Anno 1404, in Nordamerika Dawn of Discovery, ist der vierte Teil der Aufbauspielserie Anno und der Nachfolger von Anno 1701. Das Spiel wurde von den deutschen Studios Related Designs und Blue Byte für Windows entwickelt und am 25. Juni 2009 vom französischen Konzern Ubisoft veröffentlicht.

Anno 1404 handelt wie der Vorgänger von der Erkundung und Besiedlung bislang unerschlossener Territorien. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Seefahrers in der Epoche des späten Mittelalters. Sein Ziel ist es, in bisher unerschlossenen Gebieten eine Metropole zu errichten. Damit Einwohner in diese Stadt ziehen, produziert der Spieler in immer komplexer werdenden Produktionsketten Verbrauchsgüter, mit denen er seine Siedlung versorgt.

Der Titel erhielt von der Fachpresse überwiegend positive Bewertungen, insbesondere im deutschsprachigen Raum. Kritiker lobten, dass die Weiterentwicklung von Anno 1701 in beinahe allen Punkten gelungen sei. Das Spiel sei abwechslungsreicher, schöner und fordernder als sein Vorgänger. Der Wegfall der Mehrspielerkomponente sei dagegen enttäuschend. Auf Grund des Feedbacks fand diese jedoch durch eine Erweiterung ihren Weg zurück ins Spiel.

Das Spiel erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter einen Red Dot Design Award und einen Deutschen Computerspielpreis.

Im Februar 2010 erschien eine Erweiterung mit dem Titel Anno 1404: Venedig. Ein Jahr später folgte mit Anno 2070 ein Nachfolger.

Handlung Die Handlung des Spiels wird in einer Kampagne erzählt. Sie spielt zeitlich im spätmittelalterlichen Europa, bezieht sich jedoch nicht auf konkrete historische Figuren oder Ereignisse. Die Kampagne handelt von einer klerikalen Intrige zum Sturz des Kaisers. Der Spieler übernimmt die Rolle einer nicht weiter benannten Hauptfigur, die dem Adligen Richard Northburgh untergeordnet ist.

Der Kaiser ist an einer bislang unbekannten Krankheit erkrankt. Einer seiner Verwandten, Lord Richard Northburgh, beabsichtigt, einen Dom zu errichten, um für dessen Genesung zu beten. Der Spielercharakter unterstützt ihn hierbei. Kurz nach Baubeginn erscheint allerdings Guy Forcas auf der Baustelle, der sich als Gesandter des Kaisers gibt und Northburgh auffordert, ihm bei der Aufstellung eines Kreuzfahrerheeres zu helfen. Northburgh kommt dieser Aufforderung widerwillig nach, da sie ihn vom Bau des Doms abhält. Außerdem zweifelt er an der Rechtmäßigkeit von Forcas’ Auftrag.

Nachdem Forcas ein ansehnliches Kreuzfahrerheer aufgestellt hat, trifft Kardinal Lucius, ein Kirchenoberhaupt und Forcas’ Auftraggeber, auf dessen Insel ein und begutachtet wohlwollend die Fortschritte. Wenig später bricht Forcas mit einer Kreuzfahrerflotte in südliche Gefilde auf. Northburgh und die Figur des Spielers verfolgen ihn, da kurz vor Forcas’ Aufbruch in einer benachbarten Stadt einige Kinder als vermisst gemeldet wurden. Northburgh nimmt an, dass Forcas diese entführt hat.

Nach einiger Zeit trifft Forcas auf Korsaren, die ihm im Austausch für die Kinder freies Geleit gewähren. Northburgh unterbricht die Verfolgung, um die Kinder zu befreien. Mit Unterstützung des in der Region ansässigen orientalischen Großwesirs Al Zahir gelingt es Northburgh und der Spielfigur, die Korsaren zu besiegen und die Geiseln zu befreien. Als beide sich im Anschluss auf den Weg zum Kaiser machen, um Forcas’ Handlungen offenzulegen, fängt letzterer ihr Schiff ab und verhaftet Northburgh. Seinen Begleiter lässt Forcas dagegen ziehen, da er ihn nicht mehr für gefährlich hält.

Al Zahir ist jedoch gewillt, den Kreuzzug zu verhindern, und erklärt sich bereit, die Spielfigur zu unterstützen. Der Großwesir führt ihn dazu zum Stützpunkt der Kreuzfahrerarmee. Er beabsichtigt, die strenggläubige Heerführerin Marie D’Artois, die überzeugt ist, dass der Zug im Namen des Christentums erfolgt, davon zu überzeugen, dass er ohne kaiserliche Billigung erfolgte und Forcas mit Korsaren paktierte. Dies gelingt mittels eines Dokuments aus einem Schiffswrack der Korsaren. D’Artois stellt sich gegen Forcas und zerstört gemeinsam mit der Hauptfigur dessen Flotte.

