Oetmannshausen ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde Wehretal im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.

Geographie Das geschlossene Dorf mit geringer Siedlungsdichte Oetmannshausen liegt am Zusammenfluss von Wehre und Sontra, ca. 8 km südwestlich von Eschwege und 2,3 km südwestlich der Gemeindeverwaltung in Reichensachsen. Die Kirche liegt zentral im Ort. Das Gebiet des Ortsteils besteht aus der Gemarkung Oetmannshausen im Südwesten des Gemeindegebiets mit einer Fläche von 375 Hektar, davon sind 130 Hektar Wald.

In der Gemarkung liegen die folgenden Siedlungsplätze: Haus „In der Koppelhude“ Gewerbesiedlung Ziegelei

Die Ortslage befindet sich auf 182 bis und die höchsten Erhebungen sind der Spitzenberg mit 423 Meter Höhe im Nordosten und der Zungenkopf mit 393 Meter im Norden, beide an der Gemarkungsgrenze zu Reichensachsen. An den Ortsteil Oetmannshausen grenzen, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn, Wehretal-Reichensachsen bis in Nordosten, im Südosten der Ringgauer Ortsteil Datterode, im Süden Wehretal-Hoheneiche und im Westen der Waldkappeler Ortsteil Bischhausen. Am nördlichen Ortsrand verläuft die Kreisstraße 88, die von Bischhausen kommend auf die nordöstlichen Ortsrand vorbeiführende Bundesstraße 27 trifft. Die B 27 trifft im Norden auf die im weiten Bogen, vom Westen nach Süden, um den Ort führende Autobahn 44 und deren Anschlussstelle Eschwege-Süd. Südlich des Ortes trifft die B 27 auf die nur 8 km lange Bundesstraße 452, die von Eschwege kommend, hier endet. Nach ca. 2,5 km Richtung Süden erreicht die B 7 die Anschlussstelle Ringgau der A 44, wo sich außerdem die Bundesstraßen B 7 und B 400 treffen.

Geschichte Ortsgeschichte Möglicherweise ist der Ortsname vom ersten Siedler, einem Herrn Othwin, abzuleiten. Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Oetmannshausen erfolgte unter dem Namen Othwynshusen im Jahr 1271. Damals wurde Besitz im Ort an das Kloster Germerode übertragen. Bereits im 13. Jahrhundert ist das Dorf im Besitz der von Boyneburg-Hohenstein. Im Jahr 1444 hatten diese als Mannlehen unter anderem das Dorf Oetmannshausen mit Gericht und Rechten und gehörte dementsprechend zum teilautonomen Gericht Boyneburg. Im Jahr 1451 besaß das Kloster Germerode noch ein Vorwerk mit Haus und Hof in Oetmannshausen, das 8 Malter jährliche Zinsen erbrachte, 1514 waren es 14 Malter. Der adlige Ort kam 1654 zum landgräflichen Amt Bischhausen. Das Dorf als solches blieb jedoch bis zum Aussterben derer von Boyneburg-Hohenstein 1792 Teil des Gerichts Boyneburg.

Die erste Schule wird schon 1743 erwähnt. Der Schullehrer wird 1823 für das Spielen der Orgel bezahlt.HStAM Bestand 17 i Nr. 493: Dem Schullehrer jährlich aus der Gemeindekasse Oetmannshausen zu bezahlende zwei Reichstaler für das Spielen der Orgel, 1823. Die Bahnstrecke Leinefelde–Treysa am Ortsrand wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts erbaut.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 1. Februar 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die Gemeinden Oetmannshausen und Hoheneiche zur neuen Gemeinde Hoheneiche. Zum 31. Dezember 1971 wurde Hoheneiche in die Gemeinde Reichensachsen eingegliedert. Gleichzeitig erhielt die neue Gemeinde den Namen Wehretal. Das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Oetmannshausen erhielt zum 28. Januar 1976 den Status eines eigenen Ortsteils und es wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Oetmannshausen angehört(e):

1444: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Lehen der Boyneburg-Hohensteiner vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Eschwege, Samtgericht Boyneburg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Eschwege, Samtgericht Boyneburg 1627–1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen, Amt Eschwege, Dorf derer von Boyneburg-Hohenstein („adelige Quart“) ab 1654: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Bischhausen, Samtgericht Boyneburg ab 1792: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Bischhausen ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Hessen, Amt Bischhausen ab 1806: Kurfürstentum Kessen, Amt Bischhausen 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Reichensachsen ab 1814: Kurfürstentum Hessen, Amt Bischhausen ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis EschwegeVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August, S. 72. (kurhess GS 1821)Trennung von Justiz (Justizamt Bischhausen) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Eschwege ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege, Gemeinde Hoheneiche ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege, Gemeinde Wehretal ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis, Gemeinde Wehretal

