Rohnstadt ist ein Ortsteil der Gemeinde Weilmünster im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.
Geographie Geographische Lage Rohnstadt liegt im östlichen Hintertaunus, etwa drei Kilometer südwestlich von der Kerngemeinde entfernt, eingebettet in einer Hochmulde zwischen den Erhebungen Hofwald, Hühnerküppel, Riesenkopf und Steinchen im Landschaftsschutzgebiet des Naturpark Taunus., abgerufen im August 2018. Die höchste Erhebung in der Gemarkung ist der Hühnerküppel mit . Nachbarorte sind Laubuseschbach (westlich), Weilmünster (nördlich) und Langenbach (südöstlich).
Flora und Fauna In der näheren Umgebung findet man die Landschaftstypischen Streuobstwiesen und Feldgehölzhecken, welche einen Lebensraum für zahlreiche heimischen Arten bieten, sowie ein in der Region seltenes Areal mit heidetypischem Bewuchs (wilder Erika, Farne, Gräser, Laub- und Nadelbäume, Ginster). Auch die auf nährstoffarmen Erhebungen angesiedelten kleinwüchsigen Eichen- und Hainbuchenwälder, typisch für den Taunus, sind hier anzutreffen. (etwa das Steinchen)
Geschichte Frühgeschichte mini|Verbreitung der La-Tène-Kultur Keltische Befestigungsanlagen (Ringwälle) auf dem Riesenkopf, die Riesenburg, und auf dem Hühnerküppel deuten auf eine ältere Besiedlung dieser Gegend hin. Archäologische Funde lassen eine Einordnung in die späte Hallstattzeit bzw. in die frühe und späte Latènezeit zu. Ein vorgeschichtlicher Fernweg, die so genannte Hessenstraße (auch Hünerstraße genannt), welche das Rheinland mit Nordhessen verband, nahm hier vormals ihren Verlauf.
Urkundliche Erwähnungen Die erste urkundliche Erwähnung von Rohnstadt stammt aus dem Jahr 1335, als Richwin von Elkerhausen seinem Neffen Hiltwin von Elkerhausen und dessen Frau Christine seinen Hof zu Ramßhart (Rohnstadt) verkaufte. In erhaltenen Urkunden späterer Jahre wurde der Ort unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (jeweils mit dem Jahr der Erwähnung): Ramshart (1408), Ransert (1495), Ranschart/Ronschart (1531), Ransshart (1538), Ranshart (1653), Ronstatt (1662), Rohnstatt (1740) und seit 1824 Rohnstadt.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1970 der bisherige Marktflecken Weilmünster im Oberlahnkreis mit den bis dahin selbstständigen Gemeinden Aulenhausen, Dietenhausen, Ernsthausen, Laimbach, Langenbach, Laubuseschbach, Lützendorf, Möttau, Rohnstadt und Wolfenhausen freiwillig zur neuen Großgemeinde Weilmünster. Essershausen kam am 31. Dezember 1971 hinzu. Für alle zwölf ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rohnstadt angehört(e):
vor 1806 Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Nassau-Weilburg, Amt Weilmünster ab 1806: Herzogtum Nassau,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Amt Weilmünster ab 1816: Herzogtum Nassau,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Amt Weilburg ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HadamarAbtrennung der Justiz (Justizamt Weilburg) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Weilburg ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, OberlahnkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Weilburg) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Oberlahnkreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Oberlahnkreis ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Oberlahnkreis, Gemeinde WeilmünsterAm 31. Dezember 1970 als Ortsbezirk zur Gemeinde Weilmünster ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg-Weilburg, Gemeinde Weilmünster ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Limburg-Weilburg, Gemeinde Weilmünster
Strukturelle Entwicklung Mit der Gebietsreform, welche mit negativem Unterton von den Bewohnern als Eingemeindung bezeichnet wurde, ging die ehemals selbstständige Gemeinde Rohnstadt im damaligen Oberlahnkreis zum Stichtag am 1. Juli 1971 in die Großgemeinde Weilmünster über.
