mini|hochkant=1.40|Gremberger Wäldchen (2026) mini|hochkant|Schutzhütte (2026) mini|hochkant|Forsthaus aus dem Jahr 1912 (2008) mini|hochkant|Graffito unter einer Autobahnbrücke (2026) Das Gremberger Wäldchen (aktivistisch auch Grembi) ist ein städtisches Naherholungsgebiet am Rand des rechtsrheinischen Kölner Ortsteils Gremberg im Stadtteil Humboldt/Gremberg. Unter anderem beherbergt er eine Rotbuche aus dem frühen 18. Jahrhundert, den wahrscheinlich ältesten Baum Kölns.Martin Oehlen: Die Gremberger Rotbuche, in Magazin des Kölner Stadt-Anzeigers, S. 6 vom 4. Dezember 2015

Geschichte Das Gremberger Wäldchen gehört zu den Besonderheiten im rechtsrheinischen Grüngürtel. Es erinnert mit seinem Laubwald an die ursprüngliche Bewaldung der sich über Gremberg hinaus erstreckenden Niederterrasse der Kölner Bucht.

Vom Klosterbesitz zum Staatsforst Der ehemals klösterliche, der Abtei Deutz zugehörige Gremberger Hof mit den ihn umgebenden Waldflächen wurde bereits im Jahr 1003 urkundlich erwähnt.Offizielle Webseite der Stadt Köln zum Stadtteil Humboldt/Gremberg Das Gelände blieb jedoch wohl auf Grund seiner abgeschiedenen Lage über Jahrhunderte im Wesentlichen unberührt. Mit der Besetzung in der Franzosenzeit und der dann einsetzenden Säkularisation fiel auch dieser kirchliche Besitz an den Staat.

Städtischer Wald 1899 erwarb die Stadt Köln eine etwa 72 Hektar große Waldparzelle im rechtsrheinischen Gremberg. Es war eine dem „Forstfiskus“ unterstehende Liegenschaft, das sogenannte „Gremberger Wäldchen“. Der Kaufpreis von 400.000 Mark beinhaltete neben dem verwilderten Forst ein auf dem Gelände stehendes Forsthaus sowie Wirtschaftsgebäude des Gremberger Hofes.Henriette Meynen: Gremberger Wäldchen. In: Joachim Bauer, Carmen Kohls: Köln unter französischer und preußischer Herrschaft. In: Werner Adams, Joachim Bauer (Hrsg.): Vom Botanischen Garten zum Großstadtgrün – 200 Jahre Kölner Grün (= Stadtspuren – Denkmäler in Köln. Band 30), S. 71.

Erschließung des Waldes Der Zustand des Waldes war desolat, er enthielt nach Enke „früher in achtzehnjährigem Umlauf abgetriebenen Niederwald mit einem Schirmstand alter Eichen und Buchen“.Fritz Encke: Die öffentlichen Anlagen. In Naturwissenschaft und Gesundheitswesen in Cöln, 1908, S. 137 Zur Jahrhundertwende befand sich der Wald in einem völlig ungeregelten Zustand. Sein Unterholz bestand aus Stockausschlag von Linden, Hainbuchen und Eichen, welcher zu einem undurchdringlichen Dickicht verwachsen war, über dem sich uralte Eichen und Buchen erhoben und ihre mächtigen Laubkronen breiteten.

Den Auftrag zur Erschließung des Waldgeländes erhielt im Herbst des Jahres 1901 der städtische Obergärtner Hermann Robert Jung. Jung war seit 1890 zuständig für die Bereiche der Alt- und Neustadt und betreute erste rechtsrheinische, stadtkölnische Gebiete. Unter ihm wurde der Wald gelichtet und ein Wegenetz angelegt. Nach der Auslichtung und der Anlage eines dichten Wegenetzes erfolgten unter Wahrung des bestehenden Waldcharakters Anpflanzungen von weiteren Arten. Eine Anstellung eines Försters sowie ein Neubau des alten Forsthauses erfolgten 1912. Mit der Einrichtung einer Gastwirtschaft im Forsthaus wurde das Gremberger Wäldchen zu einem beliebten Ausflugsziel der Kölner. So zeigt ein Schwarz-Weiß-Foto aus dem Jahr 1916 das Forsthaus als Gartenwirtschaft mit einer Anzahl von aufgestellten Tischen und Stühlen im Freien. Das immer noch in seiner alten Form erhaltene Gebäude ist heute privater Wohnraum.

Zwangsarbeiter- und Krankensammellager im Gremberger Wäldchen

mini|hochkant|Gedenkstätte für NS-Opfer (2026) Im Gremberger Wäldchen gab es von Anfang der 1940er Jahre bis 1945 ein Krankensammellager der NS-Gewerkschaft „Deutsche Arbeitsfront“. Im Lager sollten kranke, nicht mehr arbeitsfähige Zwangsarbeiter für die Ausweisung in ihre Heimatländer erfasst und vorbereitet werden. Viele der Insassen stammten aus Osteuropa. Laut Zeitzeugenaussagen herrschten im Lager schlechte Verhältnisse, bis es im April 1945 geräumt und geschlossen wurde. Bei der Räumung des Lagers fielen zahlreiche Schüsse und Baracken wurden in Brand gesetzt. Insgesamt soll es mehrere Verletzte und ungefähr 30 Tote gegeben haben.

Das Gelände des ehemaligen Krankensammellagers wurde am 11. Juli 2024 unter der laufenden Nummer 506 in die Denkmalliste der ortsfesten Bodendenkmäler der Stadt Köln eingetragen.

Weiterentwicklung bis heute mini|hochkant|Reste des Zwischenwerkes IX b (2016) Anfang der 1970er Jahre wurde das Waldstück durch den Bau des östlichen Autobahnzubringers in seiner Mitte durchtrennt. Das der Naherholung der Bevölkerung dienende Areal erhielt zum Ausgleich eine Erweiterung durch das weiter östlich um das Zwischenwerk IX herum gelegene, ebenfalls bewaldete Gebiet am Autobahnkreuz Gremberg.

Das um 1900 als Naherholungsgebiet realisierte Waldstück hat diese Funktion weitgehend verloren. Eingeengt und durchtrennt durch die Autobahn, deren Zubringer, eine S-Bahntrasse und städtische Straßen, ist das „Wäldchen“ einem permanenten Verkehrslärm ausgesetzt. So blieben viele der ehemals zahlreichen Besucher dem Wald fern, sodass auch das beliebte Gartencafé ob dieser Entwicklung schon vor vielen Jahren den Betrieb einstellte.

Weblinks

Homepage Lager Gremberger Wäldchen Kölner Stadt-Anzeiger Köln vom 4. April 2026: Das Massaker im Gremberger Wäldchen. Wie Nachbarn zu Mördern werden, von Helmut Frangenberg

Literatur Joachim Bauer, Carmen Kohls: Köln unter französischer und preußischer Herrschaft. In: Werner Adams, Joachim Bauer (Hrsg.): Vom Botanischen Garten zum Großstadtgrün – 200 Jahre Kölner Grün (= Stadtspuren – Denkmäler in Köln. Band 30). Bachem Verlag, Köln 2001, ISBN 3-7616-1460-8

Siehe auch Denkmäler und Erinnerungsorte zum Nationalsozialismus in Köln Webseite und Podcast zum Krankenlager

Einzelnachweise

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