Anschließend fliehen beide vor der Hauptstreitmacht des Kardinals, der inzwischen bei den Überresten von Forcas’ Vorhut eingetroffen ist, zu Maries Siedlung Edenreuth und beziehen dort Stellung. Lucius belagert und zerstört die Stadt, jedoch konnten die Verfolgten vorher mit Hilfe von Al Zahir entkommen. Nach ihrer Flucht zur Residenz des Kaisers entdeckt die Spielfigur, dass der Kaiser vom Kardinal vergiftet wurde, und stellt ein Gegenmittel her. Lucius plant inzwischen, einen Dom zu errichten, um nach dem drohenden Tod des Kaisers die Herrschaft der Kirche zu beanspruchen. Der Hauptfigur gelingt es aber, vor der Fertigstellung von Lucius’ Bauwerk einen eigenen Dom zu errichten. Lucius beginnt daraufhin, seine Widersacher anzugreifen. Mit Unterstützung der Flotte des Kaisers, der inzwischen genesen ist, wird er jedoch besiegt und entmachtet.

Spielprinzip Allgemein mini|Die Handelsschifffahrt ist für den Fortschritt im Spiel entscheidend Zu Beginn einer Partie startet der Spieler in einer kaum besiedelten Inselregion. Er beginnt wahlweise mit einem Segelschiff zur eigenständigen Suche einer geeigneten Insel oder mit einem Kontor auf einem vom Computer zufällig ausgewählten Eiland. Für den Start steht ihm eine begrenzte Anzahl an Baumaterialien sowie Nahrungsmitteln zur Verfügung.

Den Schwerpunkt des Spiels stellen der Aufbau und das Aufrechterhalten eines stabilen Wirtschaftskreislaufs dar. Nachdem der Spieler eine Grundversorgung hergestellt hat, versucht er, seine Siedlung zu vergrößern. Erforderlich ist dazu, dass er seine Einwohner konstant mit Waren wie Nahrung oder Kleidung versorgt. Um dies zu bewerkstelligen, baut der Spieler schrittweise Produktionsketten für die Güter, die die Bevölkerung benötigt, aus.

Anfänglich wird die Siedlung ausschließlich von Bauern bewohnt. Diese besitzen vergleichsweise wenig Bedürfnisse. Werden Bürger höherer Bevölkerungsschichten sesshaft, entwickeln diese komplexere Bedürfnisse, die für den Spieler zunehmend aufwändiger in der Erfüllung werden.

Die Szenerie von Anno 1404 bilden Okzident und Orient. Eine Neuerung des Spiels ist, dass es erforderlich ist, neben einer europäischen Siedlung eine orientalische Siedlung aufzubauen, da bestimmte Rohstoffe und Waren, die die Europäer fordern, nur im Orient hergestellt werden können. In früheren Teilen brauchte der Spieler sich dagegen nur auf eine Siedlung zu konzentrieren. Bis zu drei computergesteuerte Mitspieler versuchen ebenfalls, durch den Siedlungsbau in der Region Fuß zu fassen. Mit diesen kann der Spieler sowohl in friedlicher als auch in kriegerischer Weise interagieren.

Anno 1404 bietet eine große Anzahl an Auszeichnungen und Medaillen, die der Spieler durch besondere Leistungen im Spiel erreichen kann, etwa durch das Absolvieren der Kampagne oder das Erreichen bestimmter Einwohnerzahlen. Einige davon nehmen jedoch auch Bezug auf bekannte Filme oder Literatur.

Städtebau Der Spieler errichtet Wohnhütten, die sich im Laufe der Zeit zu Villen entwickeln. Voraussetzung dafür ist, dass die Bedürfnisse der Einwohner erfüllt werden. Diese unterteilen sich in zwei Gruppen. Die einen werden durch Güter gestillt, die anderen durch Gebäude, die in der Nachbarschaft errichtet werden.

Am Anfang einer Partie verlangen die Bewohner nach Nahrung in Form von Fisch, dem Getränk Most und nach einem Marktplatz sowie einer Kapelle in der Nähe ihrer Häuser. Sind diese beiden Bedürfnisse über einen längeren Zeitraum hinweg erfüllt und ist die Steuerbelastung nicht zu hoch, so entwickeln sich die ansässigen Bauern zu Bürgern. Bürger verlangen zusätzlich nach Kleidung und nach einem Schankhaus. Weiterhin wurde das Bedürfnis nach Nahrung um Gewürze erweitert.

