Das Department of Architecture der Technischen Universität München (TUM) bietet mit rund 200 Wissenschaftlern an 28 Professuren und über 1.500 Studierenden die bayernweit einzige universitäre Architekturausbildung. Das Department verfügt über ein ungewöhnlich umfangreiches Themenportfolio.

Das Department ist Teil der TUM School of Engineering and Design. Im Zuge einer grundlegenden Reform der Organisationsstruktur der TUM (Agenda 2030) wurde die vormalige Fakultät für Architektur zum 1. Oktober 2021 als Department in die genannte School integriert.

Architekturmuseum Als Ort und Treffpunkt für alle an Architektur Interessierten zeigt das Architekturmuseum der Technischen Universität München in der Pinakothek der Moderne seit 2002 ein breit gefächertes Programm wechselnder Ausstellungen, das durch Publikationen, fachkundige Führungen, Gesprächsrunden, Vorträge und andere Veranstaltungen ergänzt wird. Durch die in Deutschland einzigartige Stellung als Hochschulinstitution mit Archiv und Ausstellungsräumen vereint das Architekturmuseum Sammlung, Lehre und Forschung.

Studiengänge B.A. Architektur, B.Ed. Bautechnik, B.Sc. Landschaftsarchitektur, M.A. Architektur, M.Sc. Ressourceneffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen, M.A. Landschaftsarchitektur, M.Sc. Urbanistik

Lehr- und Forschungseinheiten (Professuren)

Geschichte

Vorgeschichte Ab 1766 gab es außerdem eine öffentliche Zeichenschule, die ab 1770 von Kurfürst Max Joseph III. unterstützt wurde. Allerdings wurde auch hier nur Grundlagenunterricht gehalten. Am 26. März 1792 wurde als Ergänzung der Ausbildung durch die Zünfte für Lehrlinge und Gesellen die „Feiertäglichen Zeichnungsschule“ durch Hermann Mitterer gegründet. Im Jahre 1793 gründete Franz Xaver Kefer für den Personenkreis der Lehrlinge und Gesellen die Feiertagsschule München. Beide Schulen wurden kurz darauf zusammengeschlossen, da man erkannte, dass neben dem Grundwissen wie Lesen, schreiben und Rechnen das Beherrschen der Zeichenkunst grundlegend für alle Handwerksberufe war. Bis zur Eröffnung der Bauschule an der Akademie der Bildenden Künste München im Jahre 1808 gab es in Bayern keine akademische Ausbildung von Architekten und Baumeistern.

1823 wurde von Gustav Vorherr nach dem Vorbild der Pariser École polytechnique und der Berliner Bauakademie als erste ihrer Art im deutschen Sprachraum die Königliche Baugewerksschule in München gegründet. Hier sollte, anders als in diesen Städten, ein modernes, an den örtlichen Notwendigkeiten orientiertes Bauwesen im Vordergrund stehen, das sogar den bis dahin vernachlässigten ländlichen Raum einbezog und praxisorientiert begabte Bauhandwerker und Parliere zu Baumeistern fortbildete.

Die Bauschule der Akademie der Bildenden Künste mini|hochkant|Carl von Fischer 1808 wurde die Bauschule der Akademie der Bildenden Künste in München eröffnet und blieb für die folgenden Jahrzehnte der wichtigste Ort der Architektenausbildung in Bayern. Der Unterricht begann im Jahr 1809 zunächst im Untergeschoss des ehemaligen Jesuitenkollegs (Wilhelminum) in der Neuhauser Straße. 1812 wurde ein zusätzliches Gebäude im Hof des Wilhelminums eröffnet. Die Aufnahmekriterien für die Bauschule waren nicht sehr restriktiv: Die 13- bis 14-jährigen Schüler mussten lediglich Lesen, Schreiben und Rechnen können. 1827 wurden dann zudem Kenntnisse in Geometrie, Stereometrie, Schattenbestimmung, Holzkonstruktion, Architekturzeichnen und Kenntnis der Säulenordnung nach Vignola vorausgesetzt. 1847 wurde zudem eine Vorprüfung abgehalten.

