mini|Magnus Carlsen, aktueller Weltmeister im Schnellschach
mini|Weltmeisterin im Schnellschach 2025, Alexandra Gorjatschkina
Der Weltmeister im Schnellschach wird seit dem Jahr 2012 alljährlich vom Weltschachbund FIDE in gemeinsam organisierten Turnieren zusammen mit dem Weltmeister im Blitzschach ermittelt, wobei es 2003 bereits zu einer einzelnen Austragung der FIDE-Schnellschach-Weltmeisterschaft kam. Amtierender Weltmeister ist seit seinem Turniersieg vom 28. Dezember 2025 Magnus Carlsen. Vor 2012 gab es verschiedene Vorläuferveranstaltungen der Schnellschach-Weltmeisterschaften, die außerhalb der FIDE organisiert waren. Zu nennen ist hier insbesondere die Veranstaltung Chess Classic (1996–2010) und ihr elfmaliger Schnellschach-Sieger Viswanathan Anand.
Neben der offenen Weltmeisterschaft wird auch ein Turnier exklusiv für Frauen gespielt. Aktuelle Weltmeisterin im Schnellschach ist seit 2025 Alexandra Gorjatschkina.
Übersicht Der Weltschachbund FIDE hat 1987 auf dem Kongress von Sevilla die Austragung von Welt- und Europameisterschaften im Schnellschach empfohlen und entsprechende Turnierregeln erlassen.
Das erste als Weltmeisterschaft im Schnellschach bezeichnete Turnier fand 1988 in Mexiko statt und wurde von Anatoli Karpow gewonnen. Im Jahre 2003 wurde in Cap d’Agde (Frankreich) die erste und bis 2012 einzige von der FIDE anerkannte Schnellschach-Weltmeisterschaft ausgespielt. Sie wurde von Viswanathan Anand gewonnen.
Schon ab 1996 richtete der deutsche Verein Chess Tigers im Rahmen der Veranstaltung Chess Classic (zunächst „Frankfurt Chess Classic“, dann „Chess Classic Mainz“) jährlich ein Schnellschach-Turnier aus, dessen Sieger, Alexei Schirow (1996), Viswanathan Anand (1997, 1998, von 2000 bis einschließlich 2008 jedes Jahr, insgesamt elfmal), Garri Kasparow (1999), Lewon Aronjan (2009) und Gata Kamsky (2010), heute als inoffizielle Schnellschach-Weltmeister gelten. Ab 2005 wurde dieses Turnier vom Finanzunternehmen Grenkeleasing gesponsert und ab 2006 auch öffentlich als Schnellschach-Weltmeisterschaft betitelt. 2010 wurde die letzte Schnellschachweltmeisterschaft der Chess-Classic-Turnierserie ausgerichtet.
Ab dem Jahr 2012 organisiert die FIDE wieder die Ausrichtung der Schnellschach-Weltmeisterschaften, und zwar zusammen mit der Blitzschach-Weltmeisterschaft. 2012 gewann Sergei Karjakin und 2013 Şəhriyar Məmmədyarov.
Zu Beginn der 90er Jahre wurden ebenfalls Schnellschachturniere von Weltbedeutung organisiert. Dazu zählt die Trophée Immopar, die 1991 von Jan Timman und 1992 von Garri Kasparow gewonnen wurde, sowie insbesondere der Intel-Grand-Prix der Professional Chess Association, eine Schnellschach-Turnierserie, in der Wladimir Kramnik 1994 und Garri Kasparow 1995 als Gesamtsieger hervorgingen.
Geschichte der prestigeträchtigen Weltturniere und Weltmeisterschaften im Schnellschach
Der Schaukampf Kasparow gegen Short
1987 fand im „Hippodrom“, dem größten Londoner Discoclub, ein Schnellschach-Schaukampf zwischen Garri Kasparow und Nigel Short statt. Kasparow gewann 4:2. Die sechs Partien wurden von einer Fernsehgesellschaft ausgestrahlt. Dadurch wuchs das Interesse an Schnellschach, so dass die FIDE noch im gleichen Jahr auf dem Kongress von Sevilla die Austragung von Europa- und Weltmeisterschaften im Schnellschach empfahl und entsprechende Turnierregeln erließ.
