207 (Nigella – raden, melanchion, git melanchium, caruon, stanix, rate) genannt) wurde wegen seiner radförmigen Blüten mit dem Volksnamen „Katharinenblume“ belegt. Diese Blüte erinnert an das Marterrad der Heiligen Katharina. Weitere Volksnamen sind Kookäem, Kookämer, Schwarzkümmel und schwarzer Kreuzkümmel.Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band III. Olms, Hildesheim / New York 1976, ISBN 3-487-05892-8, S. 1970 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938) (online);

Nutzung Alter Orient Seit mindestens 3500 Jahren wird Schwarzkümmel im Orient als pfefferartiges Gewürz und Medizin verwendet. Zibu(m) (ú.tin.tir.gi6.sar) ist seit der altbabylonischen Zeit belegt.Karin Radner, Zagros Spice Mills: The Simurrean and the Hašimur Grindstones. In: Salvatore Gaspa, Alessandro Greco, Daniele Morandi Bonacossi, Simonetta Ponchia, Robert Rollinger (Hrsg.): From Source to History. Studies on Ancient Near Eastern Worlds and Beyond, dedicated to Giovanni Battista Lanfranchi on the Occasion of his 65th Birthday on June 23, 2014. Ugarit Verlag, Münster 2014, ISBN 978-3-86835-101-9, S. 573. Aus Mesopotamien wurde der Schwarzkümmel nach Ägypten eingeführt, wo er während der 18. Dynastie zum ersten Mal nachgewiesen ist, zuerst in Gräbern. Spätestens seit römischer Zeit war er auch als Gewürz verbreitet und wurde zum Beispiel in der Oase Dachla gefunden.Ursula Thanheiser, Johannes Walter, Plant Use in a Romano-Egyptian Household in the Third Century CE. In: Anna Lucille Boozer (Hrsg.): A Late Romano-Egyptian House in Dakleh Oasis: Amheida House B2B. New York, NYU Press 2015, ISBN 978-1-4798-8034-8, online Auch aus Mons Claudianus ist er bekannt.Marijke van der Veen 1996. The plant remains from Mons Claudianus, a Roman quarry settlement in the Eastern Desert of Egypt – an interim report. Vegetation History and Archaeobotany 5, 1/2, Tabelle 1. Stable URL: , Abruf am 31. Januar 2021. Nach Botnick et al.Ilan Botnick, Wentao Xue, Einat Bar et al., Distribution of primary and specialized Metabolites in Nigella sativa Seeds, a Spice with vast traditional and historical Uses. In: Molecules. 17/9, 2012, 10159–10177, doi:10.3390/molecules170910159. handelt es sich bei dem in Jesaja 28, Vers 25–27 erwähnten Gewürz Ketzah um echten Schwarzkümmel (die Elberfelder Bibel hat, wie Luther, KümmelJesaja 28 der Elberfelder Bibelübersetzung Edition CSV.).

Antike Madaus ist sich unsicher, ob Hippokrates’ Melanthion („Schwarzblume“, lateinisch MelantiumWouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 240 (Melantium: Kobert folgend Nigella sativa L. oder Claviceps purpurea). und MelanthiumOtto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 147 (Melanthium) und 148 (Nigella).), das Dioskurides als Umschlag gegen Kopfweh, Leberflecke, Verhärtungen, Aussatz und Spulwürmer, innerlich als Emmenagogum, Diuretikum und zur Förderung der Milchsekretion empfahl, unsere Nigella ist. Die Indikation ist jedoch mit der Deutung vereinbar: Bei Galen vertreibt sie Würmer, bei Plinius Schlangen. Cato der Ältere empfiehlt sie gegen Schlangenbisse (De agri cultura 102).M. R. Mezzabotta 2001, Ethnoveterinary Treatments in Roman Antiquity: Cato the Elder's Veterinary Remedies. Acta Classica 44, 148. Stable URL: , Zugriff 30/1/2021

Europäisches Mittelalter und Neuzeit Das Capitulare Karls des Großen nennt sie Nigella sativa, Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts „Schwartzer Coriander“. Offizinell waren die Samen, Semina Nigellae / Melanthii / Cumini. Madaus nennt den Geruch beim Zerreiben gewürzig, petersilienähnlich, den Geschmack scharf, kratzend. Die Pflanze kommt bei Paracelsus vor. Bei Matthiolus wirkt „Schwarzer Coriander“ diuretisch, emmenagog, galaktagog, gegen Asthma, Flatulenz, das Öl gegen Milzverhärtung, äußerlich bei Star, Hautleiden, Hühneraugen, Zahnweh und Schnupfen. In Spanien wurde der echte Schwarzkümmel wohl durch die Araber eingeführt.Leonor Peña-Chocarro, Guillem Pérez-Jordà: Garden plants in medieval Iberia: the archaeobotanical evidence. In: Early Medieval Europe. 27/3, 2019, 385, doi:10.1111/emed.12348. Archäobotanisch wurde der Schwarzkümmel unter anderem in einer frühneuzeitlichen Latrine in Göttingen nachgewiesen.Johannisstraße 28, 16. Jh.: Maren Hellwig 1997, Plant remains from two cesspits (15th and 16th century) and a pond (13th century) from Göttingen, southern Lower Saxony, Germany. Vegetation History and Archaeobotany 6/2, 108. Stable URL: , Zugriff 30/01/2021

Weinmann und von Haller loben die Samen bei Flatulenz, Febris quartana, als eröffnendes, „verdünnerndes“ Mittel, Diuretikum, Galaktogogum und Niespulver. Die Pflanze erscheint in indischen Rezepten gegen Durchfall, Verdauungsstörung, Magenkrämpfe, Geschlechtskrankheiten, Fluor albus und Sehtrübung durch Schleimhautentzündung. Für Madaus ist Nigella sativa ein Karminativum, Galaktagogum und Diuretikum, ferner bei Enteritis, Achylia gastrica, Hepatitis, Ikterus, Lungenaffektionen und Würmern. „Finsterwalder“ gebe sie im Teegemisch bei Blutfleckenkrankheit, „Janz“ im Milchdekokt (Abkochung) nach Reponierung eingeklemmter Brüche, dänische Volksmedizin auch äußerlich gegen Knoten, Flechten und zur Wundkühlung. Alle Literaturstellen und auch das Homöopathische Arzneibuch verwenden die Samen der Pflanze.Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band III. Olms, Hildesheim / New York 1976, ISBN 3-487-05892-8, S. 1970–1974 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938) (online).

Islam

Diese angebliche Aussage des islamischen Religionsstifters Mohammed (570–632 n. Chr.), überliefert in der Hadithensammlung al-Dschāmiʿ as-sahīh von al-Buchārī, verhalf dem Schwarzkümmel in der islamischen Welt zu Popularität.

Moderne Nutzung Schwarzkümmelöl 2010 versuchte der Konzern Nestlé, ein Patent auf die Verwendung von Nigella sativa als natürliches Behandlungsmittel gegen Lebensmittelallergien anzumelden.