mini|Peter Hill Beard, vor 2008 Peter Hill Beard (* 22. Januar 1938 in New York City; † 31. März oder im April 2020Peter Beard ist tot. In: Spiegel Online, 20. April 2020. Abgerufen am 20. April 2020 (genauer: vermisst bereits seit dem 31. März 2020). bei Montauk) war ein US-amerikanischer Fotograf, Künstler und Autor, der besonders durch seine Wildtierfotografien bekannt wurde.
Leben Peter Beard studierte von 1957 bis 1961 Kunst bei Josef Albers an der Yale University in New Haven. Er kam aus einer reichen Familie – sein Urgroßvater James Jerome Hill war der Gründer der Great Northern Eisenbahngesellschaft – und konnte sich ein Leben in der Jetset-Gesellschaft leisten; so war er zum Beispiel befreundet mit Truman Capote, der 1972 mit ihm im Auftrag von Jann Wenner die USA-Tournee der Band The Rolling Stones dokumentieren sollte,Marc Spitz: Jagger. Rebel, Rock Star, Ramble, Rogue. 2011 (Gewidmet Brendan Mullen). Deutsch: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Amerikanischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 183–187. und häufig mit Bianca Jagger oder Caroline Lee Radziwill, der Schwester von Jacqueline Kennedy Onassis, zu sehen.
Er wurde bekannt durch seine Afrika-Bildserien und seine Porträt-Fotos, unter anderem machte er Aufnahmen von David Bowie, Mick Jagger, Veruschka Gräfin von Lehndorff, Iman und dem irischen Maler Francis Bacon, für den er selbst wiederum einige Male Modell stand. Als Modefotograf arbeitete er für die Zeitschrift Vogue.
Beard war mehrmals verheiratet und unternahm zahlreiche abenteuerliche Reisen durch Afrika, unter anderem fotografierte er in den Jahren 1971/1972 systematisch die sterbenden und toten Elefanten. Die mit ihm befreundete dänische Schriftstellerin und Afrika-Kennerin Karen Blixen ermutigte ihn, seine aufrüttelnden Fotoarbeiten über den Kontinent weiterzuverfolgen. In ihrer Nachbarschaft errichtete er 1961 in Kenia seine Hog Ranch und blieb insgesamt 23 Jahre in Afrika.
Er schrieb seit seiner Jugend Tagebuch; es sind mit Zeichnungen versehene und vollgeklebte Buchcollagen. Auf ähnliche Weise gab er auch seinen Aufnahmen besondere Ausdruckskraft, indem er sie mit Tierblut und Bildern, mit Zeitungsauszügen und Geschichten erweiterte.
Zuletzt lebte Beard in New York City. Er wurde am 19. April 2020 im Camp Hero State Park, einem Naturschutzgebiet bei Montauk, tot aufgefunden, nachdem er drei Wochen vermisst worden war. Über die Todesursache ist nichts bekannt. Er hinterließ seine Ehefrau Nejma und seine Tochter Zara, für die er 2004 das Buch Zara’s Tales verfasst hatte.
„Die letzte Jagd“ In Afrika fand Peter Beard das zentrale Thema seines Lebens, die Vernichtung der natürlichen Tierwelt durch Mensch und Zivilisation. Sein wichtigstes Werk ist sein vielfach aufgelegter und „mittlerweile zum Klassiker gewordener Bildband“ The End of the Game (in Deutschland und der Schweiz unter dem Titel Die letzte Jagd erschienen), der 2008 in einer überarbeiteten Fassung weltweit Hong Kong, Köln, London, Los Angeles, Madrid, Paris, Tokyo (in vier Sprachen und entsprechend unterschiedlichen ISBN) bei Taschen mit einem Vorwort des Reiseschriftstellers Paul Theroux herauskam. Das Buch verursachte bei seinem Erscheinen 1965 einen Skandal, denn „die Grausamkeit der Fotografien legte Erschütterndes offen. Elefantenkadaver senken sich wie Narben in den afrikanischen Boden, gigantische Skelettberge bleichen in der Sonne, abgezogene Zebrafelle breiten sich bis zum Horizont aus, obenauf hockt stolz der weiße Jäger“.
Afrikas Geschichte wird hier in sechs Kapiteln dargestellt, unter anderem mit Texten über den Eisenbahnbau in Ostafrika, Beards Elefanten- und Nilpferd-Bestandsstudien, mit Zeichnungen sowie altem Bildmaterial, wobei er mit seinem Buch eine Mission verfolgt: „Er will das menschliche Verhalten in einer vormals funktionierenden, ganzheitlichen Welt offen legen […] Beard zeigt den Kontinent in seiner gewaltigen Dynamik, die, einmal gestört, in die Katastrophe mündet.“ Das letzte Kapitel trägt die Überschrift „Ohne Furcht und Hoffnung stirbt das Tier“ und zeigt ausschließlich Bilder, die vom tragischen Massensterben der Elefanten und der Zerstörung ihres Lebensraums handeln, zum Beispiel Bäume, die von den hungernden Tieren völlig kahl gefressen wurden.
Zitat
Ausstellungen Einzelausstellungen 1993: Seibu Museum, Tokio 1999: KunstHausWien 2000: Galeries Lafayette, Paris 2001: The Andy Warhol Museum, Pittsburg, USA 2003: Galerie Kamel Mennour, Paris 2004/05: Fahey/Klein Gallery, Los Angeles, USA. 2006: Galerie Camera Work, Berlin 2006/07: Michael Hoppen Gallery, London
Gruppenausstellungen 2002: Vincent van Gogh Foundation, Arles, Frankreich 2004: La Triennale di Milano, Mailand 2004: The Minneapolis Institute of Art, Minneapolis, USA
Publikationen The End of the Game. The Last Word from Paradise. Taschen, Köln 2008, ISBN 978-3-8365-0531-4. in englischer Sprache: The End of the Game. Taschen, Hong Kong/Köln etc. 2015, ISBN 978-3-8365-5547-0. Peter Beard. Art Edition. Taschen America, 2006, ISBN 978-3-8228-2606-5. Zara's Tales. From Hog Ranch. Alfred A. Knopf, New York 2004, ISBN 978-0-679-42659-2. Peter Beard. Stern. Nr. 26. Spezial. Fotografie. Gruner und Jahr, Hamburg 2002, ISBN 3-570-19317-9. Kunstwerke in Stahl. Meisterstücke amerikanischer Graveure und Büchsenmacher. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-02077-7. Das Gesetz der Prärie. Die Waffen des Wilden Westens. Text von R. L. Wilson, Fotografien von Peter Beard. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-613-01634-6. Tod der Wildnis. Nachruf auf ein Paradies. Rogner und Bernhard, München 1978, ISBN 3-8077-0099-4. Longing for Darkness. Kamante's Tales from Out of Africa. Harcourt Brace and Jovanovich, New York/London 1975, ISBN 0-15-153080-7. Die letzte Jagd. Bucher, Luzern/Frankfurt am Main 1965.
Literatur Gesine Hindemith: Der in Tierblut getränkte Kontinent. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 4. August 2008. Robert Nixon: Talk to the Animals. In: The New York Times vom 5. Dezember 2004. Jochen Siemens: Peter Beard – Der wilde Mann. stern.de am 5. Dezember 2001.
Weblinks
Website von Peter Beard Peter Beard bei Artnet (Bilder und Daten)
Peter Badge: Interview mit Peter Beard (Berlin, Oktober 1998)
Einzelnachweise
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