Elsevier ist ein ursprünglich niederländischer Wissenschaftsverlag für wissenschaftliche Zeitschriften und Fachbücher. Er gehört zur RELX Group. Zum Kerngeschäft des Verlags zählen wissenschaftliche, technische und medizinische Publikationen. Elsevier veröffentlicht jährlich rund 3.500 wissenschaftliche Fachzeitschriften und 2.200 Bücher. Insgesamt sind rund 20.000 Werke und Titel lieferbar. Zu den kommerziellen Online-Angeboten gehören ScienceDirect als Publikationsserver für die verlagseigenen Produkte, Fachinformationsdienst intern.de über Elseviers Strategie, Online-Zeitschriftenabonnements in Fakultäts-Paketen wie ScienceDirect zu bündeln, veröffentlicht am 19. Januar 2004. die Datenbanken MDConsult und Embase, sowie die Zitationsdatenbank Scopus.

Wissenschaftler kritisieren Elsevier für seine hohen Gewinnspannen und Urheberrechtspraktiken. Die Muttergesellschaft RELX hatte im Jahr 2023 einen ausgewiesenen Gewinn von 2,3 Milliarden Pfund bei einer bereinigten Betriebsmarge von 33,1 %.RELX 2023 Results Ein Großteil der von Elsevier veröffentlichten Forschungsergebnisse wird mit öffentlichen Mitteln finanziert. Die hohen Kosten haben zu Anschuldigungen wegen Rent-Seeking, zu Boykotts durch Forscher und Bibliotheken und zum Aufkommen alternativer Zugangsmöglichkeiten wie zum Beispiel Schattenbibliotheken geführt.

Geschichte mini|Aktie des Elsevier Verlages vom 15. Juni 1882 Das Verleger- und Buchhandelsgeschlecht der Familie Elsevir – später Elsevier – wurde von Louis Elsevier, einem Buchbinder und Buchhändler aus Löwen/Flandern, 1580 in Leiden begründet, wo er wissenschaftliche – vorwiegend lateinische – Bücher für akademische Unterrichtszwecke verlegte. 1638 folgte eine Niederlassung in Amsterdam. Das Familienunternehmen vertrieb vornehmlich wissenschaftliche Bücher, unter anderem von Galilei, Descartes, Stevin und Scaliger (die Elsevier alle persönlich kannte), in verschiedenen Sprachen. Zwischen 1583 und 1712 waren mindestens 14 Familienmitglieder als Buchhändler, Buchbinder oder Verleger tätig.

Louis Elseviers Enkel, Isaac, dessen Betrieb zur Universitätsdruckerei Leiden avancierte, war der erste, der das Buchdruckerhandwerk erlernte, womit auch dieser Geschäftszweig von dem Familienunternehmen angeeignet wurde. Isaac Elsevier entwarf um 1620 das heute noch genutzte Markenzeichen der Firma – ein Ulmenbaum, dessen Stamm einer mit Trauben behangenen Weinrebe Halt bietet. Von 1622 bis 1680 entwickelte sich das Unternehmen zu einem wohlbekannten und höchst einflussreichen europäischen Druck- und Verlagshaus. Schon Anfang des 17. Jahrhunderts wurden Niederlassungen in Frankfurt am Main, Paris, London, Venedig und Kopenhagen eröffnet. Der Konzern bestand nicht aus einem Einzelunternehmen, sondern einer Vielzahl kleiner, autonomer Familienbetriebe, die miteinander arbeiteten. 1681 wurde die Niederlassung in Amsterdam geschlossen. 1712 starb das letzte Familienmitglied. Das Unternehmen blieb ohne Nachfolge und musste 1713 geschlossen werden.

Das heutige Verlagshaus Elsevier wurde im Jahr 1880 von Jacobus George Robbers gegründet. Robbers, ein niederländischer Buchhändler, übernahm den Namen Elsevier und das Firmenlogo für seinen neuen Verlag in Rotterdam. 1887 zog der Verlag nach Amsterdam um, wo er bis heute seinen Hauptsitz hat. Zu den Veröffentlichungen dieser frühen Jahre zählen Werke von Jules Verne und Dekkers Max Havelaar. Der Begriff Elsevier wurde im 19. Jahrhundert zum Synonym für kleinformatige Bücher, die man in der Tasche tragen konnte. Eine Hauptstütze des Verlags war lange die Winkler Prins Enzyklopädie, deren erste Version 1870 bis 1882 bei Brinkman in Amsterdam erschien. Sie baute vielfach auf dem deutschen Brockhaus auf. Für die Neuausgabe erwarb Elsevier 1883 Bildrechte von Brockhaus.

