Hoheneiche ist ein Ortsteil der Gemeinde Wehretal im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.

Geographie Das geschlossene Dorf mit geringer Siedlungsdichte Hoheneiche liegt im Tal der Sontra an der Mündung des Krummbaches, ca. 9 km südwestlich von Eschwege und 3 km südwestlich der Gemeindeverwaltung in Reichensachsen. Die Kirche liegt zentral im ältesten Ortsteil. Jüngere Bebauung findet sich im Norden auf der gegenüberliegenden Seite der Sontra im Bereich des Bahnhofs. Das Gebiet des Ortsteils besteht aus der Gemarkung Hoheneiche im äußersten Südwesten des Gemeindegebiets mit einer Fläche von 386 Hektar, davon sind 122 Hektar Wald.

In der Gemarkung liegen die folgenden historischen Siedlungsplätze: Aumühle Bahnhof Obermühle Wüstung Widehi

Die Ortslage befindet sich auf 182 bis und der höchste Punkt ist der Winterkasten mit 320 Meter Höhe im Nordwesten der Gemarkung. An den Ortsteil Hoheneiche grenzen, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn, Wehretal-Oetmannshausen, im Südosten und Süden der Ringgauer Ortsteil Datterode und der Sontraer Ortsteil Wichmannshausen. Im Westen dann der Waldkappeler Stadtteil Bischhausen. Östlich des Ortskerns verläufen die Bahnstrecke Bebra–Göttingen, die Bundesstraße 452 und die Autobahn 44. Aus dem Ort besteht eine Verbindung zur B 452 die dann in südlicher Richtung zur Anschlussstelle Ringgau der A 44 führt. Hier treffen auch die B 7 und B 400 aufeinander. Die Ortsausfahrt führt in nördlicher Richtung auf die B 27, die nach wenigen Kilometern die Anschlussstelle Eschwege der A 44 erreicht.

Geschichte mini|Baumbachsches Haus

Ortsgeschichte Ein im päpstlichen Archiv aufbewahrter Zeugenbericht von 1233 über die erste Wunderheilung eines aus Hoheneiche gebürtigen Mädchen Adelhaidi, das am 19. November 1231 am gerade angelegten Grab der heiligen Elisabeth von Thüringen von ihren Leiden genesen war, gilt als Ersterwähnung des Ortes. Der Ort wurde 1264 wieder erwähnt, als Hoheneiche von Thüringen an die neu entstandene Landgrafschaft Hessen kam.

Die Herrschaft über den Ort und das Gericht war bis zur Neuzeit geteilt. Die Boyneburg-Hohensteiner hatten zehn Hufen Land und das Gericht als thüringisches Lehen inne, die hessischen Landgrafen übernahmen die Besitztitel des Klosters Germerode. Spätestens 1350 waren das Gericht und die zehn Hufen zu Hoheneiche thüringische Lehen der Boyneburger. Der adlige Ort im Besitz der Herren von Boyneburg kam 1654 zum landgräflichen Amt Bischhausen. Das Dorf als solches blieb jedoch bis zum Aussterben derer von Boyneburg-Hohenstein 1792 Teil des Gerichts Boyneburg.

Im Jahr 1577 wurde in Hoheneiche die Missgeburt von Hoheneiche, ein weithin bekanntes missgebildetes Kind, geboren. Der Renaissance-Künstler Dietmar Merluan fertigte einen Holzschnitt von dem Kind an. Am 21. August 1801 reiste Johann Wolfgang von Goethe durch Hoheneiche und zeichnete die Kirche.

Von 1807 bis 1813 war der Ort Teil des Kantons Reichensachsen im napoleonischen Königreich Westphalen. Damals führte die Handelsstraße von Leipzig nach Holland mitten durch das Dorf. Ab 1821 gehörte der Ort zum Kreis Eschwege.

NS-Zeit Die 1869 in Köln von Abraham Rollmann und Abraham Rose gegründeten TRUMPF-Strumpffabriken Rollmann & Rose errichtete in den 1890er Jahren eine neue Fabrikationsstätte für die manuelle Herstellung von Strümpfen und Socken in Hoheneiche. Unter Firmenleitung der Familie Kaufmann wurden in den 1920er Jahren Buntmuster-Maschinen aufgestellt und der Betrieb wurde in Deutschland zu einem Markennamen für Strumpfwaren. Der Betrieb wurde 1938 arisiert und in den Besitz der Firma Krummbein aus dem Eichsfeld überführt. Dass von freiwilligem Verkauf keine Rede sein konnte, geht zum einen daraus hervor, dass Bertha Kaufmann, die Witwe des Besitzers Daniel Kaufmann, schon 1937 gemeinsam mit ihrem Sohn Ernst und seiner Familie nach Holland und ihr Sohn Friedrich 1938 in die USA emigrierten.1942 war sie mit ihrer Familie in Naarden, in der Ostadelaan 39 gemeldet. Später wurde Bertha Kaufmann im Durchgangslager Westerbork inhaftiert. Dort verstarb sie am 18. April 1943 an Entkräftung und wurde am 19. April eingeäschert. Nach Internierung im Durchgangslager Westerbork wurde Ernst Kaufmann und seine Familie am 5. April 1944 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und von dort aus am 18. Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz gebracht. Am 31. Januar 1945 wurde er für tot erklärt. Zum anderen erhielt Friedrich Kaufmann 1949 den Besitz der Firma wieder zugesprochen.Bernhard Hermann Roth: Hoheneiche zur Zeit des Nationalsozialismus, S. 3. Dort heißt es dazu weiter: "In der 12-seitigen gedruckten Jubiläumsschrift aus dem Jahre 1979 "110 Jahre Rollmann und Rose" liest man über die NS-Epoche kein Wort."

