Die Zeittafel Schweiz im Zweiten Weltkrieg ist eine Auslagerung aus dem Artikel «Schweiz im Zweiten Weltkrieg». Die Tafel trennt politische und militärische Ereignisse nicht.
Eckdaten des Zweiten Weltkrieges und wichtige politische Ereignisse in den direkten Nachbarländern der Schweiz kursiv.
Vorkriegsjahre 1922 28. Oktober, «Marsch auf Rom», Machtergreifung der italienischen Faschisten
1923 Am 30. August 1923 hielt der 34-jährige Hitler eine Rede während eines Abendessens in der Villa von General Wille in Zürich. Hitler sammelte in der Schweiz Geld, mit welchem er drei Monate später den misslungenen als Hitlerputsch bekannten Staatsstreich mitfinanzierte. Dies war der einzige Besuch Hitlers in der Schweiz.Konrad Muschg: Der spätere Diktator in Zürich – Als Hitler «zu Studienzwecken» in die Schweiz reiste, Schweizer Radio und Fernsehen, 30. August 2023, abgerufen am 5. Mai 2026.
1932 9. November, Unruhen von Genf 1932, Rekruten der Schweizer Armee feuern in eine linke Kundgebung gegen die faschistische Union Nationale. 13 Tote.Christian Koller: «Die Ordnung ist wieder hergestellt.» – Das Massaker von Genf vor 75 Jahren. In: Rote Revue, Heft 4, 2007, S. 32–37. doi:10.5169/seals-342029
1933 30. Januar, Machtergreifung der NSDAP, Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler 14. März, die Hakenkreuz-Fahne auf dem Badischen Bahnhof in Basel wird von schweizerischen Gewerkschaftern heruntergeholt, was offizielle Kontroversen mit NS-deutschen Instanzen auslöst.Kurt Humbel: Nationalsozialistische Propaganda in der Schweiz 1931–1939. Bern 1976. 15. März, «Selbstausschaltung des Parlamentes» in Österreich, Beginn des «Austrofaschismus»; abgesehen von Frankreich und Liechtenstein werden nun alle Nachbarländer von autoritären Regimes beherrscht. 16. November, Beginn des Berner Prozesses gegen Schweizer Frontisten. Anklagepunkt ist ein Verstoss gegen das Berner «Gesetz über das Lichtspielwesen und Massnahmen gegen die Schundliteratur» durch die Verbreitung antisemitischer Propaganda (im Speziellen der «Protokolle der Weisen von Zion») anlässlich einer Propagandaveranstaltung der Frontisten. Die faschistische Nationale Front erreicht bei den Ständerats-Wahlen im Kanton Schaffhausen 26 % der Stimmen. Bei den Wahlen für das Zürcher Stadtparlament erhält sie 10 von 120 Sitzen.
1934 18. Juli, der Verkauf der Schweizer Tageszeitungen Der Bund, National-Zeitung und Neue Zürcher Zeitung wird im Deutschen Reich verboten. Als Ursache gilt die Berichterstattung über den Röhm-Putsch. November, Pfeffermühle-Krawalle in Zürich, Auftritte des Kabarett-Ensembles Die Pfeffermühle werden von Frontisten gestört und können nur unter Polizeischutz stattfinden.
1935 16. März, das Deutsche Reich führt, entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrages, die Wehrpflicht wieder ein. 14. Mai, Urteil im Berner Prozess. Die «Protokolle der Weisen von Zion» sind Plagiat und Schundliteratur, deren Verbreitung im Kanton Bern strafbar ist. 8. September, die frontistische Volksinitiative zur Totalrevision der Bundesverfassung (sie erstrebt u. a. eine «Führer-Demokratie» und enthält antisemitische Forderungen) erreicht einen Ja-Stimmenanteil von 27,7 % bei einer Stimmbeteiligung von 60,9 %. In vier Kantonen (Freiburg, Wallis, Obwalden, Appenzell Ausserrhoden) stimmt eine Mehrheit zu. Die Frontisten gewinnen in Zürich und die Union Nationale in Genf je einen Nationalratssitz. Neugründung des «Büro für Befestigungsbauten», Beginn des Baus neuer Befestigungsanlagen, vorerst in erster Linie an der Landesgrenze. Erste neugebaute Anlage ist die im gleichen Jahr errichtete Sperrstelle bei der Koblenzer Aarebrücke.Militärische Denkmäler im Kanton Aargau. Inventar der Kampf- und Führungsbauten. Broschüre der Armasuisse. Die Sozialdemokraten unterstützen mit ihrem vierten Parteiprogramm Demokratie und Landesverteidigung gegen die NS-Gefahr. Das Ziel, eine «Diktatur des Proletariats» zu errichten, wird gestrichen.
