mini|hochkant=1.5|Traditionelle Wohngebiete der Wappinger um 1600.
Die Wappinger oder Wappani waren eine Gruppe von Indianerstämmen, die sich im Wappinger-Krieg zu einer Konföderation zusammengeschlossen hatten. Ihr traditionelles Wohngebiet erstreckte sich östlich des Hudson Rivers im südlichen Bundesstaat New York bis zur Grenze von Connecticut.
Demografie
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gab es rund 8000 Wappinger, die sich auf ungefähr 18 Stämme und 30 Dörfer verteilten. Von Europäern eingeschleppte Krankheiten, besonders Pockenepidemien in den Jahren 1633 bis 1635 und 1692, ließen die Stämme am Ende des Jahrhunderts auf 10 Prozent ihrer Bevölkerungszahl schrumpfen. Auch Kriege trugen zum Bevölkerungsverlust bei, besonders der verheerende Wappinger-Krieg (1643–1645) gegen die Niederländer, in dem sie mindestens 1600 Stammesangehörige verloren. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es nur noch wenige Hundert Wappinger im unteren Hudsontal, die jedoch um 1760 fast alle verschwunden waren. Sie waren zu den Mahican in Stockbridge, den Irokesen in New York oder den Lenni Lenape in Pennsylvania gezogen. Mögliche Nachkommen der Wappinger sind die Ramapough Mountain Indians im nördlichen New Jersey, die aus einer Mischung von Resten der Munsee, Mattabesic, Wappinger und anderer Gruppen bestehen und rund 2500 Stammesmitglieder haben.
Name und Sprache
Wappinger bedeutet in der Algonkin-Sprache Ostländer und bezog sich auf alle Angehörigen der verwandten und lose verbündeten Gruppen der Wappinger-Konföderation; ursprünglich war es der Name eines einzelnen kleinen Stammes östlich des Hudson Rivers bei Poughkeepsie. Für die Wappinger gibt es eine große Anzahl Synonyme, so zum Beispiel Wappinck, Wapping, Wappingo, Wawping, aber auch Highland Indians, Opine und Pompton. Ihre heute ausgestorbene Sprache war ein Quiripi genannter Algonkin-Dialekt, der von den Mattabesic im westlichen Connecticut und den Metoac im westlichen und zentralen Long Island verstanden wurde.
Gruppen der Wappinger
Die Wappinger unterteilten sich einst in folgende Gruppen oder Sachemships:
Hammonasset (Mündung des Connecticut Rivers im heutigen Middlesex County, Connecticut) Kitchawank (auch Kitchawong, nördliches Westchester County, New York)
Dörfer: Kitchawank, Sackhoe und Senasqua
Massaco (entlang des Farmington River in Connecticut) Mattabesic (auch Mattabesset, Mattabeseck im heutigen New Haven County, Connecticut) Menunkatuck (auch Menunkatuc, entlang der Küste im heutigen New Haven County, Connecticut) Nochpeem (nördliches Putnam und südliches Dutchess County, New York)
Dörfer: Canopus (Canpopus), Keskistkonk, Nochpeem und Pasquasheck
Paugussett (entlang des Housatonic River im heutigen östlichen Fairfield County, Connecticut und westlichen New Haven County, Connecticut) Podunk (östlich des Connecticut River im heutigen östlichen Hartford County, Connecticut) Poquonock (westliches Hartford County, Connecticut) Quinnipiac (auch Quiripi, in der Mitte des heutigen New Haven County, Connecticut) Rechgawawanc (auch Recgawawanc, Reckgawawank, lebten entlang des Spuyten Duyvil Creek im heutigen Manhattan sowie des Hudson River in New York, an der Mündung der beiden Flüsse befand sich eine Insel, die sie als Handelszentrum namens Papparimamim nutzten) Sicaog (im heutigen Hartford County, Connecticut) Sintsink (auch Sinsink, östlich des Hudson Rivers zwischen Tarrytown und Croton im heutigen Westchester County, New York)
Dörfer: Kestaubuinck und Ossingsing (Sin-Sing)
Siwanoy (auch Sinanoy, entlang der Küste im heutigen Westchester County, New York sowie östlich von Norwalk im südwestlichen Fairfield County, Connecticut)
Dörfer: Cassacuhque, Noroaton (Roatan), Norwauke (Norwalk), Poningo und Sioascauk
Tankiteke (auch Pachami, Pachany, westliches Fairfild County, Connecticut nordwärts bis ins östliche Dutchess County sowie Putnam County in New York)
Dörfer: Aspetuck, Mount Misery, Pahquioke, Saugatuck und Shippan
