Die Sinfonie Nr. 3 in a-Moll op. 56 (MWV N 18) von Felix Mendelssohn Bartholdy ist eine romantische Sinfonie in vier Sätzen. Die Aufführungsdauer beträgt ca. 40 Minuten. Sie wird meist, obwohl Mendelssohn selber diese Bezeichnung nie autorisierte, die „Schottische Sinfonie“ genannt.Thomas Schmidt-Beste: Just how "Scottish" is the "Scottish" Symphony? – Thoughts on Form and Poetic Content in Mendelssohn’s Opus 56. In: Benedict Taylor (Hrsg.): Mendelssohn. Routledge Taylor & Francis Group, Farnham 2015, ISBN 978-1-4724-3539-2, S. 481.
Geschichtlicher Hintergrund Im Frühjahr 1829 bereiste der damals 20-jährige Mendelssohn zum ersten Mal die britischen Inseln. Nach einer Reihe erfolgreicher Konzertauftritte in London machte er sich im Juli in Begleitung seines Freundes Karl Klingemann nach Schottland auf, um Stätten der Erinnerung an Maria Stuart, die nördlichen Highlands und die Hebriden zu besuchen. Die düstere Natur des Landes zog Mendelssohn unmittelbar an. Seine Eindrücke verarbeitete er musikalisch in der Ouvertüre Die Hebriden und in der 3. Sinfonie. In Edinburgh, wo er u. a. das Holyrood Palace besichtigte, notierte er das Andante in einer Klavierfassung und setzte dazu erste Ideen für die Orchestrierung.R. Larry Todd: Mendelssohn - A Life in Music. Oxford University Press, Oxford 2003, ISBN 0-19-517988-9, S. 430. Dabei scheint die Ruine der Kapelle von Holyrood Palace ihn direkt inspiriert zu haben. In einem Brief schreibt er:
Dennoch beschäftigte ihn dieses Werk am längsten von all seinen Sinfonien: Erst am 20. Januar 1842, also dreizehn Jahre später, vollendete er das Werk. Es ist damit die letzte von Mendelssohns vier Sinfonien, erhielt aber dennoch eine niedrigere Nummerierung, da die früher entstandene „Italienische“ und die „Reformationssinfonie“ erst später veröffentlicht wurden.
Die Uraufführung fand am 3. März 1842 im Leipziger Gewandhaus unter der Leitung des Komponisten statt.
Aufbau Andante con moto – Allegro un poco agitato Vivace non troppo Adagio Allegro vivacissimo – Allegro maestoso assai
Besetzung
2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, Pauken, 1. Violine, 2. Violine, Bratsche, Violoncello, Kontrabass
Werkbeschreibung Mendelssohn verwendet für seine Komposition ein klassisch besetztes Orchester, versucht aber den traditionellen viersätzigen Aufbau der klassischen Sinfonie teilweise zu überwinden, indem er die vier Sätze attacca (also ohne Pause) musizieren lässt und den sinfonischen Zyklus so zu einer Einheit verbindet.
Der erste Satz steht in Sonatensatzform und beginnt mit einer langsamen Einleitung, die Mendelssohn noch 1829 in Schottland als Skizze notiert hatte. Der eigentliche Kopfsatz in schnellem Tempo ist in düster-melancholischem Moll gehalten.
Auf ihn folgt als zweiter Satz ein Scherzo, der sich mit seiner Pentatonik und der als Scotch snap bekannten rhythmischen FormelMichael Talbot: The Finale in Western Instrumental Music, Oxford University Press, 2001, S. 131 an folkloristische Vorbilder anlehnt, ohne jedoch originale schottische Melodien direkt zu zitieren.
Der darauf folgende kantable langsame Satz ist wiederum in Sonatensatzform gehalten.
Der Schlusssatz beginnt mit einem markanten Hauptthema der Violinen mit scharfen Doppelpunktierungen, das sich durch den ganzen Satz zieht und das Finale des Werks zu einer ausgelassen-festlichen Apotheose werden lässt.
Rezeption Der Musikwissenschaftler Siegfried Oechsle sieht die 3. Sinfonie als das repräsentative Beispiel einer Sinfoniekomposition von Mendelssohn. Sie sei nicht nur die letzte Sinfonie des Komponisten, sondern auch dessen Hauptwerk in dieser Gattung. Als Argumente für seine These führt Oechsle die Formstruktur der Komposition und die Komplexität des Werkes, die enorme Ausdehnung der Einleitung sowie die Tatsache ins Feld, dass op. 56 das einzige von Mendelssohn selbst zum Druck beförderte sinfonische Werk ist.Siegfried Oechsle: Symphonik nach Beethoven – Studien zu Schubert, Schumann, Mendelssohn und Gade (= Kieler Schriften zur Musikwissenschaft; Bd. 40). Bärenreiter, Kassel 1992, ISBN 3-7618-1058-X, S. 249 f. (Zugl.: Kiel, Univ., Diss., 1989).
Hörproben Aufnahme des Fuldaer Symphonischen Orchesters (2003) mini|1. Satz: Andante con moto – Allegro un poco agitato mini|2. Satz: Scherzo: Vivace non troppo mini|3. Satz: Adagio mini|4. Satz: Allegro vivacissimo – Allegro maestoso assai
Literatur
Rudolf Kloiber: Handbuch der klassischen und romantischen Symphonie. 2., erweiterte Auflage. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 1976, ISBN 3-7651-0017-X. Wulf Konold: Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 Schottische. In: ders. (Hrsg.): Lexikon Orchestermusik Romantik I–R. Schott/Piper, Mainz/München 1989, ISBN 3-7957-8227-9, S. 471–475. Wulf Konold: Die Symphonien Felix Mendelssohn Bartholdys. Untersuchungen zu Werkgestalt und Formstruktur. Laaber-Verlag, Laaber 1992, ISBN 3-89007-232-1, S. 213–354.
Weblinks
Partitur
Einzelnachweise
#03 Mendelssohn 3