Jedes Jahr nahmen zwischen 22 und 60 Schüler das Studium an der Bauschule auf. Die Bauschule wurde zunächst von Carl von Fischer geleitet. Nach dessen Tod wurde 1820 Friedrich von Gärtner von König Ludwig I. zum Professor der Baukunst ernannt und als dieser dann 1841 Direktor der Kunstakademie wurde, übernahm August von Voit die Leitung der Bauschule. 1847 starb Gärtner und Voit wurde zum Oberbaurat ernannt, so dass der Posten des Leiters der Bauschule erneut frei wurde. Ludwig I. bestimmte Ludwig Lange als Leiter, der in einer Akademiereform den Staatsbaudienst aus der Bauschule ausgliederte. Da Maximilian II. in Abgrenzung von der Antikenleidenschaft seines Vaters Ludwig I. einen eigenständigen Baustil zum Programm erhob („Maximiliansstil“), wurde auch der Leiter der Bauschule 1855 ausgewechselt und Georg Friedrich Ziebland erhielt dieses Amt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor die Architektenausbildung an der Kunstakademie jedoch stark an Bedeutung und verlagerte sich immer stärker an das Polytechnikum. 1873 wurde der Lehrstuhl für Architektur aufgehoben und die Lehre in Höherer Baukunst an der Kunstakademie wurde von nun an durch den Inhaber des Lehrstuhls für Höhere Baukunst am Polytechnikum übernommen.

Die Architektenausbildung an der Polytechnischen Schule Da sich die Akademie einer Auseinandersetzung mit Industrie und Technik verschloss, kam es 1833 zur Gründung einer polytechnischen Schule in München. Als dann in den 1850er-Jahren die Schule, an der es noch keine Trennung zwischen Bauingenieur und Architekt gab, den Weg zur Staatsprüfung zum „Civilbauingenieur“ dem wichtigen Titel für Staatsbaubeamte, eröffnete, zeichnete sich ein Umschwung in der Münchner Architekturausbildung ab, der schließlich zum Bau der 1868 eröffneten „neuen polytechnischen Schule“ – die heutige TU München – und zum Ende der Bauschule 1873 an der Akademie führte.

Neubau und Neureuther-Renaissance 1868–1882 An der „neuen polytechnische Schule“ – ab 1877 Technischen Hochschule, seit 1970 Technische Universität – war erstmals in Bayern die Ausbildung von Architekten und Ingenieuren getrennt. An der „Hochbauschule“ unterrichteten die vier Professoren Gottfried von Neureuther (Höhere Baukunst), Rudolf Gottgetreu (Konstruktion), Albert Geul (Civilbau) und Joseph Mozet (Zeichnen) sowie der Bildhauer Conrad Knoll und als einziger Assistent August Thiersch. Die Zahl der Architekturstudenten stieg von 1868 bis 1878 von 18 auf 161. Dominierender Lehrer war Gottfried von Neureuther, der beim Entwurf die Formensprache der italienischen Renaissance vertrat. Eine stilistisch definierbare Neureutherschule bildete sich allerdings in den 14 Jahren seiner Lehrtätigkeit bis 1882 nicht aus.

Den Gründungsbau für die „neue polytechnische Schule“ errichtete Gottfried von Neureuther 1864–1868 als prächtiges Neorenaissancegebäude mit Mitteltrakt und zurückgesetzten Seitenflügeln direkt gegenüber der Alten Pinakothek nach dem Vorbild von Gottfried Sempers Zürcher Polytechnikum (heute ETH Zürich). Zur Verfügung stand ein 90 m breiter Bauplatz an der Arcisstraße, weniger als die Hälfte des heutigen von Arcis-, Theresien-, Luisen- und Gabelsbergerstraße begrenzten Stammgeländes. Im südlichen Seitenflügel waren Chemie und Physik und im nördlichen die Mechanisch-Technische Abteilung sowie Räume für Geologie und Mineralogie untergebracht. Der Hauptbau umfasste in den Obergeschossen die Abteilungen für Architektur und für Bauingenieurwesen. Heute sind von dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gründungsbau nur noch Teile des Erdgeschosses entlang der Gabelsbergerstraße und im Hof hinter dem „Bestelmeyerbau“ (Süd) erhalten.

Gottfried von Neureuther versuchte, durch seine Position als einziger Entwurfslehrer der Höheren Baukunst, seinen Neorenaissancismus zu einer eigenständigen Stilrichtung zu entwickeln, konnte sich jedoch trotz zahlreicher bekannter Schüler (Seidl, Hocheder, Mellinger, Graff und Löwel) mit diesem Programm nicht durchsetzen. Die Architekturausbildung in München stand noch im Schatten der ungleich erfolgreicheren Architekturschule des Stuttgarter Polytechnikums (u. a. mit Christian Friedrich von Leins).

