mini|Susliki- und Perlsuslikfell Zieselfelle stammen von Zieseln, erdbewohnenden Hörnchen, die über Europa, Asien verbreitet sind. Die bisherigen nordamerikanischen Untergattungen der Ziesel wurden inzwischen zu mehreren eigenen Gattungen erhoben. Zieselfelle kommen hauptsächlich aus Asien in den Handel, insbesondere aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion.

Die Felle des Gelb- oder Fahlziesels werden in der Rauchwarenbranche als Petschaniki gehandelt, die aller anderen Arten als Susliki (fast immer im Plural; Singular = Petschanik und Suslik).

Nach P. W. Saring (1948) haben von den vierzehn Gattungen nur sieben eine gewerbliche Bedeutung.Fritz Schmidtt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen, 1970, F. C. Mayer Verlag, München, S. 127–131

Allgemein, Geschichte Der Europäische Ziesel ist nach der Bundesartenschutzverordnung geschützt. Noch um 1911 wurden dagegen fast nur Europäische Ziesel für Pelzzwecke verwendet.Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze, 1911, Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin, S. 594–597 1930 kam dann bereits meist sibirische Ware in den Handel.Hermann Deutsch: Die moderne Kürschnerei. Handbuch für den Kürschner, Färber, Bleicher, Zuschneider und Konfektionär, A. Hartleben’s Verlag, Wien und Leipzig, 1930. S. Die besten Qualitäten des europäischen Ziesels wurden in den Monaten April und Mai gefangen.Prof. Dr. sc. nat. Dr. med vet. h. c. Heinrich Dathe, Berlin; Dr. rer. pol. Paul Schöps, Leipzig unter Mitarbeit von 11 Fachwissenschaftlern: Pelztieratlas, VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1986, Ziesel, S. 100–104.

Der Schweizer Naturforscher Conrad Gesner (1516–1565), Sohn eines Kürschners, beschrieb die Lassitzmaus (lat. Mus lassicius), deren köstliche Mäusebälge Lassitz genannt werden. Die Farbe soll von aschenfarben bis weiß reichen, die Felle nicht mehr als einen kleinen Finger breit sein. Etliche Kürschner meinen, es seien Felle des kleinen Wiesels, andere, sie stammen von einem Tier, das auf Deutsch „Harnball“ genannt wird.Conrad Gesner: Thierbuch, Nachdruck der Ausgabe 1669, Schlütersche Verlagsanstalt, Hannover 1980, S. 270 ISBN 3-87706-176-1

Zu den bis heute nicht oder kaum genutzten amerikanischen Zieselarten schreibt Emil Brass zu der Zeit: „Bisher gelangte das Tier nirgends in den Handel, aber seit zwei Jahren ist von seiten der amerikanischen Regierung ein Vernichtungskrieg gegen diese Tiere eröffnet worden, da sie der intensiveren Bewirtschaftung der Prärien, die ja jetzt in Weizenland umgewandelt werden, hindernd im Wege stehen. Es sind seit dieser Zeit über 3 Millionen dem tödlichen Strychnin zum Opfer gefallen. Es ist aber schade, dass die Felle gar nicht benutzt werden und sollte seitens der amerikanischen Interessenten darauf hingewirkt werden, dass die getöteten Tiere abgestreift und dann die Felle dem Handel zugänglich gemacht werden, wozu sie gut geeignet sind.“ miniatur|Pelzwirtschaftlich kaum oder nicht genutztes Baja-California-Ziesel-Fell, Niederkalifornien Ein anderer Rauchwarenhändler, Friedrich Jäkel aus Leipzig, erinnerte sich 1966: „Aus Rußland trafen als preiswerte Felle ein: Susliki und kirgisische Sandmurmel, die in der Branche Petschaniki genannt wurden. Erstere verwendete man als billiges Einfütterungsmaterial für Joppen und Mäntel, und die Petschaniki gaben nicht nur einen preiswerten Besatz her, auch für Innenfutter und vor allen Dingen als Damenmantelmaterial waren diese Felle jahrelang ein recht begehrter Artikel, der äußerst tragfähig und gefällig war. Man färbte sie nerzfarbig und zobelbraun, weil die meisten Felle naturell unschön wirkten, und später, als man mit der Entfärbung begann [Bleichen vor dem Färben], brachte man diese kigisischen Murmel auch in slatefarbigem und blaugrauen Ton heraus.Friedrich Jäkel: Der Brühl von 1900 bis zum 2. Weltkrieg (4. Fortsetzung). In: Rund um den Pelz Nr. 6, Juni 1966, S. 53.“

Die Felllänge der schlanken Tiere beträgt je nach Art 15 bis 38 cm. Der Schweif kann stummelartig sein, jedoch auch eichhörnchenartig lang und zweireihig buschig behaart. Das nicht sehr dichte Haar ist kurz mit straffen, in der Mitte andersfarbig geringelten Grannen. Die Fellfarbe weist erhebliche Unterschiede auf. a) grau bis gelblichgrau, fahl gelblich bis rötlichbraun, die Oberseite dunkler mit helleren Punkten. b) eine ähnliche Färbung, aber die Flecken fehlen oder sind nur sehr schwach ausgeprägt. c) braungrau mit hellen Streifen und einer Reihe weißer Tüpfelflecken dazwischen. Die unteren Körperteile gelblichweiß. d) reichlich gezeichnet in olivbraun, gelbrot und schwarzweiß (amerikanische Goldmantel-Ziesel).