Internationale Öffnung und Zukäufe Mit der Übersetzung von deutschsprachigen Werken, zum Beispiel Karrers Organische Chemie und derjenigen von Victor von Richter ins Englische, trug Elsevier der Tatsache Rechnung, dass Englisch sich zunehmend als Sprache der Wissenschaft durchsetzte. Das Projekt wurde von dem damaligen Leiter (seit 1930)1955 musste er zurücktreten aufgrund Differenzen über die Expansion von Elsevier in den USA J. P. Klautz (1929–1990) in den 1930er Jahren begonnen und man erkannte auch die Möglichkeit aus Deutschland vertriebenen jüdischen Wissenschaftlern die Möglichkeit der weiteren Veröffentlichung zu bieten, auch für den deutschen Markt. Außerdem erkannte er, dass es einen Markt für englischsprachige Übersetzungen deutscher Wissenschaftsautoren gab. Unter anderem entstand so ein Konkurrenzprojekt zum Beilstein durch aus Deutschland vertriebene jüdische Mitglieder der Beilstein-Redaktion. Im Jahr 1937 eröffnete der Amsterdamer Buchhändler Dekker & Nordemann (spezialisiert auf Versand deutscher wissenschaftlicher Bücher in Übersee) in New York einen Verlag, der aber schließlich scheiterte. Dabei wurde auch Klautz von Elsevier einbezogen, der sich bis 1940 darum bemühte, in Amerika damit eine eigene Vertretung zu schaffen. Die Hauptstütze von Elsevier war aber nach wie vor deren Enzyklopädie und niederländische nichtwissenschaftliche Literatur.

Nach dem Krieg hatten sie wie andere Verlage große Probleme durch Devisenbeschränkungen. So offerierte Klautz Winston Churchill 100.000 US-Dollar für seine Kriegsmemoiren, konnte dies aber bei der Zentralbank nur durchsetzen, nachdem er drohte, das als Affront gegen den „Befreier des Landes“ publik zu machen. Der Schwerpunkt war weiter auf dem Gebiet der Chemie, während der Konkurrent North Holland in Mathematik und Physik stark war. Wie North Holland legten sie viel Wert auf typographische Qualität und schufen sich auf diesem Gebiet einen internationalen Ruf. Klautz holte den Chemiker W. Gaade (von der Rubber Foundation in Delft) für die Herausgabe chemischer Werke und den Buchhändler H. P. M. Bergmans für das allgemeine wissenschaftliche Programm. 1947 begannen sie mit der Veröffentlichung von Biochimica et Biophysica Acta, das zu einer führenden Zeitschrift wurde.Herausgeber waren der niederländische Professor H. G. K. Westenbrink und Kaj Ulrik Linderstrøm-Lang aus Kopenhagen, die schon 1941 einer Anfrage des aus Deutschland vertriebenen Carl Oppenheimer um die Fortsetzung seiner Zeitschrift Enzymologia folgten. Nach dem Krieg konnte man sich unter den Verlagen nicht um eine Fortsetzung einigen und Westenbrink und Linderström-Lang gründeten eine neue Zeitschrift. Es folgte die Gründung von Analytica Chimica Acta. 1953 überstieg der wissenschaftliche Verlagszweig (der eigenständig war, um die Restaktivitäten von Elsevier nicht zu gefährden) die Umsatzmarke von 1 Million Gulden. Ende der 1950er Jahre gründeten sie Brain Research. Ab den 1960er Jahren verfolgte der schon damals sehr marktorientierte Verlag die Strategie, neue wissenschaftliche Zeitschriften für Wissenschaftssparten zu gründen, falls diese genügend Forschungsaufmerksamkeit gefunden hatten. Anfang der 1960er Jahre hatte die Wissenschaftssparte rund 40 Beschäftigte und Abteilungsleiter für Biomedizin und Geowissenschaften wurden geholt.

1962 wurde in den USA nach mehreren vergeblichen Anläufen von Elsevier in den Jahrzehnten davor die Elsevier Publishing Company gegründet, kurz danach auch eine Niederlassung in Großbritannien. Eine Hauptrolle in der Expansion spielte der Kaufmann R. E. M. van den Brink, der ab 1955 die Holding leitete und bis 1987 beim Verlag war. 1970 übernahmen sie ihren niederländischen Haupt-Konkurrenten North Holland (offiziell zunächst in einer Fusion). 1971 übernahmen sie die Datenbank Excerpta Medica. 1970 hatte die Gesamtgruppe einen Umsatz von 15 Millionen US-Dollar, was sich bis 2000 auf 1 Milliarde US-Dollar erhöhte.

