mini|Michael Gordon im Camp Doha in Kuwait, vor der Invasion des Irak im Jahr 2003 Michael R. Gordon (* 10. Februar 1951Virtual International Authority File - Gordon, Michael R.) ist ein US-amerikanischer Journalist und Chef-Militärkorrespondent der New York Times.Michael R. Gordon. In: The New York Times Gemeinsam mit Judith Miller war er im Jahr 2002 wesentlich an der Berichterstattung über die Pläne der Bush-Regierung für die Invasion des Iraks beteiligt.

Leben

Während der ersten Phase des Irakkriegs war er der einzige Zeitungsreporter, der einer kämpfenden Militäreinheit als Embedded Journalist zugewiesen wurde. So hatte er die Gelegenheit, unter Führung von General Tommy R. Franks die Invasionstruppen zu begleiten.Endgame: Interviews WGBH Public Broadcasting, Boston, 11. Januar 2007

In Co-Autorenschaft mit General Bernard E. Trainor hat Gordon seine Erfahrungen in den zwei Büchern The Generals’ War: The Inside Story of the Conflict in the Gulf, das den Zweiten Golfkrieg 1991 thematisiert, und dem Bestseller Cobra II: The Inside Story of the Invasion and Occupation of Iraq zum Irakkrieg 2003 festgehalten. The Generals’ War wurde unter anderem vom damaligen Verteidigungsminister Dick Cheney gelobt.Zitat: „a fascinating account of the war (that i would) recommend as something that gives them a different element of some of the key decisions that were made“

Cobra II, das sich vor allem den übereilten Vorbereitungen und den Beziehungen der großen Gegenspieler USA und Irak widmet, bezeichnete der Journalist Jim Lehrer als „eine erklassige Analyse dessen, was während des Golfkriegs richtig und was falsch gelaufen ist“. Eliot A. Cohen, ein Professor der Johns Hopkins University, nannte es das beste Einzelwerk zum Thema.Cobra II: The Inside Story of the Invasion and Occupation of Iraq.

Lawrence D. Freedman, Professor am King’s College London und Fachmann für auswärtige Angelegenheiten, schrieb: „Die sorgfältigen Nachforschungen, die auf autorisierten Quellen basieren, lassen die menschlichen Aspekte des Konflikts nie vergessen“. Die New York Times nannte es „ein erstaunliches Werk, an dem sich andere historische Betrachtungen der Irak-Invasion werden messen lassen müssen“. The New Republic kritisierte dagegen, dass Gordon und Trainor in der militärischen Fehleranalyse wie gefangen scheinen und so unbeabsichtigt das grundlegende Problem im Irak verdrängen, das ein politisches sei.David Rieff: 20. April 2006

Rabta

Am 1. Januar 1989 veröffentlichten Gordon und Steven Engelberg die Nachricht, dass der westdeutsche Chemieproduzent Imhausen-Chemie im April 1980 der Hauptlieferant für eine libysche Produktionsstätte für Chemische Waffen in Rabta geworden ist. Der Artikel stützte sich auf geheime Informationen der US-Behörden.Robert McCartney: W. Germany Assails U.S. on Libyan Plant. In: Washington Post, 7. Januar 1989 Die deutsche Regierung bestritt die Vorwürfe zunächst, doch weitere Enthüllungen über die Anlage und der Druck der US-Regierung führten im Oktober 1991 zur Anklage gegen drei Imhausen-Mitarbeiter, darunter der Geschäftsführer, wegen illegaler Lieferungen nach Libyen. Ein vierter deutscher Staatsangehöriger wurde 1996 für die „Unterstützung Libyens beim Erwerb von Computer-Technologie und anderer Ausrüstung zur Entwicklung chemischer Waffen“ angeklagt.Chemiefabrik Rabta, Imhausen im Glück, Jürgen Hippenstiel wird angeklagt. In: Die Zeit, Nr. 14/1990 S. 24, 42, 74

1989 wurden Gordon und Engelberg für die Artikelserie zu diesem Thema mit dem George Polk Award für internationale Berichterstattung ausgezeichnet.

Kontroversen

Berichterstattung aus dem Irak vor der Invasion 2003

Zusammen mit Judy Miller schrieb Gordon die meistenMichael Gordon’s Molehill Becomes A Mountain. In: Columbia Journalism Review, 30. Januar 2007 der Berichte in der Times über das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen im Irak vor der Invasion im Jahr 2003. Diese Artikel führten 2004 zu einem „Schuldbekenntnis“ (mea culpa Editor’s Note) auf der Titelseite der Zeitung:From the Editors: The Times and Iraq. In: The New York Times, 26. Mai 2004

Der New York Review of Books kritisierte, dass viele Stimmen, die sich gegen die Behauptungen der US-Regierung bezüglich des Vorhandenseins von Massenvernichtungswaffen richteten, von Gordon und Miller nicht berücksichtigt wurden. Gordon habe sich zudem nur mit wenigen Kritikern getroffen, obwohl David Albright, der Gründer des Institute for Science and International Security, auf die Widersprüche aufmerksam gemacht hatte.Michael Massing: Now They Tell Us. In: The New York Review of Books, Volume 51, Number 3

Gordon äußerte sich insbesondere auf die Kritik von Michael Massing, Schriftsteller und regelmäßiger Gastautor des Columbia Journalism Review: „Ich bleibe bei meiner Behauptung, dass es eine weit verbreitete Annahme von Experten innerhalb und außerhalb der US-Regierung war, dass der Irak Massenvernichtungswaffen herstellen wollte. Das Thema ist weitaus komplexer als Herr Massing es darstellt. Zudem hat dieser meine Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen.“Original: „I stand by my assertion to Mr. Massing that the notion that Iraq had some form of WMD was a widely shared assumption inside and outside of the government. … Mr. Massing takes that assertion out of context, and he cites Mr. Albright’s work to challenge that observation though his work actually supports it.“Iraq: Now They Tell Us: An Exchange. In: The New York Review of Books, Volume 51, Number 6

