mini|Micro-Four-Thirds-Logo mini|Objektivseitiger Anschluss (Panasonic) mini|Kameraseitiger Anschluss (Olympus E-M1)
Micro Four Thirds (abgekürzt MFT oder µFT nach dem SI-Präfix µ für „mikro“) bezeichnet einen im Wesentlichen von den Unternehmen Panasonic und Olympus entwickelten, speziell auf digitale, spiegellose Systemkameras abgestimmten Standard für Systemkomponenten wie zum Beispiel Objektivanschlüsse oder Blitzlichtgeräte.
Der für andere Hersteller offene, allgemeine StandardAlways Evolving, Four Thirds, online abgerufen am 24. Oktober 2012 definiert unter anderem die Sensormaße, das Objektivbajonett samt Kommunikationsprotokoll, den Bildkreis und das Auflagemaß (19,25 mm), aber auch optische Anforderungen wie den maximalen Winkel zwischen auf den Sensor treffenden Lichtstrahlen., four-thirds.org, online abgerufen am 28. September 2012 (englischsprachig) Micro-Four-Thirds war der erste herstellerübergreifende Standard für ein spiegelloses digitales KamerasystemHans-Heinrich Pardey: Photokina 2010 – Kompaktheit mit System ist Trumpf – Nicht jedes Objektiv behält seine guten Eigenschaften an einer Digitalkamera, faz.net, 27. September 2010, online abgerufen am 24. Oktober 2012 und wird von über 40 Anbietern unterstützt (Stand 2023)., four-thirds.org, abgerufen am 22. Dezember 2016
Beschreibung Anfang August 2008 wurde von Panasonic und Olympus als Weiterentwicklung des Four-Thirds-Standards für Spiegelreflexkamerasysteme der Systemstandard Micro Four Thirds für spiegellose Kameras vorgestellt. Mit diesem sind kompakte Kamerasysteme mit Wechselobjektiven möglich. Der neue Standard verwendet ein etwa halb so großes Auflagemaß, was praktisch keinen Einbauraum für eine Spiegelreflex-Mechanik mehr zulässt, jedoch bei hoher Bildqualität relativ kleine Bauformen für Systemkameras ermöglicht. Der Bajonettanschluss ist gegenüber Four Thirds bei unverändertem Sensorformat um 6 Millimeter enger.Benefit of Micro Four Thirds, four-thirds.org, online abgerufen am 28. September 2012 (englischsprachig) Four-Thirds-Objektive können mit einem Adapterring an Micro-Four-Thirds-Kameragehäusen weitergenutzt werden. Die Produktion von Four-Thirds-Objektiven wurde von Olympus 2017 eingestellt.Richard Butler: In memoriam: Olympus brings down the curtain on the legacy Four Thirds system, dpreview.com vom 10. März 2017, abgerufen am 15. März 2017
Der Wegfall des Schwingspiegels ermöglicht eine größere Freiheit bei der Objektivkonstruktion; vor allem im Weitwinkelbereich kann die Hinterlinse des Objektivs ähnlich wie bei Sucherkameras näher an den Sensor rücken, was zum Beispiel durch bildseitig telezentrisch abbildende Objektive zur Optimierung der Bildqualität ausgenutzt werden kann.Advancing Technology for Amazing Image Quality, getolympus.com, abgerufen am 9. November 2016Ein Objektiv für das Micro-Four-Thirds-System hat 2009 bei einem vergleichenden Warentest von Zoomobjektiven der Stiftung Warentest als einziges sehr gutes Modell abgeschnitten, siehe auch Zoomobjektive: Weniger ist mehr, test.de, 28. Mai 2009, abgerufen am 13. Januar 2016 Dies hat darüber hinaus zur Folge, dass Micro-Four-Thirds-Kameras sowohl für Stehbildaufnahmen als auch für Videoaufnahmen ausschließlich mit Live-View-Funktionen ausgestattet sind. Da keine zusätzlichen Sensoren vorgesehen sind, muss die automatische Scharfstellung (Autofokus) oder Motivanalyse (zum Beispiel Gesichtserkennung) gegebenenfalls mit Hilfe der Signale des Bildsensors gesteuert werden, wobei beliebige und variable Bildbereiche innerhalb des gesamten Bildes ausgewertet werden können.What are the advantages of a mirrorless system camera, four-thirds.org, online abgerufen am 28. September 2012 (englischsprachig)
Durch den Live-View-Betrieb ist es beispielsweise möglich, auf dem Bildschirm oder im elektronischen Sucher der Kameras Einstellhilfen wie Fokus-Peaking oder eine Softwarelupe für die Entfernungseinstellung, Echtzeit-Histogramme oder warnende Zebrastreifenmuster für die Belichtungseinstellung sowie virtuelle Wasserwaagen für die Bildausrichtung einzublenden.
