Kin-dsa-dsa! () ist ein zweiteiliger Spielfilm von Giorgi Danelia, der vom Mosfilm-Filmstudio produziert wurde und am 1. Dezember 1986 in die Kinos kam. Das Genre des Films ist eine SciFi-philosophische Satire. Im Jahre 1986 war der Film an der 14. Stelle der sowjetischen Rangliste und hatte 15,7 Millionen Zuschauer. Der Film prägte die moderne russischsprachige Kultur und gilt als Kultfilm. Einige fiktive Wörter aus dem Film, wie Gravizapa, Pepelaz oder Tschatl sowie die vielen Zitate gingen in die Alltagssprache ein. 2013 erschien der Animationsfilm Ku! Kin-dsa-dsa als Remake.
Handlung Die Geschichte spielt auf dem Wüstenplaneten „Pljuk“ in der Galaxie „Kin-dsa-dsa“. Die dystopische Umgebung des Planeten Pljuk kann als Hyperbel für menschliche Zivilisation interpretiert werden. Der Film ist zwar in der Sowjetunion unter etwas chaotischen Umständen entstanden, nach der ersten Begegnung mit Einheimischen ist Wowa's Eindruck „Капстрана“ jedoch der eines zutiefst kapitalistischen Planeten.
Die Protagonisten „Onkel Wowa“, ein Vorarbeiter aus Moskau und „Gedevan“, ein georgischer Student, wollen einem Obdachlosen helfen, der behauptet, sich mit seinem außerirdischen Teleportationsgerät verirrt zu haben. Wowa hält ihn für einen Spinner und drückt auf den kreisförmigen Metallapparat, wobei er sich plötzlich mit dem Studenten in eine Wüste teleportiert. Der Film handelt von den Bemühungen der Beiden, nach Hause zu finden – dabei bleibt erzählerisch vieles unklar, sodass sich die Zuschauer in einer ähnlichen Desorientierung wie die Protagonisten wiederfinden.
Die Bewohner des Wüstenplaneten Pljuk und auch darüber hinaus sind Menschen. Ihre Technologie vereint Fortschritt und Primitivität, so ermöglichen Komponenten wie das Gravitsapa interplanetare Reisen und es ist möglich, durch Raum und rückwärts in der Zeit zu teleportieren. Gleichzeitig sind die benötigten Rohstoffe für diese Technologien begrenzt, sodass Planeten bis zur Verwüstung ausgebeutet werden. Das führt zu der ironischen Situation, dass Wowa's Streichhölzer, die „KC“ enthalten, den Gestrandeten ein extrem wertvolles Tauschmittel sind, um überhaupt fortzukommen.
Die Kultur auf Pljuk ist barbarisch, aus einer anderen Perspektive jedoch auch zivilisiert, denn es gibt klare soziale Hierarchien, Rollenverteilungen und Kommunikationssymbolik – eine Sprache die durch ihre Einfachheit universell verständlich ist, aber dafür wenig Inhalt transportiert. Die Sprache besteht überwiegend aus den zwei Wörtern „Ku“ und „Küu“ (das zweite ist ein Schimpfwort) und es ist nicht ganz klar, ob Einheimische sich innerhalb kurzer Zeit die Sprache der Fremdlinge aneignen, oder ob intergalaktisch die selbe Sprache gesprochen wird.
Die Gesellschaft der Pljukaner ist in zwei Gruppen unterteilt: die der „Chatlanen“ (georgisches Schimpfwort) und die der „Patsaken“ („пацак“ patsak ist die Spiegelung von „кацап“, einer abwertenden Bezeichnung für Russen). Der Unterschied zwischen den Patsaken und den Chatlanen lässt sich nicht erklären, sondern wird durch ein Handgerät, den „Visator“, ermittelt. Die Chatlanen sind privilegiert, und die Patsaken müssen eine Fülle von Riten einhalten, um ihnen Respekt zu zollen. Als sichtbare Statussymbole gelten u. a. Blinkhut, farbige Hosen, Nasenglocke und Maulkorb. Die einzige Gruppe, die Waffen („Транклюкатор“ ~ tranquilizer) benutzen darf, sind die „Ecilop“ (Police). Der Anführer der Pljukaner ist PG; er wird von allen ständig verehrt, ist in Wirklichkeit jedoch ein harmloses und dummes Wesen. Der Treibstoff auf Pljuk heißt „Luz“ und wird aus Wasser gewonnen. Die Wasservorräte des Planeten wurden vor langer Zeit zu Luz verarbeitet, deswegen ist Trinkwasser eine Kostbarkeit und kann nur aus Luz zurückgewonnen werden.