Geplante Truppenerhöhung im Irak 2007

In einem Interview mit Charlie Rose in Frontline, einer Sendung des Public Broadcasting Service im Januar 2007, hatte Gordon ausdrücklich eine Truppenerhöhung im Irak unterstützt. Daraufhin veröffentlichte der „Public Editor“ der Times, Byron Calame, seine Missbilligung darüber, dass der militärische Chef-Korrespondent der Times seine persönliche Meinung über den Irak im nationalen Fernsehen veröffentlicht habe.Byron Calame: Spotting Freelancer Conflicts. In: The New York Times, 28. Januar 2007 Die Washingtoner Leitung der Zeitung bemerkte, dass: „Gordon während des Interviews zu weit gegangen ist“.Christopher Griffin: In: Armed Forces Journal Die Reaktionen der Times und Gordons spätere Entschuldigung nutzte die New York Post (eine Zeitung aus dem Hause Rupert Murdochs) für ein Editorial. Sie schrieb, dass die Times alle Äußerungen über einen möglichen Sieg unterdrücken wolle und nicht wünsche, dass Amerika den Krieg im Irak gewinnt. In: New York Post, 4. Februar 2007

Berichterstattung zu den Aufständen im Irak

In einer Titelgeschichte der Times behauptete Gordon am 10. Februar 2007, dass es Beweise für eine Beteiligung des Irans bei der Entwicklung und Ausrüstung der irakischen Truppen mit einer der „tödlichsten Bomben“ gäbe.Michael R. Gordon: Deadliest Bomb in Iraq Is Made by Iran, U.S. Says. In: The New York Times, 10. Februar 2000 Das Magazin Editor & Publisher, das sich selbst als “America’s Oldest Journal Covering the Newspaper Industry” bezeichnet, kommentierte diese Behauptung und stelle fest, dass Gordon, der mit oder ohne Hilfe von Judith Miller einige der irreführendsten und kaum oder gar nicht stimmenden Artikel über irakische Massenvernichtungswaffen im Vorfeld der Invasion 2003 verfasst hatte, einmal mehr nur anonyme Quellen aus einem breiten Spektrum von staatlichen Stellen verwendet hatte und seine Behauptung daher „mit Vorsicht betrachtet werden sollte“. In: Editor and Publisher, 11. Februar 2007. Byron Calame, der public editor der Times, sagte dazu, „Mr. Gordon ist zu einem bevorzugten Ziel von vielen kritischen Lesern geworden, die die Berichterstattung der Times über den Iran als einseitig politisch gefärbt betrachten. Ich teile diese Ansicht nicht und denke, dass die Qualität seiner journalistischen Tätigkeit eine differenzierte Betrachtung verdient“ und fuhr fort: „Die Tatsache, dass Gordon anonyme Regierungsquellen verwendet hatte, macht aber eine Qualifikation der Quellen notwendig, um entscheiden zu können, ob sie als Beweis oder Einflussnahme zu werten seien“.Byron Calame: The Public Editor: “Approaching Iran Intelligence With Intelligent Skepticism”. In: The New York Times, 25. Februar 2007

Byron Calames Nachfolger Clark Hoyt kritisierte die militärische Berichterstattung der Times und zitierte dazu mehrere Artikel von Gordon. Er kam zu dem Schluss, dass die unkommentierte Übernahme von Aussagen des Präsidenten und des Militärs zum Einfluss der al-Qaida im Irak zur Routine geworden war.Clark Hoyt: Seeing Al Qaeda Around Every Corner. In: The New York Times, 8. Juli 2007 Diese Aussagen behaupteten, dass die Al Qaeda mit der Al-Qaeda im Irak gleichzusetzen wäre, was von Clark Hoyt und anderen angezweifelt wurde.Public Editor Hits Paper’s Surge in Blaming '‘al-Qaeda’' in Iraq. In: Editor and Publisher, 8. Juli 2007

Ein umfangreicher Artikel von Gordon in der Times,Bush Distorts Qaeda Links, Critics Assert. In: New York Times, 13. Juli 2007 diskutierte den Standpunkt des Präsidenten zur al-Qaida im Irak: „Mit seinen Hinweisen auf die al-Qaida in Mesopotamien und seinen Behauptungen, dass dies die gleiche Gruppe war, die im Jahr 2001 die USA angegriffen habe, hat der Präsident die Zusammenhänge der Aufständischen im Irak und deren Beziehungen zur Führung der Al-Qaida stark vereinfacht“. In: Editor and Publisher, 13. Juli 2007. “But just last Sunday, Clark Hoyt, the paper’s new public editor, had criticized the paper for doing much the same, in increasingly pointing to al-Qaeda influence and failing to point out the distinction between the newly-formed Al Qaeda in Mesopotamia group and Osama bin Laden’s operation. Gordon had written many of those faulty (in Hoyt’s view) stories.”

Werke

Weblinks Interview von Michael Gordon und General Bernard Trainor von Amy Goodman, Democracy Now, 17. März 2006 (Abschrift, Audio- und Videomitschnitt)

Einzelnachweise

Kategorie:Journalist (Vereinigte Staaten) Kategorie:Träger des George Polk Award Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1951 Kategorie:Mann