1979 verschmolz Elsevier mit der Nederlandse Dagbladunie (NDU) zu Elsevier-NDU und wurde damit auch Herausgeber von zwei großen niederländischen Tageszeitungen.

Nach einer tiefgehenden Umstrukturierung 1985, dem Kauf des in Oxford ansässigen Verlages Pergamon Press 1991, mit dem die Zahl der wissenschaftlichen Journale deutlich erweitert wurde, schloss sich Elsevier im Jahr 1993 mit dem britischen Medienunternehmen Reed International zum Unternehmen Reed Elsevier Group plc zusammen. 1998 scheiterte eine geplante Fusion mit Wolters Kluwer aus kartellrechtlichen Gründen (Elsevier hatte schon 1987 versucht Kluwers zu übernehmen, was durch die Fusion zu Wolters-Kluwer abgewehrt wurde). 1999 wurde Cell Press gekauft, im Jahr 2001 der Wissenschaftsverlag Harcourt. Die Geschäftsfelder des nun global operierenden Medienkonzerns Reed Elsevier umfassen vier Bereiche: Wissenschaft & Medizin (Elsevier), Recht (LexisNexis), Erziehung (Harcourt) und Wirtschaft (Reed Business International).

Im April 2013 kaufte Elsevier Mendeley, ein Literaturverwaltungsprogramm mit angeschlossener Community und Empfehlfunktion für wissenschaftliche Aufsätze.

Drei Jahre später, im Mai 2016, erwarb Elsevier den maßgeblichen Open-Access-Dokumentenserver im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften Social Science Research Network (SSRN). Die Übernahme wurde von Wissenschaftlern kontrovers diskutiert, weil eine Beschränkung des Zugriffs auf die bisher unter Open Access zugänglichen Arbeitspapiere durch den Verlag befürchtet wurde.Robert Cookson: Elsevier buys research sharing website, Financial Times, 17. Mai 2016.Thomas Leeper: Elsevier purchase SSRN: Social scientists face questions over whether centralised repository is in their interests. London School of Economics, 17. Mai 2016.Ian Mulvany: SSRN, Elsevier and the future of scholarly infrastructure. medium.com, 18. Mai 2016.David R. Hansen: , Kathrine R. Everett Law Library, 24. August 2016 (englisch).Richard Van Noorden: Social-sciences preprint server snapped up by publishing giant Elsevier, nature.com, 17. Mai 2016.

Deutsche Elsevier-Unternehmen Mit Wirkung zum 31. Dezember 2002 hat die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ihr wissenschaftliches, technisches und medizinisches Verlagsgeschäft an die MDL Information Systems GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Reed Elsevier Deutschland GmbH, die zur Reed Elsevier Gruppe gehört, verkauft. Unmittelbar nach diesem Verkauf wurde im Rahmen der Umstrukturierungen die MDL Information Systems GmbH in die Elsevier GmbH umfirmiert. Seit Januar 2003 gehört der Fachverlag Urban & Fischer, München/Jena, sowie der Dienstleister Servicecenter Fachverlage (SFG), Kusterdingen, zu Elsevier Deutschland. Eigenständig ist die Elsevier Akademie in Duisburg.

Kritik an Elsevier Preisgestaltung Elsevier wird wegen seiner Preispolitik vor allem im Zeitschriftenbereich kritisiert. Robert Darnton wies 2010 darauf hin, dass beispielsweise ein Jahresabonnement der Elsevier-Zeitschrift Tetrahedron für Institutionen 39.082 US-Dollar kostete und der Publikationsbereich von Elsevier im Jahr 2009 einen Profit von 1,1 Milliarden US-Dollar gemacht habe, während Universitätsbibliotheken mit drastischen Budgetkürzungen zu kämpfen hatten.Robert Darnton: The Library: Three Jeremiads, New York Review of Books, 23. November 2010. Dies vor dem Hintergrund, dass die publizierenden Wissenschaftler, die Herausgeber und die Gutachter von dem Verlag keinerlei Honorar erhalten, sondern im Falle der Autoren meist sogar noch Hunderte von Euro als Gebühren für eine Veröffentlichung an den Verlag zu entrichten haben.

Diese für die Bibliotheken ungünstige Preisentwicklung (siehe Zeitschriftenkrise) wird auch von anderen großen Verlagen vorangetrieben. Das Geschäft mit wissenschaftlichen Zeitschriften gilt als sehr lukrativ; im Jahr 2005 erzielte Elsevier eine Umsatzrendite von 31 %, im Jahr 2016 lag diese bei 40 %.Notfallversorgung bei Zeitschriften des Verlags Elsevier ab 1.1.2017, Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, abgerufen am 9. November 2017.