Ludwig Wilding (* 19. Mai 1927 in Grünstadt; † 4. Januar 2010 in Buchholz in der Nordheide) war ein deutscher Maler und Objektkünstler. Seine Werke werden den Stilrichtungen kinetische Kunst und Op-Art zugeordnet.Zschocke, Nina. ludwig wilding. In: Hoffmann, Tobias (Hrsg.). künstler der stiftung für konkrete kunst und design ingolstadt. Wienand, Köln 2012. S. 11.
Leben und Werk miniatur|Werk von Ludwig Wilding mit spiegelndem Betrachter Wilding studierte in Mainz und Stuttgart Kunstgeschichte und Philosophie und arbeitete danach als Designer in der Textilindustrie. In den 1960er Jahren war er Mitglied der Kunstbewegung Neue Tendenzen. Zwischen 1964 und 1990 nahm Ludwig Wilding als ordentliches Mitglied des Deutschen Künstlerbundes an insgesamt sechzehn DKB-Jahresausstellungen teil.s. Kunstreport: neunzehnhundertdrei|neunzehnhundertfünfundneunzig. Der Deutsche Künstlerbund im Überblick, Sonderausgabe Winter 1994/95, Bonn 1995. ISBN 3-929283-08-5 (S. 135) Von 1969 bis 1992 war Wilding als Professor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg tätig. 2007 gründeten Ludwig und Ingeborg Wilding zusammen mit der Stadt Ingolstadt die Stiftung für Konkrete Kunst und Design.
Ludwig Wildings Ausgangspunkt war die Linie. Durch Überlagerungen von zweidimensionalen Linienstrukturen (dem Moiré-Effekt) lotete der Künstler Irritationen der visuellen Wahrnehmung aus und erzeugte Scheinbewegungen, Virtualität, Stereoskopien, paradoxe Körper und Anamorphosen. Mit seinen Werken konstruierte Wilding Situationen, die über eine gewohnte Kunsterfahrung hinausgehen und dem Betrachter die Möglichkeit geben, ein persönliches Erleben bewusst zu erfahren. Daher treibt Wildings Kunst die Auflösung von Rollenunterschieden zwischen Künstler und Betrachter zugunsten einer aktivierenden Partizipation des Zuschauers voran.
Darüber hinaus kommen seine Bilder ohne Vorkenntnisse über kulturelle Codes aus und stellen die sinnliche Erfahrungsebene in den Vordergrund. Kunst wird zur „Kunst für alle“, wie es die Künstlergruppen Groupe de Recherche d’Art Visuel (GRAV) und die lose Vereinigung Nouvelles Tendances in den 1960er Jahren formulierten. Zeitgleich begann Wilding sich mit dem Moiré auseinanderzusetzen und fühlte sich zudem mit den Forderungen der betrachterabhängigen Bewegungen verbunden. Dabei bestand Wildings Ziel in einer Veränderung und Aktivierung von Wahrnehmung, die durch Alltags- und Arbeitsprozesse konditioniert und geformt ist. Gerade der Moiré-Effekt soll den Betrachter nicht nur irritieren, sondern auf die Konstruktivität der Wahrnehmung und des Sehens aufmerksam machen. Die visuelle Täuschung führt idealerweise zum Prozess des reflektierenden Denkens.
