Die über 8400 Japaner in Düsseldorf bilden die einzige Japantown Deutschlands. Düsseldorf ist zudem ein wichtiges Zentrum japanischer Wirtschaftsaktivitäten in Europa. In: Japan Forum. März 2002, S. 1–2.Wie kam so viel Japan nach Düsseldorf? auf duesseldorf.de, abgerufen am 3. Oktober 2020 Obwohl die Japaner als siebtgrößteAmt für Statistik und Wahlen, Landeshauptstadt Düsseldorf: Statistisches Jahrbuch. 105. Jahrgang, S. 67. ausländische Bevölkerungsgruppe eine kleine Minderheit bilden, prägen sie seit über 50 Jahren das Stadtbild und bereichern das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt. Die meisten in Düsseldorf lebenden Japaner wurden von ihren Arbeitgebern nach Deutschland entsandt und sind für wenige Jahre oder kurzfristige Einsätze in der Stadt. Es handelt sich überwiegend um gutbezahlte Spezialisten und Führungskräfte sowie deren Familienangehörige. Daneben studieren regelmäßig junge Japaner an der Musikhochschule oder der Kunstakademie. Im Jahr 2008 lebten laut Japanischem Generalkonsulat in Düsseldorf und den angrenzenden Gemeinden 8187 Japaner, davon 6548 innerhalb der städtischen Grenzen. auf der Website des Japanischen Generalkonsulats, 29. April 2010. Dies entspricht in Düsseldorf einem Anteil von 1,1 % an der Gesamtbevölkerung. mini|Tempelgarten des EKŌ-Hauses der japanischen Kultur e. V. 1993 in Düsseldorf-Niederkassel
Bedeutung der Japaner für Düsseldorf und Umland mini|Europazentrale von Renesas Electronics in Düsseldorf-Rath Im Jahr 2003 waren 228 japanische Unternehmen in Düsseldorf tätig, von denen 121 ihr Europa- oder Deutschlandhauptquartier in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt unterhielten. Während viele Banken, Handelsunternehmen und Dienstleister traditionell ihren Sitz in der Düsseldorfer Innenstadt nahmen, haben sich das produzierende Gewerbe und Vertriebsgesellschaften überwiegend in den linksrheinischen Umlandgemeinden niedergelassen. 2008 wurden im Großraum Düsseldorf 450 japanische Unternehmen gezählt, die 23.000 Arbeitsplätze bereitstelltenLandeshauptstadt Düsseldorf, Pressemitteilung 08011710_0160 vom 21. Januar 2008. und rund 33 Mrd. Euro umsetzten.Denisa Richters: Wie es die Japaner an den Rhein zog. In: Rheinische Post. 29. März 2008. Teilbereiche des Düsseldorfer Immobilienmarktes, insbesondere die linksrheinischen Stadtteile Oberkassel, Niederkassel und Lörick sind stark durch die Nachfrage japanischer Mietinteressenten geprägt. Da oftmals die Firmen die Wohnkosten für ihre Mitarbeiter übernehmen, werden von den Mietern hohe Mietpreise verlangt, die insgesamt das Preisniveau in den linksrheinischen Stadtteilen angehoben haben.
Geschichte mini|Japanisches Teehaus auf der Kunst- und Gartenbau-Ausstellung in Düsseldorf 1904 Vorgeschichte Erst mit dem Ende der Abschließungspolitik Japans Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Voraussetzungen für den Handel in größerem Umfang zwischen dem Inselstaat und Europa geschaffen. Am 1. Juli 1859 gründete der aus Düsseldorf stammende Kaufmann Louis Kniffler in Dejima das erste deutsche Handelshaus in Japan.Erich Zielke: Konsul Louis Kniffler – Der Pionier des deutschen Japanhandels. In: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte/Journal of Business History. 25. Jahrgang, Heft 1, 1980, S. 1–11, Verlag C.H. Beck, Edmund Spohr: Erste Deutsche in Japan 1639–1866. In: Düsseldorfer Jahrbuch. Band 80, Droste, Düsseldorf 2010, ISBN 978-3-7700-3060-6, S. 341. Kniffler wurde 1861 zum preußischen Vizekonsul in Nagasaki ernannt, nachdem als Folge der preußischen Ostasienexpedition das Königreich Preußen und Japan am 24. Januar 1861 einen Freundschafts- und Handelsvertrag abgeschlossen hatten. 1863 wurde Kniffler preußischer Konsul in Japan. 1865 kehrte Kniffler nach Düsseldorf zurück und eröffnete an der Goltsteinstraße 17 eine Niederlassung seines japanischen Handelshauses, welches 1870 das erste quellenmäßig belegte Japangeschäft der Siemens AG vermittelte.Toru Takenaka: Siemens in Japan. (= Zeitschrift für Unternehmensgeschichte. Beiheft 91). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-515-06462-1, S. 47.Kniffler zog 1884 an die Ratinger Straße 49, 1885 in die Goltsteinstraße 15. Nach dem Tod des Gründers 1888 wurde das Handelshaus nach Hamburg verlegt, wo es noch heute unter dem Namen C. Illies & Co. tätig ist. Hamburg entwickelte sich in dieser Zeit zum deutschen Zentrum des Ostasienhandels.