Die erste Schnellschach-Weltmeisterschaft in Mazatlán 1988
An der „Aktivschach“-Weltmeisterschaft in Mazatlán (Mexiko) im Dezember 1988 nahmen 61 Spieler teil. Gespielt wurden zunächst 13 Runden im Schweizer System. Die acht Bestplatzierten sollten dann den Sieger im K.-o.-System ermitteln. Das Finale erreichten Anatoli Karpow und Viktor Gavrikov. Es endete 5:5 unentschieden nach Verlängerung, sodass Karpow aufgrund der besseren Platzierung im Vorturnier Weltmeister wurde.SCHACH 3/1989, S. 40.
Die Trophée Immopar 1991 und 1992
Im November 1991 fand im Pariser Theâtre des Champs Elysées ein internationales Turnier im Schnellschach statt. Das vier Tage dauernde Turnier wurde mit der Musik des Begründers der französischen komischen Oper und Schachgenies François-André Danican Philidor eröffnet. Es traten 16 der namhaftesten Schachgroßmeister der Welt gegeneinander an, darunter Garri Kasparow, Anatoli Karpow, Jan Timman, Artur Jussupow, Nigel Short und Viswanathan Anand. Der Preisfonds betrug 1,2 Millionen Francs. Die Zuschauer konnten mittels in die Armlehnen der Sessel einmontierter Vorrichtungen ihre Zugvorschläge registrieren lassen. Für die meisten richtig vorhergesehenen Züge wurde als Preis ein Schachcomputer überreicht.
Der Sieger wurde im K.-o.-System ermittelt. Im Finale trafen Garri Kasparow und Jan Timman aufeinander. Timman gewann die erste der beiden Partien, während die zweite remis endete. Damit wurde Jan Timman Turniersieger des Jahres 1991.
Im Folgejahr ging Garri Kasparow erst im Blitzschach-Tiebreak als Sieger des Turniers hervor, nachdem es nach den beiden Schnellschach-Partien des Finales 1:1 gestanden hatte.
Der Preisfonds von 1,2 Millionen Francs zog die gesamte Weltelite an, weshalb die Trophée Immopar als ein Turnier zur Ermittlung des weltbesten Schnellschachspielers gesehen werden kann. Allerdings war beim dort angewandten K.-o.-System mit nur zwei Partien pro Runde der Glücksfaktor mit entscheidend. Dies trifft auch für die FIDE-Schnellschach-Weltmeisterschaft 2003 zu.
Der Intel-Grand-Prix 1994 und 1995
Der Intel-Grand-Prix der Professional Chess Association (PCA) war eine Serie bestehend aus vier Schnellschach-Turnieren innerhalb eines Jahres, deren Sieger jeweils im K.-o.-System ermittelt wurden. Austragungsorte waren die Weltmetropolen Moskau, New York, London und Paris. Als Gesamtsieger von vier Turnieren mit Weltbestbesetzung kann der Intel-Grand-Prix-Sieger als weltbester Schnellschach-Spieler des betreffenden Jahres betrachtet werden.
1994 hießen die Sieger der einzelnen Etappen Viswanathan Anand, Wladimir Kramnik, Wassyl Iwantschuk und Garri Kasparow. Gesamtsieger wurde Wladimir Kramnik. Ihm gelang im Moskauer Kreml ein respektabler Sieg gegen den damaligen Weltmeister Kasparow.
Im Intel-Grand-Prix 1995 hießen die Einzelsieger von Moskau, New York, London und Paris Wassyl Iwantschuk, Garri Kasparow, Michael Adams und wieder Garri Kasparow. Gesamtsieger wurde Garri Kasparow.
Das Schnellschach-Festival in Cap d’Agde und die FIDE-Schnellschach-Weltmeisterschaft 2003
Das Schnellschachturnier in Cap d’Agde (Frankreich) begann zunächst einrundig in zwei Gruppen mit jeweils acht Teilnehmern. Die vier Bestplatzierten jeder Gruppe kamen ins Viertelfinale. Hier sowie im Halbfinale und Finale wurden jeweils nur zwei Partien gespielt. Bei einem Stand von 1:1 entschieden Blitzschach-Partien über das Weiterkommen.