Tunxis (südwestliches Hartford County, Connecticut) Wappinger (auch Waping oder Wappani, östlich des Hudson Rivers zwischen Wappinger Falls und Poughkeepsie im heutigen Dutchess County, New York)
Dörfer: Poughkeepsie und Waping
Wechquaesgeek (auch Wecquaesgeek, Wiechquaeskeck, Wickquaskeek, wie auch Raritan, östlich des Hudson Rivers zwischen der Bronx und Tarrytown im heutigen südwestlichen Westchester County, New York)
Dörfer: Alipkconk, Nappeckamak, Nipinichsen, Rechouwakie, Rechtauck (Rechgawawank, Reckawawana), Wecquaesgeek und Wysquaqua
Jedoch muss hierbei beachtet werden, dass die Stämme der Lenni Lenape (Delaware), Wappinger, Mahican, Mattabesic sowie der Westlichen Metoac alle den Östlichen Algonkin angehörten und somit kulturell als auch sprachlich sich von Außenstehenden kaum unterscheiden ließen.Carl Waldmann: Encyclopedia of Native American Tribes, ISBN 978-0-8160-6274-4
Manche Historiker zählen die Manhattan, Nochpeem, Kichtawank, Rechgawawanc, Sintsink, Wechquaesgeek und Wappinger zu den Munsee (den sog. Nördlichen Delaware, einer Dialektgruppe der Lenni Lenape), die Hammonasset, Massaco, Menunkatuck, Paugussett, Podunk, Poquonock, Quinnipiac (auch Quiripi), Sicaog und Tunxis werden jedoch oft zu den Mattabesic gezählt.
Die Manhattan werden auch manchmal zu den Wappingern gezählt, während die Paugussett und Mattabesic oft als eigenständige Stämme oder Stammesgruppen angesehen werden. Die Canarsee, Massapequa, Matinecock und Rockaway wiederum werden manchmal zu den Munsee oder Westlichen Metoac gezählt.
Wappinger-Konföderation
Zusammen mit Stämmen der Munsee (der nördlichen Dialektgruppe der Lenni Lenape), westlichen und östlichen Metoac (besonders den Canarsee) und Stämmen der Mattabesic schlossen sich diese im 17. Jahrhundert zur sogenannten Wappinger-Konföderation zusammen. Im folgenden Wappinger-Krieg (1643–1645) (auch Gouverneur-Kiefts-Krieg) und im Pfirsich-Krieg (auch Peach Tree War) von 1655 kämpften die verbündeten Stämme gegen die Niederländer sowie deren mächtige Handelspartner, die zur Irokesen-Liga gehörenden Mohawk. Während des Wappinger-Krieges wurden mehr als 1.500 Wappinger getötet. Im folgenden Pfirsich-Krieg kamen schätzungsweise 100 weiße Siedler und 60 Wappinger um und die Beziehungen zwischen den Holländern und den Indianern blieben angespannt. Nach der Niederlage im Pfirsich-Krieg brach die Wappinger-Konföderation auseinander, viele der überlebenden Wappinger verließen ihre Heimat und schlossen sich benachbarten Stämmen wie den Munsee und Mahican an. Gruppen der einstigen Konföderation kämpften nochmals auf Seiten der Esopus, eines mächtigen Stammes der Munsee in den sog. Esopus-Kriegen von 1659 bis 1664.
Lebensweise und Kultur
Wie ihre Nachbarn waren die Wappinger in kleine Einheiten aufgeteilt und wurden von einem Sachem geführt, dessen Macht jedoch sehr begrenzt war. Sein Einfluss reichte zumeist nur über wenige Dörfer, die jeweils einem Klanoberhaupt unterstanden und von denen der Stammesrat gebildet wurde. Eine Ausnahme bildeten Kriegszeiten, in denen ein Kriegshäuptling mit besonderen Machtbefugnissen für die Dauer des Konflikts gewählt wurde. Ein bevorzugtes Handelsgut der Wappinger war eine besondere Form von Wampum, die bei anderen Stämmen sehr begehrt war und später sogar von den Weißen als Zahlungsmittel akzeptiert wurde. Um Wampum wurden Kriege zwischen den Stämmen geführt und die Wappinger waren davon besonders betroffen. Außer ihren Dörfern besaßen sie mindestens zwei Festungen, in deren Schutz sie bei Bedrohung flüchten konnten.
Wie ihre Nachbarn betrieben die Wappinger Landwirtschaft. In der Umgebung der Dörfer wurden der Wald abgebrannt und die Bewohner legten Gärten zwischen den verkohlten Baumstümpfen an. Die Gärten waren gewöhnlich eher klein, aber durch Zwischenernten scheinen die Wappinger ausreichende Mengen an Nahrungsmitteln erzeugt zu haben, vorwiegend Mais, Bohnen, Squash (eine Kürbisart) und wahrscheinlich Sonnenblumen und Tabak. Gartenanbau war ganz sicher von großer Bedeutung und lag in erster Linie in den Händen der Frauen.
