Eulersdorf ist ein Stadtteil von Grebenau im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Geographie Das kleine Dorf liegt im Gründchen. Die Kernstadt Grebenau liegt östlich von Eulersdorf. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3160. In Ortsnähe fließt der Reimenröder Bach in die Schwarza.
Ortsgeschichte Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf im Jahre 1270: „... duo bona in Ailhardesdorph et duo bona sita in Vdenhausen ...“, (zwei Güter in Eulersdorf und zwei Güter gelegen in Udenhausen) als die Johanniter „Güter“ kauften.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1 - 5. Band 1. Darmstadt 1860 - 1873. Nr. 136, S. 96. Am 21. April 1283 legten der Abt Heinrich, der Prior und der Konvent des Klosters Haina einen Konflikt mit dem Bruder Temmarius, Johanniterkomtur der Wetterau, bei, der zwischen dem Kloster und den Johannitern zu Grebenau bestanden hatte. Es ging um Besitz und Gericht in Winden, das später wüst fiel, in Eulersdorf (Alhertsdorf), Romrod, Wallersdorf, Merlos (Merles) und Bibenahe. Alles wurde gütlich beigelegt, und Bestimmungen über Hute, Weide und Almosen getroffen.StAM, Urkunde 26, 1285.
1580 wird der Ort in einem Salbuch als „Eylersdorff“ genannt. Außerdem heißt es dort: „... uf dem Elerßdorffer Grunde ...Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. S. 171 und S. 166.“ Der Ortsname Eulersdorf, Ailhardesdorph, leitet sich vom Rufnamen Ailhard ab, also ist es das „Dorf des Ailhards“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 116.
Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Eulersdorf:
Hessische Gebietsreform 1971/72 Zum 31. Dezember 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin eigenständigen Gemeinden Eulersdorf, Reimenrod, Schwarz, Udenhausen und Wallersdorf in die Stadt Grebenau freiwillig zur erweiterten Stadt Grebenau. Am 1. August 1972 wurden kraft Landesgesetz die Gemeinden Bieben mit Merlos nach Grebenau eingemeindet. Für alle eingegliederten Gemeinden und die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Eulersdorf angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Grebenau ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Grebenau 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Grebenau 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grebenau (Das Amt Grebenau umfasste die Orte Bieben, Eulersdorf, Grebenau, Reimenrod, Udenhausen und Wallersdorf sowie Merlos.) ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Oberamt Alsfeld, Amt (und ab 1803 Gericht) Grebenau ab 1812: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Amt Alsfeld ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Alsfeld ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk RomrodTrennung zwischen Justiz (Landgericht Alsfeld) und Verwaltung. ab 1829: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Alsfeld (Amtssitzverlegung) ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Alsfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Alsfeld ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde GrebenauAm 31. Dezember 1971 wurde Eulersdorf als Ortsbezirk nach Grebenau eingegliedert. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Gemeinde Grebenau
Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit für Eulersdorf durch das Amt Grebenau. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Alsfeld“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Alsfeld, das heutige Amtsgericht, das für Eulersdorf zuständig war.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Eulersdorf 135 Einwohner. Darunter waren 3 (2,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 18 Einwohner unter 18 Jahren, 51 zwischen 18 und 49, 33 zwischen 50 und 64 und 33 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 57 Haushalten. Davon waren 15 Singlehaushalte, 18 Paare ohne Kinder und 21 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 18 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 30 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1791: 102 Einwohner • 1800: 95 Einwohner • 1806: 104 Einwohner, 16 Häuser • 1829: 145 Einwohner, 20 Häuser • 1867: 147 Einwohner, 21 bewohnte Gebäude • 1875: 137 Einwohner, 21 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 145 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 125 evangelische (= 79,11 %), 11 katholische (= 6,96 %) Einwohner
Politik Für Eulersdorf besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Eulersdorf) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 71,70 %. Alle Mitglieder gehören der „Wählergemeinschaft Eulersdorf“ an. Der Ortsbeirat wählte Thorsten Gröger zum Ortsvorsteher.
Sonstiges Eulersdorf wurde 2001 in das hessische Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. Im Dorf gibt es einen städtischen Kindergarten. Die 1749 wiedererrichtete Fachwerkkirche wurde 1992 komplett renoviert.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise Die Zugehörigkeit des Amtes Grebenau anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und
Weblinks Stadtteil Eulersdorf. In: Webauftritt der Stadt Grebenau.
Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Geographie (Grebenau) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971