mini|100px|Stadtwappen mini|Bukarest im 18. Jahrhundert mini|Lage der Stadt Bukarest Die Geschichte der Stadt Bukarest einschließlich der Besiedlung des stadtnahen Gebietes um die Flüsse Colentina und Dâmbovița reicht über 2000 Jahre zurück. Seit dieser Zeit entwickelte sich der Ort zur heutigen Millionenstadt und Hauptstadt Rumäniens. Bukarest selbst wurde 1459 erstmals urkundlich erwähnt.

Die Stadt löste in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts endgültig Târgoviște als Residenz der Fürsten der Walachei ab. In der Folge entwickelte sie sich, trotz einer Reihe von Naturkatastrophen, Epidemien und Feuersbrünsten zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum. Nach der Entstehung des rumänischen Staates wurde Bukarest 1862 dessen Hauptstadt. Während der Türkenkriege, des Ersten und Zweiten Weltkrieges erlebte Bukarest immer wieder Besetzungen durch fremde Truppen.

In der Amtszeit des rumänischen Diktators Nicolae Ceaușescu begann eine neue Phase der Stadtentwicklung, die sich durch einen radikalen Umbau der Innenstadt zu Lasten der historischen Stadtviertel auszeichnete. Nach der Rumänischen Revolution orientierte man sich städtebaulich an den Standards westeuropäischer Metropolen.

Anfänge, vorstädtische Periode mini|hochkant=0.6|Grabungen nahe dem Muzeul Național de Istorie a României, 2007

Herleitung des Namens Einer Legende nach wurde Bukarest von einem Hirten namens Bucur gegründet.Österreichisches Ost- und Südosteuropa-Institut, Arbeitsgemeinschaft Ost (Hrsg.): Österreichische Osthefte, Band 37, Ausgaben 1–2, S. 301, aus Axel Barner, Bukarest, 1999 Google Books, abgerufen am 5. Dezember 2010. Bucurie bezeichnet im Rumänischen glückhafte Freude, daher bedeutet Bucur esti ‚Du bist froh‘.Hariton Tiktin: Rumänisch-deutsches Wörterbuch, Band I, 3. Auflage, Wiesbaden 2001, S. 329. Eine weitere Erzählung berichtet von dem Getenkönig Dromichaetes,Romanian Information Centre in Brussels (Hrsg.): abgerufen am 18. Dezember 2010. der die Stadt errichtet haben soll.

Älteste Funde Archäologische Grabungen an den Ufern der Dâmbovița und Colentina förderten Fundstücke aus dem Paläolithikum, dem Neolithikum und der Bronzezeit zu Tage.Dan Berindei: Bukarest – Hauptstadt der Rumänischen Nation, S. 37, in Harald Heppner (Hrsg.): Hauptstädte in Südosteuropa – Geschichte, Funktion, nationale Symbolkraft, ISBN 3-205-98255-X. Spuren des Paläolithikum entdeckte man an der heutigen Strada Ziduri intre Vii, am Herăstrău-See, in Bucureștii Noi, auf dem Hügel der Kirche Radu Vodă und den Hügeln neben dem Kloster Mihai Vodă.Constantin C. Giurescu: Geschichte der Stadt Bukarest. S. 11. In Dudeşti, Mihai Vodă und am Tei-See fand man Reste aus dem Neolithikum. Die Fundstücke aus der Bronzezeit erstrecken sich von 1800 v. Chr. bis 700 v. Chr.Constantin C. Giurescu: Geschichte der Stadt Bukarest. S. 12. Archäologen erforschten speziell die Glina-Siedlungen bei Fundeni und Crivăţ.Cristian Schuster: Zu den frühbronzezeitlichen Siedlungen und Bestattungen in Südrumänien, Institutul de arheologie „Vasile Pârvan“, Centrul de tracologie, Bucureşti, abgerufen am 21. Februar 2011.

Etwa seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. wurde das Gebiet um das spätere Bukarest von den Geten und Dakern besiedelt. Eine städtische Entwicklung setzte aber weder unter ihnen noch in römischer und byzantinischer Zeit ein.So mutmaßte abgerufen am 18. Dezember 2010. Trotz einiger Fundstücke aus römischer Zeit am Tei-See und im Stadtteil Giuleşti konnte ein römisches Militärlager auf dem Gebiet des heutigen Bukarest nicht überzeugend nachgewiesen werden.