1936 Die Wehrvorlage (Aufrüstung der Armee) wird vom Volk angenommen. Beginn privater Geheimverhandlungen von Offizieren der Schweizer und der Französischen Armee, welche 1939 zum «Plan H» führen. 4. Februar, geglücktes Attentat auf Wilhelm Gustloff in Davos, Landesgruppenleiter Schweiz der NSDAP-Auslandsorganisation, durch den Juden David Frankfurter. 7. März, das Deutsche Reich besetzt, entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrages, die entmilitarisierte Zone im Rheinland. 23. Mai, «Marsch auf Bern» der Frontisten mit anschliessender Demonstration von circa 1000 Frontisten vor dem Bundeshaus. 17. Juli, Beginn des Spanischen Bürgerkriegs. Über 800 Schweizer kämpfen auf republikanischer Seite, circa 200 fallen.Heiner Spiess (Hrsg.): «…dass Friede und Glück Europas vom Sieg der spanischen Republik abhängt.» Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg. Limmat Verlag, Zürich 1986, ISBN 3-85791-107-7.
1937 23. Februar, Hitler garantiert die Neutralität der Schweiz, weil er die verteidigten Alpen als Flankenschutz gegen Frankreich positiv bewertet. Der Bundesrat stellt sich beim Spanischen Bürgerkrieg – vorab aufgrund der Beteiligung von stalinistischen Einheiten auf Seiten der Republikaner – auf die Seite der faschistischen Aufständischen. Dies ruft nicht nur linke Kritik hervor, sondern stösst auch neutralitätspolitisch auf Bedenken.Urs P. Engeler: Grosser Bruder Schweiz, 1990. Benito Mussolini wird, mit Einverständnis des Waadtländer Staatsrates, zum Ehrendoktor der Universität Lausanne ernannt. 19. Juli, Friedensabkommen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden der Metallindustrie. 1. November, Berner Prozess, Urteil im Berufungsverfahren. Das Berner Obergericht hebt das Urteil gegen die Verbreiter der «Protokolle der Weisen Zions» aus formaljuristischen Gründen auf. Die Beklagten haben aber mit der Begründung «Wer aber solche Hetzartikel gemeinster Sorte in Verkehr setzt, muss die ihm daraus entstehenden Kosten selber tragen.» die Prozesskosten selbst zu tragen.
1938 Der Bund beginnt die Geistige Landesverteidigung zu fördern. 13. März, «Anschluss», Einmarsch der Wehrmacht in Österreich. 27. Mai, Bundesrats-Beschluss betreffend Massnahmen gegen staatsgefährliches Propagandamaterial («kommunistisches, anarchistisches und anderes»). 6.–15. Juli, Internationale Flüchtlingskonferenz in Evian. Es kann keine Einigung erzielt werden. Viele Länder erschweren in der Folge die Einreise/Aufnahme von Flüchtlingen. 9. Juni, Fussballweltmeisterschaft in Frankreich, die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft schlägt die deutsche mit 4:2; das Deutsche Reich scheidet in der ersten Runde aus. 18. August, Vereinbarung mit dem Deutschen Reich über den Judenstempel für jüdische Grenzübertritte. 30. September, Münchner Abkommen, in der Folge Einmarsch der Wehrmacht in Teile der Tschechoslowakei (Sudetenland) 9. November, gescheitertes Attentat auf Hitler durch den Neuenburger Maurice Bavaud. 30. November, Mussolini erhebt Anspruch auf den Kanton Tessin (Irredenta)Handbuch der Schweizer Geschichte, Band 2, 1977.
Kriegsjahre 1939 mini|Pikettstellung der Schweizer Armee vor der Mobilmachung 1939 15. März, Bruch des Münchner Abkommens und Einmarsch der Wehrmacht in die «Resttschechei» (Böhmen und Mähren). 28. April, einseitige Aufkündigung des deutsch-polnischen Nichtangriffspaktes durch das Deutsche Reich. 6. Mai, die Landi eröffnet in Zürich. Sie wirkt über die folgenden Jahre identitätsstiftend nach. 24. August, Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes (auch bekannt als «Hitler-Stalin-Pakt»). 25. August, verdeckte Generalmobilmachung der deutschen Wehrmacht. 29. August, Generalmobilmachung der polnischen Armee. 29. August, Mobilmachung der Grenztruppen. 30. August, Wahl des Oberstkorpskommandanten Henri Guisan zum General durch die vereinigte Bundesversammlung. 30. August, der Bundesbeschluss über Massnahmen zum Schutze des Landes und zur Aufrechterhaltung der Neutralität überträgt gleichzeitig dem Bundesrat ausserordentliche – normalerweise nur dem Parlament zustehende – Gesetzgebungsbefugnisse, bekannt als Vollmachtenregime. 1. September, Kriegsbeginn in Europa (Einmarsch der Wehrmacht in Polen). 2. September, Generalmobilmachung der Schweizer Armee, Operationsbefehl Nr. 1 4. Oktober, Operationsbefehl Nr. 2, «Aufmarsch Nord». Die Armee weicht von der «Rundumverteidigung» ab und stellt sich auf einen Angriff der Wehrmacht ein. Teile der Truppen an der Grenze zu Frankreich werden verschoben. Vorbereitungen für den «Plan H» (Besetzen der Lücke zwischen dem Gempenplateau und der Maginotlinie durch französische Truppen innerhalb weniger Stunden nach einem Einmarsch der Wehrmacht in die Schweiz).Anne-Claire de Gayffier-Bonneville: Sécurité et coopération militaire en Europe, 1919–1955. L’Harmattan, Paris 2004, ISBN 2-7475-7436-9. Die Limmatstellung wird über den Winter 39/40 massiv ausgebaut.
