mini|Edmund of Woodstock. Darstellung aus dem 14. Jahrhundert Edmund of Woodstock, 1. Earl of Kent (* 5. August 1301 im Woodstock Palace; † (hingerichtet) 19. März 1330 in Winchester) war ein englischer Magnat.
Herkunft und Ausstattung mit eigenem Landbesitz Edmund of Woodstock entstammte der englischen Herrscherfamilie Plantagenet. Er war der jüngste Sohn von König Eduard I. aus dessen zweiter Ehe mit Margarete von Frankreich. Damit war er ein jüngerer Halbbruder des späteren Königs Eduard II. und ein jüngerer Bruder von Thomas of Brotherton, 1. Earl of Norfolk. Edmund erhielt seinen Beinamen nach seinem Geburtsort, dem Woodstock Palace bei Oxford.
Wie bei den Kindern aus der ersten Ehe von Eduard I. ist auch über die Kindheit von Edmund und seinen Geschwistern wenig bekannt.Michael Prestwich: Edward I. Berkeley, University of California Press, 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 131. Der alte König versuchte noch, die Zukunft seines jüngsten Sohnes zu sichern, indem er 1306 zusagte, ihn innerhalb von zwei Jahren mit Ländereien mit jährlichen Einkünften von 7000 Mark zu versorgen. Kurz vor seinem Tod im Juli 1307 sagte Eduard I. seinem Sohn noch Landbesitz im Wert von weiteren 1000 Mark zu, doch er bestimmte nicht mehr, welche Ländereien Edmund erhalten solle. Eduard I. hatte offensichtlich vorgehabt, entweder Edmund oder seinen Bruder Thomas zum Earl of Cornwall zu erheben. Da er dies aber bis zu seinem oTod im Juli 1307 nicht umsetzte, vergab sein Nachfolger Eduard II. diesen Titel mit umfangreichen Ländereien an seinen Günstling Piers Gaveston. Um seinen jüngsten Bruder zu versorgen, stattete Eduard II. ihn schließlich 1315 mit mehreren Gütern aus. Im November 1319 übergab er ihm eine großzügige Schenkung mit jährlichen Einkünften von 2000 Mark.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 255.
Diplomatische und politische Unterstützung von Eduard II. Der König betraute seinen offiziell noch minderjährigen Halbbruder zunehmend mit politischen Aufgaben. Gegen den König hatte sich mehrfach eine Adelsopposition gebildet, doch Edmund erwies sich als zuverlässiger Unterstützer des Königs. Mit Zustimmung des Königs bezeugte Edmund im August 1318 den Vertrag von Leake, der den König mit dem Earl of Lancaster aussöhnen sollte. Im Frühjahr 1320 war er der Führer einer Gesandtschaft, der auch noch Hugh le Despenser der Ältere und Bartholomew de Badlesmere angehörten. Die Gesandtschaft reiste zunächst an den französischen Königshof und dann zu Beratungen mit Papst Johannes XXII. nach Avignon. Dort sollte sie das päpstliche Einverständnis für die Erhebung von Henry Burghersh, einem Neffen von Badlesmere, zum Bischof von Lincoln einholen. Zusätzlich sollten sie den Papst dazu bewegen, den englischen König von seinem Eid auf die Einhaltung der Ordinances, den Auflagen der Adelsopposition zu entbinden. Auf der Rückreise traf die Gesandtschaft den englischen König im französischen Amiens, wo er dem französischen König Philipp V. für seine südwestfranzösischen Besitzungen gehuldigt hatte. Zurück in England, wurde Edmund im Oktober 1320 erstmals in ein Parlament berufen. mini|Die Hinrichtung des Earl of Lancaster. Darstellung aus dem 15. Jahrhundert
Rolle im Bürgerkrieg Seit 1318 hatten Hugh le Despenser der Ältere und sein gleichnamiger Sohn Hugh als führende Höflinge erheblichen Einfluss auf den König gewonnen. Der Hass zahlreicher Adliger auf die Despensers entlud sich im Frühjahr 1321 im Despenser War, einer gewalttätigen Rebellion der Marcher Lords. Die Barone plünderten die Besitzungen der Despensers in Südwales und marschierten anschließend mit ihren Truppen nach London, wo ein Parlament, dem auch Edmund angehörte, den König zur Verbannung der Despensers zwang. Selbst Bartholomew de Badlesmere, der Steward of the Household, hatte sich der Rebellion angeschlossen. Daraufhin entließ der König Badlesmere aus seinen Ämtern und ernannte stattdessen am 16. Juni 1321 Edmund zum Verwalter von Kent, zum Kommandanten von Dover Castle und zum Warden of the Cinque Ports. Am 26. Juli erhob der König dazu Edmund zum Earl of Kent und übergab ihm mit diesem Titel weitere Rechte. Damit wollte Eduard II. die Stellung seines früheren Vertrauten Badlesmere in Kent, wo dieser den Mittelpunkt seiner Besitzungen hatte, schwächen.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 293 Zusätzlich ernannte der König am 26. September Edmund anstelle von Badlesmere zum Verwalter von Tonbridge Castle in Kent. Den Rebellen war es inzwischen nicht gelungen, ihren Erfolg auszubauen, so dass der König im Oktober begann, die Rebellion militärisch niederzuschlagen. Er forderte Edmund auf, in seinen Besitzungen für den Feldzug Truppen aufzustellen. Ab Ende 1321 nahm Edmund selbst am Feldzug des Königs gegen die Rebellen in die Welsh Marches teil. Nachdem dort die Rebellion niedergeschlagen worden war, wandte sich der König Anfang 1322 gegen den Earl of Lancaster. Zusammen mit anderen Magnaten riet Edmund am 11. März dem König, Lancaster und die verbliebenen Rebellen zu Verrätern zu erklären und gegen sie mit aller Macht vorzugehen.Natalie Fryde: The tyranny and fall of Edward II, 1321–1326. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-54806-3, S. 58 Der König beauftragte nun Edmund zusammen mit dem Earl of Surrey Pontefract Castle, einen der Hauptsitze Lancasters zu besetzen. Nach der Schlacht bei Boroughbridge am 17. März 1322 geriet Lancaster in Gefangenschaft und wurde zunächst nach York und dann nach Pontefract gebracht. Edmund gehört dort dem aus sieben Magnaten bestehenden Tribunal an, das am 22. März Lancaster zum Tod verurteilte.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 312. Ende 1322 konnte der Rebell Maurice de Berkeley, der in Wallingford Castle eingekerkert war, mit Hilfe von Freunden seine Bewacher überwältigen. Zusammen mit seinen Unterstützern verschanzte er sich in der Burg. Daraufhin sandte der König im Januar 1323 Edmund und den älteren Despenser nach Wallingford, um die Burg zurückzuerobern. Sie besetzten nicht nur Wallingford Castle, sondern auch Berkeley Castle, wo sie unter Missachtung des Kirchenasyls auch die Verteidiger, die sich in die Burgkapelle geflüchtet hatten, gefangen nahmen. mini|Wappen von Edmund of Woodstock, 1. Earl of Kent
Für seine Treue zum König wurde Edmund reich belohnt. Ende März 1322 übergab ihm Eduard II. umfangreiche Besitzungen in Wales, die von dem Rebellen Roger Mortimer of Wigmore beschlagnahmt worden waren. Dazu wurde er zum Sheriff von Rutland ernannt. Im Juli 1322 übergab ihm der König die Verwaltung von Oakham Castle. 1323 beauftragte ihn der König, die Anhänger des Rebellen Robert le Ewer zu verhaften und zu bestrafen. Im September 1323 erhielt Edmund die Erlaubnis des Königs, in Northampton ein Turnier zu veranstalten.
Dienst in Schottland und Frankreich Nach seinem Sieg über seine innenpolitischen Gegner wandte sich Eduard II. dem Krieg mit Schottland zu. Edmund gehörte zu den Kommandanten der englischen Armee, die ab August 1322 nach Schottland vorstieß, doch die Armee wurde am 14. Oktober in der Schlacht bei Byland von den Schotten geschlagen und zerstreut. Edmund flüchtete im Gefolge des Königs nach York.Natalie Fryde: The tyranny and fall of Edward II, 1321–1326. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-54806-3, S. 131. Aus Furcht vor einer neuen schottischen Invasion befahl der König Edmund und anderen Magnaten, so viele Soldaten wie möglich aufzustellen und sie im Dezember nach York zu führen. Im Februar 1323 ernannte der König Edmund zu seinem Statthalter in Schottland sowie anstelle des Verrats beschuldigten Andrew Harclay zum Statthalter in den Scottish Marches. Anfang März 1323 gehörte er zu den Richtern, die Harclay zum Tod verurteilten. Als Statthalter stellte Edmund nun Truppen in Cumberland, Westmorland und Lancashire für den Krieg gegen Schottland auf, doch am 30. Mai nahm er an der Ratsversammlung teil, bei der der König Verhandlungen mit Schottland zustimmte. Schließlich schloss der König noch im gleichen Jahr mit Schottland einen auf dreizehn Jahre befristeten Waffenstillstand.
Ende 1323 begann um die den englischen Königen gehörende südwestfranzösische Gascogne ein Konflikt mit Frankreich. Nachdem erste Vermittlungsversuche gescheitert waren, schickte Eduard II. im April 1324 mit seinem Bruder Edmund und Alexander Bicknor, Erzbischof von Dublin eine hochrangige Delegation zu Verhandlungen nach Paris. Die Verhandlungen blieben jedoch ergebnislos, worauf die Franzosen die Gascogne für beschlagnahmt erklärten. Daraufhin ernannte Eduard II. am 20. Juli 1324 den nach England zurückgekehrten Edmund zum Lieutenant der Gascogne, um sie im Krieg gegen Frankreich zu verteidigen. Der unerfahrene Edmund machte sich im Agenais durch seine Forderungen an die einheimische Bevölkerung rasch unbeliebt,Natalie Fryde: The tyranny and fall of Edward II, 1321–1326. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-54806-3, S. 143 und in der Folge wurde die Region im August rasch von Karl von Valois für Frankreich erobert. Edmund flüchtete nach La Réole, wo die Franzosen ihn einschlossen und belagerten. In aussichtsloser Lage musste er am 22. September einem sechsmonatigen Waffenstillstand zustimmen, der den Franzosen den Besitz ihrer eroberten Gebiete zugestand.Ian Mortimer: The greatest Traitor. The Life of Sir Roger Mortimer, 1st Earl of March, Ruler of England, 1327–1330. Pimlico, London 2003, ISBN 0-7126-9715-2, S. 137 Danach blieb Edmund weiter in der Gascogne. Im April 1325 befahl er, in der Gascogne ein Heer zur Unterstützung der englischen Truppen aufzustellen, die unter dem Kommando des Earl Warenne von England zur Verstärkung in die Gascogne geschickt wurden.
Rolle während des Sturzes von Eduard II.