Zur Produktion von Gewürzen ist es erstmals erforderlich, eine orientalische Insel zu besiedeln, da diese nur auf solchen wachsen. Der Bau einer orientalischen Siedlung ist zunächst nicht möglich. Der Spieler muss erst in Kontakt mit einem orientalischen Großwesir treten, um die Baupläne einiger Gebäude zu erhalten. Anschließend beginnt er damit, analog zur ersten, europäischen Siedlung eine im Orient zu errichten. Der Aufbau und Unterhalt dieser Siedlungen läuft aber nach dem gleichen Schema ab.

Gelingt dem Spieler die Versorgung der Bürger, so steigen diese zu Patriziern auf. Mit der Patrizierstufe sind erneut neue Bedürfnisse verbunden. Erfüllt der Spieler auch diese, so entwickeln sich die Patrizier zu Adligen. Eine Neuerung von Anno 1404 ist, dass nur noch ein bestimmter Anteil der Bevölkerung zur nächsthöheren Stufe aufsteigen darf.

Die Aufteilung der Bedürfnisse in einzelne Kategorien ist ein weiteres neues Element von Anno 1404. Während im Vorgänger alle Bedürfnisse separat voneinander erfüllt werden mussten, werden hier ähnliche Bedürfnisse gruppiert. Beispielsweise werden die Forderungen nach Fischen, Gewürzen und Brot zum Bedürfnis Nahrung zusammengefasst. Dadurch ist es nicht mehr erforderlich, die Einwohner mit allen Waren zu versorgen. Dies erleichtert dem Spieler das Vermeiden von Warenengpässen.

Analog zur Entwicklung der Hauptsiedlung kann sich auch die orientalische Kolonie zu einer Großstadt entwickeln. Das Prinzip ist dabei das gleiche, lediglich die Entwicklungsmöglichkeiten sind mit zwei Bevölkerungsstufen, Nomaden und Gesandte, geringer. mini|239x239px|Eine gotische Kathedrale ist eine der Monumentalbauten in Anno 1404 Die meisten Gebäude kann der Spieler an beliebigen Orten auf seinen Inseln platzieren. Minen können dagegen nur auf entsprechenden Rohstoffvorkommen errichtet werden. Ebenso können Hafengebäude nur an Küsten gebaut werden. In Anno 1404 hat der Aufbau einer Hafenanlage an Komplexität, aber auch an Vielseitigkeit gewonnen. Dem Spieler stehen nicht mehr nur Werften und Kontore, sondern auch Verteidigungsanlagen, Lagerhäuser und andere Bauoptionen zur Verfügung.

In beiden Kulturkreisen kann der Spieler Monumentalbauten errichten, sobald er eine gewisse Anzahl an Einwohnern der jeweils höchsten Bevölkerungsstufe erreicht hat. Dies sind ein Kaiserdom und eine große Moschee. Monumentalbauten werden im Unterschied zu regulären Bauvorhaben in mehreren Stufen und über einen längeren Zeitraum errichtet. Beide Bauten erfordern aufgrund ihres großen Bedarfs an Geld und Baumaterialien eine leistungsfähige Wirtschaft. Bei Fertigstellung eines Monuments reisen der Kaiser oder der Sultan in die Inselregion. Sie gewähren dem Spieler Zugriff auf leistungsstarke Items und erteilen ihm hin und wieder Aufträge.

Wirtschaftssimulation Um für den Ausbau seiner Siedlung sowohl die Waren als auch die finanziellen Mittel zu besitzen, baut der Spieler einen stabilen Wirtschaftskreislauf auf. Die Basis dieses Kreislaufs stellen Produktionsbetriebe dar.

Zu Beginn besteht die Siedlung des Spielers nur aus einfachen Hütten, in denen die niedrigste Bevölkerungsschicht, die der Bauern lebt. Für deren Versorgung ist lediglich Fisch erforderlich. Höhere Schichten wie die Bürger oder die Patrizier fordern zusätzlich nach Kleidung, Büchern, Kirchen und anderen Dingen. Während die Bedürfnisse der Bauern sich noch mit geringem Aufwand erfüllen lassen, erfordern die der höheren Bevölkerungsschichten teilweise komplexe Produktionsketten und bestimmte Ressourcen. Für die Herstellung von Büchern sind beispielsweise Papier und Indigo erforderlich. Papiermühlen erfordern einen nahegelegenen Fluss und Indigofarmen erfordern warmes Klima und eine entsprechende Fruchtbarkeit.

Die Inseln, die erschlossen werden können, sind für bis zu vier landwirtschaftliche Erzeugnisse fruchtbar. Dazu zählen beispielsweise Getreide, Wein oder Kaffee. Weiterhin sind auf den meisten Inseln Bodenschätze vorhanden, etwa Eisenerz, Stein oder Gold.