Nach der Entwicklung des Ortes aus seinem engen (Orts-)Kerngebiet heraus in die Neubaugebiete Bürgerhausstraße (Gartenstraße), Heidestraße und aktuell Fichtenweg werden, wie in vielen dörflichen Strukturen, aufgrund des demografischen Wandel und den gewachsenen Ansprüchen an Wohnraum, immer mehr Häuser im alten Ortskern leerstehen und bedingt durch die bauliche Substanz (kleine Grundstücke, engangrenzende Bebauung, kleine Wohnraumflächen etc.) kaum an neue Eigentümer zu vermitteln sein. Auch die Anzahl der früher zahlreich bewirtschafteten Kleingärten am Ortsrand nimmt stetig ab. Diese Gärten dienten früher vielen Haushalten zur zusätzlichen Lebensmittelversorgung.
Um dem Trend des Ortskernsterbens entgegenzuwirken, wurden von der EU, dem Bund, dem Land und den Kommunen zahlreiche Förderprogramme wie das Dorferneuerungsprogramm als Steuerungsmittel aufgelegt.
Ehemalige Bahnstrecke Am 15. Mai 1892 wurde die Bahnstrecke Weilmünster–Laubuseschbach eröffnet, an der Rohnstadt eine, weitab vom Ort an der Spitzenmühle gelegene, Zwischenstation hatte. Sie diente hauptsächlich der Güterbeförderung, insbesondere des abgebauten Eisenerzes. Der Personenverkehr, zuletzt mit Uerdinger Schienenbussen der Baureihe VT 95, wurde 1955 beendet. 1968 wurde die Strecke komplett stillgelegt und abgebaut. Heute verläuft hier ein Fuß- und Radweg.
Elektrifizierung Die Planungsvorbereitung zur elektrischen Versorgung wurden im Jahr 1914 mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen. Erst 1921 konnte das elektrische Netz in Betrieb genommen werden. Die Kosten für die Gemeinde betrugen 109.083 Reichsmark. Betreiber war anfänglich die Buderus-Werke in Wetzlar.
Wasserversorgung mini|Lambachpumpe Auch um 1921 wurde die zentrale Wasserversorgung durch den Bau von Sammelschacht, Pumpstation und Hochbehälter sichergestellt. Der Pumpentyp war eine sog. Lambachpumpe, Typ doppeltwirkend liegend, hergestellt im Jahr 1921 von der Firma Wilhelm Lambach aus Marienheide im Rheinland. Rein mechanisch pumpten 2/3 der Wassermenge 1/3 Wasser in den Hochbehälter. Die Tagesleistung betrug ca. 30 m3. Die Mechanik musste regelmäßig gewartet/geschmiert werden. Ab 1948 kam zusätzlich eine Elektropumpe zum Einsatz. 1964 wurde ein neuer Tiefbrunnen in Betrieb genommen, der die alte Pumpenanlage ablöste. Die Pumpe ist mittlerweile auf dem Dorfplatz ausgestellt.