Der erste Aufenthalt von Japanern in Düsseldorf wird für den 17. Juli 1862 berichtet; an diesem Tag soll sich eine japanische Delegation unter Leitung von Yasunori Takeuchi, die aus 38 Personen der Tokugawa-Dynastie bestand und der auch der Gelehrte Yukichi Fukuzawa angehörte,Takeuchi- und Iwakura-Mission. In: nippon aktuell. Vol. 5, 2008, im Portal dus.emb-japan.go.jp, abgerufen am 8. September 2014. während einer Durchreise im früheren Bahnhof am heutigen Graf-Adolf-Platz mit Altbier erfrischt haben.Denisa Richters: Als die Japaner das Alt entdeckten. auf: rp-online.de, 30. November 2008, abgerufen am 16. November 2013. 1904 präsentierte sich Japan auf der Düsseldorfer Kunst- und GartenausstellungDer volle Name der Ausstellung war Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung und Große Gartenbau-Ausstellung. Siehe hierzu: Droste Verlag, Düsseldorf 2001, ISBN 3-7700-3045-1. mit einem japanischen Garten und Teehaus. Die dort tätigen Japanerinnen waren wahrscheinlich bis dahin die ersten japanischen Staatsbürger, die sich über einen längeren Zeitraum in der Stadt aufgehalten hatten. Erstmals wurde in der Stadt am Rhein ein japanisches Feuerwerk gezeigt.Benedikt Mauer: Düsseldorf–Japan. Eine Beziehungsgeschichte. Hrsg.: Landeshauptstadt Düsseldorf, Stadtarchiv. Düsseldorf 2011, S. 7. Offiziell wurde der erste Japaner in Düsseldorf 1905 registriert.Simone Utler: Ich träume auf Japanisch und denke auf Deutsch. In: Spiegel online. 7. Januar 2011. Am 19. März 1931 wurde im Städtischen Kunstmuseum im Ehrenhof eine Ausstellung zeitgenössischer japanischer Maler im Beisein einer großen japanischen Delegation eröffnet.Benedikt Mauer: Düsseldorf–Japan Eine Beziehungsgeschichte. Hrsg.: Landeshauptstadt Düsseldorf, Stadtarchiv. Düsseldorf 2011, S. 8. Die Geschichte der japanischen Kolonie in Düsseldorf begann indes erst nach dem Zweiten Weltkrieg.
Ansiedlung erster japanischer Unternehmen In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg konzentrierten sich die japanischen Aktivitäten in Deutschland hauptsächlich in Berlin und Hamburg. Nach 1945 suchte das kriegszerstörte Japan für seinen Wiederaufbau nach Lieferanten für Stahl und chemische Erzeugnisse, die es u. a. im Ruhrgebiet fand. Düsseldorf, im Mittelpunkt der Schwerindustrien von Rhein und Ruhr gelegen, bot sich mit seinem Ruf als „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ als Standort für Handelsunternehmungen an. Ende 1951 ließ sich der erste japanische Geschäftsmann in der Landeshauptstadt nieder, im Februar 1952 waren es bereits drei. Am 2. Dezember 1955 registrierte die Düsseldorfer Gewerbeaufsicht als erste japanische Firma in Düsseldorf, eine Niederlassung des Generalhandelshaus Mitsubishi.Japan und Nordrhein-Westfalen: Ein Blick in Geschichte und Gegenwart. In: nippon aktuell. Vol. 5, 2008, herausgegeben vom Japanischen Generalkonsulat Düsseldorf, PDF-Datei, abgerufen am 16. November 2013. Bis 1960 folgten allmählich weitere Handelsunternehmen, vor allem aus Hamburg, da sie im Zuge der damaligen japanischen Industriepolitik dazu veranlasst waren, mithilfe von Technologieimporten ihr Exportgeschäft auf den Handel mit schwerindustriellen Erzeugnissen umzustrukturieren. Durch die Umzüge der Unternehmen und ihre steigende Anzahl wurde auch die Düsseldorfer Wirtschaftsförderung auf die japanischen Aktivitäten aufmerksam und begann, sich für eine gezielten Förderung des Japanstandortes einzusetzen. Ein Treffpunkt der Japaner der frühen Jahre war das heute nicht mehr existierende Lokal „Wolfsschlucht“ im Grafenberger Wald.Benedikt Mauer: Düsseldorf–Japan – Eine Beziehungsgeschichte. Hrsg.: Landeshauptstadt Düsseldorf, Stadtarchiv. Düsseldorf 2011, S. 10.
