mini|245px|Das Osterthor 1638/47 (rot nachgefärbt), Merian-Stich
Der Ostertorsteinweg ist eine historische Straße in Bremen, Stadtteil Mitte, Ortsteil Ostertor. Sie führt in West-Ost-Richtung vom Am Wall/Goetheplatz, bis zum Ortsteil Steintor mit der Straße Vor dem Steintor.
Der Ostertorsteinweg ist eine wichtige Einkaufsstraße mit vielen Läden und Spezialitätenhandlungen sowie mit Gaststätten und Kneipen. Einmal jährlich findet auf dem Ostertorsteinweg das Viertelfest statt.
Die Querstraßen und Anschlussstraßen wurden benannt u. a. als Am Wall, Contrescarpe, St. Pauli Passage (s. unten), Mozartstraße, Mittelstraße von 1853 nach der Lage, Sankt-Pauli-Straße von 1858 nach dem Kloster St. Paul, Poststraße von 1847 nach dem Notar der Stadt Hermann Liborius Post (1803–1886), Hohenpfad nach dem höheren Dammweg, Ulrichsplatz nach dem Schriftsteller, Karl Heinrich Ulrichs, Wulwesstraße (1721 Mühlenstraße), Blumenstraße von 1819, Weberstraße von 1854, Bauernstraße nach den Steinstraßenbauern, Schildstraße von 1874 nach einem Bauunternehmer, Am Dobben, Sielwall von 1861 nach dem dortigen Wesersiel und Vor dem Steintor (bis 1870 Steintorsteinweg); ansonsten siehe beim Link zu den Straßen.
Geschichte mini|hochkant|Ostertorsteinweg, 17. Jh. (Merian-Stich s. o.), rot das heute älteste Haus (Nr. 13)
Name Die Straße und der Ortsteil wurden nach dem Ostertor, dem früheren Ost(er)tor der Bremer Stadtmauer, benannt. Das Ostertor als valva orientalis civitatis nostre im Osten wurde 1238 erstmals erwähnt und 1512/14 zum Osterzwinger ausgebaut.
Entwicklung 11. bis 18. Jahrhundert Im Mittelalter führte ein Handelsweg von der Domburg in Bremen auf den Dünen entlang der Weser in Richtung Verden. 1050 wurde auf einem der Dünenhügel das St.-Paul-Kloster der Benediktiner errichtet, an das heute die Namen Paulistraße und Am Paulskloster erinnern.
Mit dem Bau der Stadtmauer entstand auch das Ostertor – die – dessen 1238 errichteter Torturm bis ins frühe 19. Jahrhundert stand und auch „die Glocke“ genannt wurde.BUB, Bd. 3, Nr. 141 (S. 120/121): plateam dictam Stenstrate; „platea“ war die damals übliche Bezeichnung für gepflasterte Straßen Schon früh hatte sich um das Paulskloster eine Siedlung von Handwerkern und Händlern gebildet, „Vorstadt vor dem Ostertore, gebaut wie eine kleine Stadt mit hölzernen Häusern und auch einem Teil Steinhäuser“.Rynesberch-Chronik, Kap. Gotfridus, die 35. erczbisscup to Bremen Sie war zwar durch die Landwehr am Dobben mit dem Steintor geschützt, aber wegen der Lage im Vorfeld der Stadtmauer gab es Baubeschränkungen.
mini|links|hochkant|Ostertorsteinweg mit Wachhaus von 1802/04 und dem 1826 abgerissenen Ostertorzwinger Mit der Anlage eines Walls vor der Mauer wurde vor dem alten Torturm 1512/14 der Osterzwinger errichtet. 1523 wurde das St.-Pauli-Kloster und hundert Jahre später der Hügel, auf dem es gestanden hatte, abgetragen, um etwaigen Angreifern keine Deckung zu bieten. Noch Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Vorstadt „St.-Pauli-Vorstadt“ genannt.Urbis Bremae Typus et Chronicon, S. 48 u. Tab. XVI: 1 = turris S. Viti, 2 = (mons &) suburbiũ S. Pauli Entsprechend der dreihundert Jahre älteren Beschreibung zeigen auch die Stadtpläne des 17. Jahrhunderts entlang des „Osterthors-Steinwegs“ Zeilen geschlossener Bebauung. Vor den Wall wurde im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges noch die Ostertorbastion gesetzt.
