Neustadt (Dosse) ist eine amtsangehörige Stadt des Amtes Neustadt (Dosse) im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg, Deutschland. Sie bekam am 1. Januar 2000 die Zusatzbezeichnung Stadt der Pferde verliehen, da Neustadt für das Landgestüt Brandenburgs bekannt ist.Amtsblatt für Brandenburg. Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg. 11. Jahrgang, Nr. 4, Potsdam, 1. Februar 2000, S. 41 (PDF; 225 kB)
Stadtgliederung Neustadt (Dosse) untergliedert sich laut seiner HauptsatzungHauptsatzung der Stadt Neustadt (Dosse) (PDF; 101 kB) und der Landesregierung des Landes BrandenburgDienstleistungsportal des Landes Brandenburg. Abgerufen am 22. März 2020. wie folgt: Stadt Neustadt (Dosse) mit dem bewohnten Gemeindeteil Kampehl und den sonstigen Wohnplätzen Hauptgestüt, Haselhorst, Köritz, Lindenau, Schönfeld, Spiegelberg und Strubbergshof Ortsteil Plänitz-Leddin mit den bewohnten Gemeindeteilen Plänitz und Leddin und dem sonstigen Wohnplatz Siedlung Ortsteil Roddahn mit den bewohnten Gemeindeteilen Babe, Helenenhof, Neuhof, Neuroddahn und Schwarzwasser
Geschichte Die heutige Stadt Neustadt (Dosse) ist aus der Siedlung Goldbeck, dem Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt (auch Lindenau genannt), dem Friedrich-Wilhelm-Gestüt, den Dörfern Köritz (mit Schönfeld und Gadenshof), Kampehl und Spiegelberg sowie der alten Stadt Neustadt entstanden. Der Vogelsang wurde erst nach der Eröffnung der Berlin-Hamburger Bahn 1846 im Zuge des Zusammenwachsens von Neustadt und Köritz bebaut. Die alte Stadt Neustadt bestand im Kern nur aus der Kirche, der heutigen Robert-Koch-Straße und der Schreymühle (Schrotmühle), einer Wassermühle am Dossestau.
Neustadt (Dosse) Im Landbuch Kaiser Karl IV. von 1375 erscheint Neustadt als eine zur Prignitz gehörige und im Besitz derer von Bredows befindliche Burg. Lippold von Bredow war 1369 Marschall des Markgrafen Otto V. und erwarb wahrscheinlich von diesem als Unterpfand für ein vorgestrecktes Kapital das Amt Neustadt. Ab 1407 befand sich Neustadt im Besitz des Grafen von Lindow-Ruppin und wurde Teil der Herrschaft Ruppin. Die Gegend wurde von Tausenden von Pilgern auf dem Weg von Berlin zur Wunderblutkirche nach Wilsnack besucht. Im Jahre 1491 besaßen die Quitzows den größten Teil der Burg Neustadt. Zeitweise war Neustadt nach Theodor Fontane auch an die Bredows und die Rohrs verpfändet:
An Stelle der verfallenen Burg errichtete die Familie Winterfeldt ein Schloss mit einer Kapelle. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurden fast alle Dörfer in der Umgebung von Neustadt durch österreichische Truppen niedergebrannt und Neustadt selbst durch schwedische Soldaten belagert. Neustadt wurde 1643 vom Königlich schwedischen Feldmarschall Graf Hans Christoph von Königsmarck erworben. Prinz Friedrich von Hessen-Homburg erwarb 1662 Neustadt vom Feldmarschall Graf Königsmarck. Zu dieser Zeit bestand Neustadt nur aus sieben Bauernhöfen, einer Mühle und einer Schmiede. Am 24. August 1664 unterzeichnete auf Ersuchen des Prinzen Friedrich Kurfürst Friedrich Wilhelm ein Privileg, mit dem das Dorf Neustadt zur Stadt erhoben wurde. Zunächst gehörten Köritz, Neustadt und Kampehl nicht zum heutigen Neustadt (Dosse). Nach dem Tod seines Bruders Wilhelm Christoph von Hessen-Homburg übernahm Prinz Friedrich als Landgraf Friedrich II. dessen Amt und verlieh Neustadt weitgehende Privilegien.