In diesem Turnier waren die Spieler der engeren Weltspitze nur schwach vertreten. So nahmen beispielsweise am fünften Schnellschach-Festival 2002 in Cap d’Agde nur drei Spieler von den ersten 20 der Weltrangliste teil. Das Turnier gewann Boris Gelfand. Im Finale besiegte er Anatoli Karpow mit 2:0.Ergebnisse des 5. Schnellschachturniers in Cap d'Agde
Im Jahre 2003 erkannte der Weltschachbund FIDE das Schnellschach-Turnier in Cap d’Agde, das nun zum sechsten Mal stattfand, als Schnellschach-Weltmeisterschaft an. Folglich waren neun der 16 Teilnehmer in den Top 10 der Weltrangliste vom Oktober 2003. Nach der Gruppenphase kam Viswanathan Anand mit einem geteilten dritten PlatzAlle Gruppen-Ergebnisse und erste Hälfte des Viertelfinales der FIDE-Schnellschach-Weltmeisterschaft 2003 ins ViertelfinaleZweite Hälfte des Viertelfinales der FIDE-Schnellschach-Weltmeisterschaft 2003, wo er Ruslan Ponomarjow mit 1,5:0,5 bezwang. Das Finale erreichte er mit einem 1,5:0,5-Sieg im BlitzschachHalbfinale der FIDE-Schnellschach-Weltmeisterschaft 2003, nachdem die beiden Schnellschach-Partien keine Entscheidung gebracht hatten. Das andere Halbfinale gewann Wladimir Kramnik 2:0 gegen Alexander Grischtschuk. Im Finale errang Anand mit einem 1,5:0,5-Sieg über Kramnik den Schnellschach-Weltmeistertitel der FIDE.Finale der FIDE-Schnellschach-Weltmeisterschaft 2003
In den Jahren 2004Ankündigung der FIDE-Schnellschach-Weltmeisterschaft 2004 und 2005Ankündigung der FIDE-Schnellschach-Weltmeisterschaft 2005 schrieb die FIDE erneut eine Schnellschachweltmeisterschaft aus, sie fand aber nicht statt. Stattdessen wurde ein knappes Jahr später (2006) das Schnellschach-Turnier der Chess Classic, das seit 2001 in Mainz ausgetragen wurde und bereits im Rufe einer inoffiziellen Schnellschach-Weltmeisterschaft stand, vom Finanzunternehmen Grenkeleasing öffentlich als Schnellschach-Weltmeisterschaft betitelt und gesponsert.
Das siebte Cap-d’Agde-Chess-FestivalSiebtes Cap-d'Agde-Chess-Festival, das dann im selben Jahr einige Monate später stattfand, hatte nicht mehr den Status einer FIDE-Weltmeisterschaft. Wieder wiesen nur zwei der 16 Teilnehmer eine Elo-Zahl von über 2700 auf; auch fehlte mit dem Vorjahressieger der Weltmeister. Im Finale gewann der Elo-beste Teilnehmer, Teymur Rəcəbov, 1,5:0,5 gegen Sergei Karjakin.
Die Chess Classic 1994–2010 und die Grenkeleasing-Schnellschach-Weltmeisterschaften 2006–2010
Ab 1994 wurde im Rahmen der Turnierreihe Chess Classic jedes Jahr ein Schnellschach-Turnier ausgetragen, bis zum Jahr 2000 in Frankfurt-West („Frankfurt Chess Classic“), von 2001 bis 2010 in Mainz („Chess Classic Mainz“). Die Turnierform im Schnellschach variierte über die Jahre hinweg. Oft hatte der Vorjahressieger seinen Titel nur gegen einen vom Veranstalter nach gewissen Kriterien ausgewählten, aber stets starken Gegner im Zweikampf zu verteidigen. Oft war dieser Zweikampf als „Duell der Weltmeister“ tituliert, einmal als „Duell der Geschlechter“, denn 2003 wurde Anand von der seit vielen Jahren mit Abstand stärksten Frau der Welt, Judit Polgár, herausgefordert. Dieses Duell bleibt unvergesslich, da es bis zum 3:3 noch ausgeglichen stand, vor allem aber, da alle acht Partien entschieden wurden. Am Ende siegte Anand 5:3.
Die Schnellschach-Sieger von Frankfurt und Mainz waren Alexei Schirow (1996), Viswanathan Anand (1997–1998, 2000–2008, elfmal!), Garri Kasparow (1999), Lewon Aronjan (2009) und Gata Kamsky (2010).