Heinrich August Pleticha (* 9. September 1924 in Warnsdorf, Tschechoslowakei; † 14. Oktober 2010 in Würzburg) war ein deutscher Pädagoge, Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher, zumeist historischer Sachbücher sowohl für Jugendliche wie auch für Erwachsene.

Biografie Heinrich Pleticha, Sohn von Anna Pleticha, geborener Eger, und des Prokuristen Anton Pleticha, besuchte das Realgymnasium in Warnsdorf. Mit 17 Jahren wurde er 1942 zum Arbeitsdienst und noch im selben Jahr zur Wehrmacht eingezogen. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zweimal verwundet.

Nach Kriegsende wurde er zusammen mit seiner Mutter aus Warnsdorf vertrieben und kam nach Dillingen in Bayern. Er begann ein Studium der Geschichte und Germanistik, zudem auch der Geographie. Nach drei Semestern wechselte er an die Universität Erlangen, wo er das Staatsexamen für das höhere Lehramt machte und bei Anton Ernstberger zum Dr. phil. promoviert wurde. Anschließend arbeitete er als Lehrer und war von 1974 bis 1986 Leiter (Oberstudiendirektor) am musischen Matthias-Grünewald-Gymnasium in Würzburg. 1986 wurde er zum Honorarprofessor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ernannt, wo er schon seit 1970 als Lehrbeauftragter tätig war. Im Zentrum seiner Arbeit standen dabei Kinder- und Jugendliteratur sowie deren Vermittlung. In zahlreichen Organisationen war Pleticha in führender Funktion tätig, unter anderem im Arbeitskreis für Jugendliteratur in München und der Internationalen Jugendbibliothek in München. 1976 war er Mitbegründer der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach, der er als Präsident von 1991 bis 1997 vorstand.

mini|Das Grab von Heinrich Pleticha und seiner Ehefrau Elisabeth Pletich, geborene Raunft, auf dem Hauptfriedhof Würzburg Pletichas über 150 Bücher erreichten eine Gesamtauflage von mehr als fünf Millionen Exemplaren. Über 100 Titel wurden von ihm bearbeitet; daneben verfasste er hunderte von Artikel und Beiträgen und über 4000 Rezensionen. Pletichas Publikationen haben dabei eine überaus große thematische Bandbreite. Ein Großteil seiner Werke handelt von Entdeckungsreisen, Abenteuern, fremden Welten aber auch von kunst- und kulturgeschichtlichen Themen auf europäischem Territorium. In seinen Büchern befasste er sich aber auch mit geschichtlichen Aspekten von der Antike bis in die Gegenwart. Häufig zusammen mit prominenten Mitautoren wie Franz Josef Strauß, Carlo Schmid oder Otfried Preußler. Mit letzterem verband ihn neben einer langen Freundschaft das Engagement für Kinder- und Jugendliteratur. Für sein Werk wurde er mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet, u. a. 1974 mit dem Friedrich-Bödecker-Preis. Er wurde 1982 zum ordentlichen Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste berufen und 1991 mit dem Großen Sudetendeutschen Kulturpreis ausgezeichnet. Außerdem erhielt er den Bayerischen Verdienstorden, 1986 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und die Verdienstmedaille Pro meritis des Kultusministeriums.

Heinrich Pleticha war katholisch und ab 1951 verheiratet mit Elisabeth Pleticha, geborener Raunft. Er hatte eine Tochter (Eva Maria).