Ein Großfeuer vernichtete 1666 Schloss und Kirche, weshalb der Prinz zur Förderung von Handel und Gewerbe viele Kolonisten, vor allem aus Süddeutschland und Holland, nach Neustadt holte. Nach dem Edikt von Potsdam im Jahr 1685 siedelten sich vor allem Hugenotten hier an. Der Prinz erteilte 1673 den Auftrag zur Errichtung der Neustädter Kreuzkirche, ein Abbild der Stockholmer Katharinenkirche, die erst 1696 vollendet wurde. Die Dosse wurde reguliert, eine Glashütte entstand, aus der 1688 eine von Hugenotten gegründete Spiegelmanufaktur hervorging, eine Polier- und Schleifmühle wurden errichtet und 1693 eine Eisenhütte in Hohenofen gegründet. In dieser Zeit wurde durch die Regulierung der Dosse auch neues Wiesen- und Weideland geschaffen und damit der Grundstein für die Pferdezucht in der Stadt gelegt.
Neustadt wurde 1694 durch Landtausch eine kurfürstliche Domäne. Kurfürst Friedrich III. setzte Eberhard von Danckelmann als Amtsverwalter ein. Er holte den Spiegelmacher Henri de Moor nach Neustadt, der französische Glasmacher mitbrachte, die auf dem Spiegelberg eine französische Kolonie bildeten. Das heute als Amtsfreiheit bekannte Gelände war der Sitz des Domänenrates. Das Domänenamt vergrößerte sich durch Ankäufe. Als Amt wurden seit dem späten Mittelalter die landesherrlichen, staatlichen Dienststellen der unteren örtlichen Ebene bezeichnet, die für einen Amtsbezirk die Einkünfteverwaltung, die Rechtsprechung und andere Aufgaben zu erfüllen hatten. Das Eckgebäude am Kirchplatz wurde bis 1954 als Verwaltungsgebäude genutzt. Danach diente es als Schule und Internat; heute ist es ein Wohnhaus.
Der preußische König Friedrich Wilhelm II. ließ 1788 das Brandenburgische Haupt- und Landgestüt in Neustadt an der Dosse durch Carl Graf von Lindenau auf dem Gelände des wüst liegenden ehemaligen Maultiergestüts erbauen. Das Hauptgestüt wurde bis 1945 als Friedrich-Wilhelm-Gestüt bezeichnet.
Heute ist Neustadt Hauptort der Pferdezucht in Brandenburg. Das Gestüt wird als Stiftung öffentlichen Rechts weitergeführt. Zum 1. September 2001 ist das Gesetz über die Errichtung einer Stiftung „Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse)“ in Kraft getreten. Durch die Stiftung soll die Entwicklung zu einem modernen, wirtschaftlich orientierten Dienstleistungszentrum vorangetrieben werden. Die hier beheimatete Stutenherde gehört zu den wertvollsten und erfolgreichsten in Europa. Alljährlich findet im September die Hengstparade statt. Hier wird ein buntes Schauprogramm mit dem Pferd beziehungsweise rund ums Pferd gezeigt. Im Januar organisiert der Hamburger Herbert Ulonska das CSI Neustadt, ein internationales Springturnier, das sich zum bedeutendsten Reitsportereignis in der Hauptstadtregion entwickelt hat. Im Gestüt haben der Pferdezuchtverband Berlin-Brandenburg e. V. und die Mitteldeutsche Pferdemarketing GmbH ihren Sitz. Seit dem 15. Oktober 1999 werden in der „Graf-von-Lindenau-Mehrzweckhalle“ unter anderem internationale Turniere ausgetragen und Schauprogramme gezeigt.
Köritz
Köritz wurde 1305 das erste Mal schriftlich erwähnt. Nach der neuen Kreisordnung erfolgte 1872 die Aufteilung in Amtsbereiche, und Kampehl kam zum Amtsbereich Köritz hinzu. Die frühere Verwaltung von Köritz hatte ihren Sitz in einem Haus gegenüber der Köritzer Kirche (Eck-Schulze).
Das heutige Amtsgebäude war von 1925 bis 1954 Sitz des Tierzuchtamtes. Seit 1954, als Köritz Neustadt zugeordnet wurde, war es Rathaus von Neustadt. Seit der Kommunalreform 1992 ist es Sitz der Amtsverwaltung Neustadt (Dosse).