Straßenbezeichnungen in Rohnstadt Schultheißenstraße (vor 1972 Hauptstraße) Langenbacher Straße Bodenweg Heidestraße Rauscheweg (vor 1972 Bergstraße) Bürgerhausstraße (vor 1972 Gartenstraße) Fichtenweg (aktuelles Neubaugebiet)
Bergbaugeschichte Grube Mehlbach Die älteste Grube des Oberlahngebietes, das Silber-, Kupfer- und Bleibergwerk Grube Mehlbach, wird schon in einer Urkunde aus dem Jahre 1495 erwähnt. Das ursprüngliche Bergwerk hieß Smytgin (Schmidtchen/Schmiedchen). Die Urkunde von Graf Ludwig I. von Nassau-Weilburg spricht unter anderem Hans von Dörnberg (Hofmeister des Landgrafen Wilhelm III), Sittich von Berlepsch (5. Erbkämmer von Hessen) und dem Buchdrucker zu Mainz, Peter von Gernsheim, sowie Werner Lesch (Hühnervogt zu Gleiberg und Schreiber), Eberhart (Ebert) Stommel (Vogt zu Gleiberg) das Recht zu, Stufenerze zu gewinnen. Eberhart Stommel war bis 1490 gemeinsam mit Eberhard Rübsamen von Merenberg als Vormund des damals noch jungen Grafen eingesetzt. Der Großteil der aufgeführten Personen ist 5 Tage vor Ausstellung der Urkunde auf der Teilnehmerliste des bedeutenden Wormser Reichstages als Hofgesinde des Landgrafen Wilhelm III. aufgeführt. Dieses in der Gemarkung Rohnstadt gelegene Bergwerk hatte vermutlich seine größte Ausbeute erst in den Jahren nach 1750. Der Erfolg war so groß, dass man ihn durch das Prägen von drei so genannten Ausbeutemünzen bekundete. Die Mehlbacher Gulden, Halbtaler und Taler zählen heute zu den numismatischen Seltenheiten. Mehrere hundert Bergleute verdienten sich hier ihr tägliches Brot. Sogar eine Schule für die Kinder wurde extra eingerichtet. Der Rohnstädter Lehrer musste zusätzlich zur Rohnstädter Schule auch die Kinder dieser Zweigstelle unterrichten. Im Jahr 1902 wurde das Bergwerk endgültig stillgelegt und die Zugänge verfüllt.mini|Galenit/Bleiglanz
Klassifizierte Mineralien der Grube Mehlbach AkanthitAnglesitAnkeritAzuritBournonitBrochantitCalcitCerussitChalkopyritChrysokollErythrinGalenitImpsonitMalachitMennigePolybasitProustitPyryrgyritPyritPyromorphitQuarzSideritSphaleritTetraedritTirolit
Grube Riesenburg Die Roteisensteingrube Riesenburg wurde teilweise im Tagebau abgebaut. Von ihr führte eine Seilbahn bis zur 12 km entfernten Verladestelle Guntersau bei Weilburg. Nach 1925 wurde auch hier der Betrieb eingestellt.
Schieferbergbau mini|hochkant|Bechsteinfledermaus Der Schieferbergbau wurde in der Ortsgemarkung in zahlreichen Stollen und Gruben betrieben. Die Schieferförderung wurde 1910 eingestellt. Billiger Schiefer aus anderen Gruben machte den weiteren Abbau unrentabel. Die Zugänge zu den aufgelassenen Stollen wurden zum Schutz von seltenen Fledermausarten in den späten 80er Jahren mit Fledermaus-Schutzgitter verschlossen. Folgende Arten wurden gesichtet: Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), Großes Mausohr (Myotis myotis), Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus).
Bevölkerung Erwerbsstruktur Die Landwirtschaft und der Bergbau (Schiefer, Erze) waren über Jahrhunderte die einzige Erwerbsmöglichkeit im Ort. In der heutigen Zeit hat sich Rohnstadt, wie viele Orte in der Nachbarschaft, zu einem Pendlerdorf entwickelt. Die Nähe zum Rhein-Main-Gebiet, mit denen sich dort bietenden Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten und den Vergleichsweise niedrigen Baugrundkosten führte aber nicht, wie in näher am Ballungsraum gelegenen Gemeinden, zur so genannten Zersiedelung (Suburbanisierung).
Der Ort Rohnstadt liegt etwas außerhalb des so genannten Speckgürtels des Rhein-Main-Gebietes, profitiert aber noch wirtschaftlich davon und konnte, ohne den negativen Auswirkungen eines suburbanen Raumes ausgesetzt zu sein, seinen natürlich und kulturell gewachsenen Charakter weitestgehend bewahren. Seit dem Jahr 1934 sorgt die Freiwillige Feuerwehr Rohnstadt (ab 9. Januar 1999 mit Jugendfeuerwehr) für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe in diesem Ort.
Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rohnstadt 282 Einwohner. Darunter waren 9 (3,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 42 Einwohner unter 18 Jahren, 102 zwischen 18 und 49, 75 zwischen 50 und 64 und 66 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 120 Haushalten. Davon waren 27 Singlehaushalte, 42 Paare ohne Kinder und 39 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 33 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 72 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Belegte Einwohnerzahlen sind: • 1630: 12 Haushaltungen
Historische Religionszugehörigkeit