mini|Thomas de Keyser, Porträt von Constantijn Huygens mit seinem Sekretär, 1627 mini|US-amerikanische Sekretärin, 1943

Sekretär bzw. Sekretärin ist ein Beruf in der Verwaltung mit Schwerpunkt auf Kommunikation. Tätigkeitsschwerpunkte beinhalten allgemeine Büro- sowie Assistenzaufgaben, insbesondere die Korrespondenz, Vereinbarung und Verwaltung von Terminen, Telefondienst sowie bereichsbezogene kaufmännisch-verwaltende Tätigkeiten.

Während bis Mitte des 19. Jahrhunderts der Beruf fast ausschließlich durch Männer wahrgenommen wurde, änderte sich dies allmählich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dieser Wandel beschleunigte sich gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Zahl der Büroangestellten stark zunahm. Mittlerweile arbeiten fast ausschließlich Frauen, die mitunter auch als „Vorzimmerdame“ bezeichnet werden, als Sekretärin. Der Beruf galt zunächst als einer der wenigen Ausbildungsberufe, die auch Frauen offenstanden und ihnen die Möglichkeit eines hierarchischen Aufstiegs innerhalb eines Unternehmens oder einer Behörde boten. Im Verlauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die Zahl der Stimmen zu, die an dem Berufsbild begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten kritisierten.Lynn Peril: Swimming in the Steno Pool: A Retro Guide to Making It in the Office. W. W. Norton & Company, New York 2011, ISBN 978-0-393-33854-6. Einleitung, Ebook-Position 139

Geschichte Ein secretarius war im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit eine vereidigte Person, die rechtliche Texte, wie z. B. Protokolle, für einen Auftraggeber (Rat der Stadt, Kanzlei, o. ä.) schrieb. Der Begriff leitete sich von secretum für lateinisch verborgen, geheim ab. Ein secretarius war zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Die lateinische Bezeichnung ist aus dem 15. bis 18. Jahrhundert bekannt, danach setzte sich die französische Form Secrétaire, später Sekretär durch.Sekretar Deutsches Rechtswörterbuch (DRW), mit historischen Erwähnungen Es gab Kanzleisekretäre, Kapitelsekretäre, Ratssekretäre usw. Ein Sekretariat war das Amt eines Sekretärs, einer Schreibstube oder einer Kanzlei.

Die Bezeichnung wurde auch für Berater und Vertraute verwendet. In Preußen gab es im 19. Jahrhundert die Titel Geheimer Sekretär, Geheimsekretär, expedierender Sekretär (exped. Secretaire) und Geheimer expedierender Sekretär für Angestellte in Oberbehörden.

Ausbildung und Arbeitsbereich Bundesrepublik Deutschland In Deutschland führt üblicherweise eine kaufmännische Berufsausbildung in diesen Beruf im Büro. In Industrie, Handel, Handwerk und öffentlichem Dienst heißt der Ausbildungsberuf Kaufmann für Büromanagement (früher Kaufmann für Bürokommunikation, Bürogehilfe, im öffentlichen Dienst Fachangestellter für Bürokommunikation, Stenosekretär, Büroassistent). Neben kaufmännischen und im Arbeitsbereich verwaltenden Tätigkeiten sollen Sekretäre hauptsächlich auch allgemeine Büroaufgaben, insbesondere die Korrespondenz betreffend, erledigen. Beschäftigt sind sie in den Verwaltungsabteilungen von Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche. Aber auch in der öffentlichen Verwaltung und in Verbänden existieren Arbeitsplätze, ebenso wie im Gesundheitssektor. Durch spezielle Ausbildungsgänge sowie Weiterbildungsmöglichkeiten können Sekretäre und Sekretärinnen auch zu Fachangestellten in Anwaltskanzleien und Notariaten avancieren. Daneben gibt es die Aufstiegsfortbildung zum Fachkaufmann/-frau für Büromanagement.