Ausstellungen (Auswahl) 1953: Junge deutsche Maler, Museum Leverkusen 1954: Kunstkabinett, Duisburg 1960: Duisburger Bücherstubes. 1961: Zimmergalerie Franck, Frankfurt am Main 1963: Nove Tendencije 2, Musej suvremene umjetnosti, Zagreb 1964: Nouvelle Tendance, Museé des Arts décoratifs, Paris 1965: Galerie Denise René, Paris; The Responsive Eye, Museum of Modern Art, New York 1971: Kunstmuseum Düsseldorf 1973: Kölnischer Kunstverein 1974: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg 1975: Leopold-Hoesch-Museum, Düren 1976: Städtische Kunsthalle Düsseldorf; Galleria Sincron, Brescia 1977: Kongress Wahrnehmungspsychologie, Marburg 1978: Galerie Klihm, München; Studio A, Otterndorf 1979: Galerie Schoeller, Düsseldorf 1980: Galerie Christel, Stockholm 1981: Galerie Wilbrand, Köln; Gilman Galleries, Chicago 1982: Isetan-Museum, Tokio; Museum Quadrat, Bottrop; Galerie Schoeller, Düsseldorf 1983: Arte programmata e cinetica, Palazzo Reale, Mailand 1986: Max-Planck-Institut, Bad Nauheim 1987: Pfalzgalerie Kaiserslautern; Mathematik in der Kunst der letzten dreißig Jahre, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen; Galerie Meißner, Hamburg 1988: Ulmer Museum, Ulm; Galerie Herrmanns, München 1990: Overbeck-Gesellschaft, Lübeck; Galerie Jenoptik, Jena 1993: Art Studio 1, Deinste 1994: Galerie Schickler, Nürnberg 1997: Landesmuseum Mainz; Galerie Alf-Krister Job, Mainz 1999: Galerie am Platz, Eglisaus; Galerie Schoeller, Düsseldorf 2000: Galerie St.Johann, Saarbrücken; Galerie Zulauf, Freinsheim 2001: Art Studio 1, Deinste 2002: Museum der Stadt Grünstadt; Galerie am Lindenplatz, Vaduz; Galerie Hoffmann, Freidberg 2003 Altes Rathaus, Göttingen; Galerie für Konkrete Kunst, Berlin 2004: Arte Struktura, Mailand; Galerie Wosimsky, Giessen; Eyes, Lies and Illusions, Hayward-Gallery, London (Slg. Nekes) 2005: L'Œil Moteur, Musée d'art moderne et contemporain, Straßburg; Galerie Winkelmann, Düsseldorf; Ein Jahr 40 Positionen 31 Räume, Museum Modern Art, Hünfeld; Galerie für Konkrete Kunst, Potsdam; Internationales Kongresszentrum Vienna, Wien 2006: Art Studio 1, Deinste; Galerie Wack, Kaiserslautern; The Intelligible Non-Violent Art, Galerie Atlas Sztuki, Lodz; Die Neuen Tendenzen, Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt; Eyes, Lies and Illusions, cmi, Melbourne (Slg. Nekes) 2007 Columbus Museum of Art, Ohio; Op Art, Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main, Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt; Ludwig Wilding: Visuelle Phänomene, Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt 2008: Galerie La Ligne, Zürich 2015: Galerie La Ligne, Zürich Opposition 2017: Licht & Bewegung, Kunsthalle Messmer, Riegel am Kaiserstuhl (mit u. a. Carlos Cruz-Diez, Kammerer-Luka, Hans Kotter, Siegfried Kreitner, Regine Schumann, Victor Vasarely) 2018: Ludwig Wilding: 10 Jahre Stiftung für Konkrete Kunst und Design, Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt 2024: Ludwig Wilding u. Christian Herdeg - «Alles was Sie sehen ist Täuschung», Galerie am Lindenplatz, Vaduz
Literatur
Ludwig Wilding. Retrospektive 1949-1987, Herausgegeben von der Pfalzgalerie Kaiserslautern. Visuelle Phänomene , Juli 2007, Ines Bauer, Tobias Hoffmann, Wienand Verlag, Museum für Konkrete Kunst, Stiftung für Konkrete Kunst und Design Ingolstadt – ISBN 3-87909-926-X künstler der stiftung für konkrete kunst und design ingolstadt 01, 2012, Tobias Hoffmann, Wienand Verlag - ISBN 978-3-86832-133-3
Weblinks
Galerie La Ligne, Zürich - detaillierte Biografie sowie Informationen zu seinen Arbeiten Stereoscopic Art
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Hochschullehrer (HFBK Hamburg) Kategorie:Mitglied im Deutschen Künstlerbund Kategorie:Person (Grünstadt) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1927 Kategorie:Gestorben 2010 Kategorie:Mann