19. Jahrhundert mini|hochkant|Der Ostertorsteinweg um 1900, Blick Richtung Ulrichsplatz.Haus Nr. 13 (zweites von rechts) ist das älteste Gebäude des Stadtteils. mini|hochkant|Baulinienplan 1879: Zwei der alten Häuser (grau) haben noch Utluchten
Seit 1802/04 wurden die Wallanlagen entfestigt und parkartig umgestaltet, der Straßenverlauf nach Einebnung der Bastion begradigt und ein kleines Wachhaus errichtet. Die beiden heute noch bestehenden repräsentativen Torgebäude wurden erst 1825 bis 1828 gebaut und dienen heute als Ausstellungsräume. 1826 wurde der Ostertorzwinger abgerissen, 1828 das Mauertor. Stadteinwärts der neuen Torgebäude wurde 1847 bis 1849 die Bremer Kunsthalle errichtet. 1848 entfiel die nächtliche Torsperre und die Erhebung der Akzise am Stadttor. In den Folgejahren wurden die ein- bis zweigeschossigen Giebelhäuser der alten Vorstadtbebauung eines nach dem anderen durch Traufenäuser im Stil des Historismus ersetzt. Im Gegensatz zu anderen Bremer Häusern hatten sie Ladengeschäfte, wodurch das sonst typische Souterrain entfiel. Nur das Haus Nr. 13 blieb erhalten.
20. und 21. Jahrhundert mini|hochkant|Vor dem Steintor um 1900 – die Fortsetzung des Ostertorsteinwegs jenseits der Sielwallkreuzung
An der Grenze zwischen Wallanlagen und Geschäftsstraße wurde das Theater am Goetheplatz errichtet und 1913 eröffnet.
Im Zweiten Weltkrieg blieb die Straße von Zerstörungen verschont. Die nicht sanierten Gebäude führten zu einem Strukturwandel in der Bevölkerung des Ortsteils; ärmere Bevölkerungsschichten zogen zu.
Um die Innenstadt von Bremen verkehrlich zu entlasten, sollte nach den Verkehrsplänen ein „Tangentenviereck“ um die City gebaut werden. Die Straßentangenten im Westen und im Norden vorbei am Bahnhof waren erstellt. Im Osten sollte ein Straßenzug vom Rembertiring in Höhe der Mozartstraße den Ostertorsteinweg und dann die Weser in Brückenlage kreuzen. Diese in den 1960er Jahren projektierte Mozarttrasse wurde auch auf Druck der Bevölkerung Anfang der 1970er Jahre aufgegeben. Stattdessen wurde der Ortsteil als erstes bremisches Gebiet in das Förderprogramm der Städtebauförderung aufgenommen und zwischen 1973 und 1990 gründlich saniert.
Durch die nahe Lage zum historischen Stadtkern und durch die Stadterneuerung veränderte sich die soziale Bevölkerungsstruktur. Gut verdienende Angestellte, viele Akademiker, aber auch Studierende und Bürger mit einem eher alternativen Lebensstil zogen zu und es entwickelte sich eine Straße mit älteren Häusern und jungen Bürgern.
Schon ab den 1960er Jahren war der Bereich der Sielwallkreuzung am Ende des Ostertorsteinweges ein lokales Zentrum mit dem Szene- und Jazzlokal Lila Eule, dem Programmkino Cinema Ostertor, aber auch mit einer Drogenszene und manchmal auch überbordenden Krawallen.
Bei der bisher letzten Sanierung der Fahrbahn des Ostertorsteinwegs 2007 wurde von der Sielwallkreuzung bis zur Haltestelle Goetheplatz stadteinwärts rechts der Straßenbahnschienen Kleinpflaster eingesetzt, um das Radfahren zu erleichtern.