Wachstum des japanischen Bevölkerungsanteils mini|Deutsch-Japanisches Center an der Ecke Immermann-/Charlottenstraße 1962 eröffnete die JETRO eine Niederlassung Düsseldorf. Während im ersten Jahrzehnt vor allem die Beschaffung von Produkten der deutschen Schwerindustrie sowie Know-how-Transfer eine Rolle spielten, traten ab Mitte der 1960er Jahre Handelshäuser in Erscheinung, die japanische Produkte in Europa absetzen wollten. Im Laufe dieses Jahrzehnts vervierfachte sich die japanische Gemeinde in Düsseldorf auf rund 1000 Personen. In dieser Zeit entstanden die ersten Elemente einer japanischen Infrastruktur in der Stadt. Bereits 1964 eröffnete das erste japanische Restaurant namens Nippon-Kan, dessen Errichtung vom ehemaligen Premierminister Japans, Nobusuke Kishi initiiert wurde. Im selben Jahr wurde der Japanische Club gegründet; ein Jahr später folgte das Japanische Generalkonsulat und 1966 die Japanische Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf. Mit der Eröffnung der Japanischen Schule 1971 wurde der Standort Düsseldorf für japanische Unternehmen noch attraktiver. Zahlreiche Unternehmen nahmen die Eröffnung der Schule zum Anlass ihre deutschen und/oder europäischen Niederlassungen und Zentralen nach Düsseldorf zu verlegen. Damit hatte die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt den bis dahin schwelenden Standortwettstreit um die Japaner mit Hamburg für sich entschieden. 1974 eröffnete mit „Takagi Shoten“ die erste japanische Buchhandlung Europas in Düsseldorf.Marion Seele-Leichert: In Düsseldorf begann der Siegeszug der Mangas. In: Westdeutsche Zeitung. 25. Oktober 2010, Ausgabe Düsseldorf Ab 1972 bis 1978 wurde das Deutsch-Japanische Center an der Immermann- und Charlottenstraße gebaut. Das vom Architekturbüro HPP geplante und von der Takenaka Corporation errichtete Gebäude wurde zum Mittelpunkt der japanischen Business-Community in Düsseldorf. 1975 berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel über eine „Invasion japanischer Wirtschaftsunternehmen“ in Düsseldorf, „die den Europa-Export ankurbeln und wegen der Krise im eigenen Land mit deutschen Unternehmen kooperieren wollen.“ Die Japaner hätten es sich in „ihrem europäischen Hauptstützpunkt Düsseldorf, dem nach New York zweitgrößten, heimisch gemacht.“ Die Unternehmen brachten eine große Zahl von japanischen Arbeitskräften nach Düsseldorf, auch weil viele Firmen Arbeitskräften mit japanischer Arbeitsmoral den Vorzug gaben.Japan-Handel: Typisches Gewächs. In: Spiegel online. 24. Februar 1975, abgerufen am 8. September 2014. Bis Ende der 1980er Jahre hatte sich ein breites Spektrum von japanischen Dienstleistern, Gastronomen und Einzelhandelsbetrieben in Düsseldorf herausgebildet. Erst die Anfang der 1990er Jahre in Japan einsetzende Wirtschaftskrise beendete vorläufig das stete Wachstum der japanischen Gemeinschaft. Anlässlich der Japanwochen 1993 besuchte das japanische Kaiserpaar Akihito und Michiko die Landeshauptstadt. Am 15. Juni 2005 unterzeichneten der Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin und die Gouverneurin der Präfektur Chiba, Akiko Domoto eine Partnerschaftserklärung mit der Absicht einen Austausch in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur sowie einer Zusammenarbeit im Gesundheitswesen und Biotechnologie zu intensivieren.Benedikt Mauer: Düsseldorf–Japan Eine Beziehungsgeschichte. Hrsg.: Landeshauptstadt Düsseldorf, Stadtarchiv. Düsseldorf 2011, S. 16. Seit 2006 verzeichnet die japanische Gemeinde wieder steigende Zahlen.
Japanisches Geschäftsviertel mini|Zweisprachiges Straßenschild an der Immermannstraße mini|Japanischer Supermarkt