Über den Kirchenkampf und die schlechten Erfahrungen, die der in der Gemeinde recht beliebte Pfarrer Kurt Reuber damals machte, der durch seine Stalingradmadonna bekannt wurde, berichtet der Ortshistoriker Bernhard Hermann Roth unter anderem, dass er, als seine Argumente nichts halfen, die Vertrauensfrage stellen musste, um zu verhindern, dass ein Vertreter der Deutschen Christen in Hoheneiche eine "reichskirchliche Feierstunde" abhielt.Bernhard Hermann Roth: Hoheneiche zur Zeit des Nationalsozialismus, S. 8

Nachkriegszeit Mit 650 Beschäftigten war Rollmann & Rose in den 1960er Jahren größter Arbeitgeber im Ort. Es gab Zweigwerke in Grebendorf und Eschwege. Wegen Namensähnlichkeit zur Miederwaren-Marke Triumph International kam es 1968 zu einem Prozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf, den die Hoheneicher Firma gewann.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen kam es zu einer Reihe von Gemeindezusammenschlüssen auf freiwilliger Basis. So fusionierten zum 1. Februar 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Oetmannshausen in die Nachbargemeinde Hoheneiche zur erweiterten Gemeinde Hoheneiche. Zum 1. Oktober 1971 wurde Vierbach nach Reichensachsen eingemeindet. Zum 31. Dezember 1971 wurde Hoheneiche in die Gemeinde Reichensachsen eingegliedert. Gleichzeitig erhielt die neue Gemeinde den Namen Wehretal. Zum 1. April 1972 wurde schließlich der Nachbarort Langenhain eingegliedert. Für Hoheneiche und weitere Ortsteile wurden Ortsbezirke errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Hoheneiche angehört(e):

1349/50: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Thüringen, Lehen der Boyneburger vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Eschwege, Samtgericht Boyneburg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Eschwege, Samtgericht Boyneburg 1627–1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen, Amt Eschwege, Dorf derer von Boyneburg-Hohenstein („adelige Quart“) ab 1654: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Bischhausen, Samtgericht Boyneburg ab 1792: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Bischhausen ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Hessen, Amt Bischhausen ab 1806: Kurfürstentum Kessen, Amt Bischhausen 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Reichensachsen ab 1814: Kurfürstentum Hessen, Amt Bischhausen ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis EschwegeVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August, S. 72 f. (kurhess GS 1821)Trennung von Justiz (Justizamt Bischhausen) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Eschwege ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege, Gemeinde Wehretal ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis, Gemeinde Wehretal

Gerichte Die Gerichtsbarkeit über Hoheneiche wurde im Mittelalter durch das Gericht Boyneburg ausgeübt. Nach langen Rechtstreirigkeitden zwischen der Herren von Boyneburg kam es 1449 zu einem Vergleich, und ab 1460 hielten die von Boyneburg die Burg und den dazu gehörigen ehemaligen Reichsbesitz als landgräflich-hessisches Erblehen. Mit dem Aussterben der Herren von Boyneburg-Hohenstein 1792 ging das Gericht an das Kurfürstentum Hessen, die es dem Amt Bischhausen zuschlug.

Die weitere Zuständigkeit entwickelte sich wie folgt: 1807–1813: Friedensgericht Reichensachsen im Königreich WestphalenWeitere Gerichte siehe Justizwesen im Königreich Westphalen 1814: Amt Bischhausen 1822: Justizamt Bischhausen erste Instanz, zweite Instanz Obergericht für die Provinz Niederhessen 1867: Amtsgericht Bischhausen (nach der Annexion durch Preußen), zweite Instanz Kreisgericht Kassel 1879: Amtsgericht Bischhausen erste Instanz (durch das Reichsjustizgesetze), zweite Instanz Landgericht Kassel 1932: Amtsgericht Sontra erste Instanz, zweite Instanz Landgericht Kassel 1957: Amtsgericht Eschwege, zweite Instanz Landgericht Kassel

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Hoheneiche 618 Einwohner. Darunter waren 3 (0,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 102 Einwohner unter 18 Jahren, 213 zwischen 18 und 49, 150 zwischen 50 und 64 und 150 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 276 Haushalten. Davon waren 75 Singlehaushalte, 99 Paare ohne Kinder und 81 Paare mit Kindern, sowie 21 Alleinerziehende und krinr Wohngemeinschaften. In 72 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 174 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung 1585: 50 Haushaltungen nach 1648: noch circa 30 Einwohner (Kriegsverwüstung) 1747: 46 Haushaltungen

Historische Religionszugehörigkeit mini|St. Martinskirche in Hoheneiche

Quelle: Historisches Ortslexikon • 1885: 354 evangelische (= 97,52 %), 9 katholische (= 2,48 %) Einwohner • 1961: 620 evangelische (= 80,73 %), 123 katholische (= 16,02 %) Einwohner

Religion

Kirchengebäude Die zunächst im romanischen Baustil errichtete Kapelle St. Martin wurde um 1300 zur Kirche erweitert und erhielt einen Chorturm. Im Dreißigjährigen Krieg fiel das Gotteshaus, neben weiteren Gebäuden im Ort, im Jahre 1637 einem Brand zum Opfer, den kroatische Truppen während eines Überfalls entfacht hatten. Beim Wiederaufbau entschloss man sich, den Turm mit einem Fachwerkgeschoss aufzustocken.

Bekenntniswechsel Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Pfarrzugehörigkeit In den Jahren 1585, 1872 und 1994 ist belegt, dass Hoheneiche ein Filialort von der Pfarrei Wichmannshausen ist.