Um in diesem Schlamassel zurückzufinden, müssen Wowa und Gedevan die sozialen Strukturen verstehen lernen und an verschiedenen Auswegen scheitern, um letztendlich von dem verirrten Außerirdischen wieder an den Ausgangspunkt ihrer Reise teleportiert zu werden. Dieser fühlte sich ihnen verpflichtet, weil sie ursprüglich helfen wollten und ihm Kleidung überlassen hatten.
Wörterbuch der Pljukanischen Sprache KC (ausgesprochen: „Ka-Tsä“) – Streichholz Tschatl – Geld Zak – eine kleine Glocke unter der Nase, um den niedrigen Sozialstatus des Trägers zu demonstrieren Tentur und Antitentur – zwei entgegengesetzte Enden des Universums. Einige Planeten existieren in der Tentur, andere (einschließlich Erde) in der Antitentur. Pepelaz (aus dem georgischen „Pepela“ = Schmetterling) – interplanetares Raumschiff Gravitsapa – eine Pepelaz-Komponente, die intergalaktische Reisen ermöglicht Zapa – ein Bestandteil vieler Maschinen, das wie eine rostige Schraubenmutter aussieht. Eine große Zapa ist eine wichtige Komponente eines Pepelaz, eine kleine Zapa Teil der Gravizapa; ohne die kleine Zapa funktioniert die Gravizapa nicht Kappa – Knopf oder Hebel Luz – Treibstoff für den Pepelaz, besteht aus Wasser Ecilopp (Anagramm bzw. Palindrom von „Police“) – Polizist Ezich (aus dem georgischen „Ziche“ = Gefängnis) – Kiste für einen Gefangenen; außerdem das Strafmaß, das die Gefangenschaft in einer solchen Kiste vorschreibt; außerdem das Gefängnis, das viele dieser Kisten enthält. Eine besonders schwere Strafe ist „Ezich mit Nägeln“ Kü – ein gesellschaftlich akzeptiertes Schimpfwort Ku – alle anderen Wörter
Trivia Die Entstehung des ungewöhnlichen Titels wurde vielleicht durch Jewgeni Leonow inspiriert, der während einer Reise eine improvisierte Melodie zum Namen von Koriander (Кинза) dichtete: Kin sa sa sa... Der Film sollte eigentlich den Titel: Kosmischer Staub, Sternenstaub tragen, der Arbeitstitel "Kin-Dsa-Dsa" wurde jedoch nicht mehr verändert.
Laut Drehbuch hatte der Geiger nicht etwa Essig, sondern Tschatscha, einen georgischen Traubenschnaps, in seiner Tasche. Es wurde eine Szene des Gruppenbesäufnisses gefilmt (in dieser Szene wurde die komplette Bremsflüssigkeit des Pepelaz ausgetrunken). Weil Michail Gorbatschow gerade an die Macht in der Sowjetunion kam und eine Anti-Alkoholkampagne anfing, durfte man diese Szene im Film nicht behalten. Sie wurde herausgeschnitten, und Tschatscha wurde zu Essig umsynchronisiert.
Video Der Film wurde auf DS-Farbfilm gedreht (35 mm, Länge: 3693,4 mKin-dsa-dsa! im Katalog der Spielfilme des Mosfilm-Studios (russisch).). Obwohl man für den Film hochwertiges Kodak-Filmmaterial bekommen hatte, beschlossen Regisseur Georgi Danelija und Kameramann Pawel Lebeschew, dass das Bild hart und körnig sein sollte, ohne Zwischentöne und mit kontrastreichen Schatten. Deswegen wurde der Kodak-Film an eine andere Filmgruppe abgegeben, und Kin-dsa-dsa! wurde auf sowjetischen DS-Tageslichtfilm gedreht.„Wieviele Pazaks und Tschatlanen werden von Kin-dsa-dsa! zu Menschen gemacht!“ Interview mit G. Danelija und P. Lebeschew in Komsomolskaja Prawda vom 1. Dezember 2000 (auf kp.ru fehlt diese Ausgabe im Archiv; vgl. Nachdrucke in , und , alle russisch).
Der Film wurde nach aufwendiger Restaurierung in Russland auf DVD veröffentlicht, ist außerhalb von Russland jedoch praktisch nicht erhältlich. Lange Zeit war der Film nirgendwo mit englischen Untertiteln verfügbar; erst 2005 veröffentlichte RUSCICO (Russian Cinema Council) eine Fassung im russischen Original und mit englischer und französischer Synchronisation sowie mit Untertiteln auf Englisch, Deutsch und vielen anderen Sprachen.
2021 wurde der Film in Russisch mit deutschen Untertiteln auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.
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Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1986 Kategorie:Sowjetischer Film Kategorie:Science-Fiction-Film Kategorie:Dystopie im Film Kategorie:Satirefilm Kategorie:Außerirdische im Film