Die Ära Thiersch 1882–1921 Die Münchner Schule erlangte erst unter seinem Nachfolger Friedrich von Thiersch, der 1879 für den schwer kranken Neureuther berufen wurde, überregionale Bedeutung. Zahlreiche Neuberufungen unter Thiersch (u. a. von Schmidt, Hocheder, Fischer, Bühlmann, Sporrer, Pfann, Wittmann, von Mecenseffy) sowie die Ausweitung der Lehrtätigkeit führte dazu, dass die Münchener Architekturfakultät im Jahr 1909 das erste Mal mit 577 eingeschriebenen Studenten die bis dahin führende Technische Hochschule Berlin überholte und zur bedeutendsten Architekturschule des Deutschen Reichs wurde.

Im Sommersemester 1907 wurde die erste weibliche Architekturstudentin immatrikuliert, nachdem Bayern bereits 1905 die Zulassung von Frauen als Studierende an der Technischen Hochschule zugelassen hatte. Da es jedoch nach wie vor nur eine geringe Zahl weiblicher Abiturientinnen gab, blieb die Zahl der weiblichen Architekturstudentinnen niedrig.

Mit Thiersch dominierte bis ins 20. Jahrhundert der Renaissance-Monumentalbau die Lehre der Architekturfakultät, wobei überdurchschnittlichere Schüler bei Thiersch eine große Freiheit im Entwerfen nutzen konnten. Seine Schüler arbeiteten auch bei zahlreichen Bauprojekten mit. Bei Thiersch studierten viele der einflussreichsten Architekten des frühen 20. Jahrhunderts wie Max Berg, Paul Bonatz, Martin Dülfer, Martin Elsaesser, Ernst Fiechter, Theodor Fischer, Hans Grässel, Otho Orlando Kurz, Ernst May, Hubert Ritter, Otto Rudolf Salvisberg, Fritz Schumacher und Heinrich Tessenow. Eine weit geringere Bedeutung hatte Heinrich von Schmidt, der Sohn des Wiener Dombaumeisters Friedrich von Schmidt, der 1883 als zweiter Architekturlehrer berufen wurde. Er war vor allem für die gotische und romanische Formenlehre zuständig. Mit der Berufung von Carl Hocheder 1898 bekam die von diesem als neuer Entwurfsstil Bürgerliche Baukunst begründete Zivilbaukunde ein stärkeres Gewicht.

Ab 1901 wurde nach Berlin, Dresden und Aachen der Städtebau nun auch in München gelehrt, zunächst in Gestalt eines Lehrauftrags von Hocheder, ab 1908 dann mit der Berufung von Theodor Fischer auf eine eigene Professur für Entwerfen und Städtebau. Mit Paul Pfann, der zuvor bei Paul Wallot tätig war, konnte 1899 ein für seine Freihandzeichnungen berühmter Professor für den Zeichenunterricht berufen worden.

Auch die erste bedeutende bauliche Erweiterung der Hochschule erfolgte unter Friedrich von Thiersch: Im Südwesten des Areals entlang der Gabelsberger- und Luisenstraße schuf Thiersch 1910–1916 dreigeschossige Flügelbauten mit Verbindung zum Altbau und einem die L-förmige Anlage dominierenden Turmbau, dem heutigen Wahrzeichen der TU. Im Trakt an der Gabelsbergerstraße waren im zweiten Obergeschoss in einer von Thiersch prächtig ausgestatteten Raumflucht die Bibliothek und die Plansammlung der Architekturabteilung untergebracht. Gemäß dem damaligen Stand der Bautechnik sind durch Verstärkung der Stahlbetondecken mit Stahlträgern die Zwischenwände versetzbar und erlauben eine flexible Nutzung.

Reaktion und Aufbruch 1918–1933 mini|TU-Flügelbauten von Bestelmeyer Nach dem Ersten Weltkrieg wandelten sich die „Stilschulen“ allmählich in „Konstruktionsschulen“. In der Weimarer Zeit prägten zahlreiche Neuberufungen die Ausbildung an der Architekturfakultät der Technischen Hochschule. 1917 wurde Richard Schachner auf den eigens für ihn errichteten Lehrstuhl für Inneren Ausbau, technische und gesundheitliche Anlagen in Gebäuden, ferner Industriebauten berufen. Mit Schachner, den Erbauer des Schwabinger Krankenhauses, gewannen zudem Bauhygiene und Krankenhausbau an Bedeutung. 1920 wurde neben Mecenseffy eine zweite Professur für Konstruktion errichtet, auf die Sigismund Göschel berufen wurde. Äußerst folgenreich war die Neubesetzung des Thiersch-Lehrstuhls mit dem konservativen German Bestelmeyer, der nicht nur zum Präsidenten der Akademie ernannt wurde, sondern auch mit der Errichtung der Erweiterungsbauten an der Arcisstraße beauftragt wurde. Die Architektenausbildung in München verlor an Renommee und Attraktivität, die Studentenzahlen gingen zurück.