mini|Brunnen

Türelüre-Lißje, auch Turelure-Lieschen oder Türelüre-Loetche, ist der Name eines legendären Aachener Mädchens, das aus einem regionalen Kinderlied bekannt ist. Seit 1967 erinnert eingangs der Klappergasse ein Brunnendenkmal des Aachener Bildhauers Hubert Löneke an das Türelüre-Lißje.

Der eigentümliche Beiname Der eigentümliche Beiname des sagenhaften Lieschens Türelüre oder Turelure wird als aus der Zeit französischer Besatzung des Rheinlands stammend gedeutet. Die Stadt Aachen gehörte von 1798 bis 1814 zu Frankreich und war mit Sitz der Präfektur Hauptort (« chef-lieu ») des Département de la Roer.

An der Klappergasse bei der Pau stand die Brudermühle, deren eintönig klappernden Betriebsgeräusche mit der damals im Französischen geläufigen Redewendung « la même turelure »Eintrag „turelure“ im TLFi – im online-Großwörterbuch Trésor de la langue française – (onomatopée) d'après le nom d'un instrument de musique désignant une cornemuse nach einer lautmalerischen Bezeichnung des Dudelsacks; also immer das gleiche Dudelsackgeräusch., sinngemäß übersetzt „immer dieselbe Leier“, belegt wurden, was der Volksmund zu „Türelüre“ abkürzte.

Das Kinderlied

Der Liedtext:Türelürelissje Songtext – Eintrag in der „Aachener Liedertafel“

Öcher Platt Türelüre-Lißje uus Klapperjaaß Wovör hat dat Kengsche et Böksje esue naaß Haue die Schelme va Jonge jeddooe Haue dat Kengsche net pesse losse jooeh Standarddeutsch Türelüre-Lieschen aus der Klappergasse Warum hat das Kindchen das Höschen so nass? Das haben die Schelme von Jungen getan Haben das Kindchen nicht pinkeln gehen lassen

Das Öcher Volks- und Kinderlied Türelüre-Lißje uus Klapperjaaß wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mündlich tradiert und aufgezeichnet. Hein Görgen, Johannes Claßen und andere dichteten leicht abgewandelte Formen. Es wird nach einer alten Volksmelodie gesungen, vertont von M. Moitzheim.Peter Hermann Loosen: Aus dem alten Aachen. Historische Skizzen oder Aachener Geschichte in Geschichten. Helmut Frambach Aquensia-Verlag, Aachen 1974 (ohne ISBN), siehe das Kapitel Das Brünnlein mit dem Türelüre-Ließje, S. 69.

Das Brunnendenkmal Beschreibung mini|Die Figuren auf dem Brunnen

Der Zierbrunnen zeigt die Szene des Kinderliedes mit dem Türelüre-Lißje: Das Mädchen wird von schelmenhaften Buben daran gehindert, eine Toilette aufzusuchen, bis es dafür zu spät ist.

Der Brunnen besteht aus einer Granitschale, die aus einem acht Tonnen schweren Block aus Dinant an der Maas gehauen wurde. Sie ruht auf einem einstufigen Podest aus rotem Backstein. Auf der Schale steht die Bronzeplastik Lönekes. In deren Mitte hockt Lieschen und auf dem Rand umringen sie drei Lausbuben. Der Brunnen wird aus der Pau gespeist.

Entstehung Die Anregung zu dem modernen Brunnen kam von dem Aachener Ehrenobermeister der Schreinerinnung und langjährigen Stadtrat Alois Stüttgen. Geschaffen wurde der Zierbrunnen von dem Aachener Bildhauer Hubert Löneke. Gegossen wurde die Arbeit von Johann Schnitzler aus Frechen bei Köln.Peter Hermann Loosen: Aus dem alten Aachen. Historische Skizzen oder Aachener Geschichte in Geschichten. Helmut Frambach Aquensia-Verlag, Aachen 1974 (ohne ISBN), siehe das Kapitel Das Brünnlein mit dem Türelüre-Ließje, S. 69–73.

Der Brunnen wurde am 18. November 1967 eingangs der Klappergasse an der Ecke Rennbahn/Bendelstraße enthüllt.

Kontroverse Um den fast 60 Jahre alten Brunnen Türelüre-Lißje an der Klappergasse ist Anfang 2026 ein Streit entbrannt. Stimmen erhoben sich, die in der Brunnenszene eine verharmlosende Darstellung von sexualisiertem Mobbing und Erniedrigung sahen. Der Türelüre-Lißje-Brunnen passe nicht mehr ins Stadtbild und solle deshalb abgerissen werden.

Andere Aachener Bürger, auch der Oberbürgermeister Michael Ziemons, plädierten für eine erklärende Informationstafel, um das Brunnenmotiv einzuordnen. Ein Abbau des Brunnens würde zu weit gehen.Sexualisiertes Mobbing? Eine Frau will den Aachener Brunnen Türelüre-Lißje abreißen lassen – Aachener Zeitung vom 5. Februar 2026

Siehe auch Jeanneke Pis, Brunnenfigur in Brüssel

Literatur Peter Hermann Loosen: Aus dem alten Aachen. Historische Skizzen oder Aachener Geschichte in Geschichten. Helmut Frambach Aquensia-Verlag, Aachen 1974 (ohne ISBN), siehe das Kapitel Das Brünnlein mit dem Türelüre-Ließje, S. 69–73.

Weblinks

Türelüre-Lißje soll an Ort und Stelle bleiben – Bürgerforum in Aachen hat getagt, Artikel in AZ 11.02.2026.

Einzelnachweise

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