Erste Siedlungshinweise, Aufstieg zur Residenzstadt mini|hochkant|Urkunde von Fürst Radu vom 14. Oktober 1465 (Faksimile) Wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann die Entwicklung einer Siedlung auf dem heutigen Bukarester Gebiet. Die politische Einigung der Walachei unter Fürst Basarab I. (ca. 1310–1352) schuf die Voraussetzung für die Entwicklung einer Residenzstadt. Es gibt jedoch aus der Zeit Basarabs und seines Nachfolgers Nicolae Alexandru keinerlei Erwähnungen Bukarests.Constantin C. Giurescu: Geschichte der Stadt Bukarest. S. 21. Erste Hinweise auf Befestigungen stammen aus den Jahren 1368 und 1396/97. In mehreren Quellen wird eine Festung Dîmboviţa genanntEdgar Hösch. Karl Nehring, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, Böhlau, Wien 2004, ISBN 3-8385-8270-5, S. 135., die sich vermutlich auf dem Gebiet des späteren Bukarest befand. Nach 1400 lässt sich eine Handwerkersiedlung mit Schmiede, Töpferei und Gerberei nachweisen.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt vom 20. September 1459.Harald Heppner: Hauptstädte in Südosteuropa: Geschichte, Funktion, nationale Symbolkraft, Böhlau 1994, S. 37. Sie wurde durch die Unterschrift von Vlad Țepeș bezeugt (seine Person diente als Vorlage für Bram Stokers Dracula).

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entwickelte sich Bukarest zum Curtea (Fürstensitz) der Walachei. Nach Vlad Țepeș weilte sein Bruder Fürst Radu der Schöne ebenfalls in Bukarest. Zu seiner Zeit wurden nachweislich 18 Urkunden in Bukarest abgefasst.Constantin C. Giurescu: Geschichte der Stadt Bukarest. S. 24. In einer Urkunde vom 14. Oktober 1465 bezeichnete Radu Bukarest erstmals als Fürstensitz.Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z – Etappen und Momente der Stadtgeschichte. S. 13, Pontica Handbücher, Verlag für Tourismus, Bukarest (1974). Der ungarische König Matthias Corvinus bewertete in einem Schreiben an Papst Sixtus IV. dreizehn Jahre später Bukarest als „die stärkste Festung der Walachei, die sowohl künstlich als auch von Natur aus befestigt ist“.Constantin C. Giurescu: Geschichte der Stadt Bukarest. S. 25.

Nach Curtea de Argeș war Bukarest bis 1659 abwechselnd mit Târgoviște Residenzstadt des Fürstentums Walachei. Die Stadt erlangte ihre Bedeutung als fürstliches Macht- und Handelszentrum, das in einem Verdichtungsraum von Siedlungen lag. Zwischen 1459 und 1625 entstanden allein 41 Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Bukarest. Der Hauptmarkt entstand um die Lipscani-Straße.

Phase osmanischer Tributherrschaft (Ende 14.–17. Jahrhundert) mini|Denkmal von Vlad Țepeș vor den Ruinen des Fürstenhofs (Curtea Veche) aus dem 15. Jahrhundert Das Osmanische Reich dehnte sich ab Mitte des 14. Jahrhunderts nach Europa aus, eine Expansion, von der auch die Walachei erfasst wurde. 1394 drang eine erste osmanische Armee über die Donau vor. Infolgedessen wurde das Fürstentum Walachei erstmals tributpflichtig.Klaus Kreiser: Der osmanische Staat 1300–1922, Oldenbourg, München 2001, ISBN 3-486-53711-3, S. 21. Die Expansion des Osmanenreichs wurde 1402 durch die Niederlage in der Schlacht bei Ankara unterbrochen. Bald darauf jedoch, 1414 und 1417, konnte Mehmed I. ein neues Tributabkommen mit der Walachei durchsetzen.Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, Oldenbourg, München 1979, Bd. 3, S. 222.

Bukarest profitierte ökonomisch von der Anwesenheit des Hofes sowie der Rückkehr der ausländischen Händler. Die Bevölkerungszahl stieg, die Zahl der Gebäude gleichfalls, und es entwickelte sich eine städtische Struktur. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Münzstätte nach Bukarest verlegt. Mit der Herrschaft Mircea Ciobanul begann ein Zeitabschnitt ereignisreicher Wendungen für die Stadt. 1545 errichtete Fürst Mircea Ciobanul die erste Stadtmauer in Form eines PalisadenwallsJoachim Vossen: Bukarest – Die Entwicklung des Stadtraums. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Berlin: Dietrich-Reimer-Verlag ISBN 3-496-02753-3. und stiftete die heute noch erhaltene Alte Hofkirche Curtea Veche. Auch ein großer Teil des die Stadt umgebenden Acker- und Weidelandes wurde nun als „das Land der Stadtbürger“ (moșia orășenilor) mit Grenzsteinen markiert. Nach der Absetzung des Fürsten im Jahre 1554 plünderten und brandschatzten die Türken die Stadt und ermordeten seine Würdenträger. Mit der erneuten Machtübernahme Ciobanul im Jahr 1558 rächte er sich an den städtischen Repräsentanten. Anlässlich eines Bankettes ließ er im Februar des Jahrs viele Bojaren, Prälaten und Äbte töten. Trotz dieser Schicksalsschläge wuchsen in den folgenden Jahren die Wirtschaft sowie die Einwohnerzahl.Constantin C. Giurescu: Geschichte der Stadt Bukarest, S. 27.