Sensorgröße mini|Optimierung durch Ausnutzung des vollen Bildkreises (blau) bei verschiedenen Bildseitenformaten:16:9 (grün), 3:2 (orange), 4:3 (blau)Einige Bildpunkte in den Ecken des Bildsensors werden üblicherweise nicht benutzt; der graue Bildkreis hat den Durchmesser der Sensordiagonale und kann bei Aufnahmen mit dem nativen Sensorformat verwendet werden.
Die Bezeichnung Four Thirds bezeichnet nicht die Sensorgröße, sondern entspricht der historischen Maßangabe von Bildaufnahmeröhren, die nicht nach der Sensorgröße, sondern nach dem Außendurchmesser der Röhre bezeichnet wurden.
Bilddiagonale Die Bilddiagonale respektive der Bildkreisdurchmesser von Micro-Four-Thirds-Sensoren ist gleich groß wie beim Four-Thirds-Standard und beträgt mit 21,63 Millimetern exakt die Hälfte der Diagonale des Kleinbildformates (43,267 mm), was einem Formatfaktor von 2,0 entspricht. Die Normalbrennweite liegt somit bei 25 Millimetern. Diese Bildsensorgröße ist geringfügig kleiner als das Bild im 35-Millimeter-Kinotonfilm und erlaubt trotzdem noch einen Dauerbetrieb, ohne dass sich die Sensortemperatur durch die bei zunehmend großen Sensoren immer schwieriger werdende Sensorkühlung zu stark erhöht, was unabhängig von der Sensorgröße ein erhöhtes Dunkelstromrauschen zur Folge hat.Stellar Movie Power, four-thirds.org, online abgerufen am 18. Dezember 2012
Die meisten Kameras haben einen Bildsensor mit einem Seitenverhältnis von 4:3 und einem optisch wirksamen Bereich von 17,31 mm × 12,98 mm (Fläche = 224,64 mm², Bildkreisdradius = 10,82 mm), wobei einige Kameragehäuse einen Multiformatsensor aufweisen, bei dem bei verschiedenen Bildseitenverhältnissen der volle Bildkreis ausgenutzt wird, wie zum Beispiel die Panasonic DMC-GH1Testbericht über die Panasonic Lumix DMC-GH1 bei dpreview.com (in englischer Sprache), abgerufen am 13. August 2009 oder die DMC-GH2.Testbericht über die Panasonic Lumix DMC-GH2 bei dpreview.com (in englischer Sprache) Das ermöglicht für die Seitenverhältnisse 4:3 (4608 × 3456 Pixel, 17,31 mm × 12,98 mm), 3:2 (4752 × 3168 Pixel, 17,85 mm × 11,90 mm) und 16:9 (4976 × 2800 Pixel, 18,69 mm × 10,52 mm) die Nutzung der größtmöglichen Bilddiagonale (Angaben für die DMC-GH2).
Brennweite mini|Äquivalente Brennweite, äquivalente Blendenzahl und äquivalente ISO-Zahl bei gleichem Bildwinkel, gleicher Öffnungsweite, gleicher Belichtungszeit und verschiedenen Bildsensorgrößen
Das Verhältnis zwischen den bei gleicher Objektivbrennweite abgebildeten Bildwinkeln unterschiedlicher Sensorformate heißt Formatfaktor oder Crop-Faktor. Der Crop-Faktor des Micro-Four-Thirds-Systems (Bildfläche 12,98 mm × 17,31 mm) im Verhältnis zum Kleinbildformat (24 mm × 36 mm) berechnet sich wie folgt:
Verglichen mit dem Kleinbildsystem bildet daher das Micro-Four-Thirds-System bei halber Objektivbrennweite einen vergleichbaren Bildausschnitt ab.Äquivalente Brennweite, Wikibook Digitale bildgebende Verfahren, Kapitel Bildaufnahme, abgerufen am 24. Juni 2015
Das Bild einer 600mm-Telebrennweite am Kleinbildsystem entspricht also dem eines 300mm-Objektivs an einer Micro-Four-Thirds-Kamera. Das ist nicht nur wesentlich leichter und kompakter, sondern auch erheblich preiswerter – insbesondere bei hohen Lichtstärken.