Verkehr 1879 wurde eine Pferdebahnlinie von Hastedt nach Walle durch den Ostertorsteinweg eröffnet und um 1900 elektrifiziert. 1881 kam die Ringbahn hinzu. 1908 erfolgte die Einführung von Liniennummern von 1 bis 8.
Die Straßenbahn Bremen durchquert heute mit den Linien 2 (Gröpelingen – Sebaldsbrück) und 3 (Gröpelingen – Weserwehr) die Straße.
Bauwerke und Anlagen mini|hochkant|Ostertorsteinweg 68 Die Straße wird durch drei- bis eine sechsgeschossige Bebauung geprägt.
Das Landesamt für Denkmalpflege Bremen schrieb dazu: „Die Geschäftsstraße Ostertorsteinweg hat sich, von wenigen Störungen abgesehen, bis heute so erhalten, wie sie sich bis zum 1. Weltkrieg entwickelt hatte... ein heterogenes, aber auch reizvolles Bild einer Geschäftsstraße.“
Gebäude unter Denkmalschutz: Nr. 1/2: 4-gesch. neoklassizistisches Geschäftshaus Beye und Fahl von um 1910 nach Plänen von Werner Heyberger; siehe Nr. 6: 3-gesch. Wohn- und Geschäftshaus des Feinkostgeschäfts Wilh. Holtorf von um 1910 im Reformstil; siehe Nr. 68/69, Ecke St.-Pauli-Straße: 4-gesch. Wohnhaus Ostertorsteinweg 68 von 1905 im Reform- und Jugendstil Wohnhäuser Ostertorsteinweg 73/75 Nr. 73: 3-gesch. historisierendes Wohn- und Geschäftshaus im Stil der Neorenaissance von um 1890 Nr. 74/75: 3-gesch. historisierendes (Neorenaissance) Wohn- und Geschäftshaus Dunkel von 1871 Wohnhäuser Ostertorsteinweg 86 bis 90 Nr. 86: 4-gesch. historisierendes Wohn- und Geschäftshaus von um 1880 Nr. 87: 4-gesch. historisierendes Wohn- und Geschäftshaus Georg Ahlers von 1904/05 nach Plänen von Hans Lassen Nr. 88/89: 4-gesch. Wohn- und Geschäftshaus von 1904/05 nach Plänen von Hans Lassen im Reformstil Nr. 90/90a: 4-gesch. Wohn- und Geschäftshaus von um 1905 im Reformstil Nr. 100 bis 107: 2- bis zumeist 3-gesch. historisierende Wohn- und Geschäftshäuser als Wohnhausgruppe Ostertorsteinweg 100 bis 107 und als Einzelgebäude von um 1860 1870 und 1890
Weitere Gebäude Nr. 13: Das älteste eingeschossige Haus der Straße und des Stadtteils steht nicht – da Fassade überformt – unter Denkmalschutz; heute Haushaltswarengeschäft Nr. 50, Eckhaus zur Contrescarpe: 4-gesch. Geschäftshaus Puls-Eck von 1955 nach Plänen von Martin Zill
Denkmäler und Brunnen Bronzeplastik Ottilie Hoffmann von 1987 vom Bildhauer Jürgen Cominotto an der Ecke Wulwesstraße Pferdebrunnen I von 1900 von Gerhard Lange an der Ecke Contrescarpe und Goetheplatz
Siehe auch Bremer Straßen
Literatur Dietrich Schomburg: Die Bremer Ostertorvorstadt in ihrer historisch-topographischen Entwicklung, II. Teil: Über die Entwicklung der Ostertorsvorstadt im Mittelalter. Bremisches Jahrbuch, 46, Bremen 1959, S. 251–266. Holle Weisfeld: Ostertor – Steintor 1860–1945. Edition Temmen, Bremen 1998, ISBN 3-86108-608-5.
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Einzelnachweise
Kategorie:Innerortsstraße in Bremen Kategorie:Altstraße Kategorie:Verkehrsgeschichte (Bremen) Kategorie:Mitte (Bremen)