DDR mini|Sekretärin 1951

Die Ausbildung zur geprüften Sekretärin bezeichnete in der DDR ein verbindliches Qualifizierungsprogramm zum Erwerb des Befähigungsnachweises als Sekretärin, das mit Wirkung vom 1. Januar 1974 die bis dahin gültige Ausbildungsunterlage ablöste. Entsprechende Lehrgänge wurden an den Volkshochschulen und Betriebsakademien durchgeführt. Grundsätzliche Voraussetzungen zur Teilnahme waren ein Berufsabschluss als Facharbeiter für Schreibtechnik, als Wirtschafts- oder als Finanzkaufmann sowie der Nachweis von 140 Silben/Minute im Fach Stenografie und 250 Anschläge/Minute im Maschinenschreiben. Diese Ausbildung war insbesondere für bewährte Fachkräfte vorgesehen und richtete sich nach einer besonderen Prüfungsordnung. Die obligatorische Stundentafel sah 288 Unterrichtsstunden vor, im Regelfall während eines Jahres an 38 Unterrichtstagen zu absolvieren. Als Belegarbeit war ein vom delegierenden Betrieb vorzuschlagendes Thema zu bearbeiten. An schreibtechnischen Leistungen wurden 160 Silben/Minute und 300 Anschläge/Minute gefordert. Die volkswirtschaftliche Verantwortung für die inhaltliche Gestaltung der Sekretärinnenqualifizierung lag beim Institut für Aus- und Weiterbildung im Bauwesen.

Die Feminisierung des Berufsbildes Über weite Teile des 19. Jahrhunderts waren Unternehmen klein – von Versicherungsunternehmen und Banken abgesehen, hatten nur wenige Unternehmen Büros in mehr als einer Stadt. Die Mehrzahl der Geschäftsaktivitäten der meisten Unternehmen begrenzten sich auf den Ort und das unmittelbare Umland. Zu den Aufgaben eines Büroangestellten in einem solchen Unternehmen gehörten unter anderem das Verfassen von Briefen, das Führen der Geschäftsbücher und die Ablage der Geschäftskorrespondenz – Aufgaben, die bis heute mit den Tätigkeiten eines Sekretärs assoziiert sind. Viel Raum nahm das Kopieren von Geschäftsbriefen ein – ein Vorgang, wie ihn beispielsweise Herman Melville in seiner Novelle Bartleby der Schreiber karikierte. Auf Grund der geringen Größe typischer Unternehmen lernte ein Büroangestellter über diese Arbeiten alle Vorgänge des Unternehmens von Grund auf kennen und konnte deswegen davon ausgehen, Chancen auf den Aufstieg innerhalb der Hierarchie des Unternehmens zu haben.

Die ersten weiblichen Bürokräfte mini|Sholes & Glidden Typewriter, 1876 – eine der ersten Schreibmaschinen.

Für Frauen eröffnete sich die Möglichkeit, im Büro einer bezahlten Arbeit nachzugehen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die US-amerikanische Regierung begann in den 1860er Jahren erstmals Frauen in ihren Büros zu beschäftigen, als männliche Arbeitskräfte auf Grund des Sezessionskrieges knapp waren. Führend darin war Francis Elias Spinner, der Treasurer of the United States, der Frauen einstellte, die Wertpapiere und Geldscheine sortieren und verpacken sollten. Frauen erwiesen sich nicht nur als fähige, sondern auch als preisgünstige Arbeitskräfte. Bereits 1869 hielt Francis E. Spinner befriedigt fest:

Sehr schnell war die Beschäftigung von Frauen im Büro weit verbreitet. 1870 waren in den Vereinigten Staaten von 80.000 Büroangestellten nur 3 Prozent Frauen. 1920 gab es insgesamt drei Millionen Büroangestellte und von diesen war nahezu die Hälfte weiblich.Nikil Saval: Cubed – A Secret History of the Workplace. Doubleday, New York 2014, ISBN 978-0-385-53658-5, Kapitel The White-Blouse Revolution, Ebook-Position 1235. Frauen wurden vorrangig in spezifischen Positionen eingesetzt, in der sie Männer sehr bald verdrängten. Stenografie war eines dieser Aufgabengebiete: Die Aufnahme eines Diktats und ihre Niederschrift galt als einfache Aufgabe, die keinerlei Initiative verlangte, und Frauen schienen nach damaliger Vorstellung über Geschlechterrollen besonders geeignet.Nikil Saval: Cubed – A Secret History of the Workplace. Doubleday, New York 2014, ISBN 978-0-385-53658-5, Kapitel The White-Blouse Revolution, Ebook-Position 1243. Aber auch Sekretariatsarbeiten, die als anspruchsvoller galten, wurden bald überwiegend Frauen übertragen. Eine Soziologin, die 1925 im Gebiet um Cleveland untersuchte, in welchen Berufsfeldern Frauen beschäftigt wurden, stellte fest, dass lediglich Eisenbahnunternehmen und Energieversorger noch Männer als Sekretäre beschäftigten.Lynn Peril: Swimming in the Steno Pool. Kapitel Stepping Stone or Millstone? Ebook-Position 3089. Dieser Wandel hatte sich sehr früh angedeutet: Bereits die ersten Schreibmaschinen, die in den 1870er Jahren in den Handel kamen, wurden überwiegend mit Anzeigen vermarktet, die weibliche Maschinenschreibkräfte zeigten. Während gleichzeitig die Zahl der Büroangestellten stark anstieg, kam es zunehmend zu einer geschlechtsbezogenen Zweiteilung im Aufgabenbereich. 1925 schrieb W. H. Leffingwell, der den Taylorismus auf die Bürowelt übertrug:

Familienstand und Sekretariatsschulen Über lange Zeit zogen Arbeitgeber unverheiratete Frauen vor, eine Vorstellung, die Resonanz bei Regierungen und Gewerkschaften fand, als Arbeitsplätze in wirtschaftlich schwierigen Zeiten knapp waren. Während der 1930er Jahre versuchten in den USA sowohl eine Reihe von US-Bundesstaaten als auch die US-Bundesregierung, verheiratete Frauen gesetzlich von Berufstätigkeit auszuschließen, und fanden dabei Unterstützung bei Gewerkschaften, die sich für „Familienlohn“ einsetzten – einen Lohn, der einem verheirateten Mann ein ausreichendes Einkommen gab, um sowohl eine sich um den Haushalt kümmernde Ehefrau als auch eine Kinderschar zu ernähren.Lynn Peril: Swimming in the Steno Pool. Kapitel Single Secs, Married Secs, and the Looping Shadow of the Office Wife. Ebook-Position 2515.

Sämtliche Gesetzesinitiativen, die für eine solche Diskriminierung eine rechtliche Basis schaffen wollten, scheiterten damals. Aber auch ohne rechtliche Basis versuchten Arbeitgeber, verheiratete Frauen von Beschäftigung auszuschließen. 1940 antworteten in einer Umfrage 40 Prozent von 485 befragten US-amerikanischen Unternehmen, dass sie eindeutige Regelungen hätten, die verheiratete Frauen von einer Beschäftigung bei ihnen ausschlössen.Lynn Peril: Swimming in the Steno Pool. Kapitel Single Secs, Married Secs, and the Looping Shadow of the Office Wife. Ebook-Position 2531. Begründet wurde dies damit, dass verheiratete Frauen ihre Position ohnehin im Fall einer Familiengründung verlassen würden. Zudem waren viele der Ansicht, Ehefrauen wäre, wegen ihrer häuslichen und familiärer Pflichten nicht dazu in der Lage, ihrer bezahlten Arbeit die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken wie ledige Frauen. Viele Sekretärinnen machten daher bezüglich ihres Ehestandes bewusst falsche Angaben.Lynn Peril: Swimming in the Steno Pool. Kapitel Single Secs, Married Secs, and the Looping Shadow of the Office Wife. Ebook-Position 2449.

Als sich die Gesamtsituation von erwerbstätigen Frauen in den 1970er Jahren etwas verbesserten, ermöglichten ihnen Kenntnisse in Stenografie, Maschinenschreiben sowie Fremdsprachen als Sekretärin zu arbeiten, auch wenn sie eine andere Ausbildung abgeschlossen hatten, die ihnen ohne eine geschlechtsspezifische Diskriminierung andere Tätigkeiten geboten hätten.Lynn Peril: Swimming in the Steno Pool. Kapitel So You Want to Be a Secretary. Ebook-Position 529. Verglichen zu der Tätigkeit als Krankenpflegerin oder als Lehrerin waren die Einstiegsvoraussetzungen in den Beruf einer Sekretärin gering: Nach dem Schulabschluss ließen sich Stenografie und Maschinenschreiben einfach in mehrwöchigen Kursen erlernen, was den Eintritt in einen Steno- oder Schreibpool erlaubte. Private Schulen, die beispielsweise Kurse in Maschinenschreiben anboten, gab es bereits ab den 1880er Jahren.Lynn Peril: Swimming in the Steno Pool. Kapitel So You Want to Be a Secretary. Ebook-Position 685. Sehr schnell wurden diese Kurse überwiegend von Frauen besucht. Während die Chicagoer Berufsschule Metropolitan Business College im Schuljahr 1892/1893 nur 25 Prozent Schülerinnen unterrichtete, lag der Frauenanteil in den Stenografie- und Schreibmaschinenkursen bei 90 Prozent.Lynn Peril: Swimming in the Steno Pool. Kapitel So You Want to Be a Secretary. Ebook-Position 702.