Im Frühling kamen ungeheure Schwärme von Heringen und Shads (Alosa sapidissima) den Hudson und seine Nebenflüsse hinauf. Die Männer verbrachten den größten Teil des Sommers mit Fischen und dem Sammeln großer Mengen von Süßwassermuscheln, indem sie ihre Einbäume und Rindenkanus benutzten oder an Fischreusen in den kleineren Flüssen arbeiteten. Ein großer Teil des Fangs wurde an Ort und Stelle als Wintervorrat getrocknet und geräuchert.Handbook of North American Indians - Kapitel: Mahican, Seite 198ff
Nachdem die Ernte in gras- oder rindenbedeckten Gruben, von den Kolonisten „Indianerscheunen“ genannt, gelagert worden war, gingen kleine Männergruppen auf die Jagd. Im Herbst organisierte die Stämme gemeinsame Treibjagden, denen ein Hirschopfer-Ritual folgte. Im November verteilten sich die Wappinger-Familien in ihrem traditionellen Jagdgebiet und blieben dort bis zur Mitte des Winters. Danach kehrten sie in ihre Dörfer zurück, um an einem Bärenopfer-Ritual teilzunehmen. Im März gingen die Männer auf die Elchjagd. Pfeil und Bogen, Speere und eine Vielzahl an Fallen wurden bei der Jagd eingesetzt, die die Indianer sowohl mit Fleisch als auch mit Fellen für Kleidung versorgte. Die Jagdgebiete lagen in den Ausläufern der Bergketten entlang der Oberläufe der Flüsse und Bäche. Die Berge selbst wurden selten aufgesucht, da es in diesen Gebieten wenig Wild gab und die Indianer glaubten, sie seien möglicherweise von bösen Geistern bewohnt. Die Niederländer berichteten von der Sitte der Wappinger, die Tiere häufig mit den Innereien zu kochen, so dass sie für holländische Gäste ungenießbar waren – trotzdem haben viele von ihnen Wappingerfrauen geheiratet.
In den wärmeren Monaten lebten die Wappinger in den Sommerhäusern ihrer Dörfer und zogen im Winter in die Festungen. Der Hudson River diente als Transportweg und wurde von ihnen und den Mahican Mahicantuk genannt. Das bedeutet immer fließender Fluss, weil der Unterlauf des Hudson den Gezeiten ausgesetzt ist. Alte Leute, die im Winter zuhause blieben, verbrachten ihre Zeit gewöhnlich mit einer Vielzahl verschiedener Handarbeiten. Ältere Männer schnitzten zum Beispiel hölzerne Schüsseln, Mörser und Löffel, während sich ältere Frauen auf die Töpferei, das Flechten von Beuteln, Körben und Matten und das Ausschmücken der Lederkleidung durch Bemalung und rot gefärbte Stachelschweinborsten spezialisiert hatten.
Geschichte
mini|links|Verrazzanos Reise von 1524.
Giovanni da Verrazzano erkundete 1524 als erster die enge Zufahrt zum New Yorker Hafen, die heute seinen Namen trägt. Seine Begegnung mit den Ureinwohnern war freundlicher Natur, allerdings versuchte er bei seiner Rückfahrt einige von ihnen zu kidnappen. In den nächsten 80 Jahren hatten die Indianer am unteren Hudson River wiederholt mit Engländern und Spaniern Kontakt, die auf ihren Schiffen den Golfstrom entlang der amerikanischen Ostküste aus der Karibik kommend zurück nach Europa fuhren. Die Wappinger und andere Küstenstämme lernten die Europäer zu fürchten, denn diese verschleppten sie als Sklaven auf ihre Schiffe oder stahlen ihre Nahrungsvorräte.
Niederländer
mini|Peter Minuit, Gründer von New York
Im Jahr 1609 segelte Henry Hudson auf der Suche nach der Nordwestpassage mit seinem Schiff Half Moon und 18 Mann Besatzung den Fluss hinauf, der heute seinen Namen trägt, und tauschte bei einigen der dort lebenden Indianer Pelze ein. Als die Nachricht von Hudsons Reise in die Niederlande gelangte, versprachen sich die Amsterdamer Kaufleute hohe Gewinne aus dem lukrativen Pelzhandel. Mehrere konkurrierende Gruppen von Kaufleuten, Reedern und Schiffern schickten in den Jahren nach 1610 Schiffe nach Nordamerika und überboten sich gegenseitig im Preis für die von den Indianern eingehandelten Pelze.