Babe Das Dorf Babe war ursprünglich ein Vorwerk. Nach dem Dreißigjährigen Krieg entstand daraus ein Rittergut. Die Bedeutung des Namens ist nicht sicher. Zum einen gibt es die Deutung, dass es sich vom alten Wort für Weib ableitet und hier als Spottbezeichnung verwendet wurde. Allerdings nennen Forscher auch die Ableitung von einem Flurnamen mit der Bedeutung Sumpf/Morast oder in der Bedeutung Napfkuchen als Metapher für einen Berg.Märkische Oderzeitung. 23. November 2006, S. 9
Verwaltungszugehörigkeit und Eingemeindungen Neustadt (Dosse) gehörte bis 1952 zum Kreis Ruppin in der preußischen Provinz Brandenburg (1947–1952 im Land Brandenburg), 1952–1990 zum Kreis Kyritz im DDR-Bezirk Potsdam.
Köritz wurde am 1. August 1954 nach Neustadt eingemeindet, Kampehl am 1. März 1970. Plänitz-Leddin entstand am 1. Januar 1969 aus dem Zusammenschluss der beiden namengebenden Orte. Die ehemalige Gemeinde Schwarzwasser wurde am 1. Januar 1958 nach Roddahn eingemeindet. Babe folgte am 1. Januar 1973. Plänitz-Leddin und Roddahn wurden am 31. Dezember 2001 nach Neustadt eingemeindet.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7. Herausgeber: Statistisches BundesamtÄnderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001. StBA.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1 270 1890 1 091 1910 950 1925 1 173 1933 1 479 1939 1 362 Jahr Einwohner 1946 2 152 1950 2 043 1964 3 516 1971 3 681 1981 3 493 1985 3 416 Jahr Einwohner 1990 3 398 1995 3 533 2000 3 470 2005 3 781 2010 3 575 2015 3 435 Jahr Einwohner 2020 3 395 2021 3 387 2022 3 466 2023 3 441 2024 3 469 2025 3 502
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin (PDF) S. 18–21Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden. statistik-berlin-brandenburg.de, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Neustadt (Dosse) besteht aus 16 Stadtverordneten und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,7 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 45,4 % 7 37,5 % 6 Gemeinsam für Neustadt – – 26,8 % 4 AfD 14,6 % 3 26,5 % 4 Die Linke 25,4 % 4 5,0 % 1 Kreisbauernverband (KBV) – – 4,2 % 1 SPD 14,6 % 2 – – Insgesamt 100 % 16 100 % 16
Bürgermeister 1993–2016: Sabine Ehrlich (SPD)Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014Bürgermeisterin kündigt Rücktritt an. In: Märkische Allgemeine, 6. Dezember 2016 2017–2021: Karl Tedsen (CDU)Karl Tedsen ist Bürgermeister. In: Märkische Allgemeine, 21. Februar 2017 seit 2021: André Stimm (parteilos)
Tedsen wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 60,9 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 Er trat zum 30. Juni 2021 zurück.
Am 29. November 2021 wurde André Stimm von der Stadtverordnetenversammlung zu seinem Nachfolger gewählt. Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 bei einer Gegenkandidatin mit 62,1 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Neustadt (Dosse) am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgi-sches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
Wappen
Flagge „Die Flagge ist Rot - Weiß - Blau (1:1:1) gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.“
Städtepartnerschaften mini|Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa
Neustadt ist Mitglied der internationalen Städtefreundschaft Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa mit 36 Mitgliedern aus sieben mitteleuropäischen Ländern (Stand 2019).
Sehenswürdigkeiten
Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt auf einem Gestütsareal von etwa 400 Hektar Mumie des Ritters Kahlbutz im Ortsteil Kampehl Kutschenmuseum in der „Graf-von-Lindenau-Halle“ Stadtkirche Neustadt (Dosse), eine Kreuzkirche mit gleichseitigem achteckigen Grundriss und vier rechteckigen Kreuzarmen (1696 fertiggestellt) Dorfkirche in Plänitz Gaswerk Neustadt (Dosse), als technisches Denkmal letztes vollständig erhaltenes Gaswerk in Deutschland Denkmal für die Opfer des Faschismus auf dem Kirchplatz an der Prinz-von-Homburg-Straße, errichtet 1946, erinnert auch an die Einwohner Zahn und Giese, die im April 1945 von SS-Männern erschossen wurden, weil sie Neustadt kampflos der Roten Armee übergeben wollten