Gerichte Die Gerichtsbarkeit über Oetmannshausen wurde im Mittelalter durch das Gericht Boyneburg ausgeübt. Nach langen Rechtstreirigkeitden zwischen der Herren von Boyneburg kam es 1449 zu einem Vergleich, und ab 1460 hielten die von Boyneburg die Burg und den dazu gehörigen ehemaligen Reichsbesitz als landgräflich-hessisches Erblehen. Mit dem Aussterben der Herren von Boyneburg-Hohenstein 1792 ging das Gericht an das Kurfürstentum Hessen, die es dem Amt Bischhausen zuschlug.

Die weitere Zuständigkeit entwickelte sich wie folgt: 1807–1813: Friedensgericht Reichensachsen im Königreich WestphalenWeitere Gerichte siehe Justizwesen im Königreich Westphalen 1814: Amt Bischhausen 1822: Justizamt Bischhausen erste Instanz, zweite Instanz Obergericht für die Provinz Niederhessen 1867: Amtsgericht Bischhausen (nach der Annexion durch Preußen), zweite Instanz Kreisgericht Kassel 1879: Amtsgericht Bischhausen erste Instanz (durch das Reichsjustizgesetze), zweite Instanz Landgericht Kassel 1932: Amtsgericht Eschwege erste Instanz, zweite Instanz Landgericht Kassel

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Oetmannshausen 279 Einwohner. Darunter waren 3 (1,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 42 Einwohner unter 18 Jahren, 108 zwischen 18 und 49, 63 zwischen 50 und 64 und 63 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 123 Haushalten. Davon waren 36 Singlehaushalte, 30 Paare ohne Kinder und 45 Paare mit Kindern, sowie 12 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 78 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung 1585: 20 Haushaltungen 1747: 34 Haushaltungen

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 233 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 307 evangelische (= 78,52 %), 56 katholische (= 14,32 %) Einwohner

Religion Kirchengebäude Eine erste, vor der Reformation erbaute Kirche war dem heiligen Christophorus geweiht und soll „durch Mauern und Graben befestigt“ gewesen sein. Eine zweite Kirche wurde 1589 „neu gebauet“, aber 1635 bei Verheerung des Dorfes wurde diese Kirche bis auf den Turm zerstört. Sie verfiel darauf zusehends, war im Jahr 1835 „seit Menschengedenken nicht ausgebessert (worden) und daher dem Einsturz nahe, wenn derselben nicht bald geholfen wird“. Daraufhin gibt es 1831 und 1835 landesweite Kollekten.

Die bestehende, dritte Kirche wurde als Neubau 1837 von dem kurhessischen Landbaumeister Johann Friedrich Matthei errichtet. Auf rechteckigem Grundriss ist sie ein Quersaal aus Stein mit einem eingestellten Turm aus Fachwerk. Die weitgehend bauzeitliche Ausstattung besteht Kanzel hinter dem Altar und an drei Seiten umlaufender Empore. Eine Glocke von 1594 wurde ebenso aus einem Vorgängerbau übernommen wie die Orgel von 1818/19 des Orgelbauers Ditus.

Bekenntniswechsel Der erste nachweisbarer evangelischer Pfarrer Anton Henning wirkte vor dem Jahr 1570.

Pfarrzugehörigkeit Belegt ist, dass das Kirchenpatronat in den Jahren 1585 und 1747 im Besitz der von Boyneburg war. Im 16. Jahrhundert, nach der Auflösung des Klosters Germerode, erhielt das Dorf eine neu entstandene evangelische Pfarrei. Im Jahr 1986 wird Langenhain aus dem Kirchspiel Reichensachsen in das Kirchspiel Oetmannshausen eingegliedert.

Politik Für Oetmannshausene besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Hoheneiche) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus drei Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 gehörten alle Kandidaten der Liste „Freier Ortsbeirat Oetmannshausen“ an. Der Ortsbeirat wählte Michael Bode zum Ortsvorsteher.

Infrastruktur Im Ort gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus. Nördlich des Dorfs befinden sich die Wehretalbrücke Reichensachsen und der Tunnel Trimberg der Bundesautobahn 44.

Fußnoten Anmerkungen

Einzelnachweise

Weblinks

Ortsteil Oetmannshausen. In: Webauftritt der Gemeinde Wehretal.

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