Als reine Pflanzenfresser und Getreideschädlinge werden die Ziesel in Asien hartnäckig bekämpft. Sie gelten pelzwirtschaftlich gesehen in der UdSSR als zweitrangig, der Fellanfall erreichte zeitweilig jedoch die Millionenzahl.Christian Franke/Johanna Kroll: Jury Fränkel’s Rauchwaren-Handbuch 1988/89, 10. überarbeitete und ergänzte Neuauflage, Rifra-Verlag Murrhardt

Für die Verwertung wurde 1957 angegeben, „zu Damenmänteln, -jacken, Capes, Besatz, auch zu Futtern für Herrenpelze, entweder aus ganzen Fellen oder auch aus Seiten.“Friedrich Lorenz: Rauchwarenkunde, 1958. Selbstverlag, Berlin, S. 54–55

Petschaniki mini|links|Alter Petschanikimuff mini|Suslikifelle (Tafelreste) mini|Suslikifelltafeln (bedruckt) Der Gelb- oder Fahlziesel, auch Falbziesel, gelbes Ziesel, gelbe Zieselmaus oder Sandziesel genannt, ist der wichtigste Pelzlieferant dieser Nagetiergruppe. Etwa 1926 kamen zum ersten Mal Petschaniki in größerer Menge in den Handel. Braungefärbt durch die „Hempelfarbe“ waren sie zumindest kurzzeitig sofort ein großer Markterfolg, der Färbemeister konnte die vielen Aufträge kaum schaffen.Redaktion: Peschaniki. In: Der Rauchwarenmarkt Heft 80, Berlin und Leipzig, 6. Juni 1929, S 2. Anmerkung: Das Pelzfachadressbuch von 1938 verzeichnet eine Zurichterei und Färberei H. Hempel, Reichenbach i. V. Diese, aus Zentralasien stammenden Felle, sind mit 25 bis 38 cm die größten ihrer Gattung. Das kurze Haar ist mittellang und fein; manchmal seidigweich. Das Oberhaar ist meist schwächer, dagegen die Unterwolle stärker ausgeprägt. In England und Deutschland werden die Felle im Handel als Petschaniki bezeichnet, gelegentlich auch als Peschaniki oder Pechaniki. Die korrektere Bezeichnung Pestschaniki (=Sandstein) hat sich nicht durchgesetzt. Bis etwa 1930 wurden sie noch fälschlich als Murmelfelle gehandelt. Das Fell ist etwa kleineren bis mittelgroßen (Orenburger) Murmelfellen gleich. Doch sind Petschaniki viel schmäler, auch sind sie wesentlich kurzhaariger als die Beisky-Murmel.

Die Fellfärbung ist gräulich bis gelblich, von den Spitzen des Grannenhaars mit dunklen Schleiern überzogen, gelegentlich auch gelb mit braunen Rückengrannen oder gleichmäßig hell sandfarben.

Gegenüber den Susliki haben die Petschaniki die weit größeren Felle.

Der Russische Rauchwaren-Standard unterscheidet folgende Klassen: Kirgiser: groß Neu-Kasachstaner: kleiner und flacher nach Größe (Rohfellsortiment): kleine: 22 bis 25 cm mittelgroße: 25 bis 36 cm große: über 36 cm

Die besten Qualitäten kommen aus dem Aqtöbischen Raum sowie dem benachbarten Kasachstan, die geringsten aus dem Südlichen Mittelasien.

Die Jagdzeit fällt in den ersten Monat nach dem Winterschlaf.