Veröffentlichungen (Auswahl) als Autor Wir leben seit fünf Sekunden (1958, mit Georg Popp und Walter Anders). Ritter, Burgen und Turniere (1961). Bürger, Bauer, Bettelmann. Stadt und Land im späten Mittelalter (1971). Landsknecht, Bundschuh, Söldner. Die große Zeit der Landsknechte, die Wirren der Bauernaufstände und des Dreißigjährigen Kriegs. Mit einem Schlusskapitel von Walter Scherf: Mit Pfeifen und mit Trummen – Landsknecht, Bauern und Söldner im Lied. (Würzburg 1974). Panorama der Weltgeschichte (1976). Abenteuerlexikon (1978). Simbabwe (1984). Unvergängliches Prag: die goldene Stadt in Geschichte und Gegenwart (1989). Des Reiches Glanz. Reichskleinodien und Kaiserkrönungen im Spiegel der deutschen Geschichte (1989). Wanderer, kommst du nach Prag, Anekdoten und Geschichten aus der goldenen Stadt (2000). Franken und Böhmen (1990). Kolumbus. Person. Zeit. Nachwelt (1977). Das große Balladenbuch (mit Otfried Preußler und Friedrich Hechelmann) (2004). Das deutschsprachige Abenteuerbuch im 20. Jahrhundert. In: Die Neue Bücherei. Zeitschrift für die öffentlichen Büchereien in Bayern. Jahrgang 1994, Nr. 1. München 1994, , S. 1–8. Zwischen Ruhm und Untergang. Berühmte Abenteuergestalten der Weltgeschichte. Würzburg 1979. Ritter, Burgen und Turniere. Die Zeit des staufischen Rittertums. Würzburg 1977.

als Herausgeber Geschichte aus erster Hand (1979). Kulturgeschichte aus erster Hand. Berichte von Augenzeugen und Zeitgenossen (1963). Zeitgeschichte aus erster Hand : Von der russ. Revolution bis zum Konflikt in Vietnam. Berichte von Augenzeugen und Zeitgenossen (zusammen mit Carlo Schmid) (1967). Entdeckungsgeschichte aus erster Hand: Berichte und Dokumente von Augenzeugen und Zeitgenossen aus 3 Jahrtausenden (zusammen mit Heinrich Harrer) (1968). Zeitgeschichte aus erster Hand. Augenzeugenberichte und Reportagen über die Zeit nach dem 2. Weltkrieg (1988). Entdeckungsgeschichte aus erster Hand (1990). Deutsche Geschichte. 12 Bände. Bertelsmann-Lexikothek-Verlag, Gütersloh 1981–1984, ; Neuausgabe: Bertelsmann-Lexikothek-Verlag, Gütersloh 1993, . Das klassische Weimar. Texte und Zeugnisse (1983). Weltgeschichte. 14 Bände. Bertelsmann-Lexikothek-Verlag, Gütersloh 1988–1990, ; Neuausgabe: Orbis-Verlag, München 1999, . Gustav Freytag: Bilder aus der deutschen Vergangenheit (in 3 Bänden, kommentiert und illustriert). John Tanner: Dreißig Jahre unter den Indianern Nordamerikas (1789–1822), 1995, Edition Erdmann. Das Otfried Preußler Lesebuch. München 1988 (mit Hansjörg Weitbrecht). Otfried Preußler. Werk und Wirkung. Stuttgart 1983. Entdeckung der Welt. Würzburg 1993. Der Weg ins Unbekannte – Drei Jahrtausende Afrikaforschung in Augenzeugenberichten. 1954. Karl May’s illustrierte Werke. 51 Bände. Stuttgart 1992–1996 (zusammen mit Siegfried Augustin). Die Fahrt nach Nirgendwo. Stuttgart 2003.

Auszeichnungen Kulturpreis der Stadt Würzburg Deutscher Jugendbuchpreis 1974 Bödecker-Preis 1984 Bayerischer Verdienstorden 1986 Bundesverdienstkreuz Erster Klasse 2004 Wildweibchenpreis

Literatur Pleticha, Heinrich. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 953.

Weblinks Heinrich Pleticha bei der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Otfried Preußler: Polyhistor aus polyhistorischer Landschaft. Heinrich Pleticha, einem führenden Autor deutscher Sprache auf dem Gebiet der historischen Volksbildung, zum 80. Geburtstag. In: Mitteleuropa.de,

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Herausgeber Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Bayerischen Verdienstordens Kategorie:Träger des Sudetendeutschen Kulturpreises Kategorie:Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste Kategorie:Oberstudiendirektor Kategorie:Hochschullehrer (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) Kategorie:Tschechoslowake Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1924 Kategorie:Gestorben 2010 Kategorie:Mann