Blendenzahl Bei der gleichen Öffnungsweite und gleichem Bildwinkel ergibt sich bei allen Kamerasystemen die gleiche Schärfentiefe und die gleiche relative Beugungsunschärfe. Dies bedeutet, dass die äquivalente Blendenzahl beim Micro-Four-Thirds-System halb so groß ist wie beim Kleinbildformat.Äquivalente Blendenzahl, Wikibook Digitale bildgebende Verfahren, Kapitel Bildaufnahme, abgerufen am 24. Juni 2015
In diesem Fall ist wegen der kleineren Bildsensorfläche und dem gleichen Lichtstrom im Objektiv die Beleuchtungsstärke viermal so groß und die photometrische Lichtstärke in der Bildebene wegen des größeren Raumwinkels, der durch den ungefähr doppelt so großen, bildseitigen Öffnungswinkel des Objektivs beschrieben werden kann, etwa viermal kleiner. Daher resultiert auf dem Bildsensor die gleiche Leuchtdichte und somit auch der gleiche Belichtungswert für die Aufnahme. Wegen der halb so großen Blendenzahl muss die fotografische Abbildung mit einem Viertel der Belichtungszeit beziehungsweise bei gleicher Belichtungszeit jedoch mit einem Viertel der ISO-Lichtempfindlichkeit aufgenommen werden.Äquivalente Lichtempfindlichkeit, Wikibook Digitale bildgebende Verfahren, Kapitel Bildaufnahme, abgerufen am 24. Juni 2015 Im letzteren Fall, also bei gleicher Belichtungszeit und mit variierendem Belichtungsindex, ergeben sich bei allen Kamerasystemen die gleiche Bewegungsunschärfe, und sie haben die gleichen Voraussetzungen für eine Bildstabilisierung.
Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft einige äquivalente Bildparameter für einige gängige Bildsensorformate im Vergleich zu Micro Four Thirds:
Bild-sensor-klasseBrennweite beiWeitwinkelaufnahme(diagonalerBildwinkel ≈ 75°)Brennweite beiNormalwinkel(diagonalerBildwinkel ≈ 47°)Brennweite beiTeleaufnahme(diagonalerBildwinkel ≈ 29°)Blendenzahl beigleicher Schärfentiefeund gleicherBeugungsunschärfeBelichtungsindex(ISO-Wert) bei gleicherBelichtungszeit undgleicher Bewegungsunschärfe Nikon 1 10 mm 18 mm 31 mm 1,7 100 Micro Four Thirds 14 mm 25 mm 42,5 mm 2,4 200 APS-C 18 mm 33 mm 57 mm 3,2 360 Vollformat 28 mm 50 mm 85 mm 4,8 800
Kommunikation zwischen Kamera und Zubehör Ein zentrales Merkmal des Systems sind intelligente Komponenten, welche über elektrische Kontakte untereinander über ein im Standard ebenfalls definiertes bidirektionales Protokoll kommunizieren. Alle elektronisch steuerbaren Micro-Four-Thirds-Objektive sind daher mit einem eigenen Hauptprozessor ausgestattet., Completely electronic mount, online abgerufen am 19. Oktober 2012
Auf diese Weise werden Informationen über Motiventfernung, Blendenwahl und Brennweite wie bei konkurrierenden Systemen elektronisch zwischen Kamera und Objektiv ausgetauscht. Ferner kann das Kameragehäuse ermitteln, welche manuellen Einstellungen am Objektiv vorgenommen wurden, wie zum Beispiel der Modus der Fokussierung (automatisch AF oder manuell MF) oder ob Bildstabilisator oder Makromodus am Objektiv ein- oder ausgeschaltet sind. Das Micro-Four-Thirds-System kann darüber hinaus aber auch individuelle Eigenschaften des Objektivs wie beispielsweise Kennlinien der chromatischen Aberration, der Verzeichnung oder der Vignettierung an die Kamera übertragen, was eine digitale Kompensation von Abbildungsfehlern ermöglicht.Richard Butler: A distorted view? In-camera distortion correction, dpreview.com, 2. September 2011, abgerufen am 23. Januar 2016
Das System ist in der Lage, bis zu 240 digitale Bilddatensätze pro Sekunde zwischen Objektiv und Kameragehäuse zu übertragen (Stand 2013).Lumix GX7 – die kompakte Premium DSLM-Kamera, panasonic.com, 23. Juli 2013, abgerufen am 12. Januar 2016 Mit Einführung der Panasonic Lumix DC-GH5 im Frühjahr 2017 wurde für die automatische Entfernungseinstellung eine Auswertungsrate von 480 Bildern pro Sekunde erreicht.Jeff Keller: Panasonic's flagship Lumix DC-GH5 officially launched, hits store shelves in March, dpreview.com vom 4. Januar 2017, abgerufen am 29. März 2017
Seit 2015 gibt es von Panasonic Produkte, bei denen die Bildstabilisierung im Objektiv mit der Bildstabilisierung im Kameragehäuse kombiniert werden kann (Dual IS = dual image stabilisation = zweifache Bildstabilisierung). Seit 2016 bietet auch Olympus diese Funktion unter der Bezeichnung Sync IS an (synchronised image stabilisation = synchronisierte Bildstabilisierung), die bei Teleaufnahmen eine Bildstabilisierung mit einer um bis zu 7,5 Blendenstufen verlängerten Belichtungszeit erlaubt., olympus-imaging.com, 2016, abgerufen am 21. Dezember 2016James Artaius: Olympus OM-D E-M1X review, Digital Camera Review vom 24. Januar 2019, abgerufen am 13. September 2019