Petschanikifelle haben eine relativ gute Haltbarkeit; sie werden naturfarbig oder gefärbt zu Pelzbekleidung verarbeitet. Sie kommen zu Tafeln zusammengesetzt in den Großhandel. Wie bei Hamsterfellen fertigte man früher auch für ein Innenfutter eines Stoffmantels vorbereitete, sogenannte Futter an. Im letzten Arbeitsgang nähte man es sackartig rund; diese aus Russland kommenden Halbfabrikate nannte man nach der Produktionsstätte Kaluga-Säcke. Der Preis für einen Sack betrug um 1911 5 bis 12 Mark. Eine Zeitlang färbte man Petschaniki als preiswerten Massenartikel für alle Arten der Pelzbekleidung nerz-, zobel- oder marderfarbig ein oder bleichte sie beigeartig. 1928 gelang es einem deutschen Pelzveredlungsbetrieb Petschanikis „schnneeweiß“ zu bleichen, so „dass ein Laie ein Peshanikifell von einem echten Hermelin keinesfalls mehr unterscheiden kann“.„er.-“: Peshaniki-Hermelin und ihre Auswirkung am Rauchwarenmarkt. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 75, Leipzig, 23. Juni 1928. Zitat: „Gegen Mitte dieses Monats erregte ein Produkt einer dem deutschen Rauchwaren-Zurichtereien und Färbereien angehörenden Veredlerfirma [Name nicht erwähnt] berechtigtes Aufsehen“. In einem Fachbuch aus dem Jahr 1929 wird das weiße „Peshanikihermelin“ zu den „epochemachendsten Imitationen“ der Pelzveredlung gezählt.

Der Haltbarkeitskoeffizient des Fahlzieselfells beträgt 50 bis 60 Prozent. Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Petschanikhaar als gröber eingestuft.

Susliki mini|links|hochkant=1.8|Suslikifell mini|Perlziesel, Ukrainische Varietäten. Keine Angabe zur Fellverwertung. mini|Susliki-Kleid (Emmendingen, 1981)

Die Felle der restlichen aus Asien stammenden Zieselarten sind als Susliki im Handel. Neben weiteren Arten sind dies:Autor: Dr. M. Gorgas, Köln; Kurt Häse; Dr. Paul Schöps Der Ziesel in Das Pelzgewerbe, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, Jahrgang XX, 1969/1970, Nr. 1, S. 3–15

Europa Über einen Fellanfall des nach der Bundesartenschutz-Verordnung geschützten europäischen Ziesels ist nichts bekannt.

Asien Perlziesel mit graubräunlichem Fell mit auffallend hellen Flecken. Als einer der stärksten Getreideschädlinge unter den Zieselarten angesehen wurde er stark bekämpft und auch in hohem Maße als Felllieferant genutzt. Mongolische Ziesel, auch aus dem Transbaikalgebiet der UdSSR. Gelbbraun. Vorverarbeitet werden die Felle meist in der Mongolei und in China. Sie kommen dann als yellow rat in Tafelform in den Zwischenhandel. Langschwanzziesel-Felle haben die größte pelzwirtschaftliche Bedeutung nach den Gelbzieseln. Sie stammen aus dem südlichen und östlichen Teil Sibiriens, dem Amurgebiet, der Mongolei und China. Rotgelber Ziesel, gelblichbraun. Er ist ein ausgesprochener Getreideschädling, als Pelzlieferant ist er jedoch nur von zweitrangiger Bedeutung. Kleinziesel, graubraune bis gelblichbraune Fellfärbung. Obwohl auch starke Ernteschädlinge, wurden sie wegen ihrer geringen Größe nur wenig verwertet. Rotwangenziesel wurden ebenfalls kaum für Pelzzwecke genutzt. Tienschan-Ziesel, ebenfalls nur geringe Bedeutung als Felllieferant.

Amerika Obwohl die Ziesel in Amerika in größerer Artenfülle als anderswo leben, wurde das Fell wenig genutzt, lediglich die Indianer verwendeten die Felle der nördlichen größeren Arten. Parry-Ziesel, Arktisches Ziesel; aus Alaska und Nordamerika, auch nordöstliches Sibirien. Sie haben eine gelbbraune bis rötlichbraune Färbung mit unregelmäßigen blassweißen Flecken, die Bauchseite ist weiß. Die Felllänge beträgt 33 bis 49 Zentimeter, die Männchen sind etwas größer als die Weibchen. Franklin-Ziesel; aus den Prärien des südlichen Kanada bis Arkansas und Westindia. Kennzeichen ist der besonders lange Schwanz; die Färbung ist gelbbraun bis rötlichbraun; es hat keine Streifen oder Flecken. Dreizehnstreifenziesel oder Leopardenziesel; ein Bewohner der Prärien Kanadas bis zum mittleren Süden der USA. Das mittelbraune Fell hat sieben helle Längsstreifen, die von sechs inneren Punktreihen begrenzt werden.Goldmantelziesel; aus den Wäldern der westlichen Gebirge des südwestlichen Kanada bis zum südlichen Felsengebirge. Es ähnelt in seiner Zeichnung mehr dem Chipmunk. Der Rücken ist braungrau mit weißem, schwarz abgesetzten Seitenstreifen. Der Kopf ist kupferfarben mit hell gelbbrauner Unterseite; der Schweif ist dicht behaart und weist einen Streifen auf.