Eine begrenzte Eigenständigkeit der Bürger zeigte sich darin, dass die Stadt einen Rat besaß. Eine Urkunde vom 13. Mai 1563 erwähnt eine Präfektur und 12 Gemeinderäte, die an der Spitze der Stadt standen. Die Stadt übernahm Versorgungsfunktionen für das Umland und wurde unter anderem ein wichtiger Getreideumschlagplatz für den Fernhandel, insbesondere mit dem Osmanischen Reich.

mini|hochkant=0.7|Mihai Viteazul gründet 1594 das Bukarester Kloster Mihai Vodă Das rigide osmanische Tributsystem belastete die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. In den Jahren 1574 und 1575 sowie 1594 erhob sich die städtische Bevölkerung gegen die wachsenden Tribute der Hohen Pforte. Zudem beteiligte sie sich an den Kämpfen Mihai Viteazuls (Michaels des Tapferen) gegen die Osmanische Armee. In diesem Zusammenhang eroberte im August 1595 Großwesir Koca Sinan Pascha nach der Schlacht bei Călugăreni die Stadt. Dabei kam es zu einem Stadtbrand. Im Herbst des nächsten Jahres kam es unerwarteterweise in der Nähe von Bukarest zu einem weiteren Angriff der Tataren, bei der sich die Türken zurückzogen. Dabei wurde einen Teil der Stadt erneut in Asche gelegt.Constantin C. Giurescu: Geschichte der Stadt Bukarest, S. 29. Aus diesem Grund verlagerte man anschließend den Fürstensitz bis 1626 nach Târgoviște. In dieser Periode begann der urbane Wiederaufbau. Radu Șerban (1602–1611) ließ die erste Brücke über die Dâmboviţa errichten und Fürst Alexandru Coconul verlegte schließlich kurz nach seiner Machtübernahme am 10. November 1626 die Residenz wieder nach Bukarest.

Nachdem Fürst Matei Basarab 1632 als letzter aus der vorherrschenden walachischen Familie auf dem Thron kam, errichtete er in Bukarest zahlreiche Bauten. Wegen seines gespannten Verhältnisses zu den Osmanen übersiedelte der Fürst um 1640 nach Târgoviște. Der Fürstensitz verblieb währenddessen in Bukarest. Gegen Ende der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts belegt eine Urkunde den Versuch der zentralen Behörde, die Ausdehnung der Stadt einzudämmen, indem die Stadtgrenze mit Steinkreuzen markiert wurde, wobei es verboten war, jenseits dieser Umgrenzung neue Bauten zu errichten. Faktisch wurde durch diese Maßnahme jedoch das weitere Wachstum nicht eingeschränkt.Dan Berindei: Bukarest – Hauptstadt der Rumänischen Nation, S. 38 in Harald Heppner (Hrsg.), Hauptstädte in Südosteuropa – Geschichte, Funktion, nationale Symbolkraft, ISBN 3-205-98255-X. Basarabs Nachfolger, Fürst Constantin Șerban, zog nach Amtsantritt im Mai 1654 erneut nach Bukarest. Im darauf folgenden Jahr kam es am Sitz der heutigen Nationalbank zum Aufstand der Dorobantzen und Infanteristen gegen die Bojaren. Anlässlich der Ausschreitungen ließ Fürst Șerban bei seinem Abzug nach Târgoviște und der Verlegung des Fürstensitzes den Fürstenhof und die Stadt in Brand setzen.Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z – Etappen und Momente der Stadtgeschichte. S. 15. Die Ausschreitungen setzten sich unter Fürst Mihnea III. fort. Als der Fürst sich gegen die Türken auflehnt, wird er von diesen geschlagen und Bukarest ausgeplündert.Constantin C. Giurescu: Geschichte der Stadt Bukarest. S. 31.

Endgültige Hauptstadt (ab 1659) mini|Bukarest 1717