1940 22. Januar, Operationsbefehl Nr. 4, «Aufmarsch Nord», Umgruppierungen von Einheiten und verstärkte Verteidigung des Alpenraums. Februar, Einführung der Lohn- und Verdienstersatzordnung. Die Soldaten erhalten fortan zusätzlich zum Sold einen Erwerbsersatz ausbezahlt. April, das französische 7. Armeekorps steht für die Umsetzung des Plans H an der Schweizer Grenze bereit. Die Stellungen für die französische Artillerie auf dem Gempenplateau sind durch die Schweizer Armee (Baudetachement Renfer) vorbereitet. 10. Mai, Beginn des Frankreichfeldzuges der Wehrmacht. 11. Mai, zweite Generalmobilmachung. 14./15 Mai, Flucht von Teilen der Schweizer Zivilbevölkerung aus den Ballungsräumen in die Alpen. 17. Mai, der Bundesrat verzichtet in einem Geheimbeschluss auf die 40 % Golddeckung des Schweizer Frankens. Die Nationalbank verschiebt in der Folge Gold im Wert von 50 Mio. Franken in die USA. Ende Mai, in La Charité-sur-Loire (Frankreich) werden Akten zum Plan H von deutschen Truppen gefunden und beschlagnahmt. 28. Mai, Verschärfung des Militärstrafrechts, die Todesstrafe für den Tatbestand des Landesverrates wird nicht mehr nur bei unmittelbar drohender Kriegsgefahr ausgesprochen. 4. und 8. Juni, Luftkämpfe zwischen Flugzeugen der Schweizer und der deutschen Luftwaffe über der Ajoie. Abschuss von drei schweizerischen und elf deutschen Flugzeugen. In der Folge massiver diplomatischer Druck vom Deutschen Reich.Hans Senn: . In: Neue Zürcher Zeitung, 12. September 2000. 14. Juni, deutsche Truppen erobern Paris. 17. Juni, deutsche Panzer erreichen die Grenze bei Pontarlier. 19. Juni, deutsche diplomatische Drohnote wegen der Schweizer Angriffe auf luftraumverletzende deutsche Flieger («…werden wir mit anderen Mitteln…»)Willi Gautschi: General Henri Guisan, 1989. 20. Juni, Bundesrat Hermann Obrecht tritt per 31. Juli 1940 zurück. 20. Juni, Guisan verbietet Luftkämpfe bei Luftraumverletzungen. 22. Juni, Protokoll einer Generalstabs-Besprechung: «Der General ist überzeugt, dass die Deutschen nunmehr in erster Linie einen politischen und wirtschaftlichen Druck ausüben.» 22. bis 25. Juni, rund 850 Panzer des Korps Heinz Guderian bewegen sich in der Nähe der Schweizer Grenze.Jakob Tanner: Reduit national und Aussenwirtschaft. In: Philipp Sarasin et al.: Raubgold – Reduit – Flüchtlinge. 1998. 23. Juni, Weisung Guisans: Barrikaden-Abbau in den Städten.Edgar Bonjour: Geschichte der schweizerischen Neutralität, 1970. Bis 25. Juni, die Schweiz interniert rund 29'000 franz. Armeeangehörige und 12'000 Polen des 45. franz. Armeekorps, welche die Grenze entlang des Jura überschreiten. 25. Juni, Waffenstillstand zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich in Kraft. 25. Juni, «Der Zeitpunkt der inneren Wiedergeburt ist gekommen. Jeder von uns muss den alten Menschen ablegen»: Radioansprache des Bundespräsidenten Marcel Pilet-Golaz, in welcher er eine teilweise und stufenweise Demobilmachung der Armee ankündet. Text der Ansprache auf Französisch und Deutsch. Die Bevölkerung wertet die Ansprache als anpasserisch und defätistisch.