Tribalisierung („Stammesbildung“) bezeichnet in der Volkskunde die Bildung von Gemeinschaften auf der Grundlage gemeinsamer kultureller Wurzeln und Merkmale oder politischer und religiöser Interessen (bspw. innerhalb eines Vielvölkerstaates). Der Begriff geht zurück auf den politikwissenschaftlichen Begriff des Tribalismus.
In der Soziologie beschreibt Tribalisierung die Entwicklung von Jugendszenen („Stammeskulturen“) infolge gemeinsamer (bspw. musikalischer) Präferenzen und Freizeit-Aktivitäten (siehe Szenen, Jugendkulturen, Peergroups). Die Aufspaltung in Interessengemeinschaften erfolgt gezielt oder zufallsbedingt und hat den Zerfall eines früheren Gemeinschaftssystems zur Folge.Roman Rutkowski: Das Charisma des Grabes – Jugendkultur und Subkultur, S. 20, 2004, ISBN 3-8334-1351-4 Thiele/Taylor sprechen von über 400 verschiedenen Jugendkulturen.
Allerdings kann dies auch gewaltförmige oder rassistische Strukturen hervorrufen, in dem sich „in den Jugendkulturen quasi unterschiedliche 'Stämme' herausbilden, die nicht nur bestimmte Territorien besetzen, sondern sie gegen fremde 'Eindringlinge' auch mit aggressiven Mitteln verteidigen.“Keupp, 2006. S. 163
Mit der sog. Identitätspolitik zersplittere die Gesellschaft in immer neue Kollektive, die für ihre partikularen Gruppeninteressen kämpfen.Ulrike Ackermann: Neutral geht gar nicht. Identitärer Fundamentalismus? Die Politische Meinung, 10. Februar 2021.
Literatur Gisela Thiele, Carl S. Taylor: Jugendkulturen und Gangs. 1998, ISBN 978-3-86135-180-1 Klaus Farin, Hendrik Neubauer: Artificial Tribes. Jugendliche Stammeskulturen in Deutschland. 2001, ISBN 3-933773-11-3 Heiner Keupp: Identitätskonstruktionen. Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne. 2006, ISBN 978-3-499-55634-0
Einzelnachweise
Kategorie:Soziale Gruppen Kategorie:Soziale Beziehung Kategorie:Sozialpsychologie